Schlagwort-Archive: nachrichten

wund-starr-krampf (05)

tagesschau in 100 sekunden

wir leben in einer schnelllebigen zeit, wie man so schön sagt. manche sprechen von einer beschleunigung der kommunikation. dabei können wir nicht schneller sprechen als wir sprechen und wir können auch nicht schneller lesen als wir lesen. aber wir können verkürzen, komprimieren und in ein zeitfenster dadurch doppelt so viele informationen unterbringen.

die schwierigkeit bei verkürzungen besteht darin, dass gehalt und information reduziert werden auf ein minimum. nun sendet die ard seit einiger zeit neben ihrem üblichen nachrichtenangebot „die tagesschau in 100 sekunden“. ich rätsle seitdem, wer mit diesen infohäppchen irgendetwas anfangen kann. es scheint, wie wenn die ard sich den nachrichten bei „kabel eins“ oder „pro sieben“ annähert. in 100 sekunden passen maximal fünf meldungen und das wetter. die meldungen müssen jeweils in ein paar sätzen abgehandelt sein und sind einzig ein aktualitätsupdate.

in der literatur und in der werbung mag der spruch lauten: in der kürze liegt die würze. auf den nachrichtensektor lässt sich das einfach nicht übertragen. wie hier vor kurzem schon einmal angemerkt, schaffen wir uns unsere aufmerksamkeitsstörungen selber, indem wir dem zuschauer nicht mehr zutrauen, informationen, die länger als 20 sekunden sind, aufnehmen zu können. eine andere erklärung für die 100 sekunden nachrichten finde ich nicht.

warum muss sich ein öffentlich-rechtlicher sender zum vorreiter der häppchen-kultur machen? und da sind sie schon wieder: die einschaltquoten. außerdem ist es ja nur ein zusätzliches angebot zum üblichen nachrichten-angebot. dann kann man es auch weglassen und dafür lieber den filmabspann vollständig zeigen, ihn nicht verkürzen und beschleunigen. vielleicht kann man auch die täglichen plauderrunden im öffentlich-rechtliche rundfunk verkürzen und durch knackige interviews ersetzen. man wünscht sich klartext und nicht geschwindigkeit. so hatte ich bis jetzt auch den auftrag an die sendeanstalten verstanden.

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schnickschnack (121)

140 zeichen, die die welt bewegen können. zumindest wurden schon manche twitter-äußerungen zu einer schlagzeile. für die verbreitung von schnellen nachrichten und berichten bietet sich twitter an. schnell ins handy und smartphone getippt, schon im netz, in den redaktionen und im umlauf. zeitungsredaktionen verfolgen inzwischen nachrichtenagenturen ebenso wie tweets.

die folge: revolutionen, die erst durch die schnellen anchrichten eine bündelung erfahren konnten. wahlen, deren ergebnisse noch vor der öffentlichen bekanntmachung die runde machten. infos aus sitzungen, die nicht für die öffentlichkeit bestimmt waren. und eine gerüchteküche, die die 1:1 übernahme der tweets nicht sinnvoll erscheinen lässt. letztes beispiel: eine verunglückte satire zu grass-gedicht über griechenland. dort wurde behauptet, das gedicht sei von der satirezeitschrift „titanic“ lanciert worden. und schon machten die tweets darüber die runde. bis sich herausstellt, die eigentliche nachricht war die satire.

eine webseite nimmt sich der ereignisse, die tweets auslösen können an. in anlehnung an die 140 zeichen verfolgt die seite „140 sekunden“ von tim klimeš und mia meyer die geschichten zu den tweets. man kann hier einiges über die wirkweise des netzes erfahren. denn bis heute wird es oft unter- und überschätzt. nicht jede twitter-nachricht wird zu einem scoop und doch gibt es manche tweets, die ein leben oder ein ganzes land verändern können. die homepage „140 sekunden“ ist der interessante versuch einer nachbereitung in einer sehr schnelllebigen welt.

zu finden ist die seite unter: http://140sekunden.de/ . und falls sie selber eine tweet-geschichte zu erzählen haben, wenden sie sich an die macherInnen dieser webseite.

nabelschau (63)

tag-und-nacht-gleiche. ausgewogen sollten die gewichte sein, wie die tag-und-nacht-gleiche. hell und dunkel sollten gleich lang andauern, je nach vorliebe wäre für jeden genauso viel dabei. zum frühlings- und zum herbstanfang ist dies der fall. leider nicht zu allen anderen jahreszeiten. leider auch sonst nicht in unserem restlichen leben. es gibt keine zeitliche und keine bedingungsgerechtigkeit. das problem abseits der natur besteht aber darin, dass wir die ungleichheit selbst produzieren. wir werten auf und werten ab – und was noch schlimmer ist, wir ignorieren diese ungerechtigkeit.

es ist nicht mehr zu verstehen, weshalb die trauerfeier um kinder, die in einem bus gestorben sind, der gegen eine tunnelwand raste in den hauptnachrichten staatlicher sender platz findet, aber die trauerfeiern für die kinder, die täglich in afrika verhungern nicht einmal gezeigt werden. so schlimm der unfall im tunnel ist, so schlimm das erlebte für belgische eltern ist, so unklar ist die gewichtung. gut, die geographische nähe ist ein unterstützender faktor, das zugpferd katastrophe sicherlich auch.

aber der alltag in afrika ist auch ein katastrophe, die leider täglich stattfindet. und wir tun immer noch so, wie wenn wir nicht daran beteiligt wären. wir gewichten also das leid und die kinder (ja, es wird auch das label „kind“ in diesem zusammenhang für die meldung genutzt) verschieden. es ist zu vermuten, dass sich „ohnmacht“ – nämlich ein unfall – besser verkauft, als schlechtes gewissen. darum wird wohl die rede einer schwester eines opfers zur hauptsendezeit verbreitet. wir bilden aber nicht (oder fairer weise sollte ich schreiben „kaum“) die ohnmacht einer mutter ab, die ihr kind verhungern lassen muss.

