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nabelschau (58)

meine tv-zeitschrift versteht mich nicht mehr. es gibt momente, in denen zweifelt man an der welt. sie kommen unverhofft, sie tauchen schnell auf und manchmal verschwinden sie dann auch ganz schnell wieder. doch der moment, in dem meine tv-zeitschrift abdriftete begann mit der letzten ausgabe und hört bis jetzt nicht auf.

es kann vorkommen, dass man zwischen den jahren, an den feiertagen viel arbeiten und tun muss. es ist anstrengend, es ist müde machend, es macht spass. und wenn man dann das tagwerk vollbracht hat, dann möchte man nur noch auf das sofa fallen und vielleicht einen hübschen krimi sehen. also schlägt man die zeitschrift auf, die einem bis jetzt ganz gute tipps gegeben hat.

einen gewissen anspruch hatten die kritiker der tv-zeitschrift immer. so bleibt ihnen zwischen den jahren und den ganzen schmonzetten, die in dieser zeit laufen, nicht viel übrig, als das meiste gesendete nicht zu empfehlen. doch da gab es eine krimireihe, die in gotland spielte und die durch die bank schlecht bewertet wurde. also ließ man die finger die davon. und dann gab es einen tipp des tages, eine mankell-verfilmung von drei stunden. das versuchte man sich anzuschauen.

unglaublich, was das für ein käse war. deutsche und österreicher drehen einen krimi, der hauptsächlich in schweden spielt. laut meiner tv-zeitschrift bleibe man an dem film dran, auch wenn er ein wenig holprig ist. ich blieb nur dran, weil ich dachte, das wird jetzt noch besser. wurde es nicht. wenn schweden mit österreichischem slang sprechen, wenn eine verfolgung in die länge gedehnt wird, wenn der hintergrund des gemetzels schon nach der ersten rückblende klar ist, aber noch 20 rückblenden der gleichen Weiterlesen

schnickschnack (99)

nächstes jahr ist es wieder so weit: die 13te documenta findet statt. erstaunlicherweise funktioniert das konzept einer großen ausstellung von zeitgenössischer kunst alle fünf jahre. noch spannender wird sie dadurch, dass jedes jahr jemand anderes als künstlerische leiterin oder künstlerischen leiter für die inhalte und den aufbau der ausstellung zuständig ist. dieses jahr ist es carolyn christov-bakargiev.

so entsteht eine mehrjährige „lücke“ zwischen den ausstellungen, die der vorbereitung der nächsten ausstellung dient. in der nähe von kassel lebende menschen konnten zwischen den großen events oft an den vorbereitungen durch vorträge, umbauten oder zwischenschauen teilhaben, doch andere menschen bekamen höchstens ein wenig in den feuilletons mit. da sei inzwischen das internet davor.

es gibt eine jetzt schon prall gefüllte homepage der nächsten documenta. da werden seit dem märz dieses jahres broschüren mit vorbereitenden texten und anderen arbeiten veröffentlicht. insgesamt bis zur eröffnung wohl 100 verschiedene broschüren. zudem finden sich viele links, texte und sogar eine bibliographie zu den vorbereitungen auf der seite. wenn man darüber schaut, dann kann man feststellen, dass im vorfeld der nächsten documenta ein philosopisch-künstlerisch-sozialwissenschaftlicher diskurs angeregt werden soll. viel dreht sich um die funktion der digitalen welt, aber auch der sprache, des schreibens, der kommunikation. ein spannender mix aus nicht allzu neuem und ganz neuem. die kombination stellt die basis eines kreativen ergebnisses dar. schmökern lohnt sich. und die zeit zwischen den documentas erscheint nicht gar so lang.

zu finden ist die webseite unter: http://d13.documenta.de/de/

nabelschau (41)

Digitaler Diskurs. Das liebe alte Internet. Es wächst und wächst und sammelt und sammelt. Die Suchmaschinen kommen kaum hinterher. Wer etwas auf sich hält, der hat seinen eigenen Internetauftritt. Der twittert seine Gedanken und Erlebnisse. Der hat ein schickes Profil bei facebook, schaut noch einmal kurz bei gayromeo rein und bestellt seine Bücher sowieso nur noch bei amazon. Serien und Filme schaut man sich auf Abruf an, Musiksender stellt man sich selber zusammen, Bilder veröffentlicht man auf diversen Plattformen und dann legt man seine Daten sowieso beim Cloud-Computing außerhalb der eigenen Festplatte ab.

Doch seitdem das Internet existiert, diskutiert ein Teil der Gesellschaft, wie sehr diese technische Neuerung unser Leben verändert. Ja, in den Augen mancher Kulturkritiker, wie sehr es uns zum Negativen verändert. Da kommen in regelmäßigen Abständen die Mahnungen zum Vorschein, junge Menschen würden das Lesen verlernen, sie könnten nicht mehr bei der Sache bleiben. Ältere Menschen wären mit dem digitalen Brei restlos überfordert und unsere abendländische Kultur wäre bedroht.

Jain, stimmt und stimmt auch nicht. Vor allen Dingen springt ins Auge, dass der Diskurs schräg geführt wird. Ganze Generationen von Nerds sind schon längst davon galoppiert, und die Kreativen binden Computer und Internet ohne Hemmungen in ihr Alltagsleben ein. Mutti und Vati buchen ihre Reise am Computer, ihre Kinder bloggen aus dem Ausland, wo sie gerade einen Studienaufenthalt absolvieren. Bahnticketkauf, Steuererklärungen und Sperrmüll-Auktionen laufen in vielen Haushalten digital nebenher. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Diskurs um das digitale Leben zu spät kommt. Und er ähnelt in vielen Aussagen der Diskussion um den Fernseher, als er neu eingeführt wurde.

