Schlagwort-Archive: lüge

selbstbefragung (121) – verzeihen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „verzeihen„.

  • wie gut können sie verzeihen? beschreiben sie.
  • was können sie überhaupt nicht verzeihen? warum?
  • wem konnten sie nie verzeihen?
  • wer sollte ihnen verzeihen? warum?
  • wie bitten sie um verzeihung? beschreiben sie.
  • ihre unverzeihlichste tat?
  • sollte man überhaupt verzeihen?
  • wie oft lügen sie am tag?
  • welches war ihr größter fehler?
  • können sie sich selbst verzeihen? warum?

selbstbefragung (41) – lüge

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „lüge„.

  • welches war ihre letzte lüge? war sie berechtigt oder überflüssig? beschreiben sie.
  • was glauben sie, wer sie in letzter zeit am meisten belogen hat? warum lassen sie sich das gefallen?
  • wann lügen sie in einer beziehung?
  • möchten sie immer die wahrheit wissen? begründen sie.
  • welche ihrer lügen hatte die kürzesten beine?
  • welche lüge haben sie vollständig in ihr leben integriert? keine? sind sie heilig gesprochen?
  • welche lüge werden sie nie akzeptieren? warum?
  • welcher mensch ist bis heute am ehrlichsten zu ihnen gewesen? sind sie ihm dankbar dafür?
  • welche lüge hat sie am meisten verletzt? beschreiben sie.
  • wie ehrlich sind sie sich selbst gegenüber?

biografisches schreiben und fehlverhalten

gern ausgeklammert bei der betrachtung der eigenen vergangenheit werden momente, in denen man sich nicht fair verhalten hat, eventuell sogar anderen menschen schadete. dabei kann wahrscheinlich jeder mensch in der kindheit anfangen, als er in der kita oder in der schule andere kinder hänselte, sie neckte oder vor anderen bloßstellte. es ist nicht neu, dass kinder ganz schön grausam sein können, und selten hat dieses unbeholfene einüben von sozialem verhalten jemand ausgelassen.

auf der zeitlinie des eigenen lebens lässt sich dieser gedanke weiter verfolgen. dabei fallen vielleicht die ersten partnerschaften ein, in denen man das gegenüber nicht besonders nett behandelt hat. oder man befand sich im konkurrenzkampf in der schule, in der ausbildung oder im studium. wie war das noch mal, als in der bibliothek die wichtigen stellen der lehrbücher geschwärzt wurden oder seiten rausgerissen (so etwas gibt es wirklich)?

dann gibt es da das thema klatsch und tratsch. wann hat man anvertraute geheimnisse ausgeplaudert oder über andere schlecht geredet? auch davor ist wahrscheinlich niemand gefeit. es gibt so viele lügen, die lang aufrechterhalten werden, um das gesicht nicht zu verlieren. im ersten moment würde wahrscheinlich jeder mensch von sich sagen, dass er sich so nie verhalten hat. im zweiten moment wird man erkennen, dass dies wohl die erste lüge ist.

es geht beim schreiben der eigenen lebensgeschichte und biografie natürlich nicht darum, in selbstgeißelung zu verfallen und letzte geheimnisse zu veröffentlichen. aber es kann bei genauerer betrachtung einem selbst offenbaren, dass vielleicht nicht alles so perfekt war, wie man es im ersten moment gern darstellen würde. dazu gehört natürlich auch die enttäuschung, von anderen nicht fair behandelt worden zu sein. aber vielleicht zeigen einem all die kleinen verfehlungen und verletzungen, wieweit das eigene leben auch dadurch beeinflusst wurde. und wie solche verhaltensweisen sich durch die „altersweisheit“verflüchtigt haben, da manche idealisierungen an stärke verloren haben.

biografisches schreiben und märchen der erwachsenen

es ist mal wieder ostern und man erinnert sich sicherlich daran, dass man als kind noch an den osterhasen, den weihnachtsmann oder das sandmännchen glaubte. das waren zeiten in dem leben eines jeden, in denen man darauf vertraute, dass das was erwachsene erzählen der realität entspricht. man hinterfragte noch nicht die geschichten, so fantastisch sie auch klangen.

zum einen sind diese geschichten von erwachsenen oft genug dazu verwendet worden erzieherische maßnahmen zu stützen und durchzudrücken (siehe nikolaus) oder die eigene verantwortung abzugeben (wenn das christkind nicht das brachte, was man sich gewünscht hatte, lag dies natürlich am christkind). zum anderen war die enthüllung, dass es diese figuren überhaupt nicht gibt, für alle kinder ein schock, da sie, meist noch nicht bewusst, feststellten, dass sie von den personen, denen sie am meisten vertrauten, angelogen wurden.

