Schlagwort-Archive: perspektive

schreibidee (376)

schreibgruppen sind von der altersstruktur her oft sehr gemischt. das ermöglicht eine spannenden austausch zwischen verschiedenen generationen. dabei geht es nicht nur um die jeweiligen biografien oder erlebnisse, sondern es geht auch um das konzept von alter und altern. darum eine schreibanregung zu „alterungstexten“.

die schreibgruppenteilnehmerInnen werden angeregt, darüber zu schreiben, wie sie sich ihr leben im alter von 70 jahren vorstellen (sollten 70-jährige oder ältere teilnehmerInnen in der gruppe sein, können sie einen realistischen text, wie ihr leben mit 70 jahren ist / war, schreiben). der text sollte maximal zwei seiten umfassen. die texte werden gegenseitig vorgestellt und es findet statt einer feedbackrunde eine kleine diskussion zu den vor- und nachteilen des alterns statt.

anschließend erstellen alle teilnehmerInnen ein cluster zum „altern“. hierbei gibt es keine vorgaben, weshalb sich die assoziationen nicht ausschließlich um persönliche einstellungen zum altern drehen müssen. anschließend wird eine kurze geschichte des alterns geschrieben. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen. es findet eine kurze feedbackrunde statt.

als letzte vorarbeit für einen längeren text wird eine ausblick in jahrzehnten notiert. dazu schreiben die schreibgruppenteilnehmerInnen maximal 10 zeilen zu der frage „wie sieht die welt in 10 (20, 30, 40, 50) jahren aus?“. anschließend wird eine längere geschichte geschrieben, in der die jahrzehnte durchschritten werden sollen. wie dies umgesetzt wird, ob biografische gedanken oder eine begebenheit, die sich über 50 jahre erstreckt, verfolg wird, bleibt den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. man kann auch über fiktive tagebucheinträge eine geschichte entstehen lassen oder anhand der mode die jahrzehnte durchschreiten, man kann jemand einen rückblick anstellen lassen oder den weltuntergang herbeischreiben.

zum abschluss werden die geschichten vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde dazu statt, wie der prozess der alterung dargestellt wurde. und wenn lust besteht, dann kann zum endgültigen abschluss noch kurz eine liste mit fünf punkten erstellt werden, was man, wenn man wieder jung wäre, anders gemacht hätte.

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kreatives schreiben und sonne

nun, zur zeit sieht der himmel anders aus. ein grobes grau zieht über das land hinweg. aber bald, bald soll die sonne hervortreten und einen vorgeschmack von sommer bringen. bis dahin, kann man sich überlegen, wie sich die sonne mit dem kreativen schreiben verbinden lässt?

der einfachste weg: man geht zum schreiben raus. wenn die sonne scheint und die temperaturen es zu lassen, dann lohnt sich ein besuch im grünen, ganz gleich ob allein oder mit einer schreibgruppe. unter den gesichtspunkten des kreativen schreibens handelt es sich dabei um einen perspektivwechsel. man kann zum beispiel erst ort vor dem haus durch das fenster beobachten und darüber schreiben. dann begibt man sich vor das haus und nimmt die veränderten eindrücke auf, bringt sie zu papier.

so lang die sonne keine drückende hitze mitbringt, entspannen sich die menschen zusätzlich. man kann als schreibender mensch stimmungen auffangen und die reaktionen auf das wetter beobachten. oder man begibt sich an typische orte für sonnige tage: strassencafes, freibäder, seen und gärten. auch aus dieser perspektive lassen sich ideen und geschichten einfangen.

es gibt viele weitere möglichkeiten, wie die sonne ins kreative schreiben eingebunden werden kann. erstaunlicherweise erhält der mond in gedichten oder geschichte, gefühlt mehr bedeutung als die sonne. machen sie doch einmal einen sonn(en)tag zum schreibthema. was ist die sonne überhaupt? welche wirkungen hat sie? (wüste, schneeschmelze, erblühen, austrocknen, verhungern, wärme …). schreiben sie ein sonnengedicht. suchen sie worte mit „sonne“ und nutzen sie diese als schreibanregung (sonnenschirm, sonnenstrahlen, sonnenbrand, sonnenuntergang, sonnenaufgang …)

folgen sie der sonne beim schreiben in ihrer bewegung. setzen sie sich zum beispiel an einen ort und notieren sie ihre eindrücke im stundentakt von Weiterlesen

schreibidee (356)