Doch eine gehaltvolle Diskussion um die Veränderungen durch eine Digitalisierung des Alltags und des Denkens bleibt weiterhin notwendig, aber bitte nicht unter diesen kulturpessimistischen Vorzeichen. Das Abendland wird durch das Internet nicht untergehen. Es sieht eher anders aus: Positive Ideen verbreiten sich ebenso schnell um die Welt, wie negative Ereignisse. Angst macht das Netz vor allen Dingen denjenigen, die sich bisher in ungerechten Machtpositionen befanden. Darum wird auch immer wieder der Schalter umgelegt, der die weltweite Vernetzung unterbindet. Es wird versucht diese riesige Diskussionsplattform in den Griff zu bekommen.

Beim Medium Fernsehen war dies alles noch viel einfacher. Da konnte der Diskurs über die Wirkung der einseitigen Berieselung auch gern zeitverzögert kommen. Und das Medium konnte man leicht in den Griff bekommen, für Propaganda-Zwecke nutzen. Ein paar Piratensender behaupteten sich vor allen Dingen auf Radiofrequenzen, aber deren Zahl war verschwindend gering. Es erschloss sich ein gigantischer Markt. Das Internet macht es da viel schwerer. Inzwischen kann jeder senden, wenn er möchte und einen neueren Computer besitzt. Was heute diskutiert wird, ist schon vor zwei Jahren megaout gewesen. Die Menschheit vernetzt sich abseits der üblichen Trampelpfade, ständig entwickeln sich neue Trampelpfade.

Man kann das Ganze einfach nur spannend finden. Es zeigt sich, dass viele selbstregulative Mechanismen im Zusammenleben der Menschen greifen. Nur da, wo vehement versucht wird, ausschließlich „Gutes“ zu zu lassen, da geht der Versuch schnell nach hinten los. Das Internet und Web 2.0 ist unmoralisch, so unmoralisch wie unsere Gesellschaften. Es ist nur Abbild der Lebensumstände und es führt uns täglich vor Augen, wie wir leben. Wir kommunizieren immer visueller. Das ist nicht automatisch negativ, es ist nur anders. Hier wäre es an der Zeit, zu schauen, welche großen Chancen das Internet bietet. Erstaunlicherweise bringen eher einzelne Menschen die qualitativ hochwertigen Produkte ins Internet und nicht die großen geldgesteuerten Konglomerate. Das Internet ist gleichzeitig gigantisch und unglaublich kleinteilig. Jeder kann seine Nische finden, etwas, was in früheren Gesellschaftsformen gar nicht möglich war. Und so lang die Nische nicht sanktioniert wird, so lang kann das viel Wissen vermitteln, so lang ist der Diskurs im Internet schon viel weiter als der Diskurs außerhalb des Internets. Also: Schluss mit dem Gejammer über die Bedrohung durch die digitale Welt. Jeder möge die Virtualität so nutzen, damit sie die reale Welt ein bisschen besser macht. Doch dazu muss man sie auch wirklich nutzen! Und man muss sich die Freiheit nehmen, zu entscheiden, mit was man sich auseinandersetzen möchte. Darum bleibt die wichtigste Forderung, dass die Suchmaschinen frei sein und bleiben müssen.

die transmediale.11 startet am 01. februar in berlin

der technische und digitale fortschritt ist kaum aufzuhalten. geht man nur fünf jahre zurück, gab es weder twitter noch interessierte sich jemand groß für facebook. die menschen beschäftigten sich mit virtuellen welten, lebten aber nur zum kleinen teil in ihnen. heute bewegen sich milliarden in diesen welten. und heute werden abermilliarden datensätze gespeichert. alle intensiven nutzerInnen der digitalen welt sind zu herausgeberInnen, layouterInnen, programmiererInnen und wahrscheinlich im weitesten sinne künstlerInnen geworden.

unter dem motto „response: ability“ (irgendwas wie „erwiderung: befähigung“) startet am nächsten dienstag, den 01ten februar die „transmediale.11“ (http://www.transmediale.de) in berlin. die veranstaltung bietet raum für diskussionen rund um die digitale zukunft, um die sozialen auswirkungen und um die kreativen möglichkeiten der digitalisierung. sie wird begleitet von der „clubtransmediale.11“ (http://www.clubtransmediale.de). die clubtransmediale ist ein raum für musik, perfomances und kreatives im digitalen kontext. also diskurs und kultur zur gleichen zeit.

wie schon die beiden parallelen veranstaltungen zeigen, geht es vor allen dingen um die verschränkung des virtuellen mit dem realen, um die fragen nach zukünftigen entwicklungen und trends und um die teils politischen antworten auf die vielen fragen. die transmediale begann einmal als ein kleines treffen von computerfreaks und ist inzwischen eine großveranstaltung von freundInnen des digitalen (natürlich mit kritischem blickwinkel). viele veranstaltungen können besucht, im netz gesehen oder gehört werden und sie können nachgelesen werden. zur untermalung dann noch ein paar kulturelle events mit neuen medien und schon taucht man in eine neue welt ab. mal sehen, wo sich diese welt befindet.

web 2.0 und … – übersicht bis 12.01.11

es gab in den letzten jahren eine menge posts zum thema „web 2.0 und …“ . wenn die überschrift „web 2.0 und begriff“ genau in diesem wortlaut in die suchfunktion des blogs eingegeben wird (also mit dem „und“ ausgeschrieben), kann das post noch einmal gelesen werden. dies waren die themen und begriffe der letzten 2 3/4 Jahre:

