Schlagwort-Archive: nah

schreibpädagogik und wohnen

natürlich könnte ich nun darüber schreiben, wie man aus großen wohngemeinschaften auch schreibgruppen machen kann, doch die gefahr, dass während eines wg-plenums die konflikte nur schriftlich ausgetragen werden, besteht nicht.
es geht mir eher darum, wie man von seinem wohnort aus, schreibgruppen-angebote erreichen und finden kann. denn viele menschen leben nicht in großstädten und haben somit auch nicht die möglichkeit zwischen diversen schreibgruppenangeboten zu wählen. auch nicht jede volkshochschule bietet kreatives schreiben an.

also begeben sich menschen, die gern schreiben heutzutage ins internet und suchen in der nähe ihres wohnortes schreibgruppenangebote. im netz ist das angebot wiederum recht unübersichtlich. gibt man nur „kreatives schreiben“ oder „schreibgruppen“ ein, erhält man tausende von angeboten, aber nicht regional sortiert. begrenzt man die suche auf die nächst größere stadt im eigenen lebensumfeld, tauchen alle texte, die mit kreativem schreiben zu tun haben auf. eine zentrale datenbank mit angeboten des kreativen oder biografischen schreibens gibt es leider nicht.

doch ganz gute anlaufstellen für kreatives und biografisches schreiben sind weiterhin die volkshochschulen, alle hochschulen oder fachhochschulen in der nähe oder angebote zu online-gruppen. dazu kommen dann noch diverse online- oder fernstudiengänge zu kreativem oder biografischem schreiben. dabei verlässt man aber die vorstellung einfach an einer schreibgruppe teilnehmen zu wollen und nimmt an einem studium teil.

sollte kein angebot in der nähe des eigenen wohnortes zu finden sein, dann kann man sich noch darüber informieren, ob es kompakte angebote wie schreibwerkstätten an einem wochenende, über mehrere tage, in tagungshäusern oder bei anderen seminaranbietern gibt. auch hierfür gibt es keine zentrale datenbank oder jemanden, der alle angebote sammelt, man kann sich nur regional oder thematisch kundig machen. ohne internet war dies noch viel schwieriger, da es auch wenige zeitungen oder zeitschriften gibt, die die angebote bündeln.

wohnort-nah das ideale angebot zu schreibgruppen und schreibangeboten zu finden, bleibt eine sucharbeit. doch es kann sich lohnen, denn insgesamt nimmt das angebot an kreativem und biografischem schreiben zu. und sollte in der nähe nichts sein, so gibt es doch über das ganze land verstreut etliche attraktive angebote für mehrtägige schreibgruppen. und sollte all das nicht in frage kommen, kann man immer noch eine schreibgruppe gründen. hier im blog hatte ich mal tipps und vorbereitende überlegungen gebündelt. sie sind zu finden unter: schreibgruppen selber gründen.

Werbeanzeigen

kiez on the blog – ein online-projekt

der begriff „kiez“ ist laut der brüder grimm „ein merkwürdiges altes wort des nordöstlichen deutschlands“. er umreisst meist ein wohngebiet, eine strasse, einen platz. die berlinerInnen (auch die hinzugezogenen) schwören irgendwann auf ihren kiez. die wahl des wohnortes bekommt eine große bedeutung, obwohl der nahverkehr einen an jeden ort bringen kann. und wie es für eine metropole üblich ist, unterscheiden sich die wohngebiete teils stark.

man kann in berlin, aber auch in potsdam mit dem nahverkehr vom villenviertel in trabantenstädte reisen und sich ein andermal plötzlich auf einem dorfplatz mit der kirche in der mitte wiederfinden. man kann beinahe alle sprachen der welt hören und sich kulinarisch in beinahe jede region des planeten entführen. man kann tag und nacht orte aufsuchen, an denen sich menschen treffen. man hat eigentlich nie alle winkel der städte gesehen. immer entsteht etwas neues, passiert etwas oder erlebt man skurriles.

darüber soll in dem neuen blog „kiez on the blog“ geschrieben werden. der blog der hoffbauer berufsakademie in potsdam greift die geschichten des kiezes auf. studierende teilen etwas über ihren kiez mit und alle leserInnen sind eingeladen, sich daran zu beteiligen. das projekt will das eigene lebensumfeld ein wenig näher bringen. es will den blick für das nahe und nächste schärfen. und es bietet eine plattform, sich darüber auszutauschen. und das vorhaben bietet den studierenden die möglichkeit, sich dem kreativen schreiben auf einem anderen weg anzunähern.

