Schlagwort-Archive: ohnmacht

schreibidee (387)

ob es nun die wutbürger sind oder das stete jammern und klage – es gibt viele anlässe, die die aktuelle welt schlimm und schlecht erscheinen lassen können. es mag sicher so sein, dass manche beschwerde, manche aufregung unberechtigt oder übertrieben ist. aber es klafft nicht nur die schere zwischen arm und reich auseinander, sondern an vielen orten der welt und bei uns entfernen sich bevölkerung und staatslenkung, -verwaltung immer weiter voneinander. ganz abgesehen davon, erleben immer noch zu viele menschen grausamkeiten. darum dieses mal eine ernsthafte schreibanregung zu „anklage-texten“.

vorab noch eine kurze anmerkung: ich möchte nicht in abrede stellen, dass versöhnung wichtig und hilfreich ist. aber vor allen dingen beim gefühl der ohnmacht darf die ganze frustration auch einmal in einen anklagenden, ungerechten text münden. er dient vor allen dingen dem emotionalen ausdruck, der die verarbeitung des erlebten unterstützen kann. und dann gibt es natürlich auch noch situationen, die keinen menschen ruhig lassen (verhungernde, gequälte und getötet).

aber als einstieg soll bei dieser schreibanregung erst einmal der blick auf die eigene welt geworfen werden. die schreibgruppenteilnehmerInnen werden eingladen, eine kleine sammlung zu erstellen, wozu oder worüber sie gern einen anklage-text erstellen würden. daraus wird ein thema ausgwählt und in stichworten notieren sich die teilnehmerInnen, was zu beklagen wäre. im anschluss wird eine anklage geschrieben. dabei sollten die teilnehmerInnen in die vollen gehen. das heisst, sie sollten sprachlich die möglichkeiten ausloten, wie eine anklage auch wirklich anklagend klingt. da es bei diesen text teilweise sicherlich um sehr persönliche dinge geht, werden die texte nicht in der gruppe vorgetragen.

aber im anschluss werden redewendungen gesammelt, die einer anklage nachdruck verleihen können. sie werden am flipchart notiert. nun gibt die schreibgruppenleitung ein thema vor zu dem von allen teilnehmerInnen ein anklagender text verfasst werden soll. dabei können natürlich manche der gesammelten redewendungen verwendet werden. diese texte werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt, in der betrachtet wird, wie nachdrücklich die anklage auf die zuhörerInnen wirkt.

zum abschluss wird noch „die rede des häuptlings seattle“, die zu großen teilen gar nicht von ihm stammt, vorgetragen. diese rede zeigt gut, dass man eine anklage abseits von wut, verständnislosigkeit oder verachtung formulieren kann. der stil dieser rede soll in einer eigenen rede, geschrieben von den schreibgruppenteilnehmerInnen nachgeahmt und auf ein anderes thema angewendet werden. die rede kann in kleingruppenarbeit oder einzeln verfasst werden. wenn alle texte fertig sind, dann wird ein rednerpult aufgestellt und die großen reden der schreibgruppe werden vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt, um die wirkung der worte nicht zu zerreden.

schreibidee (364)

es wird ja immer frauen angedichtet, doch männer können es genauso gut, da gibt es keinen geschlechtsunterschied mehr. das beleidigt sein, das gekränkt sein und seinen frust nicht zeigen. nein, man wendet andere mittel an. man zieht sich zurück und spricht nicht mehr. man lässt „aus versehen“ das essen anbrennen, man tobt durch die wohnung, wenn die partnerin ein wenig ruhe haben möchte, man zeigt schon morgens einen gesichtsausdruck, der selbst am nachmittag erschreckend wäre. nur in den konflikt geht man nicht. darum eine schreibanregung zu „passiv-aggressiven geschichten“.

als erstes sammeln alle schreibgruppenteilnehmerInnen für sich formen der passiven aggressivität – dabei geht es um so etwas wie sabotage, rückzug, verweigern von kommunikation, wunden aufreissen … . im anschluss werden die verschiedenen mechanismen der passiven aggression am flipchart gesammelt. nun haben alle einen schönen überblick, um beim ersten text des treffens, einen gedanklichen monolog eines passiv-aggressiven menschen zu verfassen. da ist wut, da ist verzweiflung, da sind rachegedanken und zum beispiel selbstabwertungen oder ausreden, warum kein streit begonnen wird.

die texte werden in der schreibgruppe vorgetragen, es findet aber keine feedbackrunde statt. denn nun wird der gedankliche monolog einer person, gegen die die passiven aggressionen gerichtet sind, notiert. darin können auch ein paar gesprächsfetzen auftauchen, mit denen der versuch unternommen wird, in den konflikt Weiterlesen

kreatives schreiben und schmerz

der schmerz ist ein seltsames wesen beim schreiben. es gibt den begriff schmerz und kaum synonyme, im thesaurus zum beispiel nur „leid“, „pein“ und „weh“. wer verwendet in seinen texten heute noch „pein“ und „weh“? auf der anderen seite ist der schmerz für uns menschen etwas sehr bestimmendes. es ist eine der wenigen situationen, denen wir durch ein handlung, wenn er mal da ist, nicht so schnell ausweichen können. bei dauerhaftem schmerz empfindet jeder mensch ohnmacht.