25 jahre e-mail – auswirkungen – autokorrektur – benotungen – bewertung von ärztinnen – bilderflut – cloud computing – content management system – copyright – das gehirn – das ist erst der anfang – datenschutzbericht – denunziation – der buchmarkt – die „generation google“ – die herrschaft des marktes – domain-namen – ehrlichkeit – eltern und kinder – erscheinungsbild – europa – europeana – exhibitionismus und voyeurismus – freie schreibe – freiheit der kommunikation – gafferei – geschäftsbedingungen – gesichter und häuser – globalisierung der affekte – googlization – handarbeiten – handschrift – internet-online-kurse – kinder und jugendliche – kontrollierbarkeit – kreatives schreiben – lesen – macht – olympia und zensur – olympia und zensur (2) – philosophie – politik – politik-netzpolitik.org – prêt-à-porter – regulation – schreiben – schulunterricht – selbsthilfe – sexting – sexualität – sicherheit – soziale netzwerke – spiel – standortbestimmung – stellensuche – sucht – texte veröffentlichen – transparenz – überforderung – unübersichtlichkeit (teil 1 und 2 – nicht mit eingeben) – urheberrecht – us-wahl – veraltete blogs – verhältnismässigkeit – virtuelle festplatten – vorgelesene literatur – wahlkampf – werbung – wirkung – wirtschaft in „brand eins“ – wissenschaft – wissenspool – zugang

dabei handelt es sich um ca. 70 posts, die sich mit den möglichkeiten und den funktionen des web 2.0 auseinandersetzen. in den posts werden vor allen dingen aktuelle diskussionen über das internet aufgegriffen. es werden aber auch möglichkeiten der nutzung des web 2.0 thematisiert und ein kritischer blick auf die funktionen geworfen. da wir gerade mal am anfang einer digitalisierten welt stehen, wird das thema im blog garantiert weiter behandelt.

schreibpädagogik und fernsehen

da der fernseher eines der weiterhin bestimmenden medien ist, kann er ins schreibgruppen auch gut als anregung verwendet werden. dies ist in vielfältiger weise möglich.

zum einen kann einfach nur hintergrundinformation gegeben werden. wenn man zum beispiel verschiedene stilrichtungen des schreibens anwendet, dann gab es eventuell einmal eine dokumentation über das schreiben im romantischen zeitalter oder über einzelne schriftstellerInnen. diese dokumentationen kann man als intro eines gruppentreffens oder zum abschluss zeigen. beim biografischen schreiben bieten sich manche historischen dokumentationen regelrecht an.

aber es kann auch, wie bei dem eben vorgestellten schreibspiel, der fernseher verwendet werden um stilanregungen zu geben. die verwendung der sprache in der sendung als vorgabe für das weitere schreiben. hier muss man keine collagen und spiele machen, vielleicht genügt auch nur eine sendung als anregung. für das journalistische schreiben könnte sich zum beispiel der vergleich der nachrichtenmeldungen auf verschiedenen kanälen eigenen. wie werden diese nachrichten moderiert, wie sind sie abgefasst, welcher unterschied zeigt sich?

ebenso kann der fernseher als pure schreibanregung verwendet werden. ist das wetter zum beispiel schlecht und es ist kalt, so dass man sich ungern auf plätze setzt und menschen beobachtet, um charaktere zu entwickeln, dann bietet der fernseher eine alternative. die gruppenteilnehmerInnen betrachten die verschiedenen mitarbeiter der tv-shopping-kanäle und entwerfen deren lebensgeschichten. oder man schaut eine serienfolge und entwirft anschließend einen eigenen plot.

dann gibt es noch die experimentalfilme, Weiterlesen

biografisches schreiben und fernsehen

die digitale revolution verändert unser leben. aber davor war das fernsehen. das medium fernsehen vollzog seinen siegeszug durch die gesellschaften noch schneller als das radio. dabei war das radio schon schneller als die zeitungen. jedesmal wurde diskutiert, dass das eine medium das andere medium verdrängt und dieses zur verarmung des sozialen austausches führt. jedesmal hat sich dies nicht bewahrheitet. dass teilweise niveaulose kost durch die glotze rauscht, scheint andere gesellschaftliche ursachen zu haben.

so ist inzwischen auch beinahe jeder mensch mit einem fernseher im hintergrund, mit den samstagabenshows, mit dem wort zum sonntag oder mit der tagesschau aufgewachsen. das gesehene wurde zum tagesgespräch, die einschaltquoten der meist drei staatlichen sender waren enorm. das fernsehen klärte auf, führte debatten, bildete den alltag ab oder holte die weltereignisse ins wohnzimmer. da wäre es verwunderlich, wenn der umgang mit dem medium keinen einfluss auf die lebensgeschichte, die eigene biografie gehabt hätte. das fernsehen bot neben dem buch, die möglichkeit dem alltag zu entfliehen, es bot aber ebenso die möglichkeit gesellschaftliche proteste abzubilden und zum eigenen protest anzuregen. das fernsehen war ruhiger und es war politischer.

die treffen gleichaltriger wenden sich in den gesprächen gern den nostalgischen erinnerungen an „daktari“, „pipi langstrumpf“, den „tschechischen märchen“ oder „mondbasis alpha 1“. vor vierzig jahren sind die ersten generationen mit der „sesamstraße“ aufgewachsen. oder vor ungefähr dreissig jahren saß die halbe nation vor der serie „holocaust“, um abermals das dritte reich zu verstehen. gern schaltete sich auch der bayerische rundfunk aus dem gemeinschaftsprogramm der ard aus, wenn zu provokante filme und debatten gezeigt wurden. eine heute unvorstellbare tatsache. in den usa führten die bilder über den vietnamkrieg zur veränderung der politischen landschaft, in deutschland war es die friedensbewegung und ihr medialer effekt.

es waren also viele an der nutzung eines mediums zur gleichen zeit beteiligt. heute splittet sich das immer stärker auf. Weiterlesen

kreatives schreiben und fernsehen

abseits der fernsehsendungen mit schlichtem konzept, gibt es wunderbare fernsehspiele, die nicht versuchen, dem spielfilm gleich zu ziehen. sie bilden den alltag ab, zeichnen die verirrungen und verwirrungen der menschen nach und leben oft von sehr einfachen dialogen, die aber eine ganz andere wirkung erzeugen.