und doch sehnen sich viele in ihre naive zeit zurück, in der man noch an fantastische ereignisse glauben konnte. die entlarvung der eigenen eltern ist ein schmerzhafter prozess in jeder lebensgeschichte. Weiterlesen

biografisches schreiben und lebenslügen

jeder mensch hat seine geheimnisse, die niemand anderes kennt. daran ist nichts verwerfliches oder problematisches, nein sie sind teil der eigenen identität. schwieriger wird es aber mit so genannten „lebenslügen“. sie bedeuten, dass nach außen, anderen menschen gegenüber etwas vorgegaukelt wird, eventuell sogar sich selber gegenüber, was nicht der eigenen einstellung und manchen eigenen handlungen entspricht. lebenslügen sind oft gekoppelt an die doppelmoral.

beim biografischen, also der aufschlüsselung der eigenen lebensgeschichte, lässt es sich kaum vermeiden, mit seinen eigenen lebenslügen konfrontiert zu  werden. hier besteht zumindest die selten gelegenheit, sie sich vor augen zu führen und zu notieren. das bedeutet nicht, dass sie in die eigene biografie, die veröffentlicht oder anderen zugänglich gemacht werden soll, einfließen müssen. doch die chance, einmal genauer hinzuschauen, wo man anderen oder sich selbst unrecht getan hat, sollte nicht ungenutzt an einem vorüberziehen.

wenn man so etwas wie hier oben schreibt, muss man aufpassen, dass dies nicht nach einem generalverdacht klingt. menschen neigen nicht selten dazu, wenn sie einmal mit der suche nach „wahrheiten“ anfangen, gleich das kind mit dem bade auszuschütten. nicht jeder mensch trägt dinge mit sich herum, die unbedingt offen gelegt werden sollten. nicht überall versteckt sich eine lebenslüge. hier ist auch etwas toleranz sich selbst gegenüber gefordert. es gab im leben eines menschen viele gute gründe für das jeweilige verhalten. oder man rutschte in eine haltung, die man schwer vor sich aufrecht erhalten konnte, man vertrat sie aber weiter.

das biografische schreiben bietet in diesem moment die möglichkeit von ausführlichen analysen der gründe und aufschlüsselungen der haltungen. dies kann einem selber zugute kommen, indem man anderen eine begründung offerieren oder sich bei ihnen entschuldigen kann. dieser aspekt des biografischen schreibens ist eigentlich ein angenehmer, da er befreiende Wirkung haben kann. denn eines ist allen lebenslügen gemein, sie sind sehr anstrengend.

biografisches schreiben und lücken

man erinnert sich nicht an alles. beim versuch seine eigene lebensgeschichte aufzuschreiben, helfen zwar verschiedene vorgehensweisen, sich immer mehr ereignisse wieder ins gedächtnis zu rufen, doch es wird bei jedem menschen auch eine ganze menge lücken geben, an die man sich nicht mehr genau erinnern kann.

das fängt meist schon damit an, dass menschen sich an sehr verschiedene altersabschnitte in ihrer kindheit erinnern. manch einer kann sich bis ins früheste kindesalter zurückerinnern, manch andere nur an die schulzeit. bei den frühen erinnerungen ist sowieso vieles mit vorsicht zu genießen, da sich gern familienerzählungen mit eigenen erinnerungen vermischen.

auch andere erinnerungen können natürlich nicht mehr ganz der realität entsprechen, da das gehirn zwischenzeitlich gern die lücken, die vorhanden sind, mit fantasie oder erzähltem ausfüllt. anschließend wieder die trennung zu machen, was denn nun tatsächlich geschehen ist und was man sich „einbildet“ ist oft schwer, wenn zum beispiel keine tagebücher oder andere aufzeichnungen vorhanden sind. doch die umgangssprache bietet in diesem zusammenhang die lösung: „mut zur lücke„.

es wird sich mit großer wahrscheinlichkeit keine biografie lückenlos nachvollziehen lassen. es wird auch keine biografie ausschließlich „wahr“ sein. jede geschriebene lebensgeschichte wird auslassungen und zufügungen beinhalten. solang man sich nicht selber dazu antreibt, lügengeschichten wie münchhausen zu schreiben, tut dies dem ganzen werk keinen abbruch. denn das wichtigste ist sicherlich das gesamtbild. zumindest sollte man sich davor hüten, sich selbst dafür zu verurteilen, wenn man sich ob der informationen unsicher ist. das setzt nur unnötig unter druck. es ist eine idealisierung des menschen, zu glauben, man könne jede verdrängung auflösen und sich selber allem bewusst werden. verdrängung bedeutet auch selbstschutz. solang nicht geleugnet wird, zum beispiel in einer diktatur eine unrühmliche rolle eingenommen zu haben, ist alles nur menschlich.