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schreibidee (361)

eine schlichte idee, die trotzdem beim durchführen von schreibgruppen für abwechslung sorgen kann und dabei viel spaß macht. der frühling beschert uns auch die ersten süßen früchte des jahres. das spielt zwar keine große rolle mehr, da wir beim verzehr von obst inzwischen jahreszeitenungebunden sind, aber frisch gepflückte erdbeeren schmecken meist besser als importierte. darum heute eine schreibanregung zu „obst-korb-stories“.

die schreibgruppenleitung organisiert vor dem gruppentreffen je nach anzahl der teilnehmerInnen unterschiedliche obstsorten. diese werden auf einer platte oder in einem korb präsentiert. nun suchen sich alle teilnehmerInnen jeweils eine sorte aus, über die sie schreiben möchten. sollte es zu keiner einigung kommen wird gelost oder es wird ein obst-quiz veranstaltet und je nach ranking darf gewählt werden. zum einstieg notieren die teilnehmerInnen zu ihrer obstsorte ein paar eigenschaften und assoziationen.

im anschluss wird ein kurzer text (maximal zwei seiten) in form einer obst-beschreibung verfasst. um was für ein obst handelt es sich? wie wächst es? wie schmeckt es? wann wird es geerntet? wie schmeckt es? … bei dieser beschreibung kann viel mit metaphern zu geschmack, farbe, aussehen gearbeitet werden. das jeweilig obst wird in einer kleinen präsentation der schreibgruppe vorgestellt.

nun wird eine längere geschichte geschrieben, in der die obstsorte eine wichtige rolle spielt. was für eine story kann zum beispiel von einer kiwi handeln? was passiert bei einem bananen-blues? es gibt keine vorgaben, welche rolle das obst spielen muss. anschließend werden die geschichten vorgelesen und es findet eine feedbackrunde in der schreibgruppe statt. da das obst nicht nur zum anschauen da sein soll, bereitet die schreibgruppe gemeinsam einen obstsalat zu.

auch schreibend wird nun ein obstsalat verfasst. ideal wäre es, wenn die jeweiligen obst-beschreibungen während der salatzubereitung vervielfältigt werden können. alle halten nun die kurzbeschreibungen der obstsorten in der hand. während der salat zieht, wählen die teilnehmerInnen für sich die beste obstsalat-kombination aus den früchten aus und schreiben eine kürzere geschichte dazu. während der salat verzehrt wird, werden die jeweiligen geschichten zum abschluss vorgetragen.

web 2.81 – metaphorik.de

die metapher macht oft einen text erst interessant. und damit man metaphern erstellen kann, benötigt es ein wenig fantasie, ein recht großes vorstellungsvermögen und den mut, dinge sprachlich miteinander zu kombinieren, die einem unvorstellbar erschienen. die metapher ist in der deutschen sprache ein weites feld. und wen wundert es da nicht, dass für die freundInnen, liebhaberInnen und germanistInnen etc. ein eigenes angebot im internet existiert.

regelmässig wird auf „metaphorik.de“ eine online-zeitung zur bedeutung, verwendung und form der metaphern herausgegeben. ausserdem wird die metapher des jahres prämiert, benannt und beschrieben. es gibt verbindungen in verschiedene länder, betrachtungen zu anderen sprachen. also eine spielwiese für menschen, die sich mit den formen der metaphern und ihren teilweise gesellschaftlichen und politischen bedeutungen auseinandersetzen wollen.

zu finden ist die seite unter: http://www.metaphorik.de/ .

schreibidee (297)

untersuchungen belegen: eine triebfeder des menschlichen handelns bleibt weiterhin der archaische trieb, also der versuch sexuelle befriedigung zu finden. viele gedanken drehen sich um diese erfüllung schwer benennbarer körperlicher kontakte. und hier spaltet sich das gesellschaftliche denken: auf der einen seite überschwemmt von aufreizenden angeboten und bilder, auf der anderen seite fehlen immer wieder die worte und es bedarf des buches „feuchtgebiete“ oder ähnliches, um eine stimme zu finden. warum also nicht einmal die gewagte schreibanregung zu „genital-geschichten„.

da es so etwas wie scham und persönliche haltungen zum verbalen umgang mit sexualität gibt, bedarf es der zustimmung der schreibgruppe im vorfeld, sich dem thema der sexualität zu nähern. abgesehen davon besteht, wie immer in schreibgruppen, die möglichkeit, seine texte nicht vorzulesen. es kann aber gleichzeitig mit dem sexualpädagogischen blick darauf hingewiesen werden, dass es eigentlich nichts dabei ist, da alle menschen mit ihrem körper befriedigung suchen. und so kann der einstieg in die schreibanregung in einem kleinen fragebogen bestehen, der nach den vorlieben und abneigungen bei der eigenen sexualität fragt. (ein witziges beispiel dafür gibt es zum beispiel auf der homepage von zwei grafikdesignern „benrik.co.uk“ unter http://benrik.co.uk/bestof/large/showme.php?day=61 ) dieser bogen ist natürlich persönlich und soll nicht vorgetragen werden, da es sich um eine schreibgruppe und keine selbsterfahrungsgruppe handelt.

anschließend werden gemeinsam am flipchart, begriffe für die genitalien der beiden geschlechter gesammelt. welche begriffe kennt man, welche metaphorischen umschreibungen kennt man für die geschlechtsorgane und den sex? anschließend wählen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen einen begriff aus. dieser begriff bildet die überschrift über ihren ersten text. welche geschichte sich dann darunter ergibt, ist allen freigestellt. die geschichte sollte maximal drei seiten umfassen. wer möchte, kann seinen, ihren text anschließend in der schreibgruppe vorstellen.

