Schlagwort-Archive: politik

nabelschau (62)

schutz, der kein schutz ist. oder – wer kennt sich überhaupt aus? je mehr meldungen es über die diskussionen um acta, um die datensammlungen bei sozialen netzwerken, um urteile des bundesverfassungsgerichts oder um das verhalten deutscher behörden im netz geht, um so stärker kommt das gefühl auf, dass ein großteil der politischen entscheidungsträger keinen blassen schimmer davon hat, um was es überhaupt geht.

da werden ausschusssitzungen in dokumentationen über facebook gezeigt, die schon bei den fragestellungen der ausschussmitglieder erahnen lassen, dass man sich nicht auskennt. das ist nicht weiter schlimm, es kommt bei anderen themen auch vor und es ist menschlich. man kann nicht zu allem alles wissen. wenn man dann wenigstens an den entscheidenden stellen kompetente menschen mit entsprechenden befugnissen sitzen hat.

aber offizielle datenschützerInnen sind orchideenposten wie die frauenbeauftragen oder die drogenbeauftragten. da wird eine gesellschaftliche problematik ausgegliedert, um ein feigenblatt vorweisen zu können, wenn es kritisch wird. es können jedoch keine entscheidungen getroffen werden. den rest lässt man irgendwie laufen. gut, irgendwann greift man teilweise die bedenken der expertInnen auf, entscheidet halbherzig etwas und lässt es dann weiterlaufen. die folge: nun rennen alle dem davongelaufenen hinterher.

die technik, die handhabung der technik und die missbräuchliche anwendung der technik sind so weit vorangeschritten, dass zwar immer mal jemand an der reissleine zieht, aber der fallschirm nicht aufgehen will. gerade hat das bundesverfassungsgericht wieder darauf hingewiesen, dass im netz, web, internet praktiken herrschen, die mit den grundrechten nicht vereinbar sind. ist das nicht mal jemandem vorher aufgefallen? man hat den eindruck – irgendwie schon, aber man hat es erst einmal laufen lassen.

da erwarten institutionen und entscheidungsträgerInnen von der bevölkerung angemessenes verhalten in der digitalen welt und überschreiten selber eine grenze nach der anderen. es ist auf allen ebenen kein (daten)schutz und keine privatheit mehr gewährleistet. wen wundert es dann, dass von allen alle möglichkeiten Weiterlesen

nabelschau (61)

was gab es da noch zu überlegen? absurd, absurder, am absurdesten: es gibt handlungen und haltungen, die ich schwer nachvollziehen kann. das kommt selten vor, aber es kommt vor. da geht es über monate um die frage der vorteilsnahme, die frage der verstrickungen und einem selber müsste bewusst sein, dass dem so ist. doch die haltung, die nach außen getragen wird, ist, sich im recht zu befinden. da wollte uns also jemand klar machen, dass all seine reisen, seine freundschaften und seine kredite ganz normalen kriterien folgen, dass unser leben heute so aussieht.

zu teilen mag das stimmen, vor allen dingen in bestimmten kreisen dieser republik. die konsequenz des groß gepriesenen „netzwerkens“ können nämlich auch so genannte „seilschaften“ werden. und bei der propagierung des netzwerkens wird dies meist an keiner stelle thematisiert. ja, es ist sogar ein netter zug, sich gegenseitig zu unterstützen. doch, und hier liegt die krux, es ersetzt inzwischen eine vorstellung von solidarität, die sich auch menschen zuwendet, die nicht zum netzwerk gehören. bei den gepriesenen freundschaften regieren leistungen und gegenleistungen. auch wenn ich nicht glaube, dass es die auf der anderen seite propagierte „selbstlosigkeit“ gibt, da jeder helfende mensch zumindest eine emotionale gegenleistung erhält, so muss es doch einen mittelweg geben.

doch dieser mittelweg wird nicht mehr beschritten und wie es scheint, auch überhaupt nicht mehr gesehen. noch erschreckender scheint mir aber, dass nicht mehr gesehen wird, wie sehr auf kosten anderer agiert wird (und das nicht nur im kleinen land, sondern im ganzen weltgefüge). und um es noch einmal am ehemaligen bundespräsidenten wulff festzumachen, es scheint immer häufiger von außen betrachtet tragisch, dass die haltung schon so verinnerlicht ist, dass anderes kaum mehr vorstellbar scheint. darum sollte es mich auch nicht verwundern, dass nach dem gestrigen antrag zur aufhebung der immunität noch einmal eine nacht verstreichen musst, bis man sich dazu äußert.

