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selbstbefragung (159) – kombinieren

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „kombinieren“.

  • welche tätigkeiten kombinieren sie in ihrem alltag miteinander (multitasking)? beschreiben sie.
  • welche kombinationen künstlerischer art mögen sie (multimedial)?
  • was würden sie gern miteinander kombinieren? seien sie frei im denken von unmöglichkeiten.
  • welche farben kombinieren sie gern miteinander? warum?
  • welche menschen würden sie gern bei einer einladung miteinander kombinieren?
  • wenn sie ihr leben remixen könnten, wo würden sie neu mischen / kombinieren? warum?
  • welche modische kombination geht für sie überhaupt nicht? warum?
  • was würden sie mehr miteinander kombinieren, um eine „bessere“ welt zu erhalten?
  • neu- und rekombination haben viel mit kreativität zu tun. welche kombinationsversuche in ihrem leben waren für sie erfolgreich?
  • wie leicht fällt es ihnen, frei zu kombinieren? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

schreibidee (346)

sigmund freud hatte für die menschliche psyche so eine anschauliche zwiebelschalen-vorstellung. mittig befand sich ein kern und im laufe von therapien, selbstreflexion oder ähnlichem wurde zu diesem beständig vorgedrungen. oder schauen wir und die erde an, mit ihren gesteinsschichten. auch hier befindet sich mittig ein (heisser) kern. darum entweder zum kern der dinge vordringen oder drumherum aufschichten bei der schreibanregung zu „ge-schichten-schichten“.

die schreibgruppe wird zu beginn aufgefordert in drei sätzen eine geschichte zu erzählen. also eine verknappte story, eine kurze handlung und nicht mehr. nun werden am rand und zwischen die drei sätze, jeweils ein weiterer satz geschrieben – also vier sätze hinzugefügt (am besten lässt sich die übung am computer durchführen). dies wird wiederholt (nun ist man schon bei insgesamt 15 sätzen). man kann diese vorgehensweise so oft wie man möchte wiederholen. im laufe der zeit schichtet sich eine umfassende geschichte aus dazwischen-dazwischen-…-geschobenen sätzen. zum abschluss werden die geschichten vorgetragen.

im anschluss versucht man eine andere geschichten-schichtung. als erstes wird eine ungefähr halbseitige geschichte geschrieben, zu der kein inhalt vorgegeben wird. anschließend wird vor die geschichte wiederum eine halbe seite text gestellt, dies wird noch dreimal wiederholt. es sollte möglichst versucht werden, sich immer nur auf die jeweilige aufgabe zu konzentrieren, also nicht gleich die nächsten schritte mitzudenken. durchbrochen kann dies dadurch werden, dass zwei texte geschrieben werden und jeweils, ohne es vorher zu wissen, entweder eine halbseitige schicht am ende oder am anfang hinzugefügt wird. die vorgaben, welcher abschnitt geschrieben werden soll, werden spontan von der schreibgruppenleitung festgelegt.

dies ist eine recht zeitaufwendige schreibübung, doch sie bietet die möglichkeit, ganz unberechenbare geschichten entstehen zu lassen. man kann sogar so weit gehen, einen halbseitigen abschnitt zwischen zwei andere halbseitige texte einfügen zu lassen. dies kann zum beispiel mit hilfe von karteikarten im din-a-5-format geschehen, die dann zusammengefügt werden. wenn genug zeit vorhanden ist, dann können auch in einer runde halbseitige schicht von anderen schreibgruppenteilnehmerInnen eingefügt werden.

zum abschluss werden die entstandenen längeren geschichten vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

schreibidee (309)

sie ist noch nicht beendet, die suche nach plagiaten im wissenschaftlichen bereich. darin unterscheidet sich das wissenschaftliche schreiben, das erlangen eigener erkenntnisse, vom kreativen schreiben, dem neu-kombinieren von ideen. die literatur hat sich schon immer existierender vorlagen bedient, sie verändert, umgeschrieben und neu geschaffen. und in anlehnung an das buch von david shields (https://schreibschrift.wordpress.com/2011/09/22/reality-hunger-von-david-shields-ein-buchtipp/) soll dies in der vorliegenden schreibanregung auf die spitze getrieben werden, es sollen „zitat-stories (remixed)“ verfasst werden.

diese form der schreibanregung muss ausführlich vorbereitet werden, da spontanes zitieren meist nicht sonderlich gut funktioniert. für die erste übung muss die schreibgruppenleitung ausführlich vorbereiten. es ist ein bunter mix aus den verschiedensten zitaten zu erstellen (das dürfen ruhig etliche din-a4-seiten sein). alle schreibgruppenteilnehmerInnen bekommen den katalog an zitaten in die hand. sie werden aufgefordert einen teil der zitate zu kombinieren, um so einen gedankengang, der ihnen beim durchlesen der texte, entstehen zu lassen. die kombination wird nicht vorgelesen.

