Schlagwort-Archive: papier

web 2.0 und verlust

in der digitalen welt gibt es einen verlust, der schwer zu verschmerzen ist: daten! es geht dabei noch nicht einmal um die weitergabe der daten, sondern um den vollständigen verlust von produziertem, eingestelltem oder verlinktem. wer solch einen datenverlust schon einmal erlebt hat (menschen, die sich häufiger im netz bewegen kennen dieses ereignis) gewöhnt sich spätestens dann an, doppelte und dreifache sicherungen und backups einzubauen. große firmen trennen zudem ihre internen netze von den externen.

interessant dabei scheint mir, dass gern gesagt wird, im internet würde nichts verschwinden und ewig einsehbar sein, gleichzeitig wird aber kaum erfasst, wie viele daten auf nimmerwiedersehen in den tiefen des netzes und der festplatten oder smartphones verschwinden. besonders ärgerlich ist es für diejenigen, die eins zu eins, ihre daten im netz produzieren und auch dort ablegen. darum erscheint auch das cloud-computing weiterhin eine problematische angelegenheit zu sein.

man spiele nur einmal das szenario durch, dass auf externen festplatten produziert und abgespeichert wird. extern bedeutet in diesem zusammenhang, dass die speicher in einem anderen land liegen. da mag es noch so viele versicherungen zu datensicherheiten geben, wird eine verbindung gekappt oder wird schlagartig die gesetzeslage eine andere, sind die eigenen daten unerreichbar. darum lohnt sich auf jeden fall eine zusätzliche speicherung auf eigenen datenträgern. aber auch dies schützt nicht unbedingt vor datenverlust. denn die halbwertszeit von datenträgern ist auch nicht extrem lang.

schon seit längerer zeit gibt es diskussionen, ob nicht papier länger haltbar ist als cds, dvds oder festplatten. papier ist zwar für etliche umwelteinflüsse anfällig und auch vieles geschriebene und gedruckte ist verschwunden und verblichen, doch etliches konnte über jahrhunderte erhalten bleiben. bei digitalen daten kommen neben den umwelteinflüssen noch zusätzliche störfaktoren hinzu (alles was im weiteren sinne mit elektronik zu tun hat). es ist zwar vieles wiederherstellbar, aber jahrhunderte halten die digitalen datenträger auf keinen fall.

um also verluste zu verhindern, bleibt einem nichts anderes übrig, als beständig diverse zusätzliche speicherungen und kopien vorzunehmen. dies wird bei der zeitbilanz des digitalen (und so schnellen) arbeitens gern vernachlässigt. oder man druckt dann doch wieder. zumindest bietet das erlebnis eines umfassenden datenverlusts einen wunderbaren schreibanlass für eine geschichte – vielleicht von hand geschrieben (obwohl diverse schreibflüssigkeiten auch nicht ewig halten) 😉

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kreatives schreiben und wildnis

der vorteil des schreibens ist, man kann es beinahe überall machen. man braucht einen stift und ein blatt papier (als schreibblock oder schreibheft hat man gleichzeitig eine festere unterlage, bei einem einzelnen blatt kann die fläche unter dem blatt leicht schwierigkeiten machen). womit ich bei den schwierigkeiten wäre, in der wildnis kreativ zu schreiben.

pampa oder pure natur können sehr anregend und interessant sein. einmal weg von allem, vom alltag, vom stress, vom krach und vom sofa sein, sich in die wildnis stürzen (natürlich wohl geplant und durchdacht, um nicht böse überraschungen zu erleben). man lässt alles um sich herum auf sich wirken, man assoziiert und man möchte anfangen zu schreiben. wenn man in diesem moment nicht sowieso mit einem zelt und allem dazugehörigen unterwegs ist, dann kann das schwieriger werden.

das fängt mit dem sitzen an: wo kann man sich hinsetzen, damit man bequem sitzt, keinen nassen oder kalten hintern bekommt, nicht am baumharz kleben bleibt und einem nicht das krabbelnde getier in alle kleidungsöffnungen klettert. ältere, liegend baumstämme bieten sich schon an (wir sind in der wildnis, es gibt also keine bänke 😉 ). man sollte aber prüfen, ob sie nicht zu morsch und zu harzig sind. dazu kommt, wenn es kurz vorher geregnet hat, das holz die feuchtigkeit ganz gut aufnimmt. ist der stamm dann auch noch bemoost, dann wird es garantiert feucht von unten.

im stehen schreiben ist aber auch keine angenehmen lösung. also sollte man vielleicht eine regenjacke oder ein plastiktüte dabei haben, auf die man sich setzen kann. zu dem möge man darauf achten, wie frisch es in der wildnis oft ist. während man läuft oder wandert, fallen einem der wind und die kühle nicht so auf. doch kaum setzt man sich, bemerkt man die temperatur. versierte wanderer nehmen dafür sowieso noch einen pullover oder eine jacke mit. doch damit hat man noch nichts zum sitzen. aber ich gehe mal davon aus, man sitzt trocken und bequem, dann taucht das problem mit den schreibutensilien auf.

