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schnickschnack (99)

nächstes jahr ist es wieder so weit: die 13te documenta findet statt. erstaunlicherweise funktioniert das konzept einer großen ausstellung von zeitgenössischer kunst alle fünf jahre. noch spannender wird sie dadurch, dass jedes jahr jemand anderes als künstlerische leiterin oder künstlerischen leiter für die inhalte und den aufbau der ausstellung zuständig ist. dieses jahr ist es carolyn christov-bakargiev.

so entsteht eine mehrjährige „lücke“ zwischen den ausstellungen, die der vorbereitung der nächsten ausstellung dient. in der nähe von kassel lebende menschen konnten zwischen den großen events oft an den vorbereitungen durch vorträge, umbauten oder zwischenschauen teilhaben, doch andere menschen bekamen höchstens ein wenig in den feuilletons mit. da sei inzwischen das internet davor.

es gibt eine jetzt schon prall gefüllte homepage der nächsten documenta. da werden seit dem märz dieses jahres broschüren mit vorbereitenden texten und anderen arbeiten veröffentlicht. insgesamt bis zur eröffnung wohl 100 verschiedene broschüren. zudem finden sich viele links, texte und sogar eine bibliographie zu den vorbereitungen auf der seite. wenn man darüber schaut, dann kann man feststellen, dass im vorfeld der nächsten documenta ein philosopisch-künstlerisch-sozialwissenschaftlicher diskurs angeregt werden soll. viel dreht sich um die funktion der digitalen welt, aber auch der sprache, des schreibens, der kommunikation. ein spannender mix aus nicht allzu neuem und ganz neuem. die kombination stellt die basis eines kreativen ergebnisses dar. schmökern lohnt sich. und die zeit zwischen den documentas erscheint nicht gar so lang.

zu finden ist die webseite unter: http://d13.documenta.de/de/

schnickschnack (82)

der sinkende stern der katholischen kirche ist schwer aufzuhalten, zumindest in den westlichen nationen. da ist es sinnvoll, sich gedanken darüber zu machen, wie man kirche modernisieren und aufhübschen könnte, damit sie wieder attraktiver wird und der laden läuft. ein versuch besteht darin, das zölibat abschaffen zu wollen oder frauen zu priesterinnen zu ernennen.

doch seien wir mal ehrlich, das attraktive an der katholischen kirche ist der ganze tand, sind die zeremonien. kaum eine glaubensrichtung bietet so viel symbolisches, das immer wieder mit inbrunst zelebriert wird. unter pr-gesichtspunkten spricht der erfolg für die kirche, sie konnte sich lang halten. gut, ob der rückkehr zur messe in latein so hilfreich war das muss sich noch rausstellen, böte sich doch der chatsprech für eine attraktive zeremonie online an.

besonders ausdrucksstark wirkten über jahrhunderte die heiligen der kirche, die schutz, mahnung und halt für verschiedene lebensaspekte boten. doch inzwischen haben sich die gesellschaften und die lebenskonzepte verändert, so dass selbst die heiligen ein wenig altbacken wirken. aber es gibt abhilfe. grafikerInnen haben sich des themas angenommen und einfach neue heilige für diverse lebensbereiche entworfen. da erfreuen dann schon die namensgebungen für die himmelswesen, noch mehr aber die künstlerische umsetzung, die bilder.

im internet kann man sich in ruhe all die glaubensstützer_innen betrachten, bei „grobgrafik„, einem konzept, das an sich schon eine gehörige portion humor bietet. und da noch nicht alle aufgaben der heiligen umschrieben sind, kann man sich selber die stellenbeschreibungen kreieren, und als vorschlag sicher den grafikerInnen zusenden. viel spaß bei der betrachtung, mal sehen ob die kirche ein wenig entstaubt wird. zu finden sind die bilder und namen unter http://www.grobgrafik.de/sanktnimmerlein/ .

