Schlagwort-Archive: nahverkehr

schreibidee (360)

wenn man anfängt nach schreibanregungen zu suchen, dann fängt man auch meist an, mit offeneren sinnen durch die welt zu laufen. man betrachtet dinge, die man erlebt hat, auch unter dem aspekt, ob diese eine geschichte wert sind. und je öfter man mit den ausgefahrenen antennen durch die welt läuft, um so häufiger nimmt man ereignisse und anekdoten wahr. darum dieses mal eine schreibanregung zu „anekdoten-sammlungen“.

diese schreibidee benötigt eigentlich einen längeren vorlauf, macht also in schreibgruppen sinn, die sich regelmäßig treffen und in denen gern auch mal kleinere aufgaben übernommen werden. dann kann man die gruppenteilnehmerInnen dazu einladen, sich ein notizbuch anzulegen, das sie möglichst immer mit sich herumtragen. in dieses notizbuch werden über einen längeren zeitraum alle erlebnisse, eindrücke oder szenen notiert, die einem „geschichtsträchtig“ scheinen.

ob es nun im öffentlichen nahverkehr, auf der strasse, am arbeitsplatz oder im nachtleben ist, es gibt immer wieder ereignisse, die einen schmunzeln lassen, einen empören oder vielleicht einen tief bewegen. solche momente sollten in dem notizbuch vor allen dingen festgehalten werden. wenn die aufgabe von der schreibgruppe konsequent verfolgt wird, dann sammeln sich im laufe der zeit eine ganze menge geschichten (und notizen) an.

als erstes werden bei dem anekdoten-sammlung- schreibgruppentreffen von allen teilnehmerInnen ihre notizbücher durchforstet. nun notieren sich die teilnehmerInnen die szenen noch einmal in einem kleinen abschnitt von ein paar sätzen. der schwerpunkt liegt noch nicht darauf, eine geschichte daraus zu machen, sondern in ein paar worten das erlebte wiederzugeben.

anschließend stellen alle teilnehmerInnen ihre abschnitte in der schreibgruppe vor. die schreibgruppe wählt aus dem persönlichen pool der ereignisse pro person zwei beispiele aus, zu denen sie später eine geschichte hören möchte (dies macht man am besten per stimmzettel oder durch kurze abstimmungen per handaufzeigen). nun schreiben die teilnehmerInnen zu den gewählten notizen zwei geschichten. die geschichten werden anschließen in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

zum abschluss wählt die schreibgruppe aus den jeweils zwei dargebotenen geschichten noch einmal eine aus. und aus allen ausgewählten geschichten kann eine anekdoten-sammlung der schreibgruppe erstellt werden. entweder veröffentlcht man diese gemeinsam im internet, man kopiert oder druckt ein kleines büchlein oder man veranstaltet eine lesung dazu. der titel könnte zum beispiel lauten „die letzten drei monate in xy – anekdoten, die das leben schrieb“.

natürlich können die kurzbeschreibungen der notizen auch ausgetauscht werden und andere gruppenteilnehmerInnen schreiben eine geschichte dazu, oder man wählt selber die bevorzugte geschichte aus. die sammlung lässt sich über einen längeren zeitraum fortführen und es werden immer wieder neue geschichten von den schreibenden beigesteuert. der alltag bietet zumindest anregungen ohne ende.

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stadtautobahn vs. öffentlicher personennahverkehr in berlin

fährt noch irgendetwas in dieser weltmetropole? 😯

U2
von 24.06.2011 03:30
bis 09.12.2011 02:00
Sperrung wegen Bauarbeiten der BVG; Linieneinstellung/ -teileinstellung
U6
von 06.11.2011 22:00
bis 10.11.2011 03:30
Sperrung wegen Bauarbeiten der BVG; Linienunterbrechung/ Pendelverkehr
U7
von 06.11.2011 22:00
bis 11.11.2011 03:30
Sperrung wegen Bauarbeiten der BVG; Linienunterbrechung/ Ersatzverkehr

M4
von 05.11.2011 05:30
bis 07.11.2011 21:55
Sperrung wegen Bauarbeiten der BVG; Linienunterbrechung/ Ersatzverkehr

M8
von 01.08.2011 04:00
bis auf Weiteres.
Sperrung wegen Bauarbeiten der BVG; Linieneinstellung/ -teileinstellung

M13
von 28.10.2011 05:00
bis 11.12.2011 03:40
Sperrung wegen Bauarbeiten der BVG; Linienunterbrechung/ Ersatzverkehr