kugelschreiber können bei staub oder erdkrümel schnell den geist aufgeben. füller schreiben mit tinte und tinte verläuft, wenn das geschriebene feucht werden sollte. ähnliches gilt für wasserlösliche marker oder filzstifte. mit wachsmalkreide möchte niemand schreiben. also ist Weiterlesen

schreibidee (157)

schreibideen, kurze nachrichten, einkaufslisten oder adressen werden gern einmal auf kleine zettelchen, alte rechnungen, leere briefumschläge oder servietten notiert. später dies alles zusammenzutragen kann schwer sein. bei dieser schreibidee wird der umgekehrte weg gewählt, ein großes blatt wird in kleine abschnitte unterteilt und die darin notierten ideen zu einer „faltpapier-geschichte“ verbunden.

alle teilnehmerInnen erhalten zu beginn ein din-A3- oder sogar din-A2-blatt. sie werden aufgefordert dieses blatt kreuz und quer und auf keinen fall geordnet zusammenzufalten. dies sollte möglichst so geschehen, dass die falten relativ scharf und beim auseinanderfalten sichtbar sind. die falten können zur besseren orientierung auch noch mit einem stift nachgezogen werden.

in jedes durch falten begrenzte feld sind nun kurz-kurz-geschichten zu notieren. dabei kann es sich um kleine beobachtungen, dialoge oder auch handlungen handeln. es werden also viele verschiedene kurze geschichten auf dem großen blatt nebeneinander stehen. alle teilnehmerInnen der schreibgruppe geben ihr blatt anderen teilnehmern. diese lesen sich die kurzen geschichten gar nicht durch, sondern nummerieren nur die einzelnen „falt-felder“ nach belieben durch.

die durchnummerierten blätter werden nun den autorInnen zurückgegeben. entlang der zahlen schreiben die teilnehmerInnen der schreibgruppe aus den kurz-kurz-geschichten eine längere, zusammenhängende geschichte. dabei sollte möglichst nichts ausgelassen werden und wenn möglich sogar der o-ton der jeweiligen kurz-kurz-geschichte verwendet werden. die entstandenen texte werden in der schreibgruppe vorgetragen und es wird ein feedback gegeben.

wortklauberei (41)

„endlich gibt es tempo auch als toilettenpapier“

wir wussten ja schon lang, dass überhöhte geschwindigkeit richtig scheiße ist. da ist es nur eine logische konsequenz das rasende tempo des alltäglichen lebens in toilettenpapier zu verwandeln. wie das produktionstechnisch geht, erschließt sich uns zwar nicht so ganz, aber was soll´s. bei „momo“ stahlen uns auch die grauen männer die zeit, wieso sollte da nicht auch ein toilettenpapierfabrikant überhöhte geschwindigkeit sammeln.

und würden da noch ein paar lösungen einfallen. aus überstunden werden taschentücher gemacht, aus hektik küchentücher (zewa wisch und weg).stress verwandelt jemand in papier. bei dem ganzen stress, der überall herrscht, müssten keine wälder mehr in skandinavien oder im regenwald gerodet werden. die papierproduktion würde sehr preiswert werden und der bluthochdruck vieler gestresster menschen könnte gleich die energie für die maschinen liefern.

gut, es ergeben sich schwierigkeiten. je geringer geschwindigkeit und stress werden, um so seltener wird bluthochdruck auftreten, die energie für die produktion also fehlen. aber das ist in kauf zu nehmen, wenn sich generell die welt verbessert und es tempo als toilettenpapier gibt. ob wir dann damit rechnen müssen, dass sich die übertragungsraten im internet wieder absenken, können wir noch nicht vorhersagen. jedoch: „endlich gibt es tempo auch als toilettenpapier„, „endlich gibt es hektik als papierküchentuch“, „endlich gibt es überstunden als taschentuch“ und „endlich gibt es stress als schreibpapier“. die welt wird besser.

kreatives schreiben und farben

welche gegenstände oder welche atmosphären sind dem kreativen schreiben förderlich? vielfältige, die den schreibenden eine auswahl lassen. dazu gehört es auch, dass es für diverse schreibanregungen verschiedenfarbige stifte und papiere gibt. die teilnehmerInnen können somit aus eine palette von farben wählen, je nachdem welches papier oder welcher stift ihnen für die jeweilige geschichte anregend erscheint.

dies kann man auch für sich zu einem dauerzustand erklären. so gibt es farbige tinten oder feine filzstifte, die manche menschen gern verwenden. oder man kann für sich selber zuhause immer eine palette von verschiedenfarbigem papier parat halten. spannend wäre es einmal, den raum zum schreiben, gerade bei schreibgruppen, bei jedem treffen in einer anderen farbe zu halten.

