Schlagwort-Archive: performance

das 13te poesiefestival in berlin ab dem 01ten juni – ein veranstaltungstipp

lyrik und dichtung der lebhaften sorte kann man anfang juni wieder in berlin erleben. das 13te poesiefestival startet am freitag mit lesungen, diskussionen, workshops und konzerten.

wie schon die diskussion um das gedicht von günter grass und sein neues gedicht zur lage griechenlands gezeigt haben, die lyrik, das gedicht sind alles andere als verschlafen oder im sterben begriffen. ob nun poetry slam, songtexte oder performances, die kürzere form der literatur zeigt weiterhin wirkung.

das poesiefestival bildet all dies einmal im jahr ab. an verschiedenen auftrittsorten mit verschiedenen konzepten kann man sich 9 tage lang der posie und lyrik annähern. man kann gesprächen mit den dichterInnen lauschen und sich vielleicht nach dem besuch einer veranstaltung selbst wieder einmal an ein gedicht setzen.

das programm findet man hier: http://www.literaturwerkstatt.org//index.php?id=1225 .

Werbeanzeigen

web 2.74 – UbuWeb – empfehlung, empfehlung!!!

eine perle, eine wirkliche perle im internet. manchmal braucht man eine ganze zeit, bis man seiten im web findet, die vieles von dem, was man empfohlen hat, in den schatten stellt. „ubuweb“ ist so eine homepage, ach was, ein ganzes netzwerk, das formen des möglichen (medialen) ausdrucks bündelt, die man selten im netz sieht.

hier haben menschen vor jahren angefangen, dadaistisches und surrealistisches, erst aus der literatur und sich inzwischen immer weiter ausbreitend, zu sammeln und allen zugänglich zu machen. ihr ziel: avantgarde eine plattform im netz zu bieten. angefangen hat es wohl mit visueller poesie, mit konkreter poesie und mit lautpoesie. inzwischen geht es um viel mehr: filme, musik, „sound“, „conceptual writing“ und vor allen dingen, kostenfreies zur verfügung stellen, ohne werbung und ohne ambitionen, geld zu verdienen. genauer erklärt wird das konzept in den mehrsprachigen „faqs“.

der titel der seite bezieht sich auf das theaterstück „könig ubu“ von alfred jarry, das von surrealisten und dadaisten gefeiert wurde. aber es handelt sich um keine homepage über alfred jarry. man findet dort eher soundcollagen, performances, digitale avantgarde-zeitschriften, eine dokumentation über marshall mcluhan, frühere filme von rosa von praunheim, lesungen als mp3-dateien und vieles mehr.

eine seite zum entdecken und stöbern, die ich allen, die freude am unklaren, schrägen und spielerischen haben, nur empfehlen kann: http://www.ubu.com .

schnickschnack (98)

die welt ist bunt, chaotisch und gern mal unstrukturiert. manchen unter zwängen leidenden menschen, aber auch nur strukturierte und ordentliche geister kann dies zur verzweiflung bringen. schon seit längerer zeit steuert der schweizer ursus wehrli dem entgegen.

erst hat er mal die kunst aufgeräumt, denn man kann auch in gemälde oder skulpturen ordnung bringen. eine hübsche idee, kubistische oder abstrakte gemälde zu ordnen. bildbestandteile wurden nach form, farbe und größe sortiert. es verschwand zwar der ausdruck des kunstwerks, aber es herrschte ordnung in der kunstwelt 😉

und jetzt hat sich wehrli den alltag zur brust genommen. warum parken auf parkdecks die autos nicht nach farben sortiert? oder wieso werden die pommes nicht aufgereiht in die pappschale gelegt. alles chaotische momente im leben. und so kann man einen blick auf die ideen der wirklich aufgeräumten welt auf dieser homepage werfen: http://www.kunstaufraeumen.ch/ . das ist definitiv ausbaufähig 😛

die transmediale.11 startet am 01. februar in berlin

der technische und digitale fortschritt ist kaum aufzuhalten. geht man nur fünf jahre zurück, gab es weder twitter noch interessierte sich jemand groß für facebook. die menschen beschäftigten sich mit virtuellen welten, lebten aber nur zum kleinen teil in ihnen. heute bewegen sich milliarden in diesen welten. und heute werden abermilliarden datensätze gespeichert. alle intensiven nutzerInnen der digitalen welt sind zu herausgeberInnen, layouterInnen, programmiererInnen und wahrscheinlich im weitesten sinne künstlerInnen geworden.

unter dem motto „response: ability“ (irgendwas wie „erwiderung: befähigung“) startet am nächsten dienstag, den 01ten februar die „transmediale.11“ (http://www.transmediale.de) in berlin. die veranstaltung bietet raum für diskussionen rund um die digitale zukunft, um die sozialen auswirkungen und um die kreativen möglichkeiten der digitalisierung. sie wird begleitet von der „clubtransmediale.11“ (http://www.clubtransmediale.de). die clubtransmediale ist ein raum für musik, perfomances und kreatives im digitalen kontext. also diskurs und kultur zur gleichen zeit.

wie schon die beiden parallelen veranstaltungen zeigen, geht es vor allen dingen um die verschränkung des virtuellen mit dem realen, um die fragen nach zukünftigen entwicklungen und trends und um die teils politischen antworten auf die vielen fragen. die transmediale begann einmal als ein kleines treffen von computerfreaks und ist inzwischen eine großveranstaltung von freundInnen des digitalen (natürlich mit kritischem blickwinkel). viele veranstaltungen können besucht, im netz gesehen oder gehört werden und sie können nachgelesen werden. zur untermalung dann noch ein paar kulturelle events mit neuen medien und schon taucht man in eine neue welt ab. mal sehen, wo sich diese welt befindet.