drehbuchautorInnen begeben sich nicht anders auf die suche nach themen, als manche kreativ schreibende menschen, durch verstärkte beobachtung der umwelt und des alltags. schon kleine begebenheiten auf einem platz, in einem bus oder kurze meldungen in zeitungen können die grundlage für einen plot darstellen. das fernsehen hat im gegensatz zum theater, das dafür andere mittel nutzt, die möglichkeit die realität sehr authentisch abzubilden.

im fernsehspiel muss es keine großen helden geben. gut, die geschichte sollte, wie eine kurzgeschichte, einen spannungsbogen enthalten. doch selbst fernsehspiele ohne wirklichen spannungsbogen lassen den zuschauer denken: „ja, genau so ist es. das kenne ich.“. so kann das fernsehen der gesellschaft einen spiegel vorhalten und das, was man da sieht, kann anlass für diskussionen sein. warum also mal nicht in der schreibgruppe anstatt einer kurzgeschichte, einen plot für ein fernsehspiel verfassen oder dialoge von der strasse zu einer geschichte werden lassen?

andersrum wird aber auch ein schuh draus. warum nicht einmal ein sehr gutes fernsehspiel als schreibanregung verwenden. Weiterlesen

web 2.46 – fernsehkritik.tv

man kann sich sicher sein, das fernsehprogramm, auch das digitale, wird in den nächsten jahren nicht besser werden. gut, die auswahl wird größer, man kann also für sich wählen, was einem zusagt. doch dies erwartet vom zuschauer immer größere koordinatorische anstrengungen. denn das „qualitätsfernsehen“ verteilt sich auf mehr und mehr programme. wer dann keine lust hat, sich alles im internet zusammen zu suchen, der ist zum beispiel kabelanbietern ausgesetzt, die mit vorliebe shopping-kanäle einspeisen. und wer einen blockbuster ohne zuzahlung sehen möchte, der braucht eine halbe stunde länger wegen der werbeeinblendungen.

kurz und gut, fernsehen kann nerven. doch abseits der angebotsschwierigkeiten (ich möchte hier explizit arte und 3sat nicht dazu zählen) wird auch so viel schrott gesendet, dass es schon in den frühen abendstunden als unterhaltsame realsatire betrachtet werden kann. also an nachschub wird es holger kreymeier nicht mangeln. er betreibt regelmäßige fernsekritik auf seiner homepage http://www.fernsehkritik.tv und hat dafür den grimme-online-award erhalten. berechtigter weise, denn allein die ausdauer mit der man sich all diese ergüsse betrachten muss, um eine kritik zusammenschneiden und formulieren zu können, ist beachtenswert.

wer also mal so richtig über das fernsehen ablästern möchte und dafür ausgewachsen schlechte beispiele benötigt, der schaue auf der homepage vorbei. danach kann man sich gelassen im sessel zurücklehnen und sich sagen: früher war alles besser, sogar das fernsehen. oder er schickt den link an gute freunde, um eine lästergruppe zu gründen. das ist allemal unterhaltsamer als am frühen abend vor der glotze zu sitzen und sich das zeug reinzuziehen 😀 .

„emergenz digitaler öffentlichkeiten“ von stefan münker – ein buchtipp

was ist denn das web 2.0 außer einer interaktiven oberfläche im internet? es ist vielleicht ein medium. aber eigentlich nicht nur eines, sondern es sind viele medien. eine medienplattform, die beinahe alle möglichkeiten bedient. wie unterscheidet sich dieses medium von anderen medien wie radio und fernsehen? was für auswirkungen hat das auf unser soziales miteinander, welche folgen ergeben sich zum beispiel für den journalismus? wie verläuft unsere kommunikation?

diesen und vielen anderen fragen widmet sich das buch von stefan münker, „emergenz digitaler öffentlichkeiten. die sozialen medien im web 2.0.„. der medienwissenschaftler gibt einen historischen überblick hin zum web 2.0. er eröffnet die folgen für unsere gesellschaftlichen kommunikationsstrukturen und befindet sich mit seinem buch auf der höhe der zeit. das buch hat nicht den anspruch, ein letztendliches urteil über die entwicklung zu formulieren. es formuliert einzig, dass man sich dieser entwicklung nicht entziehen kann.

so wie jedes medium, ist die medienplattform web 2.0 in ihren auswüchsen zu kritisieren. doch um kritik üben zu können, muss man sich erst einmal ein bild vom stand er dinge machen. dafür eignet sich das buch wunderbar. es zeigt auf, wie das private öffentlich wird. was es leider nicht aufzeigt, und dies gehört meiner ansicht nach heute zu dieser thematik einfach dazu, ist die frage nach dem datenschutz. denn auch hier unterscheidet sich das internet von allen anderen medien, der rückschluss auf die einzelne person ist sehr einfach geworden. münker beleuchtet zwar die verschiebung der machtverhältnisse, wirft aber kaum einen blick auf den schutz des einzelnen. es geht nicht nur um die umgehung der zensur und die beeinflussung von wahlen durch medien, es geht um die kleinteilige kontrolle des einzelnen.

und doch, das buch fasst beinahe alle entwicklungen verständlich zusammen, so sperrig auch der titel daherkommen mag. wer also einen aktuellen überblick bekommen möchte, dem sei das buch an herz gelegt. es ist im suhrkamp verlag in frankfurt am main in der reihe edition unseld 2009 erschienen. ISBN 978-3-518-26026-5

schnickschnack (81)

die radiosender kranken an ähnlichen irrungen wie die fernsehsender. irgendjemand hat den sendern zu verstehen gegeben, dass sich ihre einschaltquoten verbessern, wenn sie reality-tv, ratgebersendungen und wissensentertainment vereinen. dann noch ein wenig aufgesetzten humor und der brei ist fertig. leider unterscheiden sich auch hier die öffentlich-rechtlichen sender nicht sehr von den privaten. gut, im radio gibt es noch ein paar nischen, doch die sind dann so wortlastig, dass radio als angenehme untermalung auch nicht geht. in berlin ist man mit „radio eins“ noch ein wenig verwöhnt, doch auch hier schlägt immer häufiger die ratgeberschiene zu.