die journalistInnen hätten garantiert am gleichen abend zur verfügung gestanden, die kollegInnen aus den diversen fraktionen auch. in unserer schnelllebigen welt ist dies keine schwierigkeit. aber es benötigte abermals bedenkzeit. und diese bedenkzeit erschreckt.

nabelschau (60)

macht mich nicht nass! wasser wurde hier meist so lieblich dargestellt, wie wenn es kaum ein wässerchen trüben könnte. doch in erster linie macht es nass – von innen und von außen. und nass möchte man nur werden, wenn man es eingeplant hat. geht einem aber im rucksack mit unterlagen die wasserflasche auf oder gerät auf dem weg zum abendlichen date in einen regenschauer, dann hat es sich schnell mit der gutmütigkeit der menschen und des wetters.

doch noch einen schritt weiter: dieses schlichte, klare element kann häuser wegtragen, hänge zum rutschen bringen, deiche aufweichen und sich in jeder ecke stauen. da kommt es erst als kleines rinnsal aus der wand und in kurzer zeit verursacht es einen gehörigen wasserschaden. das wasser dürfte in vielen bereichen ruhig ein wenig dezenter auftreten. die schwierigkeit besteht darin, dass dies nicht nur in der hand des wassers liegt, sondern der mensch fleissig daran arbeitet, dass rinnsale zu reissenden fluten werden.

und so langsam kommen die menschen nicht mehr damit hinterher, die schäden des wassers zu reparieren, schon tauchen die nächsten auf. da klingt es zwar verlockend, wenn der meeresstrand der eigenen haustür näher rückt, aber gleichzeitig muss man beständig damit rechnen, nasse füsse zu bekommen oder gleich mit allem hab und gut weggeschwemmt zu werden. und es spielt keine rolle mehr, ob man am berg oder im tal lebt.

schon die römer versuchten das wasser für sich zu nutzen, für sich arbeiten zu lassen, aber sie machten es noch dezent. heute werden ganze landstriche überschwemmt, menschen vertrieben, es wird gestaut und versiegelt, kanalisiert und begradigt. anscheinend ist wasser so verführerisch für allmachtsfantasien, da es so klar, schlicht und tröpfelnd daherkommt. dabei können schon tropfen genügen, um den menschen zu foltern. manchmal scheint es, wie wenn in der wasserwelt das kind schon in den brunnen gefallen wäre.

die menschen finden in vielen regionen kein wasser mehr, das sie noch trinken können, in anderen ertrinken sie darin. das mittelmaß ist verloren gegangen. und was fällt den menschen ein: der vertrieb in plastflaschen, ein umkämpfter markt, um nicht krankheiten und gleichzeitig medikamentencocktails mit dem trinkwasser aufzunehmen. plötzlich erscheint einem ein sommerlicher platzregen als paradies in der wasserwelt. die natur darf mich nass machen, aber die gesellschaft sollte die finger davon lassen, da werd ich nur stinkig.

wortklauberei (93)

verfassungsschutz

„freiheitlich demokratische grundordnung“ ist das zauberwort. wer dagegen agiere und sich äußere, der oder die sei beobachtungswürdig, lassen die vertreterInnen des verfassungsschutzes verlauten. und wie vorgestern im fernsehen zu vernehmen war, sei die unterstellung man sei auf dem rechten auge blind, eine unverschämtheit. wie das mit phrasen so ist, sollten sie gefüllt werden, bevor ein urteil gefällt wird.

wir haben eine verfassung und daraus folgend eine „freiheitlich demokratische grundordnung“. doch ab welchem moment agiere ich dagegen? ab dem moment, ab dem ich mich für politisches und soziales asyl einsetze? ab dem moment, ab dem ich mich gegen so genannten „turbo-kapitalismus und globalisierung“ wehre? vor wem schützt der verfassungsschutz die verfassung?

in erster linie vor menschen, die sich für eine humanere, sozialere und solidarischere welt einsetzen. leider werden nicht die beobachtet, die in den letzten jahren immer wieder unser grundgesetz angetastet haben. auch nicht die, die vom verfassungsgericht mit brief und siegel das urteil erhalten haben, dass sie gegen unsere verfassung mit ihren gesetzgebungen und verordnungen verstoßen. es geht eben nicht um die „freiheitlich demokratische grundordnung“, es geht um den status quo, der nicht zu großen veränderungen unterworfen sein soll.

der zweite absatz des artikels 14 sagt aus: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. nirgends im grundgesetz und unserer verfassung steht, dass ein agieren gegen die kapitalistische grundordnung gleichzeitig ein agieren gegen die freiheitlich demokratische grundordnung sei. sehr wohl steht aber im grundgesetz, dass niemand aufgrund der herkunft, der religion, der politischen anschauung oder des geschlechts benachteiligt werden darf, ja ein recht auf körperliche unversehrtheit hat.