im anschluss bringen die teilnehmerInnen ihren gedankengang beim „remixen“ der zitate noch einmal gesondert zu papier. auf maximal zwei seiten formulieren sie, was sie mit ihrer kombination ausdrücken wollen, was sie dabei gedacht haben. auch dieser text wird nicht vorgelesen. nun nehmen sie sich ihren mix abermals vor und formulieren eigene gedanken dazwischen. diese können die zitate miteinander verknüpfen (die zitate werden nicht als solche markiert), sie können sie kommentieren oder ganz selbständig daneben stehen. der (re)mix an zitaten wird dann in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine kurze feedbackgruppe statt, wie der text auf die anderen gewirkt hat.

der zweite teil des schreibgruppentreffens muss von den teilnehmerInnen vorbereitet werden (dies kann ein wenig aufwendig sein und sollte früh genug angekündigt werden. die teilnehmerInnen wählen für sich im vorfeld zitate aus, die ihnen gefallen. diese können aus büchern, zitatsammlungen, zeitschriften und zeitungen oder werbebroschüren sein. sie bringen diese zitate möglichst ausgedruckt mit oder senden sie vorher an die schreibgruppenleitung, damit diese sie vorher ausdrucken können.

nun werden alle zitat-sammlungen auf einem großen tisch, um den herum alle sitzen können, ausgelegt. alle können aus allem auswählen. sie können ihrem remix hinzufügen, was sie wollen. sie erstellen daraus einen ganz neuen text, eine kombination von textabschnitten, die eine eigene bedeutung ergeben, einen eigenständigen ausdruck. es darf so viel an eigenen gedanken hinzugefügt werden, wie man gerade lustig ist. anschließend werden die neuen texte vorgetragen und es findet zum abschluss eine feedbackrunde statt. in der feedbackrunde geben alle teilnehmerInnen wieder, zu welchen gedanken sie der text angeregt hat. dies kann sich stark von den intentionen der autorInnen unterscheiden.

schreibidee (290)

bei musik ist es inzwischen allseits üblich, in der literatur hält es sich noch in grenzen: das kopieren, remixen und verfremden von schon dagewesenem. beim wissenschaftlichen schreiben geschieht dies durch zitate oder wiedergaben in eigenen worten, alles andere wären plagiate. beim literarischen schreiben wären die formen der verwendung anderer texte und stories neuartigere und fantasievollere. also eine schreibanregung zum „story-jockey (sj)„.

alle schreibgruppenteilnehmerInnen werden vor dem treffen aufgefordert, drei kürzere geschichten, entweder aus eigene produktion oder von anderen gelesen, ausgedruckt mitzubringen. jede geschichte erhält eine nummer und eine geschichte wird gelost. diese wird allen teilnehmerInnen in die hand gedrückt (ein kopierer sollte in der nähe sein). alle sind nun aufgefordert diese geschichte als anregung für eine eigene zu verwenden, sie also zu remixen, zu verfremden oder zu zitieren (maximal zwei vollständige sätze). die neuen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen.

nun wird eine weitere geschichte gelost. diese soll in die bereits neue story mit eingebunden werden, also die vorhin geschriebene weiter verändert, überarbeitet oder ergänzt werden. es kann auch auf die eigene geschichte, der schreibstil der gelosten geschichte angewandt werden. auch hier kann wieder zitiert werden, abermals maximal zwei vollständige sätze. es wird im lauf der zeit ein flickwerk aus verschiedenen stories zu einer ganz eigenen geschichte führen.

je nach zeit rahmen kann diese vorgehensweise öfter wiederholt werden. die entstandenen geschichten sollten jeweils ohne feedbackrunde vorgetragen werden. nur ganz zum abschluss des schreibgruppentreffens findet nach dem vortrag der langen „neuen“ geschichte eine feedbackrunde statt. dabei sollte über die entstehung der eigenen geschichte und die entwicklungsschritte reflektiert werden. die schreibgruppenteilnehmerInnen entwickeln sich somit zu „story-jockeys“. begeben sie sich mit den neu entstandenen texten an die öffenlichkeit, sollten sie auf alle fälle ihre vorlagen angeben.

die vorgehensweise lässt sich auch auf gedichte oder journalistische texte anwenden. oder es findet ein mix aller literaturgattungen statt, also crossover-texte werden verfasst.