schaut man in das internet, bietet sich eine riesige bandbreite an radiosendern, doch teils ist der empfang schlecht oder es findet sich überhaupt keine moderation mehr. außerdem möchte man auch neues entdecken können, denn wer kennt sich schon aus und verfolgt die ganze zeit abseits der trampelpfade, was es noch so an musik gibt. da ist es eine freude, einen sender (auch mal wieder über den grimme online award) gefunden zu haben, der es sich zur aufgabe gemacht hat, abseits des mainstream zu senden. dazu kommt noch, dass die musik nicht ausschließlich digitalisiert ist, sondern vom plattenspieler abgespielt ins netz gepumpt wird. man mag es vielleicht nostalgie nennen, doch manche audio-fans schwören auf das rillenabspielgerät.

byte fm“ ist der versuch, altes, gewohntes mit neuem zu verbinden. abseits des hypes, abseits der großen plattenlabel mit den verschiedensten musikrichtungen und den verschiedensten sendungen. gut, es ist schwierig, verpasste sendungen (man muss ja noch so manches im alltag bewältigen) noch einmal zu hören, diesen service gibt es nicht. aber dafür kann man kleine oder größere entdeckungen für sich machen, wenn man die möglichkeit hat, internetradio über die stereoanlage abzuspielen. zu finden ist der sender unter: http://www.byte.fm/ .

„payback“ von frank schirrmacher – eine buchkritik

schnell machte die botschaft vom neuen buch frank schirrmachers die runde. er nahm sich das internet, den computer, die digitale revolution vor und formulierte vor allen dingen eingangs seine verzweiflung ob der entwicklung der digitalen welt. dadurch fühlten sich viele angesprochen, die das gefühl haben, den trends der zeit nicht mehr folgen zu können, sich unter druck gesetzt zu fühlen und an der qual der (aus)wahl im riesigen angebot zu scheitern.

man könnte nun das buch „payback – warum wir im informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die kontrolle über unser denken zurückgewinnen“ zu den kulturpessimistischen äußerungen über das internet und seine folgen zählen, doch frank schirrmacher betont in regelmäßigen abständen, dass er den computer gar nicht verteufelt, das internet nicht abschaffen möchte. dennoch listet er seite um seite die üblen machenschaften um das internet und die algorithmen mit dem ziel den menschen zu simulieren und zu lenken auf. doch bis zum schluss bleibt er trotzdem die begründung für seinen untertitel schuldig, dass uns das informationszeitalter zu handlungen zwinge.

meiner ansicht begründet sich dies in der hauptannahme des buches, die immer wiederholt wird aber dadurch nicht schlüssiger wird. informationen würden aufmerksamkeit rauben. und so viele zur verfügung stehenden informationen könnten nur dazu führen, dass wir nicht mehr herr der lage seien. hier ein paar bemerkungen dazu.

