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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (11)

zu wenig zeit

dem schreiben wird zu wenig zeit gegeben. betrachtet man sich unsere schulischen und hochschulischen ausbildungen, dann fällt eines auf: für mathematik, den damit verbundenen kaufmännischen, statistischen und methodologischen vorgehensweisen gibt es in allen ausbildungsgängen genug raum. doch für das schreiben, dem zweiten standbein unseres arbeitslebens und einer der grundlagen unserer kommunikation, wird vergleichsweise sehr wenig zeit zur verfügung gestellt.

es ist nicht nachvollziehbar, weshalb beim schreiben davon ausgegangen wird, dass es keine notwendigkeit des weiteren lernens gibt. besonders auffällig ist dies zum beispiel in den hochschulen, der wissenschaft und der forschung. studiengrundlage in beinahe allen fächern ist die statistik. doch kaum ein fach kommt auf die idee, das wissenschaftliche schreiben und recherchieren ebenso auf den plan zu setzen. hierzu würde gehören, wie man die angemessene literatur finden, wie man sinnvoll exzerpiert, wie man ansprechende präsentationen erstellt oder wie man abschlussarbeiten, forschungsberichte und hausarbeiten verständlich und schlüssig verfasst.

meist taucht die frage des schreibens für die lernenden erst dann auf, wenn es eigentlich zu spät ist. es wird sehr plötzlich und möglichst schnell versucht, sich die notwendigen weiteren schreibkompetenzen anzueignen. lehrende oder arbeitgeber wiederum sind entsetzt, was sie für texte von den lernenden erhalten. doch kaum jemand fordert bei uns, dass auch in fortführenden ausbildungen die weiterentwicklung des schreibens betrieben werden sollte. und wie geschrieben, im mathematisch-statistisch-kaufmännischen bereich ist es eine selbstverständlichkeit.

ich kann nur darüber spekulieren, weshalb dies so ist. eventuell liegt es daran, dass auch lehrende nie gelernt haben, dass schreiben gelernt werden kann. auch sie unterlagen der vorstellung „entweder man kann es oder man kann es nicht“. diese schlechte tradition geben leider viele weiter. machen sie doch einmal die probe aufs exempel und fragen sie ihre lehrenden nach hinweisen zum schreibstil. am besten fragen sie drei personen – und sie werden fünf antworten erhalten.

beim schreiben setzen viele voraus, dass der lernprozess mit der ausbildung an der schule ein für allemal abgeschlossen ist, und der rest nur noch feinheiten sind, die man sich selbst Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und coolness

wissenschaftliches schreiben ist eigentlich pure coolness. keine andere schreibform zeigt weniger emotionen im text, vielleicht noch gebrauchsanweisungen, doch selbst juristen schreiben lebhafter. aus dem wissenschaftlichen schreiben wurden emotionen verband, um eine wie auch immer geartete objektivität zu bewahren. es ist der glaube, dass eine gefühllose und subjektlose sprache die reinheit der wissenschaften bewahrt.

betrachtet man jedoch die forschungsfelder und studien, ergebnisse oder erkenntnisse genau, ist eigentlich das gegenteil der fall. in alle untersuchungen fließen auch die auffassungen der forschenden mit ein. das beginnt bei einem menschenbild, das grundlage ist für die vorstellungen, was neue erkenntnisse für uns seien. es geht weiter über das forschungssetting und die frage, welche aussagen sich aufgrund von statistischen erhebungen treffen lassen und geht bis zur frage, wie viel persönliche meinung in einen wissenschaftlichen text einfließen darf.

gerade die naturwissenschaften vermitteln, dass es möglich wäre in einem menschenungebundenen neutralen raum forschen zu können. was für ein trugschluss. und so werden alle forschenden zu einer angemessenen coolness angehalten, die ihnen gerade einmal im schlusskapitel die möglichkeit eröffnet, persönlich position zu beziehen. man kann dies auch anders und nicht weniger wissenschaftlich handhaben. wissenschaft hat einen gemeinsamen kleinsten nenner: meinungen und thesen müssen belegt oder widerlegt also begründet werden. das hat zur folge, dass die behauptung auch von anderen durch experimente, befragungen oder studien belegt und widerlegt werden kann, die begründung also wiederholt werden kann.

doch momentan haben wir eine gegenteilige entwicklung: da keine zusammenhänge mehr erfasst werden, keine emotionen mehr im spiel sind, sondern beinahe alles nur noch auf mathematikbasierte statistiken runtergebrochen wird, fehlt in vielen zusammenhängen die eigentlich begründung. coolness ist exakt der richtige ausdruck dafür. denn coole kommunikation lässt möglichst alles menschliche außen vor und führt zu handlungen, die keiner menschlichen logik mehr folgen. doch durch dauercoolness verlieren wird den kontakt Weiterlesen

web 2.89 – bbc-dimensions

vieles können wir uns nicht vorstellen. wir sehen es zwar im fernsehen und lesen es in der zeitung, aber die dimensionen der ausmaße von ereignissen sind schwer zu fassen. oder haben sie eine ahnung, was es bedeutet, wenn die fläche der jährlich zerstörten regenwälder in hektar angegeben wird? wenn ihnen jedoch jemand sagt, dass es sich dabei um eine fläche von xy fussballfeldern handelt, dann können sie ein wenig die dimension der zerstörung erfassen.