also wäre zu erwarten, dass beim kreativen schreiben viel über schmerz geschrieben würde, dass der schmerz einer der häufigsten inhaltsstoffe einer guten geschichte ist. doch wir weichen anscheinend dem schmerz auch in unseren texten aus. er kommt selten alleinstehend als tatsache vor. es ist der liebesschmerz, der herzschmerz, der trennungsschmerz, der zahnschmerz und dergleichen mehr. die literarische darstellung des schmerzes ist kompliziert. entweder man schildert die ohnmacht oder man gerät ins medizinische fahrwasser und beschreibt den schmerzverlauf, umschreibt, teils metaphorisch den „stechenden“ schmerz, der sich den rücken hinaufzieht …

es könnte eine schreibidee für das kreative schreiben sein, starke metaphern für den schmerz zu finden, vielleicht auch neue worte. was macht der schmerz mit uns, wo führt er uns hin, wie lässt er uns verrückt werden, da wir keinen ausweg aus der tortur finden? das kreative schreiben kann helfen, dem schmerz auf die schliche zu kommen. doch dazu müssten wir wahrscheinlich ein etwas anderes verhältnis zu unserem körper bekommen. denn wir leben in einer gesellschaft, die sich immer noch nicht von der vorstellung verabschieden kann, dass unser körper eine maschine sei. auch wenn es schon seit ein paar jahrzehnten den blick auf die psychosomatik gibt, wird sie immer als letztes herangezogen.

womit man beim schreiben wahrscheinlich vor der nächsten hürde steht. wir haben viele worte für den psychischen schmerz, der uns zugefügt wird, aber bei der behandlung machen wir gern einen rückzieher. die psyche wird noch viel stärker Weiterlesen

liste (105) – schmerz

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um den „schmerz“.

die schlimmsten körperlichen schmerzen, die ich erlebt habe:

die schlimmsten seelischen schmerzen, die ich erlebt habe:

meine liebsten schmerzmittel:

damit habe ich anderen schmerzen zugefügt (körperlich oder seelisch):

schmerzen, die ich nie erleben möchte:

selbstbefragung (161) – schmerz

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „schmerz“.

  • welcher körperliche schmerz war ihr letzter? beschreiben sie.
  • welcher seelischer schmerz war ihr letzter? beschreiben sie.
  • was tun sie gegen schmerzen als erstes?
  • wer hat ihnen zuletzt schmerzen zugefügt?
  • wem haben sie zuletzt schmerzen zugefügt?
  • welches war der größte schmerz ihres lebens? beschreiben sie.
  • wann fühlen sie sich schmerzen gegenüber am ohnmächtigsten?
  • warum fügen sich ihrer meinung nach, menschen gegenseitig schmerzen zu?
  • welche schmerzhafte erfahrung (körperlich oder psychisch) hat ihr leben verändert? warum?
  • können sie weinen, wenn etwas schmerzt? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

web 2.0 und störung

im internet oder netz lassen sich störungen leicht benennen: es konnte keine verbindung hergestellt werden oder es werden daten geklaut. im gegensatz zu den anderen im laufe der woche hier benannten störungen wird die störung im web 2.0 immer existentieller. viele menschen verbringen einen großen teil ihrer arbeitszeit in der einen oder anderen weise im internet. ob nun mit dauerkontakt durch das smartphone oder am computer im firmennetzwerk.

auch freizeit, beziehungen, freundschaften und familienleben verlagern sich immer öfter ins web 2.0. da wird gechattet, gemailt, sich in der cloud bewegt oder es werden flashmob-treffen organisiert. ganz abgesehen von den fernseh- oder radiosendern, die inzwischen den abruf des programms zeitverzögert zulassen. wenn man dann noch das handy als fotoapparat oder den pc als spielkonsole in online-rollenspielen nimmt, dann ist die freizeit eng mit dem web 2.0 verknüpft.

störungen im netz sind somit für die nutzerInnen inzwischen schwer auszuhalten. die geschäftliche wie auch die private kommunikation käme zu einem großen teil zum erliegen. wie aufgebracht die menschen reagieren kann abgelesen werden, wenn zeitweise handynetze ausgefallen sind oder die zugangsmöglichkeiten ins netz nicht funktionieren. und man möge es nicht unterschätzen, inzwischen werden auch viele logistische aktionen und dienstleistungen über das netz abgewickelt.

störungen sollten also möglicht vermieden werden. so betreiben etliche firmen ein internes und ein externes netz. im web 2.0 kann auf alternative server ausgewichen werden und selbst bei stromausfall springen teilweise ersatzaggregate an. denn die abhängigkeit ist so groß, dass inzwischen bücher gefragt sind, die darüber berichten, wie es sich anfühlt, wenn man für längere zeit das internet ruhen lässt, sich zurückzieht. abhängigkeiten sind immer sehr anfällig Weiterlesen

biografisches schreiben und bürokratie

es gibt und gab regelungen in unserer gesellschaft, die menschen handlungsunfähig machten und machen. ein lied davon können asylbewerberInnen (allein das wort ist eine zumutung) singen. hier war die bürokratie die beste möglichkeit, zuwanderung zu verhindern. ein klassiker dabei war zum beispiel, dass für mitbürger aus anderen ländern eine aufenthaltsberechtigung ausgestellt wurde, wenn sie arbeit nachweisen konnten. sie bekamen aber meist arbeit nur, wenn sie eine aufenthaltsberechtigung nachweisen konnten. wo anfangen. vielleicht kennen sie ähnliche situationen.