dann können szenen und ausschnitte aus der weltliteratur vorgestellt werden, die der sexualität und der umschreibung der genitalien gewidmet sind (es gibt beispiele zuhauf). diese werden entweder kurz vorgelesen oder als kopien verteilt und können in ruhe gelesen werden. anschließend wird eine längere „genitale geschichte“ verfasst, die keine weiteren vorgaben erfüllen muss. wer möchte kann sich dem thema über ein fokussiertes freewriting annähern. anschließend werden die geschichten vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

zum abschluss wird noch ein elfchen zur schönsten sache der welt geschrieben und vorgetragen.

schreibidee (283)

neben dem trinken ist das essen überlebenswichtig, obwohl man länger hungern denn dürsten kann. und wie sich gerade wieder zeigt, ist die nahrung auf der welt sehr ungerecht verteilt. unsereiner lebt in saus und braus im vergleich zu vielen anderen menschen. zu diesem luxus gehört es, dass sich mit anderen menschen zusammen oft fröhlicher speisen lässt als allein. und daraus wurde eine dienstleistung gemacht: das restaurant. da wir menschen sehr verschiedene geschmäcker haben und alles gern einem ranking unterwerfen, gibt es die restaurantkritik. sie ist, wie jede bewertung, subjektiv und unfair, aber sie hat einen hohen stellenwert. darum eine schreibanregung zur „restaurantkritik„. guten appetit 😛

die schreibgruppe kann gemeinsam in ein restaurant gehen und es testen. doch dies sollte man vielleicht vorher mit den wirtInnen absprechen. es könnte ärger geben, wenn an einem tisch mehr als fünf personen sitzen und sich ständig notizen zum essen machen oder sich laufend über das gegessene austauschen 😉 aber man kann das ganze auch anders gestalten: alle gruppenteilnehmerInnen suchen kurz vor der schreibgruppe ein anderes restaurant auf. direkt danach findet das treffen der schreibgruppe statt.

zum einstieg notieren sich alle schreibgruppenteilnehmerInnen ihr schönsten und ihr gruseligstes restauranterlebnis auf jeweils einer seite. diese kurzkritiken werden vorgelesen. anschließend trägt man seine gedanken und notizen noch einmal in drei unterpunkten zu dem eben besuchten restaurant zusammen. zum einen das essen, dann die atmosphäre und zum schluss der service. gestartet wird damit, in einem satz den eindruck wiederzugeben.

dann werden für jede rubrik fünf metaphern gesucht, die den persönlichen eindruck wiedergeben. diese werden kurz aufgelistet. nun kann aus den metaphern (es müssen natürlich nicht alle verwendet werden) und den kurzen sätzen, zu jeder rubrik ein halbseitiger text geschrieben werden. diese werden nicht vorgelesen.

es werden stattdessen die drei kurzen texte in einen langen erlebnisbericht vom restaurantbesuch zusammengeführt. die aussagen und bewertungen werden in den gesamten bericht eingeflochten. die abschließende restaurantkritik wird in der gruppe vorgetragen. es findet eine feedbackrunde statt. waren alle teilnehmerInnen im selben restaurant, kann über die jeweiligen eindrücke diskutiert werden, waren alle in verschiedenen restaurants, sollten aufgrund der restaurantkritik am schluss zwischen einem und fünf sternen vergeben werden.

kreatives schreiben und kommunikation

menschen treten über gesten, laute und blicke in verbindung. sie haben sich auf codes geeinigt, die (meist) andere die botschaften verstehen lassen, die man aussendet. oft genug klappt das nicht so gut, da man noch so viele absprachen treffen kann, es entstehen trotzdem missverständnisse, probleme und konflikte. der große vorteil, auch die schwierigkeiten kann man kommunizieren und versuchen zu entschärfen.

für das kreative schreiben bietet sich beim thema kommunikation natürlich der dialog an. dieser gestaltet sich etwas schwieriger als gedacht. unsere dialoge sind oft ungelenker und abgehackter, als sie uns scheinen. würde man sie eins zu eins notieren, würden sie gelesen mit großer wahrscheinlichkeit unglaublich langweilen oder eben den lesegenuss trüben. es bedarf ein wenig übung, um einen flüssigen dialog zu notieren. am besten liest man ihn sich laut vor, um ein gespür dafür zu bekommen, wie der rhythmus eines lesbaren dialogs klingen muss. oder man sucht sich ein publikum, das rückmeldungen gibt, wie ein dialog wirkt.

ähnlich ist es mit schriftlicher kommunikation, zum beispiel im chat oder per mail. es hat sich im laufe der zeit eine ganz eigene sprache entwickelt, die den spagat zwischen informationen und emotionalen ausdrücken versucht. denn wer möchte jedesmal einen literarisch hochwertigen text verfassen, den er dann absendet, um sich möglichst klar ausdrücken? die modernen kommunikationsmittel leben von der geschwindigkeit und lassen darum weniger raum für ausführliche situationsbeschreibungen. ein chat ist ein geschriebener dialog mit verteilten rollen. er erübrigt sich schnell, wenn das virtuelle gegenüber eine viertel stunde benötigt für eine antwort.