Habe das alles mal ein wenig abgekürzt (füllt ja den ganzen Blog, aber wer die Angaben der BVG und der S-Bahn für den 06ten November in Ruhe lesen und genießen möchte, der klicke einfach hier und lese weiter: Weiterlesen

nabelschau (53)

nichts dazu gelernt. schade, eigentlich sehr schade. als nicht-freund der parteien, die gerade in berlin ihre koalitionsverhandlungen platzen ließen, kann ich trotzdem nicht mehr verstehen, wie sehr man gesellschaftliche entwicklungen ausblenden kann. es mag einen teil der gesellschaft geben, die auf biegen und brechen das auto als ihr alleiniges fortbewegungsmittel akzeptieren. nicht da es praktischer und flexibler ist (in der großstadt ist dies kaum möglich), sondern als statussymbol.

seit der wiedervereinigung vom ost- und westteil der stadt wurde es versäumt, für berlin ein vernünftiges verkehrskonzept zu entwickeln. es war die große chance und sie wurde wissentlich, unter dem eindruck lobbyistischen geschreis, nicht genutzt. der ausbau des nahverkehrs ging viel zu schleppend voran. dann kamen die ganzen chaotischen zustände der s-bahn dazu und das gesamte netz ist eigentlich seit über 10 jahren eine einzige baustelle.

relativ klar bleibt: wer nicht muss oder nicht ausdrücklich will, der verlässt sich lieber nicht auf den nahverkehr. wer muss und will, der schaut lieber vorher ins internet, um seine fahrtroute rund um die ganzen pendelverkehre, umleitungen, schienenersatzverkehre und dergleichen mehr zu legen. da versucht man die piraten der lächerlichkeit preis zu geben, da sie kostenfreie nutzung des nahverkehrs fordern. und lässt eine koalitionsverhandlung wegen der stadtautobahn platzen.

der nahverkehr ist in berlin schon lange keine dienstleistung mehr, sondern ein hürdenlauf. die radwege werden nur auf den zentralen routen ansatzweise gepflegt und überhaupt erst jetzt eingerichtet. die mitte der stadt unterliegt einer dauersperrung nach der anderen, das tram-netz ist immer noch nicht in den westen berlins ausgebaut worden, … vieles ließe sich da aufzählen, wie es eine große stadt versäumt hat, die energiebilanz in ihrer fortbewegung wesentlich zu verbessern und den nahverkehr attraktiv zu machen.

wer das nicht glaubt, der schaue an einem x-beliebigen tag auf die homepage der bvg und der s-bahn und rufe die verkehrsänderungen auf. und dann frage er sich, ob sich die zeiten nicht längst überlebt haben, in denen der stau auf stadtautobahnen eine alltagsveranstaltung ist.

nabelschau (11)

ich will mein fahrrad abwracken. es gibt menschen in dieser gesellschaft, die ihre mobilität mit dem öpnv (öffentlicher personennahverkehr) und dem fahrrad erlangen. sie haben sich schon vor jahrzehnten überlegt, dass es in dieser gesellschaft zu viele autos gibt und dass sich der großteil der zurückzulegenden wege auch so bewerkstelligen lassen. diese menschen haben die arschkarte gezogen.

schon früher bei der pendlerpauschale konnten man sein fahrrad nicht berücksichtigen. das änderte sich zum glück vor geraumer zeit ein wenig. auch steuerlich lässt sich ein dienstfahrrad immer noch nicht geltend machen, war es doch die persönliche entscheidung auf ein auto zu verzichten. und jetzt wieder. die autoindustrie, die beständig daran gearbeitet hat, das sparsame auto nicht zu produzieren, obwohl dies technisch längst möglich ist, soll auf teufel komm raus gestützt werden.

die gesellschaft hat unsummen in den ausbau ihrer autobahnen und straßen gesteckt und behandelte den nahverkehr immer äußerst stiefmütterlich. die konsequenz: der nahverkehr erscheint für viele immer noch nicht attraktiv, da allein die anschlüsse einen gehörigen mehraufwand an zeit benötigen. ähnlich sieht es mit der bahn aus, die lieber nebenstrecken schloss, und den verkehr auf busse verlagerte, als ein attraktives angebot zu machen. dies fiel übrigens nicht vom himmel, sondern war politisch gewünscht. denn der aufsichtsrat der bahn ist von der bundespolitik getragen, wie man gerade feststellen konnte.

und so gibt es für ein neues auto geldgeschenke, also subventionen, die ich mit bezahle. doch wenn mein fahrrad durch häufigen gebrauch das zeitige segnet, dann muss ich dies vollständig selbst finanzieren. die ökobilanz des fahrrads wird nicht honoriert, die schlechte ökobilanz der einzelfahrerInnen wird noch unterstützt. skurril bei den zu erwartenden ökologischen folgen. aber versuchen sie mal, eine abwrackprämie für ihr fahrrad zu bekommen. obwohl diese industrie sicher auch unterstützung gebrauchen könnte.