in der eigenen lebensgeschichte kann die bürokratie eine große rolle spielen. es kann einem widerfahren sein, dass der eigene lebensweg durch gesellschaftliche regeln und ausführungen verstellt wurde. es beginnt eigentlich mit der einschulung. das bildungssystem hat nur wenig mit wirklichen kompetenzen zu tun, es hat mit wissensverwaltung zu tun. was haben sie in diesem zusammenhang erlebt? wie ging es weiter in lehre, studium und dann beruf? wie weit konnten sie wirklich das machen, das sie interessierte?

es ist ganz logisch, dass sich große soziale netze regeln geben müssen, um miteinander auszukommen und möglichst viele zu berücksichtigen. doch diese regeln müssten regelmäßig überprüft werden, um sie langfristig menschlicher zu gestalten. wie sind sie mit den regeln klar gekommen? welche regeln erlebten sie in ihrem leben überflüssig, nervend und inhuman? in welchen situationen war ihre ohnmacht am größten. oder für den perspektivwechsel die frage: wann fühlten sie sich frei? beim biografischen schreiben sollte die verwaltung unseres eigenen lebens ruhig auch einmal betrachtet werden, denn meist wird der einfluss auf unsere entwicklung unterschätzt.

der widerstreit zwischen subjektiven bedürfnissen und den bedürfnissen der gesellschaft an einen wird selten offen ausgetragen, er findet nur noch mit stellvertreterInnen statt. und die stellvertreterInnen verwalten die finanzielle absicherung im auftrag der gesellschaft. doch wie gut können wir unsere vorstellungen von Weiterlesen

selbstbefragung (158) – bürokratie

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „bürokratie“.

  • in welchem moment kam die bürokratie das erste mal über sie? beschreiben sie.
  • welche unterlagen haben sie überhaupt nicht verstanden?
  • welches problem bekamen sie im zuständigkeitswirrwarr nie geregelt?
  • verhalten sie sich auch manchmal bürokratisch? warum?
  • wann bedeutet bürokratie sicherheit für sie?
  • wie würden sie das steuersystem verändern? beschreiben sie.
  • bei welchen bürokratischen abläufen finden sie unsere gesellschaft am ungerechtesten?
  • wie gehen sie heute mit bürokratischen situationen um? beschreiben sie.
  • ist so eine „selbstbefragung“ wie diese hier nicht auch ganz schön bürokratisch? warum?
  • welches gesetz würden sie sofort erlassen?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

kreatives schreiben und bürokratie

post, ja heute kam post: „für die bearbeitung des antrages ist ein aussagefähiger schriftlicher bericht über die bisherige …tätigkeit mit folgenden inhalten erforderlich“. danach zählt man fünf punkte auf, deren zeitlicher aufwand in keinem verhältnis zum ergebnis stehen. das ist nicht neu, doch immer wieder faszinierend.

wer im psychosozialen bereich bei freien trägern arbeitet, kennt das zur genüge. anträge bei der eu werden teilweise in siebenfacher ausfertigung verlangt. doch nicht genug damit, allein für die zwischenberichte könnte man eine eigene arbeitskraft beschäftigen. die eigentliche (wichtige, notwendige, sinnvolle, soziale …) tätigkeit trat im laufe der letzten jahrzehnte mehr und mehr in den hintergrund, die zeit ist mit bürokratie zu füllen. hier ist ein parallelmarkt entstanden, der wiederum neue berufsgruppen hervorruft. inzwischen gibt es menschen, die gegen eine beteiligung, die anträge für einen ausfüllen.

das kreative schreiben kann mehrere funktionen in diesem zusammenhang übernehmen. mit hilfe seiner schreibtechniken fällt es leichter anträge zu formulieren und zu schreiben (auch wenn die buchhaltung definitiv nicht aufgelockert werden kann). der frust über das antrag-schreiben kann in possierliche geschichten der bürokratischen nebenbeschäftigung gepackt werden, ebenso wie die ohnmacht gegenüber den antragsentscheiderInnen.

aber man kann noch einen schritt weiter gehen. man kann eine bürokratie-freie gegenwelt entwerfen. wie war das noch einmal mit der steuererklärung auf einem bierdeckel? es war absurd, da ein ganzer markt zusammenbrechen würde, der mehr beschäftigte als „schlecker“ vorweisen kann. der alternative glorreiche tipp in büchern zum zeitmanagement: lassen sie spezialisten die zeitaufwendigen dinge erledigen. und so gibt es das outsourcing, das sich inzwischen in regionen der welt verlagert, die preiswerter sind als unsere spezialisten. wir exportieren also unsere bürokratie und importieren die lösung des problems gegen bezahlung aus billiglohnländern.