schreibspiel (09)

sprache kann sich verkleiden. je nachdem wie die worte miteinander arrangiert werden, entsteht ein bestimmter texttyp, ein besonderer ausdruck. dieser ausdruck, diese verkleidung soll grundlage des schreibspiels sein. in anlehnung an die königinnen der verkleidung, die urmütter des rollenwechsels nenne ich dieses spiel „drag me„.

in den armenvierteln new yorks gab es in anlehnung an ein lied von madonna die vorstellung des vogue-ing, die in wettbewerbe mündeten. dabei wurde die zeitschrift „vogue“ zum vorbild genommen und bestimmte rollen von den menschen eingenommen. diese veranstaltungen boten einen laufsteg, auf dem die teilnehmerInnen versuchten die perfekten bauarbeiter, handwerker, holzfäller und dragqueens darzustellen. das publikum wertete den jeweiligen auftritt, die performance. wer schlüpft am besten in eine andere rolle?

bei dem schreibspiel „drag me“ geht es um einen rollenwechsel. dieses spiel findet in gruppen statt. jeder teilnehmer, jede teilnehmerin überlegens sich einen kleinen plot für eine schreibaufgabe. also die protagonisten, die szenerie und das geschehen. es kann auch eine kleine viertelseitige geschichte vorbereitet werden, die kurz vorgetragen wird. dann gibt es einen haufen mit karten. auf den karten sind texttypen vermerkt, wie zum beispiel „juristischer text“, „liebesbrief“, „managersprech“ oder „werbetext“. wenn die schreibaufgabe vorgestellt wurde wird aus den karten eine gezogen, die vorgibt in welchem stil der text geschrieben werden soll. es gibt zum beispiel 20 minuten, um einen text zu verfassen. alle teilnehmerInnen schreiben nun ihre geschichte, ihren text. anschließend werden die texte vorgetragen.

jetzt ist es an der gruppe zu werten, welcher text der vorgabe von der karte am nächsten kommt. dann wird die nächste schreibaufgabe vorgestellt, die nächste karte gezogen und es werden die nächsten texte geschrieben. dieses spiel benötigt je nach gruppengröße eine ganze menge zeit, kann jedoch wunderbare texte entstehen lassen. es sollte beachtet werden, dass bei der schreibaufgabe nicht zu viele vorgaben gemacht werden, damit die teilnehmerInnen einen größeren spielraum für ihre texte haben. außerdem kann es eine gute übung sein, wie man sich selbstbewusst auf dem literarischen laufsteg bewegt.

am rande (02)

powerpoint und mit dessen hilfe erstellte präsentationen haben schon längst den ort der ernsthaften arbeit oder die hallen der wissenschaft verlassen. schon seit ein paar jahren gibt es so genanntes „powerpoint-karaoke“, bei dem zufällig im netz ausgewählte präsentationen in einer performance durch menschen vorgetragen werden. das interessante daran ist das zusammenspiel eines menschen mit einer präsentation, die ihm im vorfeld vollkommen unbekannt ist. hier sind witz und spontanität gefragt, zwei eigenschaften, die bei normalen präsentationen nicht selten vollständig fehlen.

am meisten kommen noch bekannte motivationstrainer in ihrer perfomance dem powerpoint-karaoke nahe. doch auch sie glauben an die knackigen botschaften des von ihnen präsentierten und versuchen durch schauspielerische leistungen dem ganzen noch nachdruck zu verleihen. solche, in der kapitalistischen welt verbreiteten präsentationen mit ihren präsentierern, die auch im netz als filme abzurufen sind, greift armin chodzinski auf, bringt sie abermals auf die bühne und zeigt dem zuschauer die zumutung, die mit den botschaften, den darstellern und der präsentation rübergebracht wird. denn es geht nicht allein um die präsentation. die präsentation passt hervorragend in ein gefüge der kapitalistischen mehrwertschöpfung, die die einzelne arbeitskraft auf linie bringen muss, damit ihre effizienz und ihr potenzial vollen einsatz für die „sache“ bringen.

so widmet sich chodzinski in seinen arbeiten und performances, der aufdeckung gesellschaftlicher bedingungen. einen kleinen ausschnitt gibt seine homepage unter: http://www.chodzinski.com/ . und besonders hübsch ist die performance, die all den werbe- und motivationstrainings raum gibt, die einem so absurd erscheinen aber ernst gemeint sind. sie finden sich in diesem film: http://www.vimeo.com/7270314 .

web 2.30 – transmediale

berlin ist einmal im jahr treffpunkt der menschen, die sich mit den folgen und möglichkeiten der existierenden medien auseinandersetzen. dabei liegt der schwerpunkt auf diskussionsforen und der künstlerischen umsetzung gesellschaftlicher auseinandersetzungen.

am anfang jeden jahres findet die „transmediale“ statt, die regelmäßig den versuch unternimmt, alle medien zu nutzen und zu bespielen. da wäre es natürlich verwunderlich, wenn es keine eigene homepage gibt. die findet sich unter: http://www.transmediale.de/ . und wie es sich für einen medienkongress gehört, werden beinahe alle register gezogen, die das web 2.0 inzwischen bietet. so können diskussionsforen und veranstaltungen im livestream verfolgt werden, reichhaltige informationen zum programm eingeholt werden und über links weitere details über die teilnehmerInnen erfahren werden. daneben gibt es filme, texte und hinweise auf ausstellungen und performances.

man sollte an der zukunft,sowohl im positiven, wie auch im negativen sinne interessiert  und des englischen mächtig sein, um dem angebot folgen zu können. dann eröffnet sich einem eine vielfältige spielwiese, die sich dieses jahr schwerpunktmäßig dem klimawandel widmet. die „transmediale“ findet noch bis zum wochenende statt.