das projekt startet dieser tage und verspricht einen spannenden blick auf berlin und potsdam zu offenbaren. die webseite findet man unter http://www.kiez-on-the-blog.de . wer lust hat, kann bilder, texte, musik oder filme auf die seite stellen. auf dass der blick auf das nächste auch die vielfalt der städte widerspiegelt.

wissenschaftliches schreiben und nähe

nun, man kann darüber nachdenken, wie zwischen wissenschaftlerInnen nähe entsteht oder wie wissenschaftlerInnen während des schreibens einer abschlussarbeit andere wissenschaftlerInnen zum beispiel in bibliotheken oder auf vorträgen kennenlernen. doch dies hat nicht viel mit dem wissenschaftlichen schreiben zu tun, sondern mit den zwischenmenschlichen interaktionen, die in allen sozialen zusammenhängen auftauchen können. mit scheint es wichtiger, einmal darauf zu schauen, welche bindungen bei wissenschaftlerInnen zu ihren forschungsfragen und in der folge zu ihren texten entstehen können.

sicherlich bauen sich in bezug auf hausarbeiten und referate nicht die gleichen bindungen auf wie bei größeren abschlussarbeiten. doch es geht immer wieder im zusammenhang mit wissenschaftlichen texten, um bewertungen von außen. beschäftigt sich zum beispiel jemand in seinem referat mit themen, die ihn selber berühren, die er sehr interessant findet und die ihm existentiell scheinen (das kommt teilweise auch auf das fachgebiet an), so wird kritik schnell als kritik an der person, am eigenen charakter verstanden. verstärkt wird dieses gefühl oft noch durch benotungen, die inzwischen bei fast allen studienleistungen vorgenommen werden, da diese prüfungsleistungen sind.

bei abschlussarbeiten wiegt für viele kritik noch schwerer. hier bekommt die note und bewertung teilweise eine noch existentiellere bedeutung. bei freier themenwahl bei master- oder doktorarbeiten wurde mit großer wahrscheinlichkeit ein forschungsthema ausgewählt, das man selber spannend und interessant findet. es besteht über einen längeren zeitraum eine emotionale nähe zum geschriebenen. zählt man noch die ganzen zweifel und anstrengungen hinzu, dann ist für viele die schriftliche arbeit ihr erstes wirklich großes geschriebenes werk. und das wird nun öffentlich gemacht, unterliegt einer bewertung und beurteilung durch andere. hier können gefühle von ohnmacht und hilflosigkeit aufkommen.

doch schon im vorfeld fällt es vielen schwer, ihre abschlussarbeit überhaupt loszulassen. so manche wissenschaftliche schreibende zögern die abgabe ihrer arbeit hinaus, da sie sich von ihr nicht trennen können. dafür gibt es sehr verschiedene gründe. es kann eine rolle spielen, Weiterlesen

schreibidee (343)

früher, als es das internet noch nicht gab, also in zeiten als unser leben noch vor der haustür ablief, da war mensch eher gefragt, seinen bedenken und unsicherheiten gegenüber zu treten, sie zu überwinden und allen mut zusammen zu nehmen, wenn er sich jemandem annähern wollte. dies geschah im beruf, auf parties oder in der schule. einzig das telefon hatte man zur hilfe, doch dies auch nur, wenn man sich in seiner wohnung aufhielt und die andere person sich in ihrer wohnung aufhielt. heute geschieht dies oft auf etwas distanzierterem weg. es wird viel digital geschrieben. darum als schreibanregung das verfassen von „digitalen annäherungstexten“.

um der digitalen vielfalt auch bei den schreibanregungen raum zu geben, sollen verschiedene varianten ein und derselben situation verfasst werden. stellen sie sich vor, sie sind einem menschen im alltag begegnet, kurz ins gespräch gekommen und hin und weg. diesen menschen werden sie in absehbarer zeit nicht mehr treffen, haben aber seine oder ihre kontaktdaten und wollen sich annähern. je nach verbindungsmöglichkeiten soll von den schreibgruppenteilnehmerInnen ein versuch der kontaktaufnahme formuliert werden. zum einen per twitter oder sms (maximal 140 zeichen), dann eine erste äußerung im chat, eine mail und als kontrast die altmodische form eines briefs. die annäherungstexte, auch wenn sie kurz sind, sollten jeweils auf einem gesonderten zettel notiert werden.