hier finden sich für das kreative schreiben unzählige absurde geschichten, die den mechanismus des um-sich-selbst-drehens wunderbar entlarven können. wie würden außerirdische unsere bürokratie wahrnehmen? „welchen weg legt ein joghurtbecher zurück bis er im laden steht?“ kennen wir alle, aber „welchen weg legt ein finanzantrag zurück bis er entschieden wird“ wäre noch zu schreiben. und man kann geschichten im bürokraten-sprech verfassen.

und zum schluss kann man noch einen blick hinter die kulissen werfen. denn die bearbeiterInnen der bürokratie unterliegen ebenso fürchterlichen zuständen. sie müssen etwas umsetzen, das sie selber kaum mehr nachvollziehen können. sprechen sie mal mit mitarbeitern in der arbeits- oder finanzverwaltung über die ständigen neuen gesetzgebungen. machen sie eine geschichte daraus. fragen sie, wie der umgang mit den entnervten und ohnmächtigen kunden aussieht. soziale behörden haben inzwischen einen direkten draht zur polizei. wir schützen unsere bürokratie mit aller staatsmacht. das hat potential für geschichten, stories und gedichte.

mein computer und ich – eine umgangslehre (12)

automatismen

jupp, schon ist es geschehen. kleine rote striche unter „jupp“, da der computer das wort nicht kennt. zum glück ist keine automatische fehlerkorrektur eingestellt, denn dann würde dort wahrscheinlich eines der wörter stehen, die er mir vorschlägt: „Jupe“, „kupp“, „jump“, „pupp“ oder „wupp“. warum das ding nun „wupp“ kennt, aber nicht „jupp“ und er mir auch nicht erklären kann, was er unter „Jupe“ versteht, das werde ich wahrscheinlich nie rausfinden.

und hier fangen sie an, die automatismen, die man ein- oder ausschalten kann. automatische korrektur kann so viel freude bereiten. die hartnäckigkeit zum beispiel, satzanfänge groß zu schreiben, selbst wenn man alles klein schreibt. ganze wörter zu verändern, vieles nicht zu kennen, selbst wenn man alles immer hübsch zum wörterbuch hinzufügt, die kaskade an fehlermeldungen, wenn einmal ein englischsprachiges zitat eingefügt wird und vieles mehr. doch diese automatismen lassen sich noch beherrschen, auf sie hat man noch zugriff.

schwieriger wird es bei dingen, die mir überhaupt nicht sichtbar sind, von denen ich nichts weiß, wenn ich mich nicht mit den grundzügen von programmen und hardware auseinandersetze.zum beispiel gibt es viele programme, die in den verwinkelten ecken ihrer einstellungen schon mal eingestellt haben, dass sie automatisch ihre updates durchführen. das hat zur folge, dass sich die programme, kaum hat man einen internetzugang hergestellt, auf ihrer herstellerseite melden und mal nachschauen, ob es was neues gibt. ganz abgesehen davon, dass dieser prozess bei manchen teilen den rest der tätigkeiten verlangsamt.

also muss ich bei neuen programmen als erstes schauen, ob ich ihre automatismen deaktivieren kann. aber auch die cookies, die von manchen seiten geschaltet werden, obwohl man cookies untersagt hat, sind ein beispiel für automatismen. sie legen ihre krümel einfach auf der festplatte ab, wenn man ins netz geht und verfolgen, was man so tut. um sie zu umgehen oder besser regelmäßig zu löschen, bedarf es schon wieder eines eigenen programms (das wahrscheinlich ein eigenes update regelmäßig automatisch macht 😆 ).

möchte man vor allen dingen beim blick ins internet die kontrolle über die automatismen behalten, kann man sich anzeigen lassen, was alles geschieht, wenn man eine homepage besucht. nur leider sind dies so viele dinge, dass man das eigentliche surfen vergessen kann, wenn man alles liest. und es bedeutet noch nicht, dass man versteht, was hochgeladen und ausgeführt wird.

ich möchte die automatismen nicht per se verteufeln. es gibt sehr sinnvolle, wie das automatische zwischenspeichern beim schreiben oder die automatischen backups, die im hintergrund gemacht werden können. ganz abgesehen von den rechenleistungen, den katalogisierungen von daten, dem aufräumen auf der festplatte, der automatischen virenprüfung, der aufpassenden firewall und vielem mehr. doch inzwischen ist der grundaufbau digitaler geräte so komplex, dass man sich in vielen zusammenhängen nur dem ergebnis ausliefern kann. dies führt aber dazu, dass man bei nicht-funktionieren auch keine eigenen reparaturen mehr vornehmen kann. man kann nur automatische programme die kontrolle, überprüfung und reparatur überlassen.