„theater, theater…“ sang einmal katja ebstein (http://www.youtube.com/watch?v=aVIw5axKze8). ein lied, dass vor lauter metaphern beinahe platzt und doch so langsam auf die heutige schreibidee zuführt. es geht um das, was gespielt ist, was man sonst nicht sieht. darum eine schreibanregung zu „hinter-dem-vorhang-geschichten“.

zu anfang erstellen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine lange liste, wo es im alltag wichtige und weniger wichtige vorhänge gibt. sie begegnen uns sehr oft, doch man nimmt sie teilweise kaum war. mag es ein kämmerlein oder eine geisterbahn sein, beim arzt oder im zug, überall finden sich vorhänge. diese listen werden in der schreibgruppe am flipchart zusammengetragen. anschließend wählen sich alle teilnehmerInnen aus dem pool ein beispiel aus.

nun werden das ambiente und die üblichen situationen aus der sicht des vorhangs beschrieben. was erlebt der vorhang an einem tag in einem monat oder über die zeiten hinweg. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es gibt eine kurze feedbackrunde.

doch viel interessanter ist es ja, was hinter dem vorhang passiert, wenn er zu gezogen ist. dafür wird abermals ein vorhang-beispiel von den teilnehmerInnen gewählt. es soll eine kurze geschichte geschrieben werden, in der jemand einen geschlossene vorhang wahrnimmt und anfängt darüber zu spekulieren, was dahinter geschieht. so eine art schlüsselloch-geschichte, ohne wirklich zu wissen, was sache ist. die spekulation steht im vordergrund. auch diese geschichte wird in der gruppe vorgetragen und es findet eine kurze feedbackrunde statt.

die eigentliche story ist dieses mal zu anfang vorgegeben. die schreibgruppenleitung hat einen kurze text verfasst, in dem jemand an einen unbekannten ort kommt, sich durch ein labyrinth aus gängen und treppen bewegt und plötzlich vor einem vorhang steht und seltsame geräusche hört. in diesem moment bricht die vorgabe ab und alle teilnehmerInnen sollen die geschichte zu ende führen. es kann viel spaß machen zu spekulieren, wer den, die protagonistIn durch den vorhang schreiten lässt und was sich dahinter verbirgt. die geschichten werden vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt.

zum abschluss kann noch ein kurzer dialog zwischen eine person hinter dem duschvorhang und einer davor geschrieben werden.

schreibidee (342)

es gibt noch eine perspektive, die bisher hier nicht beleuchtet wurde. das schreiben ermöglicht es einem, jede entfernung, die man für angemessen hält, einzunehmen. dabei kann man distanz zum geschehen, zum zu beschreibenden objekt oder zu den protagonisten wahren. aber es geht auch andersrum: man kann ganz nah rangehen, man kann sogar so nah rangehen, wie es das menschliche auge überhaupt nicht erfassen kann, nämlich mikroskopisch nah (und zum beispiel einen dialog der mitochondrien einer zelle schreiben). darum eine schreibanregung für „ganz-nah-geschichten“.

im ersten schritt suchen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen im raum einen gegenstand aus, den sie auf maximal zwei seiten sehr detailliert beschreiben. dabei sollte die bezeichnung, der name des gegenstands nicht verwendet werden. so nehme man zum beispiel einen füller und finde worte für seine struktur, seine farbe, seinen aufbau, vielleicht auch seinen nutzen. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

im zweiten schritt nähert man sich seinen mitschreibenden an. es finden sich immer zwei teilnehmerInnen der schreibgruppe zusammen und betrachten sich auch aus der nähe. nun schreiben sie jeweils über die andere person eine darstellung, die den nahen blick zulässt. man kann also auf die struktur der finger schauen, auf die fingernägel, auf die frisur, die kleidung und vieles mehr. diese texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

im dritten schritt entwickeln die teilnehmerInnen jeweils protagonistInnen, ebenso auf maximal zwei seiten, die sie ebenso, wie vorher ihre gruppenkollegInnen, detailliert beschreiben. es geht weniger um deren charakter oder lebensgeschichte, sondern um details ihres aussehens. die texte werden nicht in der schreibgruppe vorgetragen.