nun wird die schreibidee zu zweit in der gruppe weitergeführt. ihre zettel tauschen die teilnehmerInnen. aufgabe ist es, eine positive reaktion zu allen kommunikationsformen zu verfassen. anschließend eine negative, dabei wird davon ausgegangen, dass nicht der einfachere weg der digitalen kommunikation beschritten wird, nämlich nicht zu reagieren. es werden also jeweils zwei antworten verfasst. die texte werden nicht vorgetragen, sondern den kollegInnen zurückgegeben.

im nächsten schritt wird nur noch auf die positven reaktionen geantwortet, also eine weitere annäherung versucht. wenn die texte fertig sind, werden sie wieder an die kollegin, den kollegen in der schreibgruppe gegeben und noch einmal eine positive reaktion verfasst. anschließend werden die texte gebündelt in der schreibgruppe vorgetragen. es findet eine feedbackrunde statt, in der die besonderheiten dieser form der annäherung genauer betrachtet werden.

zum abschluss können die beiden schreibgruppenteilnehmerInnen zwischen den drei varianten, twitter / sms, chat oder mail wählen, welche sie weiterführen wollen. in dieser form werden nun die schriftlichen dialoge und annäherungen weitergeführt. dabei ist nicht mehr vorgegeben, ob es zu einer negativen oder positiven reaktion kommen soll. sollte die genug zeit vorhanden sein, können diese annäherungsdialoge in der gruppe vorgetragen werden.

liste (89) – nähe

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „nähe“.

menschen, die mir im laufe meines lebens zu nahe kamen:

menschen, deren nähe mir sehr gefiel:

meine liebsten formen der nähe:

menschen, denen ich noch näher kommen möchte:

menschen, situationen, dinge, zu denen ich gern mehr distanz aufbauen würde:

kreatives schreiben und nähe

wie in der eben geposteten schreibidee aufgezeigt, kann man schreibend unglaublich viel nähe herstellen. doch nun möchte ich noch einen anderen aspekt im zusammenhang mit dem kreativen schreiben beleuchten: wie nah sollen meine kreativen texte an meinem leben sein? was will ich preisgeben und was nicht? denn jedesmal, wenn wir kreativ sind, fließen anteile von uns in das geschaffene und geschriebene ein. kreativität speist sich unter anderem aus unseren erfahrungen.

während des kreativen schreibens kann ein befreiendes gefühl auftreten, da man mit geschichten, gedichten und texten einen ausdruck für die eigene gefühlslage findet und „dinge loswerden“ kann. dieser aspekt ist nicht zu unterschätzen, wenn man später stolz auf das geschaffene blickt und überlegt, es der öffentlichkeit preiszugeben. man ist dem text nahe und der text geht einem nahe. (vorsicht mit deutungen: nicht jeder text spiegelt das seelenleben der autorInnen wieder!)

doch man sollte bedenken, dass man die reaktionen der öffentlichkeit auf das geschriebene nie einschätzen kann. man weiß nicht, wenn man ein buch veröffentlicht oder einen text ins internet stellt, wie er auf andere wirkt. schnell kann es zu kritiken kommen (natürlich auch zu lob, anerkennung und jubel), die einen noch stärker treffen, wenn man eine große nähe zum inhalt des textes hat. es ist sinnvoll, bevor man einen text veröffentlicht, eine gewisse distanz zu ihm aufzubauen, sich vom text zu verabschieden.

das mag jetzt recht kryptisch klingen, doch es benötigt gelassenheit, wenn jemand das selbstgeschriebene, das einen bewegt, zerpflückt. denn auch in kritiken fließen persönliche momente ein. stimmungen einzelner menschen, berührungen und nähe durch die gelesenen texte, lassen sich nicht erahnen. natürlich kann man sich beim schreiben die idealen Weiterlesen

schreibidee (342)

es gibt noch eine perspektive, die bisher hier nicht beleuchtet wurde. das schreiben ermöglicht es einem, jede entfernung, die man für angemessen hält, einzunehmen. dabei kann man distanz zum geschehen, zum zu beschreibenden objekt oder zu den protagonisten wahren. aber es geht auch andersrum: man kann ganz nah rangehen, man kann sogar so nah rangehen, wie es das menschliche auge überhaupt nicht erfassen kann, nämlich mikroskopisch nah (und zum beispiel einen dialog der mitochondrien einer zelle schreiben). darum eine schreibanregung für „ganz-nah-geschichten“.

