Schlagwort-Archive: nachsatz

schreibidee (203)

nun ging es hier die ganze zeit im blog um das neue jahr, die vorsätze, den umgang mit vorsätzen und deren sinn. es ist an der zeit, das jahr einfach beginnen zu lassen und zu schauen, was es bietet. darum widmet sich die folgend schreibanregung auch nicht mehr dem zukünftigen, sondern dem vergangenen. es sollen „nachsatz-geschichten“ geschrieben werden.

schon vom begriff her ist der einstieg zu finden: es ist von den schreibgruppenteilnehmern eine einseitiger text zu der frage zu verfassen, „wem würde ich gern nachsetzen?“ dieser text wird nicht in der runde vorgetragen, sondern verbleibt bei den autorInnen. denn es ist eine zweit seite zu der frage, „warum würde ich diesen personen gern nachsetzen?“, zu verfassen. auch dieser text wird nicht vorgetragen.

ist dieser bereich erledigt, steht der folgenden anregung nichts mehr im wege. jeweils zwei teilnehmerInnen verfassen gemeinsam einen dialog. dabei geht es darum, dass die schreibenden jeweils ihren protagonisten in dem dialog vertreten. es wird eine verbale auseinandersetzung geschrieben, das thema ist nicht vorgegeben, bei der beide nicht klein beigeben können und immer zum schon gesagten noch einmal etwas nachschieben müssen. es wird also ein dialog geschrieben, in dem beide das letzte wort haben wollen. die dialoge werden dann mit verteilten rollen vorgetragen und es wird ein feedback gegeben.

als letzte schreibanregung wird eine längere geschichte ohne vorgaben verfasst, wahlweise können auch ältere geschichten mitgebracht werden. es spielt keine rolle, worum die geschichte handelt. die autorInnen reichen diese geschichten an andere schreibgruppenteilnehmerInnen weiter. die sind nun beauftragt, nach jedem absatz im text einen nachsatz vom allwissenden autor zu verfassen. da kann die hauptperson der geschichte kritisiert werden, es kann das geschehen kommentiert werden, es kann sich über geschehenes lustig gemacht werden und vieles mehr. wichtigster aspekt, es wird dem geschehenen noch etwas angefügt, das nicht die geschichte verändert, sie aber eventuell in einem anderen licht erscheinen lässt. zum abschluss werden die geschichten mit den nachsätzen vorgetragen und ein feedback gegeben.

wortklauberei (59)

„der vorsatz“

es ist schwer, wenn man den jahreswechsel dazu nutzt, alles ändern zu wollen. denn schon zwei wochen später stellt man fest, dass sich das leben nicht so leicht ändern lässt, wie man es sich vorstellte. aber was soll´s, man kann auf den nächsten jahreswechsel warten und sich wieder etwas vornehmen. ja, man hat die absicht etwas zu tun, etwas zu ändern. man benennt gute „vorsätze“ für das neue jahr.

der „vorsatz“ steht aber vor keinem satz. sonst wäre ein vorsatz „ähem“ oder „apropos“ oder „also“, aber eben keine absicht. dabei wären vorsätze, wie ähem, apropos und also, wahrscheinlich die sinnvolleren. aber der mensch ist bemüht sich beständig zu bessern, mehr zu erreichen. da braucht etwas vor jedem satz, etwas, bevor man zum sprung ansetzt. sonst macht man den großen satz, den sprung in die falsche richtung.

die demonstrantInnen von stuttgart 21 haben dies erkannt. sie wollen nicht nur eine änderung der bauvorgaben, sie wollen auch gleich sich ändern. da nehmen sie sich viel vor. um ihre haltung zu bestärken, legten sie gemeinsam gelübde ab, die fragwürdig, wie jeder vorsatz sind. so konnte man im tv sehen, dass sie alle die aussage trafen: „ich sage nie wieder alternativlos“.

dieser vorsatz muss aus dem managment kommen, aus der mitarbeiterschulung. für jedes problem gibt es eine lösung, man muss sich nur ordentlich anstrengen, bei jeder handlung sollte schon die alternative mitgedacht werden. ein vorsatz, der nach hinten losgehen kann. der eigentliche vorsatz ist in diesem zusammenhang wohl „ich sage nie wieder …“. und ich antworte mit dem nachsatz: „sag niemals nie“.

denn sonst landet man mit dem vorsatz bei „ich sage nie wieder bedingungslos“, „ich sage nie wieder haltlos“ oder „ich sage nie wieder vorsätzlich“. sollte man die vorsätze wegen ihrer unerfüllbarkeit abschaffen, dann sollte man aber darauf bestehen, dass der nachsatz bleibt. der ist viel wichtiger und kann richtig gehaltvoll krachen. habe mit vorsatz diesen schwachsinn geschrieben. sorry.