Schlagwort-Archive: philosophisches schreiben

biografisches schreiben und zufall

man mag es zufall oder schicksal nennen (obwohl schicksal meist mit negativen erlebnissen in verbindung gebracht wird), unser leben verläuft meist nicht ganz so kontrolliert, wie wir das gern annehmen. bewusst wird uns dies in sehr außergewöhnlichen oder gar dramatischen momenten. wenn man zum beispiel einer katastrophe entgangen ist, weil man in einen anderen zug, ein anderes flugzeug oder dergleichen mehr gestiegen ist. manch einer mag da zwar ausrufen „ein zeichen, ein zeichen!“, doch auch die zeichen sind von uns nicht beeinflussbar.

spannend wird die diskussion über die zufälle in unserem leben durch manche behauptungen aus der genetik, der hirnforschung und der zwillingsforschung. hier wird in vielen zusammenhängen der „freie wille“ in frage gestellt. doch die diskussion scheint müßig, da viele erkenntnisse zwar darauf hinweisen, dass mehr unbewusstes unsere entscheidungen beeinflusst als bisher angenommen, aber es nicht die fähigkeit, entscheidungen aufgrund der uns zur verfügung stehenden informationen in frage stellt.

so wandeln wir zwischen selbstüberschätzung und ohmacht durch unsere alltag. im biografischen schreiben können wir zumindest einen blick darauf werfen, welche ereignisse unseres lebens uns zufällig schienen und wie weit sie unsere zukunft beeinflusst haben. sicherlich erinnert man sich nur an die „großen“ zufälle, die wirklich eine bedeutung hatten. aber dies sind auch oft die momente, die unser leben spannend machen. wie weit waren wir bereit, entwicklungen in unserer lebensgeschichte dem zufall zu überlassen? wo haben wir uns besonders angestrengt, die richtung unserer entwicklung zu steuern, und wie fruchtbar oder unfruchtbar war dies? haben unsere erfahrungen mit zufall und Weiterlesen

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schreibidee (326)

in den letzten tagen habe ich einen interessanten gedanken gelesen: woher wissen wir eigentlich, wie die vergangenheit wirklich war, wenn wir noch nicht einmal wissen, was alles damals (in grauer vorzeit) geschrieben und gedacht wurde, da vieles verschwunden ist und nie wieder aufgetaucht ist? viele unserer vorstellungen basieren auf fragmenten. diese fragmente werden schnell für bare münze genommen (obwohl vielleicht der großteil der damaligen menschen was ganz anderes gedacht hat). darum soll der hang zur gewissheit mit dieser schreibanregung ein wenig verstört werden, es sollen „absurde theorien“ geschrieben werden.

seit jahrhunderten werden über das geschriebene und dann auch gedruckte oder inzwischen digitalisierte wort gewissheiten geschaffen. schreiben wir doch einmal um. als einstieg erhalten die teilnehmerInnen eines der naturgesetze (gern etwas physikalisches oder so) als kopie ausgeteilt. das gesetz soll umgeschrieben werden. dabei gibt es keine beschränkungen. so kann die erdanziehung zum beispiel mit unsichtbaren wesen erklärt werden, die alles in der luft mit einem lasso einfangen und versuchen auf die erde zu ziehen. anschließend werden die theorien in der schreibgruppe ohne feedback kurz vorgestellt.

nun werden in der gruppe die großen fragen der menschheit aufgeworfen, die noch nicht zufriedenstellend beantwortet wurden. entweder machen sich alle notizen zu drei bis fünf stichpunkten oder es werden gleich fragen, zu denen die passenden theorien fehlen am flipchart gewählt. zum beispiel die frage, weshalb sich der pfau mit seinem unhandlichen federkleid, das ihn zur leichten beute macht, in der evolution durchsetzen konnte? es dürfen aber auch fragestellungen gewählt werden, die schon längst beantwortet sind.

im anschluss geht es darum, dass die teilnehmerInnen zu einer jeweils ausgesuchten frage eine theorie entwickeln. dazu kann entweder das freewriting, ein cluster oder eine 30-wort-assoziation genutzt werden. anschließend ist eine kleine wissenschaftliche oder philosophische abhandlung zu schreiben. also es geht darum, zu „schreiben wie …“. es muss eine these aufgeführt werden, es müssen beweise benannt werden, sollten forschungen angeregt werden und schlussfolgerungen dürfen angestellt werden. danach werden die „absurden theorien“ in der schreibgruppe vorgestellt und es gibt eine kurze feedbackrunde.