im ersten schritt suchen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen im raum einen gegenstand aus, den sie auf maximal zwei seiten sehr detailliert beschreiben. dabei sollte die bezeichnung, der name des gegenstands nicht verwendet werden. so nehme man zum beispiel einen füller und finde worte für seine struktur, seine farbe, seinen aufbau, vielleicht auch seinen nutzen. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

im zweiten schritt nähert man sich seinen mitschreibenden an. es finden sich immer zwei teilnehmerInnen der schreibgruppe zusammen und betrachten sich auch aus der nähe. nun schreiben sie jeweils über die andere person eine darstellung, die den nahen blick zulässt. man kann also auf die struktur der finger schauen, auf die fingernägel, auf die frisur, die kleidung und vieles mehr. diese texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

im dritten schritt entwickeln die teilnehmerInnen jeweils protagonistInnen, ebenso auf maximal zwei seiten, die sie ebenso, wie vorher ihre gruppenkollegInnen, detailliert beschreiben. es geht weniger um deren charakter oder lebensgeschichte, sondern um details ihres aussehens. die texte werden nicht in der schreibgruppe vorgetragen.

denn als nächstes wird eine längere geschichte mit den protagonistInnen geschrieben, in die personenbeschreibung mit einfließt. in dieser geschichte sollte aber noch mehr nähe von den autorInnen hergestellt werden. nicht nur das aussehen wird erfasst, sondern die gedanken. wie auf einem seziertisch sollen die gedanken raum finden. die geschichte wird nicht in der ich-form geschrieben, also autorIn und protagonistIn sind nicht eine person. aber die perspektive sollte so nah wie möglich eingenommen werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. beim feedback wird der blick auf die herstellung der nähe konzentriert. wie detailliert ist die nähe gelungen? was transportiert in dem text die große nähe?

wenn dann noch zeit vorhanden ist, kann ein kurzes gegenstück zu verfassten „ganz-nah-geschichte“ geschrieben werden. die gleiche handlung wird aus großer distanz noch einmal beschrieben, um den kontrast zwischen beiden formen zu erfassen.

biografisches schreiben und nähe

nähe ist etwas sehr schönes und kann etwas sehr gruseliges werden. vor allen dingen emotionale und körperliche übergriffe haben etwas mit nähe zu tun. da wir inzwischen in einer gesellschaft leben, in der viele grenzen (der privatheit, der körperlichkeit, des berufs, der kommunikation …) überschritten werden, wird das erzeugen von nähe oder von distanz eher schwerer als leichter.

auch in unseren zwischenmenschlichen kontakten im laufe unseres lebens geht es immer wieder um nähe und distanz. angefangen bei den wünschen, einzelnen menschen näher kommen zu wollen bis zu der frage, wie nahe dürfen einem andere kommen. hier kann man zum beispiel auf einem großen blatt, sich selber in die mitte zeichnen und dann eintragen, welche menschen, die man kennt, in welcher distanz zu einem selber stehen. dies kann man für den aktuellen zeitpunkt machen, aber auch für vergangene zeiten.

wie sah es zum beispiel in der jugendzeit aus, oder beim berufseinstieg? zusätzlich kann man zum beispiel noch markieren, welche menschen man gern in seiner nähe hatte und welche weniger, welche hätten gern näherkommen dürfen und welche sollten noch weiter weg sein. dabei können erinnerungen an die schönsten nähe-erlebnisse mit einem anderen menschen auftauchen, ebenso wie übergriffige situationen, die man im laufe seines lebens erlebt hat. bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte geht es ja immer wieder um die frage, in welchem sozialen umfeld man sich wie bewegt hat. und vor allen dingen, wie angenehm dies Weiterlesen

selbstbefragung (154) – nähe

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „nähe“.

  • ab wann ist etwas für sie nahe? beschreiben sie?
  • wie nah dürfen ihnen menschen kommen?
  • wer kam ihnen in ihrem leben zu nahe? warum?
  • wem würden sie gern näher kommen?
  • wann in ihrem leben wurde die nähe unerträglich, aber auch schön?
  • welchen lebenskonzepten stehen sie nahe?
  • wer will ihnen zur zeit nahe kommen?
  • wie wichtig ist ihnen nähe überhaupt? beschreiben sie.
  • auf welche art und weise nähern sie sich menschen an?
  • auf welche art und weise distanzieren sie sich von menschen?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/