Schlagwort-Archive: neid

liste (95) – neid

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um den „neid“.

das ruft bei mir den grössten neid hervor:

auf diese menschen bin ich neidisch:

die menschen scheinen auf mich neidisch zu sein:

meine häufigsten verhaltensweisen, wenn ich neidisch bin:

dinge, auf die ich überhaupt nicht neidisch bin, andere aber meinten, man müsse das sein:

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wissenschaftliches schreiben und eifersucht

das wort „eifersucht“ ist vielleicht nicht ganz zutreffend, man kann es auch neid oder konkurrenzverhalten nennen. denn in den wissenschaften herrscht inzwischen eine hauen und stechen um positionen und vor allen dingen finanzierungen. dies folgt der vorstellung, dass konkurrenz das geschäft belebe.

wie hier im blog vor kurzem beschrieben, ist dies in bezug auf grundlagenforschung und gesellschaftliche notwendigkeiten ein trugschluss. als beweis kann man zum beispiel die gefälschten forschungsergebnisse, die gehäuft veröffentlicht oder zumindest lanciert werden, sehen. da es kaum mehr grundsicherungen für wissenschaftlerInnen gibt, lebt nun auch die forschung von der sensation. dies bringt aber menschen dazu, sensationen zu schaffen, die gar nicht existent sind.

daneben werden weiterhin berufungen und stellenbesetzungen an die zahl der veröffentlichungen geknüpft. dies hat den effekt, dass forschende teilweise auf teufel komm raus versuchen, aus teilergebnissen eine veröffentlichung zu erstellen. zudem werden dadurch die hierarchien in den hochschulen gestärkt, da vorgesetzte darauf bestehen, in der veröffentlichung genannt zu werden, obwohl die eigentliche forschungsarbeit von ihren mitarbeiterInnen geleistet wurde.

und als weiterer aspekt kommt noch der zeitdruck hinzu. die forschungsergebnisse sollten vor den anderen, den konkurrentInnen, veröffentlicht werden, um seine spitzenposition zu erhalten. doch damit unterbindet man teamwork und kollaboratives forschen. oft wird mit heisser nadel gestrickt und nicht selten sind die forschungsergebnisse nicht wiederholbar.

dies hat auch auswirkungen auf das wissenschaftliche schreiben. auf den eigentlichen schreibprozess wird immer weniger zeit verwendet. forschungsergebnisse sind für die normalsterblichen kaum mehr zu verstehen. das liegt nicht ausschließlich an der komplexität der forschungen. inzwischen bereitet die ergebnisse Weiterlesen

kreatives schreiben und eifersucht

schaut man sich dramen, beziehungsfilme und liebesfilme im kino an, dann fällt auf, dass eine tragende rolle im plot immer die eifersucht spielt. sie gibt der geschichte wendungen, knackige dialoge, höhepunkte, versöhnungen und vieles mehr. meist ist es ein missverständnis, das erst ein happy-end ermöglicht. die menschen müssen sich trennen, um wieder zueinander zu finden. oder man trennt sich für immer, geht seiner wege und stellt zu einem späteren zeitpunkt fest, dass es ein fehler war (drama).

beim kreativen schreiben kann die eifersucht ebenso das salz in der suppe einer geschichte sein. beziehungskonflikte um geld oder das sorgerecht für die kinder sind erst dann richtig griffig, wenn neid und eifersucht ins spiel kommen. und es bietet sich an, die auseinandersetzungen in dialoge zu fassen. denn eine schlichte aussage wie „er / sie war eifersüchtig.“ transportiert keine geschichte. um noch einmal auf die filme zurückzugreifen: zu einer gehörigen portion eifersucht gehören auch übersteigerte reaktionen. die geschichten leben nicht davon, dass die protagonistInnen wie vernünftige menschen handeln und sich zusammensetzen, um das problem zu klären und missverständnisse aufzulösen.

um den spannungsbogen in einer geschichte zu halten, sollte die eifersucht auch nach der ersten auseinandersetzung nicht gleich mit einer versöhnung aufgelöst werden (dies entstpricht auch nicht der realität). ist das misstrauen einmal gesät, benötigt es eine gewisse zeit, bis sich wieder grundvertrauen einstellt und das entspannte aufeinander zugehen wieder möglich wird.

natürlich transportiert man damit ein beziehungskonzept, das vielleicht nicht das eigene ist. hier geht es nicht um die abbildung der realität, es geht Weiterlesen

schreibpädagogik und eifersucht

es geht nicht darum, ob es in schreibgruppen eifersüchteleien geben mag und wie damit umzugehen ist, wenn man die gruppe anleitet. an allen orten, an denen menschen aufeinandertreffen kann es zu kleinen konkurrenzen kommen, da unterscheiden sich die formen und wege wenig. nein es scheint mir wichtiger, einen blick auf eine recht spezielle form der eifersucht bei kreativen tätigkeiten zu werfen.