das löst bei vielen menschen große unsicherheit aus, zwischenzeitlich auch ohnmachtsgefühle. und gehen die alleingänge dann noch mit meldungen einher, die zu verstehen geben, dass man einen fehler gemacht hat (und sich dadurch schuldig fühlt), dann steigert dies das unwohlsein. oft genug stellt sich im nachhinein heraus, dass der fehler von anderen geräten verursacht wurde. schönes ist es zum beispiel, wenn immer wieder das passwort für den mailzugang abgerufen wird, da der mailserver die angegebenen daten nicht akzeptiere. später stellt sich heraus, dass der mailserver einfach nicht funktioniert.

die digitale unkontrolliertheit kostet alle zeit und nerven und verdeckt teilweise eklatante konstruktionsfehler. dies ist alles andere als nutzerfreundlich.

nabelschau (62)

schutz, der kein schutz ist. oder – wer kennt sich überhaupt aus? je mehr meldungen es über die diskussionen um acta, um die datensammlungen bei sozialen netzwerken, um urteile des bundesverfassungsgerichts oder um das verhalten deutscher behörden im netz geht, um so stärker kommt das gefühl auf, dass ein großteil der politischen entscheidungsträger keinen blassen schimmer davon hat, um was es überhaupt geht.

da werden ausschusssitzungen in dokumentationen über facebook gezeigt, die schon bei den fragestellungen der ausschussmitglieder erahnen lassen, dass man sich nicht auskennt. das ist nicht weiter schlimm, es kommt bei anderen themen auch vor und es ist menschlich. man kann nicht zu allem alles wissen. wenn man dann wenigstens an den entscheidenden stellen kompetente menschen mit entsprechenden befugnissen sitzen hat.

aber offizielle datenschützerInnen sind orchideenposten wie die frauenbeauftragen oder die drogenbeauftragten. da wird eine gesellschaftliche problematik ausgegliedert, um ein feigenblatt vorweisen zu können, wenn es kritisch wird. es können jedoch keine entscheidungen getroffen werden. den rest lässt man irgendwie laufen. gut, irgendwann greift man teilweise die bedenken der expertInnen auf, entscheidet halbherzig etwas und lässt es dann weiterlaufen. die folge: nun rennen alle dem davongelaufenen hinterher.

die technik, die handhabung der technik und die missbräuchliche anwendung der technik sind so weit vorangeschritten, dass zwar immer mal jemand an der reissleine zieht, aber der fallschirm nicht aufgehen will. gerade hat das bundesverfassungsgericht wieder darauf hingewiesen, dass im netz, web, internet praktiken herrschen, die mit den grundrechten nicht vereinbar sind. ist das nicht mal jemandem vorher aufgefallen? man hat den eindruck – irgendwie schon, aber man hat es erst einmal laufen lassen.

da erwarten institutionen und entscheidungsträgerInnen von der bevölkerung angemessenes verhalten in der digitalen welt und überschreiten selber eine grenze nach der anderen. es ist auf allen ebenen kein (daten)schutz und keine privatheit mehr gewährleistet. wen wundert es dann, dass von allen alle möglichkeiten Weiterlesen

schreibidee (338)

die reaktionen auf filme und geschichten sind von mensch zu mensch verschieden. doch es gibt immer wieder stories, die viele menschen zu tränen rühren, in den seltensten fällen handelt es sich da um geschichten von rosamunde pilcher. es gibt also handlungen in den geschichten, die bei vielen menschen ähnliche reaktionen hervorrufen, ganz gleich, welche lebensgeschichte diese haben. dabei geht es meist um tod, sehnsucht, liebe und kinder oder tiere. dies soll eine schreibanregung zu „tränendrüsen-stories“ sein.

als einstieg möge man sich an die eigenen emotionalen höhepunkte beim sehen, hören oder lesen erinnern. durch einen kleinen fragekatalog werden die teilnehmerInnen an ihr persönliches emo-erlebnis herangeführt. dieses ereignis und vor allen dingen die gründe für die tränen sollen in einem kurzen text von maximal zwei seiten dargestellt werden. anschließend werden die texte in der schreibgruppe vorgetragen.

nun sammelt die schreibgruppe gründe und mechanismen für die tränen, zum beispiel die langsame identifikation mit den protagonisten einer geschichte, das zusteuern auf ein happy-end und dann die anschließende zerstörung des idylls. oder man beschreibt vergebliche bemühungen, einer lage herr zu werden, das ewige scheitern, obwohl alles getan wird, eine schwierige lage zu bewältigen. es kann auch eine geschichte sein, in der die ohnmacht der beteiligten auf die leserInnen oder seherInnen überspringt. im vorfeld steht die frage: was benötigt eine geschichte, damit menschen sich emotional angesprochen fühlen?

da die anregung der tränendrüsen einen gewissen vorlauf in der geschichte benötigt, werden keine weiteren vorarbeiten in der schreibgruppe gemacht (wer möchte kann noch ein cluster erstellen), sondern es steht genug zeit zur verfügung, eine längere geschichte zu verfassen. diese geschichten werden dann in der schreibgruppe vorgetragen. vorher werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, ihre emotionalen reaktionen auf die geschichte zu notieren. von welchem ereignis in der geschichte fühlen sie sich am stärksten berührt? welche wortwahl lässt sie emotional mitschwingen? anschließend findet eine ausführliche feedbackrunde statt. es sollten auf alle fälle taschentücher während der leserunde vorhanden sein.