  • wenn wir davon ausgehen, dass informationen uns zwingen aufmerksamkeit zur verfügung zu stellen, dann ist herr schirrmacher als herausgeber einer großen überregionalen zeitung mit schuld an der entwicklung, zu viele informationen zu bekommen. denn wer kann an einem tag die faz in einem rutsch lesen, also alle informationen aufnehmen. wir selektieren, auch unsere tageszeitungen, die meist für einen menschen viel zu viele informationen enthalten. warum sollte uns dies beim internet nicht gelingen?
  • weil wir einem hype aufsitzen, der uns suggeriert, wir müssten alles mitmachen, um dazu zu gehören. diesem hype sitzt herr schirrmacher anscheinend auch auf. hat er schon einmal versucht ein paar seiner technischen geräte zwischendurch abzuschalten, sms und twitter nicht zu verwenden und vielleicht nicht alles zu glauben, was trend ist. denn sonst hätte er schon vor der digitalen revolution mindestens zehn tageszeitungen lesen müssen, um wirklich informiert zu sein. der journalismus lebt davon, dass von anderen vorselektiert wird, dass nur ein teil wahrgenommen wird. und der zeitungsartikel, auch in der faz, lebt vom mut zur lücke. diesen mut verliert herr schirrmacher beim anblick digitaler geräte und erklärt den zwang durch diese für unausweichlich.
  • bei der begründung dieser unausweichlichkeit beweist er allerdings übermäßigen mut zur lücke. er hat einen narren am sozialpsychologischen experiment gefressen und zitiert eine untersuchung nach der anderen. zum einen wird diese meist quantitative vorgehensweise der sozialpsychologischen experimente in der fachwelt seit jahrzehnten diskutiert, in hinblick auf die frage, wieweit die experimente die realität abbilden und erfassen können. eine der treffendsten kritiken besteht darin, dass sie das subjekt mensch zum objekt degradieren und nur durch die verfeinerung der variablen trotz allem nicht die handlungsgründe des einzelnen erfassen können. zum anderen kritisiert frank schirrmacher die statistikgläubigkeit der suchmaschinen und ihre mathematischen herleitungen, zitiert aber vor allen dingen sozialpsychologische erkenntnisse, die vor allen dingen auf statischen auswertungen beruhen. ein widerspruch, den das buch nicht klärt.
  • und, größter fehler des buches, er verallgemeinert gnadenlos. im gleichen maße überschätzt er die wirkung von werbepsychologischen strategien, die auch bis heute nicht bewiesen sind. die krux bei dieser weltsicht besteht darin, dass die gesellschaftlichen bedingungen nur am rand, runtergebrochen auf das individuum betrachtet werden. es wird nicht danach gefragt, woher denn der erfolg des internets rührt, weshalb die menschen meinen, es verwenden zu müssen, wer ein interesse daran hat, dass wir schneller kommunizieren, viele informationen ansammeln und welche sanktionen uns erwarten, wenn wir uns manchen entwicklungen verweigern.
  • aus dem blickwinkel schirrmachers scheint seine analyse logisch, doch die grundlagen seiner analyse bleiben nach vollständiger lektüre fragwürdig. zumindest streut er ab und zu zweifel an der eigenen überzeugung ein. wieweit kann ein algorithmus menschliches handeln vorhersagen? der mensch folgt eben keiner mathematischen logik und brachte deshalb alle protagonisten des sozialpsychologischen experiments ins schwitzen. die kontrolle haben die wissenschaften verloren, nicht unbedingt die nutzer des web.
  • verständlich ist die ohnmacht, die der einzelne empfinden muss, wenn er dem gedanken folgt, dass es sich bei den auswirkungen des informationszeitalters um evolutionäre entwicklungen handelt. denn die sind dann unumkehrbar und verändern uns menschen zu kleinen robotern. aber das wurde schon in so vielen zusammenhängen vorhergesagt und hat nie funktioniert. (denn sonst gäbe es keine menschen mehr, die an pseudokrupp erkranken oder bei denen feinstaub zu krebs führt). noch einmal, der reflektierende mensch unterliegt nicht mehr der evolution, er hat sich ihr entzogen. also geht es darum, einfluss auf die verfügung über das internet zu nehmen, auch auf die ausformungen des internet, aber nicht darum, sich einer imaginären manipulation zu erwehren.
  • noch ein punkt, der am buch stört. viele technische geräte und ebenso die „informationen“ werden beschrieben wie handelnde wesen, die absichten verfolgen. denen etwas eingepflanzt scheint, das sie willentlich weitergeben. die geräte sind aber werkzeuge und ihre handhabung ist höchstens tradiert, also gesellschaftlich vermittelt. ich kann einen hammer auch immer noch benutzen, um eine glühbirne auszuschalten, doch ich habe im vorfeld gelernt, dass das ganz schön teuer wird und ich mich dabei verletzen könnte. ähnlich verhält es sich mit dem computer: ich kann ihn zu einem wesen stilisieren, das mir sagt, per botschaften, wie ich informationen zu verarbeiten habe und ich folge ihm willig. ich habe aber gesellschaftlich vermittelt gelernt, dass es sich um eine maschine handelt, die von menschen modifiziert wurde. also beschwere ich mich eher beim programmierer über die miese software, wenn das werkzeug nicht richtig funktioniert. oder beim hammerhersteller, wenn mir der metallklotz beim hämmern immer vom holzgriff saust und glühbirnen zerschlägt.

interessanter wäre ein buch gewesen, das einmal dezidiert die subjektiven erfahrungen mit den modernen technologien und der digitalen revolution beleuchtet, das aufzeigt wie sehr man sich von gesellschaftlichen erwartungen drängen lässt und das einen gegenversuch, nämlich digital zu prokrastinieren, schildert. doch so bleibt „payback“ von frank schirrmacher doch nur kulturpessimistisch, auch wenn es so nicht sein soll.
das buch ist im karl blessing verlag in münchen 2009 erschienen. ISBN 978-3-89667-336-7

verändert die digitale revolution unser denken?

ja!

nur, was ist so schlimm daran? in letzter zeit kommen diskussionen auf, die aufgeteilt werden können in kulturpessimistische haltungen und technikglorifizierende. dazwischen gibt es wenige äußerungen. die digitale revolution beeinflusst uns. und wie schon im ersten beitrag zu diesem thema aufgezeigt, unterscheiden sich die veränderungen nicht sehr von den veränderungen nach der erfindung des buchdrucks. um noch einmal kurz bezug darauf zu nehmen: auch die verbreitung der bücher und die folge, dass immer mehr menschen lesen konnten, hat sicherlich das denken der menschen verändert.

unser gehirn hat viele kapazitäten und einen großen spielraum. wie wäre es sonst bei einem schlaganfall möglich, dass andere regionen des gehirns aufgaben der geschädigten bereiche übernehme können? das gehirn schein variabler und flexibler als der „mensch“ oder zumindest seine theoretischen gedankengebäude. also ist es für das menschliche gehirn auch möglich, sich den technischen neuerungen, oder besser geschrieben den möglichkeiten, die die technischen neuerungen eröffnen, anzupassen und diese sich nutzbar zu machen.

in diesen momenten werden mit sicherheit neue bereiche des gehirns verschaltet. das fängt schon mit den bewegungen an. das lernen des 10-finger-schreibsystems ist nichts anderes, als sein gehirn auf neue abläufe zu trainieren, die einmal gelernt, schwer wieder verlernt werden können. diskutiert werden die veränderungen durch die digitale revolution meist nur als defizite. so lesen wir nicht mehr in büchern, und das lesen in büchern wird gleichzeitig als die intellektuell hochwertige beschäftigung beschrieben. so können wir nur noch schwer kopfrechnen, da dies vom taschenrechner abgenommen wird. in manchen äußerungen erscheint der mensch durch die digitale revolution hohl und leer zu werden.