teilnehmerInnen von schreibgruppen berichten öfter davon, dass ihre freunde, bekannte oder lebensabschnittsgefährtInnen sich darüber lustig machen, was sie denn für ein hobby gewählt haben oder welchen seltsamen interessen sie folgen. meist beginnen die äußerungen mit einer abwertung der tätigkeit. es wird gern formuliert, dass es sich ja um so ein volkshochschul-ding handle (was überhaupt nicht gegen volkshochschulen spricht) und eher hausfrauen vorbehalten sei (was auch überhaupt nicht gegen die arbeit im haushalt spricht). in den bewertungen der sender dieser botschaften sind volkshochschulen und hausfrauen negativ besetzt. allein dies wirft etliche fragen auf.

aber man befindet sich in diesem moment an dem punkt, ob man überhaupt auf die äußerungen eingehen will. denn wenn man versucht sich zu rechtfertigen wertet man im gleichen atemzug auch die volkshochschulen und hausfrauen ab. gleichzeitig scheint es aber sinnvoll zu vermitteln, was schreibgruppen oder kreatives und biografisches schreiben so interessant und anregend macht. die eifersucht speist sich meist aus dem erleben, dass die schreibenden mit großer begeisterung von den dynamiken der neuen tätigkeit berichten. da hat jemand etwas für sich gefunden, da findet jemand einen neuen ausdruck seiner oder ihrer selbst.

als teilnehmerInnen von schreibgruppen führt man seinem umfeld vor, dass schreiben eine wirkung auf die eigene person hat. man verändert sich, man kommt sich näher und findet schriftlich worte für das eigene befinden. dabei kann es zu entwicklungen kommen, die der umgebung bedrohlich erscheinen. meist handelt es sich in diesen momenten um Weiterlesen

wortklauberei (66)

„eine entscheidung der konsequenz“

tja, was will uns der redner damit sagen? es war jemand konsequent und hat deshalb eine entscheidung getroffen? oder die konsequenz an sich trifft entscheidungen, ob man will oder nicht? doch wo kommt die konsequenz dann her? wabert sie frei schwebend durch den raum und erwischt einen, wenn man es gerade nicht erwartet?

wahrscheinlich wollte der redner genau diese vage haltung vermitteln. denn „eine entscheidung der konsequenz“ nannte gestern herr westerwelle den rücktritt von herrn guttenberg. wichtig war wohl nur, dass in dem satz die zwei worte „entscheidung“ und „konsequenz“ auftauchen. denn man ist sehr bemüht, das bild aufrecht zu erhalten, dass der ehemalige verteidigungsminister ein sehr konsequenter mensch ist. und dass er „respekt“ verdient.

tschuldigung, verstehen sie nicht auch etwas anderes unter konsequenz, unter logischer folgerung, schlussfolgerung, auswirkung, effekt, ergebnis …? nämlich nicht zwei wochen zu warten, bis man dann die schlussfolgerung zieht, die man schon vorher hätte ziehen können. im deutschen versteht man nämlich unter „konsequent sein“, auch eine gewisse direktheit und beharrlichkeit, die nicht lang herum laviert und nicht häppchenweise eingeständnisse produziert.

aber wenn man etwas „eine entscheidung der konsequenz“ nennt, dann kann man auch so schön alle kritiker als „neider“ oder „scheinheilige“ bezeichnen. und so verkehrt man den diskurs um das wissenschaftliche arbeiten in einen diskurs um menschliche charakterzüge und zollt dem zögerlichen respekt, da die worte es suggerieren, dass hier jemand logischen prinzipien gefolgt, die andere in frage stellen. da gab es aber keine logik, da gab es angst, zögern und unsicherheit, wenn man dann schon personalisieren möchte. aber eigentlich reicht einfach nur der blick auf die juristische handhabung falscher angaben in einer doktorarbeit und schon wird die konsequenz klar. so einfach kann die welt ohne formulierungen sein, die kein mensch versteht.

schreibidee (193)

neid, missgunst, spiegelei – gelb. die farbe gelb symbolisiert was fruchtiges (man überlege mal, wie viele früchte gelbes fruchtfleisch haben), aber eben auch eine gewisse schieflage in der sozialen interaktion. gelb kann sehr sonnig, fröhlich daherkommen. auf der anderen seite hat pures gelb was schneidendes, schreiendes. oder, wenn es ins bräunliche geht, kann gelb auch zahnbelag oder rauchrückstände an wänden, also einen schmutzfilm abbilden. ob klebrig wie honig oder fein wie blütenstaub, es sollen in dieser schreibidee „gelbe texte“ geschrieben werden.

als einstieg in die schreibidee lassen sich verschiedene varianten vorstellen: entweder man bietet allen einen ausschließlich gelben fruchtsalat an und lässt eine kurze geschichte zum thema frucht schreiben. oder es gibt spiegelei für alle schreibgruppenteilnehmerInnen und man widmet sich der lebensgeschichte eines eigelbs.