das kreative schreiben bietet zumindest mit seinen formen in einen schreibfluss zu kommen, metaphern zu finden und schriftlich gefühle besser ausdrücken zu können, eine grundlage für eine leichtere und teilweise „bessere“ kommunikation in den digitalen welten. außerdem gibt es die ersten romane, die ausschließlich auf mailkontakte basieren, ähnlich einem briefroman. die handlung erschließt sich über die abgedruckte kommunikation.

sehr viel schwieriger lässt sich mit kreativem schreiben die nonverbale kommunikation darstellen. Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und kreatives schreiben

man könnte vermuten, dass kreatives schreiben maximal in künstlerischen studiengängen etwas verloren hat, aber in naturwissenschaftlichen und technischen keinen sinn macht. wie schon in den letzten posts zum wissenschaftlichen schreiben aufgezeigt, muss das nicht unbedingt sein. und man kann noch einen schritt weiter gehen, neben assoziationstechniken und der suche nach der forschungsfrage, kann kreatives schreiben eine schriftliche arbeit beleben.

doch vorab ein hinweis oder eine warnung, wie immer man das bezeichnen mag. es gibt dozentInnen und professorInnen, also wissenschaftlerInnen, die darauf schwören, dass wissenschaft in einem starren korsett zu agieren hat. alle formen des abweichens werden als unwissenschaftlich bezeichnet. darum sollte man, bevor man sich an eine lebhafte, leicht zu lesende und energiegeladene schriftliche arbeit macht, mit den betreuenden wissenschaftlerInnen abklären, welche form des schreibens anerkannt wird. man tut sich keinen gefallen, wenn man es auf sanktionen anlegt.

so kann es zum beispiel zum streitpunkt werden, wie viel eigene positionen in einer wissenschaftlichen arbeit auftauchen dürfen. etliche lehrende sind der meinung, dass statements von den verfasserInnen maximal in der zusammenfassung eines wissenschaftlichen textes etwas verloren haben. vor allen dingen abschlussarbeiten für master und diplom sollten ihrer ansicht nach einzig den beweis erbringen, dass man wissenschaftlich arbeiten kann. es gibt aber auch gegenpositionen, die der meinung sind, forschende dürfen sehr wohl eine persönliche meinung abgeben, wenn sie ihre ansichten belegen können.

aber abseits der vorher zu klärenden aspekte, gibt es viele möglichkeiten bei genehmigtem spielraum, das kreative schreiben für die texte zu nutzen. so kann man für begriffe, die immer wieder auftauchen, alternative formulierungen suchen. man kann mit hilfe von formen des verdichtens, mammutsätze können in einfache, verständliche formulierung überführt werden. metaphern und bildbeschreibungen geben einen plastischen eindruck des erforschten. ja, man könnte sogar colloquien, die den wissenschaftlichen abschluss unterstützen sollen, zu (schreib)gruppen umfunktionieren, Weiterlesen

schreibidee (242)

puuuh, der frühling kommt. und ganz gleich, wie schön oder schlecht das wetter ist, es wird wieder heller, die sonne steht höher und es bleibt länger hell. etwas, wonach viele menschen nach dem winter jedes jahr lechzen. darum will ich mich auch hier vor dieser entwicklung nicht verschließen, gerade da morgen die sommerzeit eingeführt wird, und die abende noch länger hell bleiben werden. es sei zu „sonnigen geschichten“ angeregt.

als einstieg in die schreibübung werden gemeinsam metaphern für die sonne, denn sonnenschein und sonniges wetter gesucht. diese metaphern werden am flipchart gesammelt. anschließend ist von allen schreibgruppenteilnehmerInnen ein schwärmerischer text von maximal zwei seiten über die sonne zu verfassen. in diesen text sollen möglichst viele der gefundenen metaphern eingebaut werden. die schwärmereien werden anschließend vorgetragen (an einem sonnigen tag am besten draußen in der sonne).

nun wird sich in der schreibgruppe kurz darüber ausgetauscht, was unter einer „sonnigen geschichte“ zu verstehen ist. damit kann ein heiterer text gemeint sein, ebenso wie eine geschichte, die von der sonne handelt, und dergleichen mehr. die gruppe einigt sich per abstimmung auf eine variante. diese wird anschließend geschrieben (es darf sich um einen längeren text handeln). anschließend wird der text in der schreibgruppe vorgetragen und in der feedbackrunde werden die umsetzungen des vorher beschlossenen sonnigen charakters diskutiert.

um sich im anschluss der sonne von einer ganz anderen seite zu zu wenden. denn nun werden die effekte der sonne aufgegriffen. die sonne ist hell, es wird eventuell heiß, wenn sie scheint. die sonne trocknet nasses, lässt verdursten, verbrennt die haut und lässt die pigmente reagieren. sie sendet uv-strahlen, eruptiert und all dies. ein aspekt der sonne ist aufzugreifen und grundlage einer 30-wort-assoziation. aus dieser assoziation soll im anschluss eine kurze geschichte verfasst werden. wie weit das dann noch mit der sonne zu tun, spielt keine rolle mehr. die geschichten und die dazugehörigen assoziationen werden im anschluss und zum abschluss vorgestellt.

kreatives schreiben und saftig

das leben ist bunt. darüber lässt sich vortrefflich schreiben. gern werden die worte gepflegt und geordnet gewählt, wird mit metaphern ein bild gezeichnet und eine story erzählt. doch das leben ist mehr. es ist kraftvoll, manchmal direkt und deftig. aber in diesem zusammenhang ist ein großteil der schreibenden sehr zurückhaltend. die worte werden weiterhin umgänglich verwendet. selten gehen schreibende „in die vollen“. warum eigentlich?