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am rande (06)

vielleicht sollte man einen etwas in vergessenheit geratenen begriff wieder ausgraben (es gibt ihn noch nicht einmal als deutschsprachigen eintrag bei wikipedia), der aber das zusammenspiel zwischen digitaler kommunikation und gesellschaftlicher entwicklung ganz gut erfassen könnte: die medienökologie. (immerhin gibt es einen kleinen englischsprachigen eintrag bei wikipedia, zu finden unter „media ecology„: http://en.wikipedia.org/wiki/Media_ecology )

es ist kein ganz neuer gedanke, dass es eine wechselwirkung zwischen den medien und der entwicklung der gesellschaft gibt. nun stellen das internet und der computer kein eigenes medium dar, sondern sie dienen als plattform für viele medien. aber das, was in diesen medien produziert und verbreitet wird hat sicherlich auswirkungen auf die gesellschaft, die wiederum veränderungen der medien (oder plattformen) vorantreibt.

so verändert das handy, die sms oder twittern sicher unsere kommunikation. doch die veränderte kommunikation fordert im gleichen zug technische neuerungen, die den neu entstandenen bedürfnissen noch gerechter werden. nicht ohne grund entwickeln sich die handys inzwischen zu tragbaren mini-pcs und vor allen dingen multimedia-geräten. es wäre spannend zu diskutieren, wieweit man dieses ökologische system an bestimmten punkten beeinflussen kann, damit es weiterhin eine fundierte und auch befriedigende kommunikation ermöglicht. wollen wir wirklich noch kürzere kommunikationsformen als das twittern oder sollte wieder mut zur länge von den technischen neuerungen unterstützt werden?

in den usa gibt es zumindest die „media ecology association“ (mea), die weiterhin versucht die theorie der medienökologie zu entwickeln. zu finden ist sie unter: http://www.media-ecology.org/ .

am rande (03)

der computer und das internet sind nicht ein medium, sie sind digitale technologien, die für viele medien die grundlage legen und die voraussetzungen bieten. so können mit ihnen filme, fernsehen, radio, zeitungen, jukeboxen, bibliotheken, fotoalben und vieles mehr produziert werden. dadurch erhält der einzelne (und vereinzelte) den vorteil, sich viele informationen beschaffen zu können.

doch wie bei den anderen medien auch, sind die wichtigen informationswege in den händen weniger, ist der einfluss auf die weitere entwicklung der nutzung relativ gering. aber, und das ist sicherlich der vorteil des internets, die nutzung des internets ist nicht so leicht vorhersehbar, der user, nutzer oder verbraucher noch schwerer berechenbar, da er auch randerscheinungen wahrnehmen und sich für sie interessieren kann.

außerdem kann der einzelne immer leichter selbst produzieren, was ihm wichtig erscheint. abgesehen von der schwierigkeit, dass sich die eigenproduktion noch nicht richtig auszahlt und viel nicht entlohnte arbeit ins netz oder web gesteckt wird, sind doch interessante ergebnisse zu finden. so wurde die homepage und nachrichten-zeitungs-informations-plattformCARTA“ mit dem „grimme online award 2009“ ausgezeichnet. sie dient genau der auseinandersetzung mit den chancen und risiken des internet. sie verlinkt nicht nur, sondern stellt eigene gedanken ins netz. und sie regt damit zum diskurs an, der auf alle fälle geführt werden sollte. zu finden ist sie unter: http://carta.info/ .

woche der „digitalen revolution“

es ist nicht zu übersehen und nicht zu überlesen, dass der diskurs über das internet, das web 2.0, die neuen kommunikationstechniken, den computer, die suchmaschinen, macht und ohnmacht im digitalen zeitalter und der streit über die konsequenzen der entwicklung gerade so richtig beginnt. welche auswirkungen haben die technischen entwicklungen, die digitalen anwendungen auf unser leben.

vieles an den diskussionen erinnert an frühere debatten, als die computerspiele aufkamen, als das private fernsehen startete oder als überhaupt fernseher und telefon dem bürger zugänglich wurden. doch sowohl die dimensionen der veränderungen als auch die lautstärke der debatten erscheinen existentieller. es erinnert an die gesellschaftlichen umwälzungen als der buchdruck erfunden wurde und die effekte auf die welt weitreichende auswirkungen hatten.

einziger unterschied scheint die geschwindigkeit zu sein. die umsetzung der digitalen veränderungen geschehen in einer schnelligkeit, die bisher keine kulturtechnik geschafft hat. darum gehört in einen blog, der sich mit schreibpädagogik und dem web 2.0 auseinandersetzt, ein blick auf die entwicklungen und vielleicht anregendes zu den gesellschaftlichen diskursen.

ja, es ist schwer einzuschätzen, wie die weiteren konsequenzen der digitalen entwicklung aussehen werden. und ist die „digitale revolution“ wirklich eine revolution oder nur ein zusätzliches instrument der kommunikation? dies alles werde ich in dieser woche aus dem blickwinkel eines kleinen computernutzers versuchen darzustellen und zu hinterfragen. aufgehübscht durch ein paar links am rande.

kreatives schreiben und stille

gerade kam in der letzten wochenendausgabe der süddeutschen zeitung die nachricht, dass es eine folge der modernen kommunikationsmittel sei, dass die menschen in zukunft weder allein sein können, noch kommunikative stille aushalten werden. da ist sicherlich etwas dran, da der computer mit all seinen möglichkeiten enorm bindet und sicherlich auch den kontakt zu anderen menschen weltweit vereinfacht und beschleunigt. man kann sich daran gewöhnen, wie man sich daran gewöhnen kann, dass regelmäßig der partner neben einem im bett liegt.

das kreative schreiben ist etwas, dass sich sowohl in der gruppe als auch allein verwirklichen lässt. der computer bietet so manche erleichterung, wie zum beispiel die vereinfachte korrektur und die leichtere verbreitung der texte. aber, um sich weiterhin im genuß der stille zu üben, besteht immer die möglichkeit, sich mit einem blatt und einem stift in die pampa zurückzuziehen und nur mit sich selbst, seinen ideen und seinen gedanken zu kommunizieren. es ist dann zum beispiel neben dem zwitschern der vögel und dem rauschen des kleinen waldbächleins nur noch das kratzen des stiftes oder der feder auf dem papier zu vernehmen.

