Schlagwort-Archive: lust

biografisches schreiben und lust

wovon hier bisher noch nicht geschrieben wurde, was aber beim schreiben der eigenen lebensgeschichte, auch wenn man von beruf nicht domina oder callboy war, eine rolle spielt, oft jedoch ausgeblendet wird, ist die eigene sexualität, die eigene lust. hier ergeben sich große unterschiede zwischen den generationen, da der umgang mit lust und sex sich in den letzten jahrzehnten enorm verändert hat.

außerdem ist man zum glück inzwischen davon abgerückt, zu glauben, dass es im alter kein verlangen mehr gebe, ebenso wenig glaubt man noch, dass die ehe bedeutet, dass es nach ein paar jahren keine lust mehr geben kann. deshalb kann es für einen selber aufschlussreich sein, wieweit man seine lust gelebt hat oder konventionen einem einen strich durch die rechnung gemacht haben. vielleicht hat man ja auch erst später entdeckt, was alles möglich ist, als sich das gesellschaftliche klima weiter lockerte. oder man umging trickreich die muffigkeit früherer jahrzehnt, was generell nicht zu unterschätzen ist.

natürlich bleiben lust und sexualität ein heikles thema bei der veröffentlichung der eigenen lebensgeschichte oder biografie. man sollte sich gut überlegen, wie weit man sich preisgeben möchte, auf der anderen seite vermisst man in vielen biografien und autobiografien einen hinweis auf das leben an sich. es wird vielleicht noch von partnern und partnerinnen geschrieben, auch über liebe darf man sich ausufernd auslassen, nur nicht über das, was die menschen stark beschäftigt.

und wenn man dann für sich anfängt, ein resümee zu ziehen, könnte einem auffallen, wieviele der eigenen handlungen und der folgenden entwicklungen des eigenen lebens beeinflusst waren von lust und sex. Weiterlesen

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schreibidee (125)

lust ist ein begriff, der schon ausgesprochen lust auf mehr macht. wahrscheinlich liegt es am klang des wortes, dass so viele assoziationen und gedanken hervorgerufen werden und doch so selten danach gelebt wird. lust ist etwas subjektives und bedeutet für jeden menschen etwas anderes. um ein gefühl für die eigene lust zu bekommen, dient die schreibanregung dieses mal der animation zu „lust-geschichten„.

da lust so vielfältig verwendbar ist, angefangen bei der leselust, bis zu lüsternen begebenheiten, dient als einstieg ins schreiben über die lust ein cluster, das alle teilnehmerInnen der schreibgruppe zum thema „lust“ erstellen. anschließend werden gedanken zu einzelnen lustvollen momenten in halbseitige geschichtchen gefasst. diese werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.
nun ist es an den teilnehmerInnen, für sich die momentan vorrangige lust auszuwählen (kann sich dieses bedürfnis doch recht schnell ändern).

anschließend ist nach einem kurzen freewriting zur jeweils gewählten lust-variante, eine längere geschichte zu schreiben. die geschichten werden auch wieder in der schreibgruppe vorgetragen. es ist davon auszugehen, dass eine große bandbreite an lustvollen begebenheiten vorgestellt. nach diesem umfassenden überblick sollten alle teilnehmerInnen einen text verfassen, was für sie „lebenslust“ bedeutet. lebenslust ist eine viel umfassendere vorstellung von lustvollem leben, als die vorherige konzentration auf eine lust.
die jeweiligen lebenslust-konzepte werden sich gegenseitig vorgestellt. und zum abschluss ein text verfasst, was notwendig wäre, um diese lebenslust auch zu leben, wenn dies nicht schon geschieht. wenn teilnehmerInnen ihrem konzept folgen, können sie noch einmal in einem text beschreiben, worin der vorteil für sie darin liegt. diese texte werden nicht mehr vorgetragen, da sie zum abschluss ausschließlich der selbstreflexion dienen.

kreatives schreiben und gelegenheiten

wie bei vielen anderen dingen, die einem eigentlich sehr viel spaß machen, findet der mensch gern hinderungsgründe, weshalb er sie gerade jetzt nicht machen kann. die am häufigsten gesuchte ausrede ist die zeitknappheit. man hat leider keine zeit gefunden, seinem hobby oder seinen interessen nachzugehen. da ist die tägliche arbeit, da sind die kinder oder da sind die erledigungen, die im alltag gemacht werden müssen. faszinierend daran ist, dass sich für tätigkeiten, die wenig spaß machen, die auch nicht notwendig sind, beständig zeit zur verfügung steht.

oftmals entsteht der eindruck, dass mensch angst davor hat, genau das zu tun, das ihm viel lust bereiten würde. könnte er doch feststellen, dass er bis jetzt die eigenen interessen zu sehr ignoriert hat und sich endlich einmal etwas ändern muss.

das kreative schreiben betreffend kann sich diese aufschiebende haltung entweder darin zeigen, dass man sich nie für eine schreibgruppe anmeldet, obwohl man große lust dazu hätte, oder dass man auch für sich nie die zeit findet, zu schreiben. beinahe alle menschen, die regelmäßig schreiben oder kreativ schreiben, haben irgendwann die erfahrung gemacht, dass sie einfach einmal damit anfangen mussten, dann aber schwerlich wieder aufhören konnten (abgesehen von den schreibblockaden).

wahrscheinlich ist es die überwindung, die notwendig ist, sich dem zu widmen, das einem spaß macht. so zum beispiel zu entscheiden, nach dem aufstehen gleich „morgenseiten“ zu schreiben, regelmäßig tagebuch zu führen, sich endlich für eine gruppe anzumelden, die nur einmal die woche an einem abend stattfindet oder auch nur in einer viertel stunde pause ein kleines schreibspiel für sich zu machen. denn schaut man genau hin, stellt man fest, dass es immer wieder pausen gibt, die zeit für ein zehnminütiges freewriting bieten. und ist der erste schritt einmal gemacht finden sich weitere möglichkeiten und gelegenheiten.