unsere sprache bietet gute möglichkeiten auch das zu formulieren, was vor kraft aus allen nähten platzt. menschen begeben sich gern zwischendurch in rauschhafte zustände, sie werden laut und direkt. aber beim schreiben gilt großteils ein konsens, der dies nicht mit entsprechenden worten abbildet. nur beim sex wird direkter formuliert. aber was schreibt man, wenn sich jemand einfach nur im wohlfühlen baden soll, sich seine wünsche und träume erfüllen und er der meinung, die welt gehöre ihm oder ihr?

klar, viele geschichen leben von der tragik und dramatik, schönes funktioniert teilweise nicht so gut und positives denken ist opium fürs volk, angesichts all der schlechtigkeiten. „schön“ wird es meist nur in den schmonzetten, in denen der sonnenuntergang am meeresstrand auf das glückliche paar scheint oder über die blühende wiese im frühling auf der alm gewandelt wird und die vöglein von den waldrändern zwitschern. dabei wäre es lohnenswert sich literarisch oder schriftlich einmal in ein kneipe zu begeben, wo sich die leute alkoholgeschwängert den mund fusselig reden, kein ende finden, sich die welt erklären und im gemeinsamen schwelgen.

auch in diesen situationen ereignen sich geschichten. oder jemand erfüllt sich nach jahrzehnten den traum seines / ihres lebens. und es klappt. hier braucht es eine umschreibung, die die dimension des erfüllens auch erfasst. da darf nicht nur von glück gesprochen werden, da ist das überschwemmt werden mit positiven gefühlen zu beschreiben. aber das fällt schwerer als die umschreibung, wenn der traum scheitert, wenn alles wieder vernichtet wird.

also, wie sieht das leben, die geschichte aus, wenn sie saftig sind? es wird geschwelgt, geschwärmt, es pulsiert, es tropft aus jeder pore, es blüht, es knallt einem entgegen, es trägt einen, es baut auf, es ergänzt, schmatzt, prall gefüllt öffnet sich der kelch, es ist fettig, süß und macht satt. es blickt einen aus großen augen mit offenem mund an, schreit, tobt und tanzt ekstatisch, es perlt, flüstert und schwimmt oben wie fettaugen, es pulsiert, stampft und atmet rhythmisch, es brüllt vor freude und verliert sich in wollüstigen. das kreative schreiben darf zwischendurch den höhepunkt des saftigen lebens beschreiben, zum beispiel um den kontrast zu den abgründen zu erhöhen oder auch nur eine seite der medaille zu beschreiben.

schreibspiel (11) – die bessere metapher

die suche nach passenden metaphern für situationen, gegenstände oder handlungen kennt jeder schreibende. manchmal ergeben sich umschreibungen und sinnbildliche formulierungen ganz automatisch beim schreiben. manchmal muss man lang überlegen, wie man bestimmte ereignisse der geschriebenen geschichte am besten umschreibt. es benötigt eine sinnvolle metapher, um den text blumiger oder ansprechender abzufassen. das finden von metaphern liegt diesem spiel als idee zu grunde.

dieses spiel ist ein kleiner wettkampf, der mehrere teilnehmerInnen benötigt. so kann es gut in schreibgruppen gespielt werden. man nehme das spiel „stadt, land, fluss“, wandle es ein wenig um und schon steht das schreibspiel „die bessere metapher“.

alle spielerInnen haben einen zettel mit einer zweispaltigen tabelle. über der linken spalte steht „begriff“, über der rechten steht „metapher“. nun kann man in die linke spalte schon im vorfeld begriffe, also situationen, gegenstände oder handlungen einsetzen, die tabelle austeilen und die teilnehmerInnen auffordern möglichst schnell metaphern zu finden. wer als erstes fertig ist mit dem ausfüllen, ruft „stopp“ und alle müssen den stift weglegen. nun werden die jeweiligen metaphern verglichen. zum einen gibt es für eine gefundene einen punkt, zum anderen erhält die von allen zur „besten metapher“ erklärten noch zusätzliche punkte.

oder man gibt dem spiel noch eine persönlichere note. dann ist auch die linke spalte leer. nun darf jeder reihum einmal einen begriff sagen. daraufhin werden von allen teilnehmerInnen metaphern dazu geschrieben. bei dieser variante kann die tabelle auch mehr spalten haben, damit man nicht nur eine metapher, sondern gleich drei finden kann. die metaphern werden in der gruppe vorgestellt und per abstimmung festgestellt, welche die schönste und beste ist. anschließend nennt der nächste teilnehmer einen begriff, die nächsten metaphern werden gefunden usw..

wenn man das spiel in einer schreibgruppe spielt, dann kann anschließend dazu aufgefordert werden, eine geschichte aus den angesammelten metaphern zu schreiben.

schreibidee (174)

der mensch als soziales wesen orientiert sich häufig an seiner umwelt. er wählt seine umwelt aus, er lässt sich von ereignissen und anderen menschen überraschen, er greift zufälle auf und versucht ab und zu, die kontrolle über die situationen zu erlangen. das kann funktionieren, teils aber auch gnadenlos scheitern. doch jeder mensch kennt situationen mit anderen menschen, die einen tiefen eindruck hinterlassen. die eindrücke können positiver oder negativer art sein, aber sie verändern einen. diese schreibidee möchte die außergewöhnlichen situationen und vor allen dingen begegnungen aufgreifen und in geschichten über „menschen, die mich veränderten“ fassen.