denn als nächstes wird eine längere geschichte mit den protagonistInnen geschrieben, in die personenbeschreibung mit einfließt. in dieser geschichte sollte aber noch mehr nähe von den autorInnen hergestellt werden. nicht nur das aussehen wird erfasst, sondern die gedanken. wie auf einem seziertisch sollen die gedanken raum finden. die geschichte wird nicht in der ich-form geschrieben, also autorIn und protagonistIn sind nicht eine person. aber die perspektive sollte so nah wie möglich eingenommen werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. beim feedback wird der blick auf die herstellung der nähe konzentriert. wie detailliert ist die nähe gelungen? was transportiert in dem text die große nähe?

wenn dann noch zeit vorhanden ist, kann ein kurzes gegenstück zu verfassten „ganz-nah-geschichte“ geschrieben werden. die gleiche handlung wird aus großer distanz noch einmal beschrieben, um den kontrast zwischen beiden formen zu erfassen.

schreibidee (341)

um das eigene schreiben weiterzuentwickeln, empfiehlt sich der perspektivwechsel beim schreiben. das schärft den blick für ereignisse, für kleinigkeiten und für außergewöhnliche situationen. man kann abseits der üblichen zwischenmenschlichen perspektiven, auch etwas absurdere haltungen einnehmen. darum dieses mal eine schreibanregung zu „geschichten aus der perspektive eines handtuchs“.

zum beginn der schreibgruppe kann die gruppenleitung verschiedene handtücher mitbringen, um ein gespür für die vielfalt der stoffstücke zur abtrocknung zu geben. die schreibgruppenteilnehmerInnen werden dazu eingeladen, sich zu überlegen, was für ein handtuch sie gern wären (es kann sich auch um geschirrhandtücher oder handtücher in krankenhäusern und hotels handeln, selbst papierhandtücher sind eine möglichkeit). die teilnehmerInnen beschreiben sich als handtuch auf maximal zwei seiten und die texte werden in der schreibgruppe vorgetragen.

im anschluss soll der alltag dieses handtuchs, das sie sind, beschrieben werden. wie werden sie genutzt? mit was oder wem kommen sie in berührung? wie fühlt sich das an? was sehen sie als handtuch in ihrer umgebung (was erlebt zum beispiel ein sauna-handtuch?)? die schreibenden formulieren eine kleine geschichte zum alltag eines handtuchs. dabei können veschiedene situationen beschrieben werden, können gedanken und gefühle des handtuchs wiedergegeben werden oder können dialoge mit anderen gegenständen stattfinden. die bandbreite ist groß. die texte werden vorgetragen und es findet eine kurze feedbackrunde statt.

gemein wird es für handtücher, wenn sie zweckentfremdet werden. eine situation, die häufiger vorkommt, die der mensch achtlos vollzieht, die aber dem handtuch schmerzen bereiten kann, es emotional verletzt 😉 nun soll von den schreibgruppenteilnehmerInnen die zweckentfremdung in einer kleinen geschichte beschrieben werden. die geschichten werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. sie sind aber nur die vorbereitung auf die eigentlich große geschichte.

denn im leben eines handtuchs kommt es mindestens einmal zu einem außergewöhnlichen ereignis, an das sich das handtuch sein leben lang erinnern wird. die schreibenden formulieren eine story, in der das handtuch eine wichtige oder außergewöhnliche rolle spielt. ob dies nun während des normalen handtuchdaseins oder während einer zweckentfremdung geschieht, bleibt den teilnehmerInnen überlassen. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt, die eventuell das verständnis für die perspektiven eines handtuchs verbessern.

schreibpädagogik und blickwinkel

es gibt zwei aspekte bei der frage, welche rolle der eingenommene blickwinkel bei der schreibpädagogik spielen kann. zum einen kann man die schreibgruppen oder einzelnde schreibende anregen, einmal einen anderen blickwinkel einzunehmen. zum anderen kann man seinen eigenen blickwinkel auf die schreibenden und ihre texte verändern, aus einer anderen perspektive einen blick darauf werfen.