anschließend werden am flipchart früchte und beläge gesammelt (in bezug auf fruchtfleisch und schmutzfilme). sie müssen nicht alle gelb sein, doch gelb ist der auslöser für diese suche. nun wählen sich die teilnehmerInnen wieder jeweils einen begriff aus. aus der frucht und dem belag wird anschließend eine geschichte geschrieben, die sich um beide dinge dreht. die geschichten werden bei weiterem obstsalat vorgelesen und es gibt eine feedbackrunde.

nun wendet sich die schreibgruppe dem begriff „neid“ zu. eines der großen gefühle im sozialen zusammenhang. die teilnehmerInnen erstellen zwei listen. zum einen fünf personen, auf die sie neidisch sind mit ein paar stichworten, warum dies so ist. und eine liste mit fünf personen, die auf sie neidisch sind, auch mit stichworten. anschließend wird jeweils ein neidverhältnis ausgewählt, das in eine kurz-kurz-geschichte einfließen sollte. dabei darf es zu allen fiesheiten im menschlichen zusammenleben kommen, die neid verursachen kann. die texte werden zum abschluss ohne feedback vorgetragen.

auch bei dieser schreibidee sollte die raumdekoration dem thema angepasst werden. nur mit den rauchrückständen an den wänden sollte sparsam umgegangen werden. nicht jeder mag die patina eines kettenrauchers.

„warum?“ von nikolai popov – ein buchtipp

dieses buch enthält weder text noch erklärung, es ist ein bilderbuch. ein bilderbuch eher für erwachsene, das in schön gemalten ganzseitigen bildern versucht, die ursache für kriege zu finden. womit ich beim bezug zu den letzten posts bin. es liegt vielleicht nur im unterschied. ein kurzer abriss:

ein frosch sitzt mit einer blume auf eine ast. der frosch erfreut sich an der blume. eine maus kommt hinzu und möchte auch diese blume, obwohl drumherum lauter blumen der gleichen art wachsen. aber die maus hätte gern ausgerechnet diese blume, wahrscheinlich, da sie den frosch so erfreut. und weil es eben ein frosch ist, den die blume erfreut, also jemand anderes, keine maus. so kommt es zum kampf um die blume. und in der folge geht es gar nicht mehr um die blume, sondern um die gruppe, also frosch und maus holen sich unterstützung von anderen fröschen und mäusen. der schluss ist recht einfach, die blumenwiese ist verwüstet, die kontrahenten sind verletzt, der krieg ist irgendwann vorüber. und es bleibt die frage des titels: „warum?„.

nikolai popov hat ein schlichtes aber eindrückliches bilderbuch geschaffen. es könnte ohne probleme eine wunderbare schreibanregung für das thema unterschiede und konflikte in schreibgruppen sein, na ja und es könnte den blick für neid schärfen. das buch ist im neugebauer verlag 1995 in zürich, hamburg, salzburg erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich. ISBN 3-85198-539-0

selbstbefragung (35) – neid

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „neid„.

  • wann werden sie neidisch?
  • auf wen sind sie zur zeit neidisch? warum?
  • glauben sie, es gibt menschen, die keinen neid entwickeln? wirklich? warum?
  • wie weit ist neid für sie ein ansporn zu mehr engagement? begründen sie.
  • ab wann wird neid für sie problematisch? beschreiben sie.
  • wann sind sie großzügig und wem gegenüber?
  • wann können sie sich für andere freuen? nennen sie fünf beispiele.
  • wie passen für sie liebe und neid zusammen? erklären sie.
  • in welchen situationen erleben sie missgunst in ihrem job? beschreiben sie?
  • in welchen situationen waren andere menschen ihnen gegenüber neidisch? wie sind sie damit umgegangen?

web 2.0 und denunziation

 

eigentlich ist es keine eigenheit des web 2.0, dass menschen gern andere menschen denunzieren. doch das aktuelle internet bietet eine ideale plattform, da man sich so wunderbar hinter pseudonymen und mailadressen verstecken kann. denn selten wagen es menschen in eine offene konfrontation zu gehen. sie bevorzugen es aus einer deckung heraus zu agieren, wenn sie an den anderen etwas stört.

und viele menschen haben spaß am schauspiel. was ist die empörung groß , von öffentlichem „pranger“ ist die rede bei seiten wie „rotten neighbour“. seltsamerweise kommt die moral des freundlichen zusammenlebens nur dann zum tragen, wenn der gemeine bürger sich auf eine ebene begibt, die der staat schon länger beschreitet. so bieten finanzämter den service, anonym andere menschen zu melden, bei denen man vermutet, dass sie steuern hinterziehen könnten. oder es gibt ein führungszeugnis über einen, das man selber nicht zu gesicht bekommen wird, das aber von staatlichen stellen abgerufen werden kann. ja, es wird sogar dazu aufgerufen, verdächtiges anonym zu melden.

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