nun werden die niedergeschriebenen theorien unter den schreibgruppenteilnehmerInnen ausgetauscht. zum abschluss wird eine geschichte geschrieben, wie sich die welt wohl entwickelt, wenn alle menschen der neuen theorie, die man in händen hält, folgen und sie glauben. wie sieht dann unsere zukunft auf? die zukunftsszenarien werden anschließend vorgelesen.

web 2.49 – edge.org

der mensch verfügt über einen vorsprung gegenüber tieren und technischen geräten. er kann über seine situation reflektieren, nachdem er sie wahrgenommen hat und erfahrenes kommuniziert. aus den reflexionen resultieren beim menschen oft handlungen. doch er misstraut seiner eigenen wahrnehmung oder nimmt sehr unterschiedlich wahr. darum muss sich der mensch immer wieder über seine möglichen handlungen austauschen.

im internet gibt es eine plattform, die den rahmen für einen umfassenden austausch über fragen, die die menschheit bewegen, bietet. „edge.org“ stellt einmal im jahr eine frage zur zukunft und menschheit, sozusagen eine frage des jahres, und fordert dazu auf, antworten in essays zu geben. ein teil der eingehenden antworten wird dann veröffentlicht und zur diskussion gestellt. die frage dieses jahres lautet: What Scientific Concept Would Improve Everybody’s Cognitive Toolkit? . letztes jahr ging es zum beispiel darum, inwieweit das internet unser leben beeinflusst und unser denken verändert.

nun sind wissenschaftlerInnen, künstlerInnen, philosophInnen, psychologInnen und zum beispiel schriftstellerInnen aufgefordert, eine antwort auf die frage zu finden. auf der homepage kann man viele antworten, aber auch viele journalistische auseinandersetzungen mit der frage des jahres zu finden. leider ist die website ein wenig unübersichtlich und man muss sich erst einmal durchwühlen, wo denn nun welcher beitrag ist. wann handelt es sich nur um eine journalistische aufarbeitung und wann handelt es sich um einen essay.

doch während man sucht, kann man sich ja schon einmal gedanken zur großen frage machen. vielleicht verfasst man einmal einen eigenen essay. zu finden ist die seite unter: http://www.edge.org/ . viel spaß beim lesen und erfahren, wie es uns so geht (übrigens wird ausschließlich in englisch kommuniziert).

schreibtechnik (19)

es geht um keine direkte schreibtechnik, sondern um eine technik zur vorbereitung eines textes. hilfreich in diesem zusammenhang, um informationen oder assoziationen zusammenzutragen und im vergleich betrachten zu können, bieten sich listen und tabellen an.

die tabelle hat den vorteil, dass sie entweder diverse fragen, stichworte oder begriffe in der ersten spalte zur verfügung stellt und den schreibenden auffordert eine antwort oder weiterführung in eine oder mehrere andere spalten zu setzen. dabei sollte möglichst nicht zu langes nachdenken den assoziationen freien raum geben. aber es besteht beim zusammentragen von informationen natürlich auch die möglichkeit, diese beim eintragen zu strukturieren und zu sortieren.

in diesem moment lässt sich die tabelle mit der liste vereinen, die als vorstufe der tabelle verstanden werden kann. listen bilden letztendlich eine hierarchie der begriffe, der informationen oder der ideen. sie lassen sich entweder entlang einer zeitschiene, wichtigstem und unwichtigstem oder auch interessantestem und uninteressantestem ausrichten. das bietet eine gute möglichkeit textideen zu sortieren, inhalten eine reihenfolge zu geben oder auch sich selbst einen überblick über das assoziierte zu geben.

die tabelle ermöglicht eine weitere zugabe, zuordnungen zur liste, zu begriffen. es besteht die möglichkeit die tabelle als aufgabe an die schreibgruppe auszugeben und zum beispiel beim biografischen oder philosophischen schreiben nach lebenskrisen, lebenshöhepunkten oder persönlichen lebensphilosophien zu fragen.

die tabelle kann auch bei der auflistung von zitaten und dergleichen sehr hilfreich sein. so, dass sie in ihrer zusammenfassung schon beinahe der text formuliert ist. sie kann aber auch nur der orientierung dienen, um aus dem reichhaltig tabellarisch aufgeführten das zu wählen, das die grundlage des nächsten textes bilden soll.