jeder kreative prozess stellt einen mix aus gedanken, fantasien und eindrücken von außen dar. da scheint es nicht abwegig, dass auch die farben, mit oder auf denen geschrieben wird, den verlauf des entstehenden textes beeinflussen. oder die gewählten farben sind ein ausdruck des inneren zustandes, während mit dem schreiben begonnen wird.

in die andere richtung kann dies auch wirken. es gibt im wellness-bereich schon die farb-sauna, die anscheinend entspannende wirkung haben soll. so wäre es interessant einmal den raum in verschiedenen farben auszuleuchten und zu schauen, inwieweit dies einfluss auf die entstehenden texte haben kann. dies ist natürlich schwer überprüfbar, da selbst eine vergleichsgruppe in kreativen prozessen schwer sagen kann, wodurch ihr kreativer prozess beeinflusst wird. aber ein wenig abwechslung kann ja nun auch nicht schaden, selbst wenn dann die texte nur ein bisschen bunter daherkommen.

schreibspiel (01) – falt- und knicktexte (1)

eine rubrik, die bis jetzt hier fehlte. abseits der anregung zum kreativen oder biografischen gibt es noch die möglichkeit, einfach spielerisch mit der sprache umzugehen. eine schöne variante ist das schreibspiel. in unregelmäßigen abständen möchte ich hier ein paar möglichkeiten für schreibspiele aufzeigen.

gleich zu beginn die bekannteste und schlichteste variante, der einfache falt- oder knicktext. eine gruppe von menschen sitzt beisammen, am besten im kreis, und hat lust zu schreiben. jede person besitzt ein unbeschriebenes din a4-blatt und einen stift.

variante 1: es gibt keine vorgaben, es wird von jeder person nur ein satz oben auf das papier geschrieben, ein satz, der gerade einfällt. dann werden in der runde die blätter nach links weitergegeben. nun schreiben alle einen weiteren satz unter den ersten satz. ein bezug der sätze sollte zueinander bestehen. anschließend, wird der erste satz umgeknickt. das blatt wird wieder eins weiter nach links gegeben. für alle ist nun nur der zuletzt geschriebene satz sichtbar. an diesen fügen sie alle wieder einen satz an, knicken den vorher sichtbaren satz um und geben wieder weiter nach links. diese variante lässt sich so lang durchführen bis das blatt voll ist. im anschluss werden die blätter aufgefaltet und die texte vorgelesen.

variante 2: es gibt eine inhaltliche vorgabe für die zu schreibenden sätze. diese kann darin bestehen, nur zu einem gewissen thema zu schreiben. dies kann zum beispiel die aufforderung sein, über die natur, die liebe oder den supermarkt zu schreiben.

variante 3: es kann aber auch die textform vorgegeben werden. so sind dann von den teilnehmerInnen dialoge zu verfassen. oder es werden manifeste, liebesbriefe, werbetexte und kleinanzeigen miteinander verfasst. die vorgehensweise bleibt die selbe aber die ausdrucksform variiert.

variante 4: die vorgaben können verfeinert und kombiniert werden. so wird jedesmal bevor ein weiterer satz notiert wird, der buchstabe vorgegeben, mit dem die wörter beginnen müssen. dazu ist dann der satz noch im manifest-stil zu notieren. oder es dürfen zwei sätze geschrieben werden, die auch noch bestimmte worte enthalten müssen.

fortsetzung folgt

papeterien

wer viel schreibt und viel von hand schreibt, der schätzt es, dass es geschäfte gibt, die beinahe ausschließlich papier und stifte verkaufen. so genannte „papeterien“. doch sie sind selbst in einer großstadt wie berlin dünn gesät. sicherlich hat der internethandel, der büromaterial und dergleichen preiswert und schnell nach Hause liefert, einen anteil daran, dass die klassischen schreibwarengeschäfte stark verschwinden. die papierwarenabteilungen in den kaufhäusern wiederum haben das durchschnittsangebot, das in beinahe allen kaufhäusern gleich aussieht. ansonsten findet sich papier im geschenkhandel, unter bastelbedarf oder im copyshop. aber alleinstehende geschäfte des schönen papiers und der sinnlichen schreibwerkzeuge sind zu suchen.

auch die auftritte im internet sind eher rar. dabei gibt es so viele schöne verschiedene papiere. da wünscht man sich ein geschäft, das alles zusammenführt und eine große auswahl bereit hält. zum beispiel dickes und dünnes papier für die handschrift aber auch für den drucker, gebundene notizbücher, schöne füller und edle kugelschreiber. das gibt es alles, aber kaum in einem geschäft.

für berlin fanden sich im internet immerhin zwei angebote, die eine etwas größere auswahl erwarten lassen. und sollte jemand einen tollen tipp parat haben, wird dies gern hier veröffentlich.

erstes angebot: „leporello“ zu finden unter: http://www.leporello-berlin.de/ .

zweites angebot: „berlin confidential“ zu finden unter: http://www.berlin-confidential.com/ .