als einstieg kann hier die technik des erstellens einer lebenskurve angewendet werden. dazu tragen die teilnehmerInnen der schreibgruppe in ein diagramm ihr leben von der geburt bis heute als linie ein, die die höhe- und tiefpunkte erfasst. anschließend werfen sie einen blick auf die extremen momente und überlegen welche menschen aus ihrer umgebung in diesen momenten beteiligt waren. es werden die namen an den negativen und positiven spitzen der lebenskurve notiert. an jedem punkt wird die wichtigste person markiert. zur jeweiligen person und situation werden auf einem blatt drei sätze notiert.

anschließend wählen alle schreibgruppenteilnehmerInnen die person und situation aus, von der sie meinen, dass sie zur größten veränderung in ihrem leben beigetragen haben. von der person, die beteiligt war, erstellen sie ein schriftliches charakterbild auf ungefähr einer seite. dazu können metaphern oder die situationsbeschreibungen herangezogen werden. im anschluss wird in einer längeren geschichte das erlebnis mit der person geschildert. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgelesen. es gibt keine feedbackrunde.

zum schluss wird nämlich die erlebte positive oder negative situation verwandelt. es tauchen keine personen mehr auf, sondern es wird ein landschaftsbild gezeichnet, dass die verändernden momente erfasst. die schreibgruppenteilnehmerInnen werden aufgefordert ihre lebensverändernde landschaft zu entwerfen. dabei können bis ins detail metaphorische bilder erfunden werden oder ein gesamtblick über die landschaft die emotionen des höhe- oder tiefpunktes wiederspiegeln. die landschaft wird im anschluss in der schreibgruppe vorgestellt. im feedback wird auf die stärksten metaphern geachtet, aber keine wertung über die landschaft vorgenommen. es kann nicht diskutiert werden, ob die landschaft die situation angemessen wiedergibt, denn dabei handelt es sich um die subjektive sichtweise der autorInnen.

was kann kreatives schreiben nicht leisten?

nachdem ich hier die hymne auf das kreative schreiben verfasst hatte, ist es an der zeit einen kritischeren blick auf die möglichkeiten zu werfen. denn kreativität ist eine form des ausdrucks, es ist aber auch eine form, die immer die deutungshoheit den anderen überlässt. kreatives schreiben kann nicht nur positive effekte haben. hier seien ein paar fragwürdigkeiten aufgelistet:

  • das schreiben in metaphern, die umschreibung von situationen und gefühlen, eine schöne sache, in der sich andere wiederfinden können. doch manches bleibt in der uneindeutigkeit hängen. kreatives schreiben ist kein klartext. es gibt aber sehr wohl situationen im leben, in denen klartext notwendig ist.
  • kreatives schreiben kann deshalb auch als fluchthilfe dienen. wenn die angst zu groß ist, eindeutigkeit zu formulieren, lässt sich vieles hübsch verpacken. gleichzeitig lässt es aber die leserInnen im unklaren und übergibt ihnen die aufgabe, das geschriebene zu entschlüsseln. unversehens wurde in diesem moment ein machtverhältnis aufgebaut.
  • ich äußere mich, äußere mich aber nicht wirklich. die aufforderung lautet: strengt euch an, mich zu verstehen. zumindest wenn die texte direkt an bekannte personen gerichtet sind. das kann ein schönes, intimes spiel sein. es kann aber auch ein aufmerksamkeit erheischendes ritual werden. ab diesem moment ist die furcht vor sanktionen zu vermuten. würde ich schreiben, was ich wirklich denke und fühle, muss ich damit rechnen, dass die anderen mich bestrafen.
  • für einen selber kann kreatives schreiben auch der versuch sein, nicht genau hinzuschauen. wenn ich nahegehende erlebnisse in schöne märchen verpacke, dann kann dies eine brücke zu meinem selbst sein, ebenso aber auch ein minenfeld. verdrängung fällt leichter, so lang ich selber nicht offen ausspreche, was mich eigentlich bewegt. auch diese medaille hat wieder zwei seiten. ohne verdrängung könnten menschen gar nicht existieren, selbstschutz ist notwendig, zu viel beiseite geschoben, entfremdet einen aber von den eigenen bedürfnissen.
  • so kann kreatives schreiben auch zu beschwichtigenden „sucht“ werden, wie beinahe alles andere im leben auch. auch das ist erst einmal nicht „schlimm“, da es in diesen momenten notwendig scheint. und doch scheint es sinnvoll, darauf zu achten, wann man nur noch in metaphern kommuniziert und vergisst, dass man eigentlich auch direkt sprechen kann. dies wird einem spätestens dann bewusst, wenn andere signalisieren, dass sie einen nicht mehr verstehen oder wenn die interpretationen der anderen vollständig an dem vorbeigehen, was ich ausdrücken wollte.
  • kreatives schreiben ist erst einmal „nur“ ein ausdruck, es beseitigt nicht die eigentlichen ängste. die ansprüche hat das schreiben auch nicht, wird aber gern so verwendet. um ängste abzubauen, muss ich nicht nur gründe benennen, sondern handlungsmöglichkeiten gedanklich durchspielen und vor allen dingen dann handeln. Weiterlesen

schreibaufgabe (27)

sowohl das schreiben als auch das internet sind möglichkeiten, sich anderen mitzuteilen und zu erklären. doch der versuch andere für sich einzunehmen, das interesse bei anderen an einem selber zu wecken, ohne zu viel von sich preiszugeben ist eine beständige gratwanderung. also bietet sich die möglichkeit in andeutungen zu sprechen, zu schreiben oder darzustellen an. ich nehme eine andere rolle ein, um von mir zu berichten.

