Schlagwort-Archive: november

schreibidee (65)

das wetter ist eklig. es wird kälter, es regnet und die tage werden immer kürzer, winterstimmung will noch nicht so richtig aufkommen. die menschen werden schlechter gelaunt und wer sich noch nicht sein nest für den winterschlaf gebaut hat, kann leicht in depressive stimmung geraten.

da es kreatives, biografisches, szenisches und literarisches schreiben gibt, weshalb soll es nicht einmal depressives schreiben geben. eigentlich gibt es schreibgruppen für depressive, die dazu dienen sollen einen ausdruck für die eigene verfassung zu finden, um sie zu bewältigen, um in einen besseren zustand zu gelangen. warum nicht einmal den spieß umdrehen. eine gute bekannte sagte einmal, man solle nicht nur die positiven momente zelebrieren, sondern auch die traurigen und negativen.

dafür bietet der november die besten voraussetzungen. also kann man den teilnehmerInnen der schreibgruppe, um sie auf die gefühlslage einzustimmen, einen kleinen fragenkatalog aushändigen. In dem katalog stehen fragen wie: was nervt dich zur zeit am meisten? welche unerfüllte sehnsucht schlummer in dir? welche situationen kannst du nicht leiden? welche menschen gehen dir auf die nerven? nenne zehn gründe, weswegen es dir schlecht gehen könnte…

diese fragen beantworten alle teilnehmerInnen für sich persönlich und sie werden auch nicht öffentlich gemacht. ist die liste der negativen gründe und stimmungen ausgefüllt, dann kann daran gegangen werden, einen text oder eine geschichte zu verfassen, die die schlechtigkeiten der welt in der momentanen stimmung widerspiegeln. es ist kein blatt vor den mund zu nehmen, sondern sich in den sumpf der eigenen depressiven stimmung fallen zu lassen. das hat zum einen den effekt, sich beim schreiben einmal vom fantasievollen, schönen und lustigen abzuwenden und das graue abzubilden. und zum anderen kann genau dieses auch eine befreiende wirkung haben, wenn es einmal niedergeschrieben. oder auch nicht. das sollte zumindest bedacht werden, wenn man einmal das depressive schreiben durchführt, das sicherlich keine ernstzunehmende schreibrichtung werden kann, sondern auch ein spiel mit dem inneren zensor ist. also einmal alle hoffnung fahren lassen und der schlechtigkeit ausdruck verleihen. dann kann selbst dauerregen einen versöhnlichen charakter bekommen 😦