schreibidee (140)

ob im fernsehen oder in büchern, weiterhin gern genossen werden märchen. märchen zeichnen sich vor allen dingen durch einen moment der realitätsferne aus, der nicht selten in ein happyend mündet. es tauchen fantasiefiguren auf, tiere, die sprechen können und menschliche züge tragen, kleine wunder geschehen und eine gewisse tragik oder grausamkeit erhöhen die spannung. um der zeit rechnung zu tragen, dient dieses mal die schreibanregung dem verfassen „moderner märchen„.

beim modernen märchen benötigt man ebenso wie beim klassischen, antagonisten. diese werden als erstes in der schreibgruppe festgelegt. da die welt des märchens eine einfache ist, sollte ein din a4 blatt in in vier gleichgroße flächen unterteilt werden. den vier flächen werden eigenschaften zugeschrieben: „gut“, „böse“, „ehrlich“, „hinterlistig“. man kann sich natürlich auch andere gegensätzliche eigenschaften überlegen. die teilnehmerInnen tragen nun für jede eigenschaft eine figur oder eine person ein. dazu wird eine kurze beschreibung in die flächen notiert. es können auch mehrere blätter ausgefüllt werden, um später das interessanteste auszuwöhlen.

nun wird der plot der geschichte festgelegt. um welche grundproblematik soll es gehen? meist handeln märchen von liebe, moral, gut und böse. um die grundstruktur des märchens festzulegen, wird auf einer halben seite ein kurzer abriss gegeben. wenn der notiert ist, fehlen noch die kleinen wunder, zaubereien oder außergewöhnlichkeiten. dazu werden mehrere vorschläge stichwortartig notiert. es sollten mindestens zehn möglichkeiten sein, die in ein märchen passen. so kann die tram zum beispiel ihre gleise verlassen, der mixer kann zaubertränke bereiten oder die musikanlage sendet botschaften. hier gibt es keine beschränkungen.

alle drei vorbereitenden arbeiten werden nun zusammengefasst. das märchen sollte in der heutigen zeit spielen, darf aber die einfache struktur klassischer märchen beibehalten: „es war einmal…“. anschließend findet sich die schreibgruppe zu einer märchenstunde zusammen. sollten die geschichten jugendfrei sein (was man auch bei klassischen märchen ein wenig in frage stellen kann), können dazu auch kinder eingeladen werden. die dürfen dann abstimmen, welches märchen ihnen am besten gefallen hat.

wortklauberei (29)

„athletisches design“

design ist hip. heutzutage wird alles designt, ob grafik, möbel, schnickschnack für die wohnung oder die verpackung der grundnahrungsmittel. ansprechendes design garantiert anscheinend einen verbesserten absatz der produkte. nicht immer, aber immer öfter. so manches fällt sofort ins auge, da es eine außergewöhnliche form bekommen hat (wir feiern dieses jahr 90 jahre bauhaus). der sinn von design kann die vereinfachung von strukturen sein, aber auch das hinzufügen von tand und schnörkeln (siehe barock oder landhausstil) sein.

eine moderne variante ist laut werbung „athletisches design„. was hat man sich darunter vorzustellen? schwer zu sagen, möbel mit muskeln, butter mit drei streifen auf der verpackung oder eine batterie, die marathon läuft. der athlet ist der popstar einer leistungsgesellschaft, geht er doch gern mal über seine grenzen hinaus. er beweist anderen, dass leistungsgrenzen worthülsen sind und sich jede(r) bis zu erschöpfung verausgaben kann. so ist athletisches design eine steigerung der steigerung. die spicknadel für den speckbraten in form eines speers, der salz- und pfefferstreuer als hantel, das bügelbrett als schwebebalken oder die badewanne als schwimmbecken, all dies wäre vorstellbar.

aber es handelt sich bei dem produkt in athletischem design um ein auto, den „toyota avensis“. da kommen dann doch zweifel auf, wie bei einem auto dieses design umgesetzt werden kann. entweder hat nun auch der toyota ein maschinenleistung erhalten, die so überflüssig ist, wie bei den meisten benzinschluckern. oder die karosserie gleicht sich beständig einem formel-eins-rennwagen an. man könnte natürlich sich auch ein extrem sparsames auto vorstellen, das sich an den ausdauersportarten orientiert. leider wäre ebenso ein stark pannenträchtiges auto denkbar, das sich die „geher“ als vorbild genommen hat. aber eines ist heute beinahe schon standard: das auto wird gedopt sein.