die folgende schreibaufgabe greift den „rollenwechsel“ auf und macht ihn an dingen fest. beschreiben sie sich über anderes. das mag jetzt verwirrend klingen und lässt sich leichter in fragen formulieren: wenn sie eine seife wären, was wären sie für eine seife? wenn sie ein tier wären, was wären sie für ein tier? wenn sie ein gemüse wären, was wären sie für ein gemüse? oder wenn sie ein autoteil wären, was wären sie für ein autoteil?

aufgabe ist es auf einer seite (also, was sie unter einer seite verstehen) eine beschreibung eines dings zu verfassen, die gleichzeitig sie mitbeschreibt. das überlässt den leserInnen die freiheit der deutung und ihnen das versteckspiel hinter dem ding. wenn sie zum beispiel ein tiger mit besonders breiten streifen wären, ist es an den leserInnen, sich zu fragen, was sie damit wohl sagen wollten. doch sie wissen für sich, warum die streifen so breit sind. wer das interesse bei den anderen noch ein wenig steigern möchte, kann einfach mehrere beschreibungen formulieren, die ein gesamtbild abgeben. so könnte man sich ganze essensgerichte, einen zirkus oder eine besenkammer vorstellen, deren bestandteile und akteure alle sie sind. überraschen sie uns mit sich. und achten sie darauf nicht zu viel von sich preiszugeben, ist ja nur ein spiel.

schreibidee (150)

das leben treibt manchmal blüten. diese erscheinen prächtig, schwarz oder auch glitzernd wie eine schneeflocke. eine blüte ist ein ausdruck von farbe, pracht oder unscheinbarkeit, von fruchtbarkeit oder auch nur purer duftender lockstoff. da scheint es unumgänglich einmal „fantasieblüten-texte“ zu schreiben.

einstieg in die schreibübung kann es sein, ein paar besonders prächtige blüten als bilder entweder über den beamer oder als fotografien in der schreibgruppe zu zeigen. nun werden alle teilnehmerInnen nicht zum schreiben, sondern zum malen aufgefordert. sie sollen ihre eigene fantasieblüte entwerfen. dabei kann man sich entweder an den natürlichen vorgaben orientieren oder eine blüte kreieren, die noch nie so gesehen wurde.

sind die blüten gemalt, werden sie ohne große erklärungen der schreibgruppe gezeigt. danach können an der eigenen blüte noch kurz kleine veränderungen oder ergänzungen vorgenommen werden. anschließend wird jedem detail der eigenen blüte wörter zugeordnet. dabei kann es sich um eine farbe, einen gegenstand oder auch eine beschreibung handeln. was symbolisiert dieses detail für einen, was empfindet man beim betrachten der blüte, was drückt sich darin aus?

anschließend werden blüte und und begriffe, die ruhig in die zeichnung eingefügt werden können, in ruhe betrachtet und dazu eine geschichte geschrieben. es kann eine differenzierte betrachtung der blüte sein, es kann eine geschichte sein, die einem dabei einfällt, es kann eine geschichte aus den gefundenen begriffen sein, es kann aber auch eine eine beschreibung der momentanen befindlichkeit sein, die sich in der blüte ausdrückt. hier sind wie immer keine grenzen gesetzt. wenn die geschichten geschrieben sind, werden sie mit den blüten zusammen präsentiert. sollte noch genug zeit vorhanden sein, können die blüten auch weitergereicht werden und andere schreibgruppenteilnehmerInnen verfassen noch eine geschichte zu den fremden fantasieblüten.

kreatives schreiben und mimik

die muskeln im gesicht eines menschen sind zahlreich. dies ermöglicht es uns, unzählige emotionen durch leichte gesichtsveränderungen auszudrücken. dazu kommt noch die blutpumpe herz, die diverse schattierungen ins antlitz zaubern kann. bei der beobachtung von situationen und erlebnissen, spielt die mimik des gegenübers immer eine große rolle. der mensch versucht sehr genau die gefühlslage der anderen menschen um ihn mit den augen zu erfassen.

dies alles auf papier zu bringen ist kein leichtes. wie beschreibe ich denn jemanden, der erst einen sehr blassen und ängstlichen eindruck aufgrund seiner mimik macht und dann starke worte wählt, die im widerspruch zu seiner erscheinung stehen? da es sich nicht um eine psychotherapeutische sitzung oder eine psychologische analyse handelt, darf hemmungslos aufgrund der beobachtung im kreativen schreiben gedeutet werden. es geht eben nicht um eine eins-zu-eins-situationsbeschreibung, sondern um das erfassen eines eindrucks.

hilfreich beim beschreiben von protagonisten in geschichten können dabei metaphern sein oder vergleiche mit menschen in ähnlichen situationen. es kann erstaunen ob des widerspruchs zwischen mimik und handlung ausgedrückt werden. so werden beim kreativen schreiben eindrück wiedergegeben, die nicht den anspruch auf korrektheit haben. eine ganz gute übung könnte es sein, Weiterlesen

kreatives schreiben und fotoobjektive

welche möglichkeiten hat man, situationen und beobachtungen in eine geschichte oder einen text zu fassen? dies zu beschreiben, kann über vielfältige anregungen oder beispiele stattfinden. eine ganz gute möglichkeit bietet die fotografie-metapher. denn was macht man beim verfassen von schilderungen anderes, als das abbilden und wiedergeben von situationen.