da mag es mancher „unerträglich moralisierend“ finden, was hier steht. aber es scheint mir interessant, weshalb so gewichtet wird. die distanz allein kann es nicht sein. schon die zahl der opfer in afrika spricht gegen die alleinige distanz. es scheint, hier wird der bildungs- und informationsauftrag öffentlich-rechtlicher anstalten absichtlich missverstanden. es geht um die quote! zum bildungsauftrag gehört auch, unbequemes zu thematisieren. aber eine der begründungen für manches infotainment ist: die menschen wollen nicht immer nur schlimme nachrichten vernehmen.

doch tod ist tod – ein mensch wird aus dem leben gerissen. andere menschen werden ihn vermissen, sie trauern. aber es gibt hier eine schräge sichtweise. der tod in belgien ist wichtiger als der tod in afrika. und wenn man genau hinhört, dann schwingt in vielen berichten auch die unterscheidung von unverschuldet und selbst verschuldet mit. die erwähnung von bürgerkriegen wird im zusammenhang mit einer hungersnot sehr gern gebracht. wie wenn der klimawandel und die trockenheit nicht vor allen dingen von uns mitverursacht werden. manchmal wünscht man sich in den nachrichten eine tag-und-nacht-gleiche so zum an die eigene nase fassen. und dann vielleicht wenigstens, allerwenigstens den co2-ausstoss zu verringern.

selbstbefragung (156) – medien

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „medien“.

  • wie viel glauben sie den medien? beschreiben sie.
  • welche medien nutzen sie am häufigsten? warum?
  • in welchen medien haben sie schon veröffentlicht?
  • welche rolle sollten medien in der gesellschaft haben?
  • in welchen medien würden sie gern in erscheinung treten?
  • wen aus der medienwelt würden sie gern kennenlernen? warum?
  • was lassen sie sich die nutzung der medien kosten?
  • was bevorzugen sie: positive oder negative meldungen?
  • welche medialen produkte nerven sie am meisten? warum?
  • welche medialen produkte finden sie toll?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

nabelschau (29)

kurze unterbrechung. dieser beitrag darf im internet aus rechtlichen gründen nicht gezeigt werden. das ist ja ein ding. als surfer, der gerade den drang verspürte, schnell die nachrichten im livestream zu betrachten, bekommt man das gefühl, etwas illegales zu machen. dabei ist es ein öffentlich-rechtliches angebot. doch schlagartig als ein schrubbeliges fussballspiel thema war, waren auch schon ton und bild weg. eben nur die botschaft „dieser beitrag darf im internet aus rechtlichen gründen nicht gezeigt werden“ prangte auf dem bildschirm.

und man weiß nicht, wie lang wird denn nun der beitrag dauern. reicht es für einen gang zum klo oder zum kühlschrank? oder verpasst man dann die wettervorhersage? auf der anderen seite kommt freude auf. der ganze abend des ersten öffentlich-rechtlichen stand unter dem motto fussball. dies passiert immer häufiger. man fragt sich, ob es nicht noch andere mitbürger gibt, die diesem sport nichts abgewinnen können. warum spielen die am abend? und wenn sie am abend gespielt haben, weshalb darf dann in der nacht kein ausschnitt gezeigt werden?

da sind sie wieder, die widersprüche des lebens. zum einen unterliegen die sportnachrichten ausschließlich vermarktungsstrategien. der konsument staatlicher sendebetriebe wird diesen vermarktungsstrategien unterworfen und kann nichts dagegen machen. im internet kann er nicht sehen, was zu den tagesnachrichten gehört. aus finanzgründen findet zensur statt. eine tolle sache.
zum anderen ist es eine labsal, dass immer dann, wenn fussball kommt, bild und ton verschwinden. das sollte patentiert werden. man könnte ein wenig unterhaltungsmusik im hintergrund einblenden und im vordergrund eine zeitangabe, wann es weitergeht, abbilden. hier wäre dem fussballphoben zuschauer genüge getan. vielleicht sollte dies auch bei den tv-übertragungen als alternative angeboten werden, um bei schöner musik ein buch lesen zu können.

natürlich kann man das ding auch ausschalten, aber man wollte ja nur die nachrichten sehen.

schnickschnack (23)

geert lovink hat gerade in der neuen „lettre international“ vorgeschlagen einen kreativen umgang mit der informationsflut, die uns momentan zu überrollen droht, zu finden. dieser kreative umgang kann darin bestehen kritisch das angebotene wissen zu durchleuchten, selber informationsplätze zu besetzen und verfügbare informationen aufzubereiten.

man kann aber auch ganz anders an die sache herangehen. eher humorvoll. indem man eine informationsseite ins netz stellt, die nicht-informationen enthält. sicherlich kennt man diese nachrichtensendungen, nicht nur von privaten anbietern, die keine neuen nachrichten und hintergründe bringen, sondern wiederholungen oder spam. besonders eindrücklich ist dies immer, wenn der nachrichtensprecher eine nachricht verlesen hat, und die live-schaltung das eben gesagte nur noch einmal wiederholt.

die seite „fark.com“ von Drew Curtis bündelt solche nachrichten, die keine sind. dabei konzentriert sich die seite nicht auf wiederholungen, sondern auf absurdes und nichtssagendes, wenn nicht gar blödsinniges. ein kleiner spass am rande des schwergewichtigen internets. zu finden ist die seite hier: http://www.fark.com/