biografisches schreiben und flucht

auf der welt fliehen tag für tag millionen menschen. sie fliehen vor kriegen, vor bränden, vor umweltverschmutzung, vor armut, vor dem verhungern oder vor unwettern und ihren folgen. das bedeutet oft, alles hinter sich zu lassen, das bis dahin halt gegeben oder vertrautheit hervorgerufen hat. viele menschen versuchen dann noch einmal ganz von vorne anzufangen. mal klappt es, mal nicht.

abgesehen fliehen wahrscheinlich mindestens so viele menschen in ihrem alltag vor der realität. sie fliehen psychisch. sie verdrängen, ignorieren und übersehen das was sich vor ihnen auftut. das kann daran liegen, dass die realtität als bedrohung, als zu schön um wahr zu sein oder als emotional unerträglich erscheint. diese fluchten sind oft nicht sichtbar, die umwelt hat keine ahnung davon. aber die menschen, die der realität entfliehen spüren oft, dass sie dies tun. und doch finden sie keinen anderen weg.

das biografische schreiben bietet die möglichkeit, beide aspekte zu betrachten und für sich selber zu formulieren. die literatur bietet viele beispiel für die körperlichen und geistigen fluchten. es kann etwas beruhigendes und befreiendes haben, seine erlebte, durchlebte oder gerade stattfindende flucht zu beschreiben. war es eine bewusste entscheidung zu fliehen? wurde man vertrieben? kündigte die flucht sich schleichend an? und wie empfand man die situationen, in denen man einen wichtigen halt verlor? wo fand man in solchen momenten halt?

und wenn selbst die körperliche und geistige flucht keine abhilfe schafft, dann begehen manche menschen sogar eine letzte flucht. sie nehmen sich das leben. auch dies kommt häufiger vor, als von vielen vermutet wird. etliche von ihnen hinterlassen noch geschriebene worte, ein letztes biografisches zeugnis, um anderen zu erklären, warum sie diesen schritt getan haben. in diesen momenten offenbart sich am deutlichsten, dass subjektive gründe von anderen nicht immer nachvollziehbar sind, selbst wenn sie beschrieben und erklärt werden.

flucht ist also eine möglichkeit, der ohnmacht über situationen herr zu werden. oft wird sehr spät geflohen, da es eine seltsame vorstellung davon gibt, situationen standhalten zu müssen, sie ertragen Weiterlesen

biografisches schreiben und eifersucht

es gibt sie immer noch, die eifersuchtsdramen, die nicht gut enden. dabei haben studentInnenbewegung und sexuelle revolution versucht klar zu machen, dass das konstrukt der monogamen zweierbeziehung ein gesellschaftliches ist und wir mit allem viel lockerer umgehen sollten. doch irgendwo ist da der haken und es funktioniert oft nicht so richtig.

da gibt es diejenigen, die im hinterkopf die mahnung haben, dass eifersucht „besitzdenken“ ist und ein anderer mensch nicht besessen werden kann. also stimmen sie ihren partnerInnen zu, dass man eine offene beziehung lebt. und eine(r) von beiden leidet dabei meist wie ein hund. nur um die partnerInnen zu halten entschließt man sich zur offenheit, die nicht lebbar scheint. und da gibt es die, die von anfang nur nach der oder dem einen suchen, prinz und prinzessin, die für den rest des lebens alle bedürfnisse erfüllen. sie stürzen sich in eine fesselnde monogamie, die ihnen im laufe der zeit die luft abschnürt. aber sie würden immer nach außen vertreten, dass es keine andere zusammenlebensform geben kann. selber gehen sie inzwischen fremd, sind aber auf jede(n) eifersüchtig, die sich ihren partnerInnen nähern.

nein, natürlich gibt es noch ganz viele andere spielarten des zusammenlebens. und doch scheinen allzu große ideale jeweils zu verletzen. es geht immer wieder um vertrauen, um absprachen, um verletztes vertrauen und vor allen dingen um verlustangst. hier bietet das biografische schreiben die möglichkeit, schreibend genauer hinzuschauen. in welchen momenten war man unfair? in welchen momentan waren andere zu einem unfair? aus der distanz haben sich die dramen und inszenierungen meist ein wenig beruhigt und es fällt einem leichter, den eigenen anteil an den schwierigkeiten zu erkennen.

denn in einer eifersüchtigen situation selber, da regieren emotionen, die schwer über rationale argumentationen zu erreichen sind. hier herrscht die angst vor eine situationen oder einen menschen an andere zu verlieren. diese vorstellung ist unerträglich, sie löst den gedanken aus, „ohne“ ist das leben unvorstellbar. was für ein irrtum, Weiterlesen

liste (64) – eifersucht

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „eifersucht„.