man beschreibt einen ausschnitt, den man vielleicht heranzoomt, man nimmt das weitwinkel, blitzt und die geschehnisse zu erhellen, kann verfremden, wie mit einem filter oder verstärkt die kontraste. man kann die blende öffnen um mehr licht auf die vorgänge zu werfen, man kann die tiefenschärfe verstärken und die kleinsten details scharf sichtbar machen, selbst die dauerbelichtung und somit langfristige ablichtung einer situation ist möglich.

mit den fotografie-beispielen lässt sich ganz gut umschreiben, was ein text leisten kann, was wiedergegeben werden kann. so wählt man sich am anfang einer geschichte, das motiv aus, versucht den richtigen blinkwinkel einzunehmen und beginnt dann mit der wiedergabe dessen, was man noch erinnert oder sich im kreativen prozess im kopf entwickelt hat. einen unterschied gibt es zum fotografieren, der blickwinkel kann sich während des schreibens verändern, ja die gesamte geschichte eine andere werden als geplant. hier ist der fotoapparat nicht so flexibel wie das kreative schreiben. da das abbild des umfelds durch einen klick schneller erfasst wird, muss ein neues foto gemacht werden, um einen neuen blickwinkel zu erfassen.

aber selbst die entwicklung des filmes oder die nachbearbeitung der digitalen fotos am computer lässt parallelen zum überarbeiten eines textes erkennen. hier kann die farbe, also die emotionale ausstrahlung korrigiert werden, retuschiert und ausschnitthaft vergrößert werden. so werden texte zu abbildern der gedanken.

schreibspiel (05) – metaphernspiel

sicherlich kennen viele das spiel „tabu“, in dem die umschreibung bestimmter begriffe ohne die verwendung häufig gebräuchlicher worte gemacht werden muss. das ausschlussverfahren bestimmter worte kommt dem vorherigen schreibspiel nahe. in diesem spiel wird „tabu“ schriftlich gespielt.

das spiel bedarf einer gewissen vorbereitung, denn man sollte im vorfeld die worte zusammenstellen, die bei der erklärung eines begriffs nicht verwendet werden dürfen. dies wären zum beispiel bei „sonnenuntergang“ die worte „sonne“, „abend“, „rot“, „planet“, „kugel“, „horizont“ und so weiter. es sollten karteikarten erstellt werden, auf denen oben das zu umschreibende wort steht und darunter die wörter, die nicht verwendet werden dürfen. die erstellung dieser karten kann im vorfeld in schreibgruppen durchgeführt werden. so werden die teilnehmerInnen aufgefordert, sich ein wort zu überlegen und anschließend zehn wörter, die bei dessen beschreibung nicht verwendet werden dürfen.

anschließend werden zwei gruppen gebildet. jeweils eine person aus den gruppen erhält eine karteikarte und hat fünf minuten zeit, eine metapher zu dem wort auf der karteikarte schriftlich zu notieren. diese metapher liesen die schreibenden dann ihrer gruppe vor. wenn die gruppe errät, worum es sich handelt, erhält sie einen punkt. wenn seine eigene gruppe mit dem raten scheitert, kann die andere gruppe raten.

das spiel kann ein wenig abgewandelt werden, indem alle raten dürfen, also beide gruppen gleichzeitig. wenn jemand glaubt, er weiß, worum es sich handelt, schreit er „stopp!“ und nennt das wort, das er glaubt, erkannt zu haben. stimmt seine antwort, erhält seine gruppe einen punkt. im laufe des spiels kann somit gleichzeitig eine kleine sammlung von metaphern entstehen, die im nachhinein allen teilnehmerInnen der schreibgruppe zur verfügung gestellt wird.

kreatives schreiben und körperteile

das klingt jetzt nach einer schreibgruppe in der pathologie. sicher auch eine möglichkeit, aber eher zum post „außergewöhnliche orte“ passend. hier soll es um die anregung gehen, sich einmal ausführlich dem eigenen körper zu widmen. nicht, dass dies im fitness- und wellnesssektor exzessiv stattfindet. doch genau diese art sich seinem körper zu widmen definiert sich beständig aus einem mangel: es soll etwas besser werden, deshalb „tut man sich gutes“.

eine anregung kann es aber auch sein, sich einmal zeit zu nehmen und den eigenen körper genau zu betrachten. man nehme zum beispiel einen spiegel, setze sich damit an den schreibtisch und beschreibe zum beispiel ausführlich seine nase. wie sieht sie aus, wie wirkt sie auf einen, welche besonderen details fallen einem auf und wie lässt sie sich metaphorisch beschreiben. dann kann man sich seiner hand, seinem mund, den eigenen augen, den haaren, den ohren oder den anderen ausbuchtungen.

beim schreiben kann man einmal darauf achten, ob man ständig fehler bei sich sucht oder es schafft in einer anerkennenden sprache von den natürlichen gegebenheiten zu schreiben, vielleicht sogar gefallen am eigenen zu finden. das entfernt einen von den beständigen versuchen, sich nach gesellschaftlichen moden zuzurichten. außerdem übt man in diesem moment die metaphorische ausdrucksweise, wenn man ein einziges detail aus verschiedenen blickwinkeln beschreibt. und nachdem der eigene körper das erste objekt der betrachtung war, fällt es eventuell leichter, bei anderen personen, mehr details wahrzunehmen. dies kann hilfreich sein, wenn man protagonisten einer geschichte genauer beschreiben möchte und nach anhaltspunkten sucht. betrachten sie die nase oder die ohren von guten freunden einmal genauer. werfen sie einen sezierenden blick auf ihre umwelt. notieren sie doch auch einmal, was ihnen gefällt. manchen mag dabei auffallen, dass es gar nicht das ebenmäßige ist, was sie anzieht, sondern die individuellen besonderheiten am körper anderer.