das sz-magazin hat gestern eine spannende homepage der bbc vorgestellt. es gibt bbc-dimensions, ein projekt, das zwei seiten enthält „howbigreally“ und „howmanyreally“. beide seiten zeigen an handfesten beispielen auf, wie zahlen zu verstehen sind. wie viel fläche würde zum beispiel der mond verdecken, wenn er auf die erde fällt? es ist erstaunlich wenig. ich dachte, das ding muss größer sein. oder wenn sie in einem bus sitzen – wie viele menschen in dem bus wären anteilig an pest erkrankt, wenn man die zahlen der damaligen erkrankten in london nimmt. eigentlich jeder zweite mensch. die pest raffte damals halb london dahin.

die webseiten bringen uns auf den boden der tatsachen zurück. wenn zum beipiel tschernobyl in texas gewesen wäre, über welche fläche der usa wäre die strahlenwolke hinweggezogen? über beinahe die gesamte usa. auch wenn die daten oft mit britischen regionen oder städten verglichen werden, der blickwinkel ist ein grandioser und verständlicher. bei „howmanyreally“ kann man sogar eigene maßstäbe angeben, um diese ins verhältnis zu setzen. machen sie sich einfach mal ein bild von vielem unbegreiflichen – hier: http://www.howbigreally.com und http://www.howmanyreally.com . und dann verstehen wir eventuell wirklich, was es bedeutet, wenn alle paar sekunden ein mensch auf der welt verhungert.

schreibidee (131)

gerade habe ich ein interview mit jemandem gelesen, der versucht die welt in mathematische formeln zu packen. schon die filmreihe „matrix“ beschäftigte sich mit der frage, inwieweit die welt, die abläufe und das verhalten nicht auf mathematische rechnungen reduzieren lassen. zumindest suggeriert die entwicklung des computers diese vorstellung. die schreibanregung soll also in „weltformel-geschichten“ münden.

viele menschen stehen mit der mathematik auf kriegsfuss. deshalb sollte als einstieg ein cluster zum begriff „mathematik“ erstellt werden und daraus ein 1-seitiger text entstehen. anschließend ist eine 30-wort-assoziation zu der frage „was ist realität“ zu erstellen, um nun eine kurze geschichte zu verfassen. diese beiden texte werden von den teilnehmerInnen in der schreibgruppe vorgestellt. dadurch können alle noch einmal zusätzliche anregungen erhalten.

jetzt sind stichworte zu notieren, was passieren würde, wenn man selber die weltformel finden würde und damit die gesamte welt, ihre entstehung und die entwicklung, das verhalten des menschen erklären zu können. wäre dies ein positiver oder ein negativer zustand? was bedeutet dies für das zusammenleben, würden forscher daran arbeiten, den menschen neu zu programmieren? könnten wir hinter den vorhang unserer wahrnehmung schauen und plötzlich die welt ganz anders sehen?

viele weitere fragen können eine anregung für die assoziationen und ideen geben. begibt sich zum beispiel die mathematik in esoterische gefilde und erhält sie plötzlich eine gesellschaftstheoretische, philosophische note? weitere überlegungen können von den leiterInnen der schreibgruppen gegeben werden. anschließend ist eine längere geschichte zur weltformel zu verfassen, die in der gruppe vorgelesen wird.

schnickschnack (15)

das internet ist eine riesige ansammlung von daten. wem die hier vorgeschlagenen orte mit diversen datenbanken noch nicht genügen, dem kann ich noch zwei weitere vorschläge machen. die ganz anders sind, als die anderen und viel zusätzliches wissen anbieten. was das mit schreibpädagogik zu tun hat? nicht so viel, aber hilfreich bei recherchen können die folgenden zwei datenpools sehr wohl sein.

zum einen handelt es sich um die internetsuche über „dmoz„. dies ist eine Katalogsystem, das sich ähnlich gestaltet, wie früher die älteren suchmöglichkeiten im internet. der katalog, erstellt von open-source-mitarbeiterInnen hat einen hierarchischen aufbau und unterscheidet sich von den tag-clouds wie tag und nacht. so wählt man zum beispiel als erstes die sprache, dann die erste kategorie, die sich wieder aufsplittet in viele verschieden weitere kategorien und so weiter. dadurch, dass die einträge alle von den mitarbeitern geprüft werden, ist die gefahr, hier auf fake-seiten oder spam zu treffen sehr gering. außerdem kann übrigens jeder beantragen, dass seine eigene homepage in den katalog aufgenommen wird. leider gibt es die kategorie schreibpädagogik noch nicht. die seite ist hier zu finden: http://www.dmoz.org/World/Deutsch/

die andere seite von „arxiv“ stellt seit über 10 jahren hochwissenschaftliche texte zur verfügung, die nicht in „nature“ oder „science“ veröffentlicht wurden. man kann sich alle texte als pdf-dateien herunterladen und in ruhe lesen. leider sind alle in englisch und die suchfunktion ist nicht besonders intuitiv. doch wenn man ein bisschen rumprobiert hat findet man reichlich informationen aus den bereichen physik, mathematik, informatik, computer und dergleichen. sie ist zu finden unter: http://de.arxiv.org/