den blickwinkel der schreibenden verändern. die bekannteste variante ist sicherlich, verschiedene geschichten zu verfassen mit mehreren protagonisten. dabei wird die geschichte jeweils aus der sicht eines protagonisten erzählt. man nimmt beim schreiben immer wieder eine andere rolle in der geschichte ein. dann kann man noch den beobachtenden schreiber geben, der den überblick über alle geschehnisse hat und sogar eine ahnung vom ausgang der erzählung vermitteln.

daneben kann man aber auch „zoomen“, aus der entfernung beschreiben, ganz nah herangehen an das geschehen. man kann einen gegenstand beobachten lassen, dem gegenstand leben einhauchen und seine rolle einnehmen. es gibt viele varianten, wie der blickwinkel beim schreiben ein und desselben geschehnisses verändert werden kann.

als schreibpädogInnen kann man den schreibgruppen die anregung geben, jeweils den blickwinkel zu verändern. man kann die entstandenen texte vergleichen lassen. dadurch entwickelt sich bei den teilnehmenden ein gespür für die veränderten sichtweisen. wenn man dann dem blickwinkel eine emotion hinzufügt, dass zum beispiel protagonist eins gerade von seiner frau verlassen wurde, dann ergeben sich immer differenziertere geschichten und szenen.

das einnehmen eines veränderten blickwinkels kann den schreibenden zum beispiel beim szenischen schreiben ein gefühl für dialoge geben, da jeder protagonist in seine äußerungen die eigene sicht einfließen lässt. oder es lässt sich ein mosaik eines geschehnisses erstellen, dass die sicht auf das eigentliche geschehen langsam darstellt. der perspektivenwechsel kann einer geschichte erst ihre spannung geben. dies sollte in schreibgruppen vermittelt werden. die schreibpädagogik entwickelt dazu die schreibanregungen und -ideen.

die veränderung des eigenen blickwinkels. hierbei geht es um einen ganz anderen aspekt. wenn man eine schreibgruppe anleitet, begegnet man meist verschiedenen subjekten, die schon unterschiedliche gründe haben, weshalb sie überhaupt schreiben wollen. Weiterlesen

schreibidee (159)

astronauten schwärmen vom blick auf die erde, die plötzlich so klein vor ihnen schwebt und wunderschön aussieht. wahrscheinlich ist es umgekehrt sehr ähnlich und die kleinen lebenwesen in ihrem haushalt schwärmen von der farbausstrahlung ihres handgeknüpften wohnzimmerteppichs. könnte man sich ganz klein machen, sähe die welt ganz anders aus. darum versucht diese schreibidee in „schrumpf-geschichten“ eine andere perspektive einzunehmen.

um den einstieg in den perspektivwechsel zu erleichtern, wird zum einstieg die ameise als beispiel herangezogen. dieses tier ist den meisten menschen bekannt und seine lebensweise wird gern mit der unsrigen verglichen. darum werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert auf einer din A 4 seite den „tagesablauf“ einer ameise zu notieren. was ist zu tun, wie wird nahrung besorgt und welche widrigkeiten tauchen auf?

nun begeben sich alle in die rolle einer ameise und versuchen, die welt mit ihren augen zu sehen. das stimmt natürlich nicht ganz, da das ameisenauge ein wenig anders funktioniert als das menschlich, doch die einnahme des blickwinkels einer ameise kann helfen, sich gedanklich zu schrumpfen. was sieht zum beispiel eine ameise, wenn sie um ihre kaffeemaschine herumläuft, vielleicht gerade die filtertüte gefüllt wird und ihr zwischendurch kaffeekrümel wie gesteinsbrocken vor die füsse fallen? oder wie sieht eigentlich ihr wanderschuh für eine ameise von unten aus? es sollen mindestens zwei alltagsgegenstände aus der perspektive eine ameise auf jeweils einer halben seite beschrieben werden.

jetzt können die schreibenden den körper der ameise verlassen und sich selber gedanklich auf insektengröße schrumpfen lassen. welche abenteuer erleben sie entweder in ihrem eigenen haushalt oder auch im seminarraum. es werden längere geschichten verfasst, die anschließend in der schreibgruppe vorgelesen werden. und sollte genügend zeit vorhanden sein, kann noch gemeinsam der film „liebling, ich habe die kinder geschrumpft“ angeschaut werden.