situationen in meinem leben, in denen ich am eifersüchtigsten war:

meine häufigsten reaktionen, wenn ich eifersüchtig bin:

das macht mich am schnellsten eifersüchtig:

wenn eifersucht „besitzdenken“ ist, dann wollte ich vor allem diese menschen besitzen:

die häufigsten vorgehensweisen, um meine eifersucht zu überwinden:

schreibidee (284)

es gibt lebenssituationen, in die kann man sich heute schwer versetzen und doch machen sie das leben auf der welt aus. sie sollten sich ebenso in geschichten wiederfinden, wie alle anderen lebeneindrücke auch. so hungern beständig millionen mensch auf der welt, die es nicht schaffen an genug nahrung zu gelangen. wer großeltern oder eltern hat, die noch den letzten weltkrieg miterlebten, kann sie ja mal fragen, ob sie auch hungern mussten. heutzutage versucht man teilweise zu helfen, darum einmal eine schreibanregung zu „humanitäre-hilfe-geschichten„.

in notsituationen kann der mensch sehr gut unterscheiden zwischen den vordringlichen notwendigkeiten und dem schnickschnack, über den man sich sonst so gedanken macht. darum werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert zwei kleine listen zu erstellen. in der einen sollten wirkliche notsituationen notiert werden, in die andere liste gehören die dinge, über die man sich zur zeit viele gedanken macht, die aber in notsituationen plötzlich überflüssig erscheinen. anschließen soll ein kurzer text unter dem titel „was der hunger (oder eine andere katastrophe) mich vergessen ließ“. der text wird nich vorgelesen.

im nächsten schritt werden die notierten notsituationen in der gruppe gesammelt und die teilnehmerInnen aufgefordert, sich eine situation auszusuchen. nun kommt der schwierigste moment: man hat solch eine situation mit großer wahrscheinlichkeit noch nie erlebt. trotzdem soll man sich in die situation versetzen. es sollen die gedanken für die gewählte notsituation notiert werden. was könnte einem in diesen momenten durch den kopf gehen? die gedankenprotokolle werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und eine feedbackrunde findet statt. in der runde wird auch diskutiert, wie realistisch einem das erscheint.

nun kommt ein weiterer schwieriger schritt, der nicht allen schreibenden leichtfällt. man stelle sich vor, wie man sich verhalten würde, wenn man helfen könnte. wie wird man mit den eindrücken, die einem begegnen fertig? was kann man tun? dies soll in eine längere geschichte gefasst werden. es geht nicht darum einen bericht der „humanitären hilfe“ zu verfassen. es geht darum eventuell einen dramatischen moment ausschnitthaft zu schildern oder die ohnmacht, die welt nicht allein retten zu können. diese geschichten werden anschließend vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

nach all diesen katastrophenszenarien sollte der ohnmächtigen stimmung in der schreibgruppe etwas zum abschluss entgegengesetzt werden. alle erstellen eine ausführlichere liste, was notwendig wäre, die welt ein stück besser zu machen. diese liste sollte 10 punkte umfassen und jeder punkt ein wenig erklärt werden. in die liste darf jede moral und helferromantik gepackt werden, die einen bei den vorherigen geschichten erfasste. die listen werden kurz vorgetragen.

biografisches schreiben und sucht

sucht wird in unserer gesellschaft sehr seltsam diskutiert. es gibt kaum eine störung und krankheit, die viele so hilflos macht. damit meine ich nicht die davon betroffenen, denn sie sind süchtig, also in gewisser weise hilflos. sondern ich meine das nähere umfeld. sucht führt oft zum fremdschämen. dies hat damit zu tun, dass in vielen köpfen weiterhin die vorstellung herrscht, dass die süchtigen sich nur ordentlich anstrengen müssten, um ihrem verlangen herr zu werden. die abhängigkeit wird als schwäche verbucht, als persönliches verschulden.

beim biografischen schreiben hat man die chance, einmal zu schauen, auf welche dinge man selber in seinem leben nicht verzichten konnte. was brauchte man auf gedeih und verderb und hat sich damit eventuell auch in schwierigkeiten gebracht? dabei kann man unterscheiden, welche süchte anerkannt sind und welche verurteilt werden. anerkannt ist zum beispiel der workaholic, der sein leben von der arbeit abhängig macht, auch die magersucht findet bis zu einem gewissen punkt anerkennung. andere süchte werden sofort verurteilt (weiterhin betrifft dies hauptsächlich die „harten“ drogen).

schauen sie doch mal in ihrer lebensgeschichte nach, was sie alles angestellt haben, um eine form der befriedigung zu finden, auf die sich nicht verzichten konnten. und war dann, nachdem das bedürfnis befriedigt war, ruhe oder folgte der nächste heftige wunsch? warum fiel es so schwer, den erfolg, die befriedigung zu genießen? was glauben sie, woher die einstellung kommt, dass es immer noch besser, noch toller, noch stärker, noch schneller oder noch befriedigender geht? woher kommt der empfundene mangel in ihrem leben?

ein anderer blickwinkel im biografischen schreiben kann es sein, sich zu fragen, wo im persönlichen umfeld süchte zu tage traten. wie hat man das erlebt? setzte fremdschämen ein oder eventuell sogar co-abhängigkeit? ab wann hat man oder hätte man grenzen ziehen sollen? meist ist der kontakt zu süchtigen jedeweder art ein schwieriger und zwiegespaltener. man erlebt die bedürftigkeit eines menschen, der einem nahe steht und möchte unterstützung geben. gleichzeitig weiß man meist sehr genau, dass man den bedürfnissen der anderen widersprechen sollte, da sie unangemessen geworden sind. Weiterlesen

wortklauberei (63)