kreatives schreiben und nahverkehr

wer nicht zum eigenen auto greift, um sich fortzubewegen, zur arbeit zu fahren oder besorgungen zu erledigen, der hat den vorteil, viele menschen ganz aus der nähe zu beobachten. diese beobachtungen bieten geschichten und charaktere ohne ende. es geht dabei nicht darum, andere zu be- oder verurteilen. es geht darum den alltag zu erfassen, um ihn schriftlich bei geschichten wiedergeben zu können.

und es geht natürlich um schreibanregungen. wie sieht das leben hinter den kulissen aus. wenn mensch sich in die öffentlichkeit begibt, möchte er oft, dass andere menschen einen bestimmten eindruck von ihm erhalten. doch diese form der selbstdarstellung verrutscht gern und es offenbart sich eventuell der ganze schmerz, der sich momentan durch das eigene leben zieht. so etwas trägt man eigentlich nicht nach außen (obwohl bisher unklar ist, weshalb eigentlich nicht), und versucht ein zuversichtliches bild aufrechtzuerhalten.

und dann passiert eine kleinigkeit, meist an orten, an denen menschen eng aufeinander sitzen und nicht ausweichen können, und das fass läuft über. deshalb ist der nahverkehr ein ganz gutes spiegelbild unserer gesellschaft. er zeigt zwar auch nur ausschnitte, aber andere, als sie sonst sichtbar sind. zug-, u-bahn- oder busfahrten bieten viele einblicke. ob es der coole typ ist, der einen schlechtgelaunten eindruck macht und sich dann die ganze fahrt lang in stellenanzeigen vertieft oder die gepflegte frau, die sich als erstes ins zug-bistro stürzt und beinahe ihren ausstieg verpasst, da sie schon nach halber strecke betrunken ist.

ob es die mutter ist, die eigentlich nicht zeigen darf, wie sehr sie ihre kinder zwischendurch nerven, und der irgendwann der kragen platzt oder der einsame herr, der einzig seine sozialen kontakte über seinen hund aufbauen kann, den er mit sich führt. bilder über bilder lassen sich einfangen und später in geschichten aufnehmen. man muss sie nur notieren.

kreativen schreiben und großstädte

in den großen städten sammeln sich auf der ganzen welt immer mehr menschen. viele verlassen das land, da sie ihre chancen nur noch in der großstadt vermuten. das ist oft genug ein trugschluss, und doch, die wanderung in die metropolen ist kaum zu stoppen.

dadurch leben, auch schon vor den wanderungen, menschen aller couleur in den citys. und die möglichkeiten der beobachtung sind vielfältig. allein eine fahrt mit einem nahrverkehrsmittel durch eine größere stadt kann einem die ganze bandbreite der bewohner nahebringen. man kommt in kontakt mit personen, die man, wenn man sich mit dem eigenen auto fortbewegt nicht sehen würde. zum beispiel berlin, 30 grad im schatten, viele sind in die sommerferien gefahren. man fährt mit der s-bahn.

umsteigen und man betritt einen wagon, in dem jemand steht, der ein beinahe vollständiges outfit in lack trägt. selber kurz vor dem hitzschlag fragt man sich, wie sich in dieser auch noch schwarzen montur überleben lässt. aber er macht einen lebhaften eindruck und erweckt nicht den anschein, dass er gleich umfallen könnte. dann auf dem weg zum tierpark ein vater mit seinem kleinen sohn. vati ist recht spät zu einem kind gekommen. und für heute ist ein ausflug in den tierpark geplant. der kleine junge ist aufgedreht und erzählt und fragt die ganze zeit. vati ist verschwitzt, hat keine lust mehr zu antworten und scheitert gerade an seiner rolle, die er wahrscheinlich nur in den ferien übernimmt. er weiß nicht mehr, wie er seinem aufgeweckten kind herr werden kann und läuft, kaum hält die u-bahn, beim aussteigen vorneweg, um ein wenig abstand zwischen sich und seinem weiterhin fragenden kind zu bringen. sein sohn will kontakt und fragt noch mehr und noch lauter.

so lassen sich bei einer fahrt dutzenden von geschichten finden. und manche gesichtsausdrücke oder gesten kann man fröhlich deuten. was mag ihr heute geschehen sein, dass sie so traurig aussieht? ob die zwei gerade streit miteinander hatten? in berlin empfiehlt es sich, sich einfach einmal in den s-bahnring zu setzen und eine stunde im kreis zu fahren. dann kennt man zwar noch nicht die stadt, man hat aber einen pool von geschichten, die nur auf ihre erzählung warten.