warum dies tun? weil meist festzustellen ist, was man sich bis jetzt versagt hat und es ein angenehmes gefühl ist, etwas eigenes geschaffen zu haben. warum nicht heute damit beginnen?

kreatives schreiben und lust

viel zu selten wird hier dargestellt, wie viel spass und lust das entdecken der eigenen kreativität bereiten kann. das mag nun sehr euphorisch und edel klingen, aber vielen menschen wird erst, wenn sie sich einmal einer kreativen tätigkeit hingegeben haben, bewusst, wie wenig sie in ihrem alltag eigene ideen und fantasien einbringen können.

so bekommt das kreative schreiben einen beinahe körperlichen moment, da nach dem schöpfen aus dem eigenen ideenpool und der eigenen fantasie, eine form von erschöpfung eintritt, die zu spüren ist. doch die erschöpfung unterscheidet sich gravierend von dem gefühl nach getaner lohnarbeit müde und gestresst zu sein. der lustfaktor spielt bei kreativen prozessen eine wichtige rolle, was bedeutet, dass man sich nicht nur erschöpft sondern in gewisser weise auch befriedigt fühlt. womit das zu tun hat ist schwer zu ergründen. vielleicht mit dem gefühl, relativ nah bei sich selbst, also den eigenen bedürfnissen zu sein. oder auch nur mit dem gefühl, etwas ganz allein oder zusammen mit anderen geschaffen zu haben, das nicht vorgegeben und vorgeschrieben war.

und es spielt bestimmt auch die eigene überraschung, was sich aus kleinen aufgaben und schreibanregungen alles ergeben kann, eine rolle. denn vor einem kreativen schreibprozess lässt sich nie sagen, was eigentlich entstehen wird. die ideen und gedanken entstehen erst während des schreibens. dabei handelt es sich um eine vorgehensweise, die im alltag nicht gern gesehen ist. nämlich zu sagen, schauen wir doch einmal, was im laufe der zeit aus den vorgaben entsteht. heute wird alles strukturiert, geplant und gezeitet. das macht in vielen zusammenhängen sinn, da sonst die komplexe welt nicht ineinanderspielen könnte. und doch ist ein regelmäßiger ausbruch aus der sicher und starren welt, ein angenehmer versuch die anderen seiten der eigenen existenz zu erkunden.

das mag jetzt sehr edel klingen. doch erinnern sie sich einfach einmal an ihre entdeckungstouren und diversen spiele als kind. so ähnlich fühlt sich für viele der prozess des kreativen schreibens an. lust darauf bekommen?

schreibpädagogik und lust am schreiben

in den letzten beiträgen zur schreibpädagogik in diesem blog ging es immer wieder um mögliche konflikte und schwierigkeiten in schreibgruppen. es ist an der zeit, mal die andere seite zu zeigen. denn schreibgruppen bergen tolle chancen in sich.

einer der wichtigsten gründe für die teilnehmerInnen, eine schreibgruppe aufzusuchen, besteht sicherlich darin, andere menschen zu treffen, die auch große lust am schreiben haben. ist das schreiben eigener texte doch eine sehr interessante form, sich selbst auszudrücken. und einmal „blut geleckt“, lässt es sich schwer wieder aufgeben. es mögen zwar schreibblockaden dazwischen kommen, aber der drang schreiben zu wollen verschwindet bei vielen nie mehr vollständig.

gleichzeitig werden menschen, die gern schreiben, von ihrer umwelt nicht selten kritisch beäugt. das war hier schon einmal thema, als es darum ging, wieweit das ständige schreiben eine beziehung belasten kann. das kreative schreiben wird nicht selten in die schublade „kunst und kultur“ gesteckt. und das ist eine höchst verdächtige schublade in den augen vieler. auf der einen seite liest man zwar gern bücher, aber selber schreiben, da muss jemand nicht ausgelastet sein. es wird gern abwertend über das schreiben gesprochen, vielleicht auch, weil man es gern selber können möchte. ein hauch von neid kann mit im spiel sein.

der vorteil des kreativen schreibens besteht jedoch darin, dass alle, die lust haben, für sich einen weg und die entsprechenden techniken finden können, um ins schreiben reinzukommen. von außen betrachtet werden die möglichkeiten unterschätzt, welche fähigkeiten in diesem zusammenhang alle menschen besitzen. viele glauben nicht an ihre eigenen ideen. das kreative schreiben kann helfen, diese freizulegen und auf papier oder in den computer zu bringen. allein es fehlt die traute. hier kann nur empfohlen werden, einfach mal eine schreibgruppe aufzusuchen. es steht einem ja frei, wenn man merkt, dass es doch nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat, alles wieder sein zu lassen. doch der erste schritt wird gern selbst eingeschränkt, in dem glauben, die anderen, die in den schreibgruppen anwesend sind, seien sehr viel versierter. es braucht seine zeit, bis menschen erkennen, dass die ideen beim schreiben so verschieden sind, dass man gar nicht groß in konkurrenz zueinander treten muss. außerdem ist es ein sehr angenehmes gefühl, den eigenen bedürfnissen und der eigenen lust am schreiben zu folgen. und selbst wenn daraus nicht das erträumte schriftstellerInnen-leben wird, so kann es doch zu texten führen, die guten freundInnen gefallen oder dem eigenen urteil standhalten. allein dafür lohnt sich ein versuch.