„die unnötigen zeilenumbrüche des nachrichtentextes wurden automatisch entfernt“

da sage noch einmal jemand, computer könnten nicht denken, sondern machten nur das, was die user ihnen sagen. windows weiß was writer wünschen. windows verändert einfach mal texte. dies teilt das programm outlook einem dann wenigstens mit. da will ich doch mal ins detail gehen:

  1. windows erkennt, dass ich einen nachrichtentext erhalten habe. es könnte zwar sein, dass mir jemand einfach ein gedicht oder eine kurzgeschichte per mail sendet, aber das programm weiß es besser.
  2. darum erkennt es auch, wann meine zeilenumbrüche oder die der absender unnötig sind. die zweite botschaft lautet: sie haben blödsinn gesendet.
  3. deshalb mache ich das mal automatisch weg. nirgends ein hinweis, wie ich die zeilenumbrüche wieder bekomme, wenn ich sie nicht entfernt haben möchte. automatisch bedeutet, man kann nichts dagegen machen.

die folge: das layout eines textes macht überhaupt keinen sinn mehr. konkrete poesie, lautmalerei oder textbilder lösen sich in nachrichtentexte auf. da sind lauter blödsinnige zeilenumbrüche laut des mailprogramms zu finden, die automatisch beseitigt werden. also, geben sie sich einfach keine mühe mehr, ein ansprechendes äußeres ihrer nachrichten zu gestalten, windows wird sie vernichten. und so entstehen dann folgende nachrichten:

Stufen Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern In andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir sollten heiter Raum um Raum durchschreiten, An…

(„Stufen“ von Hermann Hesse)

ach, kann die welt doch einfach sein.

selbstbefragung (63) – hilflosigkeit

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „hilflosigkeit„.

  • waren sie schon einmal hilflos? wann?
  • was macht sie schnell hilflos?
  • sie finden für ein problem keine lösung, was machen sie dann? beschreiben sie.
  • welche menschen haben sie in ihrem leben hilflos gemacht?
  • beim wem suchen sie sich am häufigsten hilfe? warum?
  • können sie sich überhaupt von anderen helfen lassen? warum?
  • welcher person würden sie gern helfen, diese lässt sie aber nicht?
  • was bräuchte es ihrer meinung nach, damit die menschheit den selbstgeschaffenen problemen, wie z.b. hunger, angemessen begegnet? erklären sie.
  • ab welchem moment, in welchen situationen hören sie auf, zu helfen?
  • sollen sich menschen überhaupt gegenseitig helfen? warum?

am rande (08)

lernprozesse, wie es sie in diesem land immer wieder geben sollte, finden momentan statt. es handelt sich dabei um das lernen, dass unsere demokratie nur zu einem gewissen grad die meinung der bürger widerspiegelt. zur zeit kann dies in stuttgart gelernt werden, wenn plötzlich gesittete bürgerInnen vom wasserwerfer aus dem park gefegt werden. dies nur, da ein angeblich „zukunftsträchtiges“ projekt umgesetzt werden soll, hinter dem kaum mehr jemand steht.

man unterschätze nicht die schwäbische sturheit, wenn nicht mehr nachvollziehbar ist, welchen vorteil man aus einem sich ständig um hunderte von millionen verteuernden projekt ziehen kann. gleichzeitig verschwinden alte bäume, thermen sind nicht gesichert, die bodenbeschaffenheit und deren folgen bleiben unklar. ganz abgesehen von der fragwürdigkeit einer trasse nach ulm, die keine große veränderung bringt. da ist die frage berechtigt, ob zukunftsträchtigkeit allein an den summen abzulesen ist.

und eigentlich schließt sich noch eine ganz andere frage an, wenn mit solcher vehemenz gegen den willen der bevölkerung vorgegangen wird: wer hat etwas von der umsetzung? wer verdient an diesem projekt? die antworten auf solche fragen waren schon in whyl, bei der daimler-teststrecke, in wackersdorf, bei der startbahn west, in gorleben oder in den braunkohlerevieren recht eindeutige. nur ein sehr kleiner teil der bevölkerung verdiente und verdient an den projekten. die bevölkerung hat in solchen momenten ein sehr gutes gespür dafür, dass hier etwas schief geht. und seien wir mal ehrlich, die größte partei ist inzwischen die der nichtwähler. das sagt viel über die vier- und fünf-jahres-entscheidungen.

denn stuttgart zeigt noch etwas anderes: unpolitisch ist dieses land eigentlich nicht und nie gewesen, nur über den parlamentarismus fühlen sich viele nicht mehr vertreten.
wer ein wenig sehen will, wie staatsmacht aussieht, der kann den live-stream aus einem baum im schlosspark stuttgart im internet nachhinein betrachten unter: http://bambuser.com/channel/terminal.21/broadcast/1053579