somit regt das kreative schreiben zu einem genußvollen alleinsein in aller stille an. vor allen dingen fällt es vielen menschen leichter zu schreiben, wenn sie sich zurückziehen, um sie herum ruhe herrscht und sie von keinen sozialen anforderungen abgehalten werden. doch ebenso bietet das kreative schreiben natürlich die möglichkeit das potential aus allen zur verfügung stehenden kommunikationsmitteln auszuschöpfen. so stellt sich für alle schreibenden im laufe der zeit die frage, welches für sie der beste weg ist, sich kreativ zu betätigen. sinnvoll erscheint mal wieder der goldene mittelweg, doch auch das leben als eremit oder als kommunikativer multitasker kann als angenehm empfunden werden. wichtig ist wohl nur, dass man sich mit dem eigenen schreibverhalten wohl fühlt. und die worte aufs papier bringen kann man sowieso meist nur allein.

biografisches schreiben und generationskonflikte

seit menschengedenken sind die zeitabschnitte für die eine gesellschaft vorausplant beschränkt. nicht wissend, was als nächste passieren wird im sozialen kontext, lässt sich vieles auch gar nicht so bestimmen und regulieren. früher wurde eigentlich nur im jahrestakt gedacht, da allein die ernte und produktion für ein jahr gesichert werden musste. seitdem die selbstversorgung verschwunden ist, ist der mensch daran, den folgen der natur vorzubeugen und weiterzudenken.

doch in den letzten zwei jahrzehnten verkürzen sich wieder die planungsphasen. seitdem die mediale präsentation von politik noch stärker in den vordergrund rückt. das strukturieren in abschnitten von legislaturperioden liegt im trend. die oft beschworene und angemahnte nachhaltigkeit wird nur in seltenen fälle verfolgt. das bekommen dann die nachfolgenden generationen zu spüren.

neben dieser entwicklung gibt es immer wieder die schwierigkeit, dass sich lebensmoden und -muster überholen und somit nicht weitergeführt werden. die so genannten traditionen verändern sich, gesellschaftliche moral- und ethikvorstellungen wandeln sich und der technische fortschritt verändert die lebens- und arbeitswelt. vor allen dingen ältere generationen können diesen veränderungen nicht mehr folgen oder wollen es nicht. dies bildet die grundlage für generationskonflikte, so lang die ältere generation die machtstrukturen besetzt.

beim betrachten der eigenen lebensgeschichte sollte ein blick auf die eigene haltung, Weiterlesen

web 2.0 und auswirkungen

das internet in seiner heutigen form, aber auch die vergangene entwicklung, regt immer wieder zu diskussionen an. hier schon öfter thematisiert, geht es vor allen dingen um die bedrohlichen aspekte einer informations- und kommunikationsfreiheit, die sowohl berufsgruppen und medien unter druck setzt als auch soziologische, pädagogische und psychologische effekte hat. in der letzten zeit sind zwei veröffentlichungen erschienen, die sich mit den effekten des internet auseinandersetzen.

zum einen geht es um die entwicklung des journalismus und der tageszeitungen in den nächsten jahren. wie verändert das internet die medienlandschaft? dazu äußerte sich letzten freitag das magazin der süddeutschen zeitung, indem es betrachtungen von a bis z anstellte. in der folge kann an verschiedenen orten im web über die veröffentlichten thesen diskutiert werden. zu finden sind alle weiteren informationen unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/liste/h/200919  .

zum anderen geht es um den umgang von kindern und jugendlichen mit dem web 2.0 unter sexualpädagogischen aspekten. jeder mensch der aufklärungsveranstaltungen in schulen macht, kann erleben, was kinder und jugendliche schon alles an sexualitäten und pornografie kennen, da sie es im internet gesehen haben. dagegen gehen ihre eltern meist davon aus, dass ihre kinder sich diese informationen noch nicht besorgt haben. hier sind die sexualpädagogik oder das elternhaus gefragt, um einen selbstbewussten umgang mit den neuen medien zu fördern. die bundeszentrale für gesundheitliche auklärung (bzga) hat gerade einen fachreader zu diesem thema veröffentlicht. er ist hier zu finden: http://forum.sexualaufklaerung.de/AktuelleAusgabeForum.php?mid=4 .

beide veröffentlichungen können einen diskurs anregen, der längst schon notwendig ist und neben dem internethype bis heute nur sehr ideologisch geführt wird.

web 2.0 und überforderung

platt formuliert: kinderschutz fängt früher an. die sperrung von kinderpornografie-seiten im internet setzt an einem phänomen an, aber nicht bei den ursachen. woher kommt es, dass erwachsene viel jüngere menschen zu einem objekt der befriedigung degradieren? dafür kann es meiner ansicht nach zwei erklärungen geben.

zum einen werden kinder in gesellschaften zu einem gegenstand. inzwischen bei uns zum beispiel zu einem wohlstandssymbol. in früheren gesellschaften und in manchen armen regionen auf dieser welt sind kinder billige arbeitskräfte, unterstützer des lebensunterhalts und altersabsicherungen. hier wurden sie zu objekten der familiären versorgung gemacht. heute dienen sie als objekte der emotionalen versorgung. sie symbolisieren nach außen, dass man sich ein kind leisten kann. und gleichzeitig sollen sie symbolisieren, dass man sich ein leistungsstarkes abbild seiner selbst leisten kann. kinder werden immer früher zu erwachsenen gemacht.

in einem interessanten buch habe ich vor einer weile gelesen, dass gleichzeitig das internet die erwachsenen infantilisiert. sie glauben, ewig jung bleiben zu müssen, und tun alles dafür, nicht die verantwortung für ihr erwachsenen-dasein zu übernehmen. das führt zur verkennung der verantwortung gegenüber jüngeren menschen.

beides zusammen führt dazu, dass unsere medien inzwischen werbungen und programme senden oder verbreiten, bei denen man sich fragt, ob man sich eigentlich ständig auf den kinderkanal verirrt hat. Weiterlesen