wortklauberei (16)

„clashen lassen“

mensch gestaltet seine umwelt gern ein wenig kontrastiert, soll heißen, farben und formen werden zueinander gefügt, die sich ein wenig widersprechen, voneinander absetzen und in ein spiel miteinander geraten. das eine distanziert sich vom anderen und doch ergänzen sie sich. es gäbe keinen kontrast, wenn es keinen widerspruch gäbe.

doch der moderne cosmopolit spricht nicht mehr davon, etwas in kontrast miteinander zu bringen, oder von zwei dingen, die kontrastieren. gerade heute war im funk zu vernehmen, dass man verschiedene musikrichtungen „clashen lassen„. nun könnte man die übersetzung wählen, die von „rasseln, klirren und schmettern“ spricht, handelt es sich doch um musik. aber natürlich war „to clash with“ gemeint, das wiederum „kollidieren und zusammengeraten“ bedeutet.

so werden musikrichtungen zum kollidieren gebracht, sie werden zusammengeraten gelassen. ein skurriler anglizismus, der bemüht ist cool zu wirken. so könnte in der zukunften nicht nur die musik zum crashen oder clashen gebracht werden, kleidung könnte man trashen lassen, blitze flashen lassen und zutaten mashen lassen. soweit zu den ausgegangen, verständlichen begriffen. wenn da mal nicht der zeitgeist mit dem konservativismus clasht 😀

festival internationale neue dramatik – f.i.n.d.

theaterstücke müssen auch geschrieben werden, damit sie aufgeführt werden können. dazu braucht es dramatiker, die zum beispiel szenisches schreiben an der udk in berlin studiert haben. für menschen, die selber stücke schreiben oder sich dafür interessieren, welche entwicklungen in der dramatik es gibt, findet zum 8ten mal das „f.i.n.d. – festival internationale neue dramatik“ statt.

jedes jahr gibt es einen schwerpunkt, also ein land, dessen dramatik vorgestellt und -gelesen wird. dieses jahr ist dies palästina. das ganze findet in der schaubühne am lehniner platz in berlin seit gestern, also vom 06ten november bis 09ten november statt.

mehr infos sind zu finden unter: http://www.schaubuehne.de/spielplan/festival.php?id_language=1 . und das programm als pdf-datei ist hier http://heimat.de/home/schaubuehne/FIND8Deutsch.pdf zu finden. auf dass es weiterhin eine lebhafte neue dramatik gebe.

schreibidee (45)

sprichwörter haben es in sich. teils pädagogisch, teils alltagsweisheiten und vor allen dingen rhythmen und reime. manches sprichwort erscheint heute sinnfrei, hatte aber früher eine bedeutung. und doch sind sprichwörter für etliche lebenssituationen oder menschen ein motto. sie sind eine kombination aus poesiealben-sprüchen und philosophischen überlegungen.

in schreibgruppen bieten sich diverse möglichkeiten, sprichwörter zu nutzen. die einfachste variante ist es eine palette von sprichwörtern zur verfügung zu stellen, zu denen texte verfasst werden sollen. es kann auch nur ein sprichwort dem treffen der gruppe vorangestellt und mehrere schreibanregungen dazu gegeben werden.

am interessantesten erscheint es mir aber, selber neue sprichwörter zu erfinden, wie zum beispiel: „ist am computerbildschirm nacht, fehlts am stecker oder am saft“. so können sprichwörter zu bestimmten gebieten erfunden werden oder alte sprichwörter abgewandelt und „modernisiert“ werden. hier sind viele schriftliche spielereien möglich.

am ende sollten die sprichwörter vorgestellt und prämiert werden. die teilnehmerInnen der schreibgruppen wählen das beliebteste sprichwort aus und es könnte das motto für die nächste schreibanregung sein.