schreibspiel (03) – tabellenspiele

eines der bekanntesten wissenspiele in tabellenform ist „stadt, land, fluss“. dabei wird eine tabelle erstellt zu diversen wissenrubriken, ein buchstabe gelost und anschließend sind möglichst schnell begriffe mit diesem anfangsbuchstaben zu den jeweiligen rubriken zu finden.

diese form des spielens und schreibens kann natürlich auch auf das kreative schreiben übertragen werden. anstatt wissensrubriken können hier in der tabelle folgende dinge verlangt werden:

  • ein vierzeiler
  • ein fantasiewort
  • ein elfchen
  • fünf assoziationen
  • eine schreibidee
  • eine metapher
  • ein buchtitel
  • ein schriftsteller u.v.m.

vorgabe für das ausfüllen der tabelle können entweder geloste buchstaben, aber auch zufällig ermittelte wörter sein. die regeln sollten vorher klar abgesprochen werden. geht es zum beispiel um geschwindigkeit oder entwickelt man ein wertungssystem für die schönsten ideen in der gruppe? soll der buchstabe nur direkt am anfang auftauchen oder sich in jeder zeile wiederholen, ist das wort einmal oder mehrmals zu verwenden? wenn man sich auf einen geschwindigkeitswettbewerb einlässt, dann birgt dies sicherlich den vorteil, dass nicht zu lang nachgedacht wird und etliche aufgaben dem freewriting nahe kommen können, der innere zensor vernachlässigt wird. das spiel bietet sich als aufwärmphase für schreibgruppen an und kann je nach motto der schreibgruppe auch themengebunden sein.

„krankheit als metapher – aids und seine metaphern“ – ein buchtipp

die beiden in dem buch versammelten texte sind schon älter. doch sie haben nicht an bedeutung verloren. hauptaussage beider texte ist es, dass bestimmte krankheiten gesellschaftlich gern dafür verwendet werden, charakterzuschreibungen vorzunehmen. so wie freud schon vor langer zeit die hysterie als charakteristische störung der bürgelichen gesellschaft damaliger zeit ausmachte, so werden auch heute noch, bestimmte körperliche störungen, schnell mit psychologischen deutungen überfrachtet.

susan sontag, schriftstellerin und journalistin, die häufig einen außergewöhnlichen blick auf gesellschaftliche phänomene warf, zeigt in den texten vor allen dingen am krebs und an aids auf, wie die gesellschaft, die erkrankten zusätzlich für ihre erkrankung verantwortlich macht. so wird krebs von vielen als ein ausdruck eines zu introvertierten lebens ausgemacht. wer krebs bekommt, hat zu viel in sich hineingefressen, hat sich immer zusammengerissen. in erster linie wurde aber der, der krebs bekommt, umweltgiften ausgesetzt oder das wachstum seiner zellen veränderte sich, so dass es zu wucherungen kommen kann. krebsgeschwüre werden aber auch auf gesellschaftliche prozesse übertragen, die härteste konsequenzen fordern. gerade in faschistoiden gesellschaften ist das krebsgeschwür metapher für entwicklungen, die beseitigt werden müssen. aids wiederum hat viel mit sexuellem verhalten zu tun, weshalb es auch dem moralischen tadel an die seite gestellt wird.

das buch „krankheit als metapher- aids und seine metaphern“ zeigt sehr aufschlussreich, wie sprache zur psychologisierung der gesellschaft und krankheit zur reglementierung unbeliebten verhaltens genutzt wird. und es zeigt, dass nur bestimmte krankheiten mit bedeutungen überfrachtet werden. das buch ist im fischer taschenbuch-verlag in frankfurt am main 2003 erschienen. ISBN 3-596-16243-2

schreibidee (41)

der klimawandel ist überall zu spüren und das wetter ist auch nicht mehr wie früher. doch wie ist unser persönliches wetter? gleichbleibend heiter oder schon wieder bewölkt? die themen des wetters bieten unzählige metaphern für das emotionale befinden.

dies kann in schreibanregungen genutzt werden. schreibgruppenteilnehmerInnnen sollten erst einmal notieren, mit welchem wetter ihre momentane stimmung wiedergegeben werden kann. in einem zehnzeiligen text wird die aktuelle wetterlage geschildert. um im zweiten schritt eine wettervorhersage für die nächste zeit zu formulieren. wie der zeitrahmen der wettervorhersage aussieht. ob sie für die nächsten tage geschrieben wird oder für die nächsten jahre, bleibt den teilnehmerInnen überlassen. wann wird mit einem tief gerechnet, wird es in nächster zeit wärmer werden oder ist mit einer sturmwarnung zu rechnen?

nachdem sich die wetterberichte in der schreibgruppe gegenseitig vorgestellt wurden, werden sie an andere teilnehmerInnen weitergereicht. die einfachste variante ist, jeweils das eigene wetter zu den daneben sitzenden weiterzugeben. und nun wird noch einmal der aktuelle wetterstand aufgegriffen und eine geschichte darum formuliert. ein ereignis sollte bei diesem wetter stattfinden und mit diesen klimatischen bedingungen zu tun haben. denn nicht nur luftdruckgebiete haben einen namen, sondern auch wir menschen, die wir diesen gebieten ausgesetzt werden.