wenn also diskutiert wird, was ein verfassungsschutz zu schützen hat, dann sollte auch diskutiert werden, was unser grundgesetz eigentlich sagt, denn nur dieses kann grundlage der „freiheitlich demokratischen grundordnung“ sein und nicht die verfasstheit politischer führung. es zeigt sich jedenfalls in der debatte, dass wortungetüme kaum mehr hinterfragt werden, sondern die definitionsmacht bei der schutzbehörde liegt. und es zeigt sich, wie weit unsere gesellschaft von der eigenen verfassung entfernt ist, ganz abgesehen von den menschenrechtskonventionen.

nabelschau (59)

handys sind dafür da, nicht benutzt zu werden, jedenfalls in berlin. sie haben streit in der beziehung und ihr partner glaubt ihnen nicht, dass sie noch gearbeitet haben. im zeitalter der dienstleistungen genügt ein anruf bei der berliner polizei und sie bekommen die auskunft, wann sie sich in der nähe welches sendemasten mit ihrem handy am letzten abend aufgehalten haben. dies könnte zumindest teilweise ihren partner beruhigen. obwohl sie sich natürlich mit ihrem neuen lover auch an der arbeitsstelle getroffen haben könnten.

so könnte die zukunft der handynutzung aussehen, wenn nicht bald jemand einschreitet oder alle nutzerInnen diese nervtötenden dinger abschalten. denn es wird gesammelt: verbindungen, telefonnummern, uhrzeiten, orte. und bringt man sie in kontakt miteinander ergeben sich bewegungsbilder. sie befinden sich fünf mal in der nähe eines tatorts, dann kann es sein, dass die polizei bei ihnen vor der tür steht und vermutet wird, sie hätten eine straftat begangen. nun sollten sie als handybesitzer immer wissen, wo ein tatort ist, damit ihnen dies nicht geschieht. sie haben dann zwei möglichkeiten: einen anderen sendemasten suchen oder das handy ausschalten.

besonders interessant erscheint mir der gedanke, dass davon ausgegangen wird, dass straftäterInnen so eng verwachsen sind mit ihrem handy, dass sie sie nicht zu hause lassen, wenn sie eine straftat begehen. gleichzeitig haben sich bei der millionenfachen datenerfassung in berlin keine straftaten aufklären lassen. hmmm, seltsame vorgehensweise und skurrile argumentation. logischerweise sollte man erwarten, dass jemand öffentlich zu dem schluss kommt, dette bringt wohl nüscht. aber nein, die argumentation geht in eine andere richtung: demos waren bei der erfassung nicht dabei (wie in sachsen), es handelte sich ausschließlich um schwere straftaten.

schwere straftaten sind nicht schön, ja auf alle fälle ahndungswürdig, aber mal auf gut glück (das bis jetzt niemandem hold war) einen generalverdacht gegenüber allen anwesenden und telefonierenden auszusprechen und dementsprechend zu handeln, das ist nur noch schräg. es handelt sich dabei um die aufgeblasene variante der rasterfahndung, bei der nur noch der ort eine rolle spielt. zwei konsequenzen ergeben sich daraus: die hoffnung, dass menschen ihre quasselboxen etwas öfter abschalten, und die handlung, sofort aufzulegen, wenn einen jemand vom handy aus anruft 😆

protest gegen ein gesetz der internetzensur in den usa

in den usa liegt ein gesetz im us-senat, das auswirkungen auf alle anbieter und schreiberlinge im www haben könnte. darum protestieren heute diverse netzanbieter und schwärzen ihre seiten. mehr informationen findet man hier bei wordpress.org: http://wordpress.org/news/2012/01/help-stop-sopa-pipa/ .

möge dieser protest erfolg haben.

wortklauberei (92)

„care-verpflichtungen“

nach den care-paketen kommen die care-verpflichtungen, die in der heutigen zeit immer noch mehrheitlich von frauen übernommen werden. dabei handelt es sich um die „pflege- und sorgearbeit“, die bei der brut oder bei älteren angehörigen zu verrichten sind. als ich diesen begriff das erste mal las, dachte ich, es ginge um einen versicherungsabschluss. doch weit gefehlt, es geht um tätigkeiten, die nicht mehr tätigkeiten genannt werden, da es einen ethischen und moralischen hintergrund gibt.

entweder ist es management- oder arbeitspsychologie-sprech, die sich hier breit machen. jedenfalls könnte man sich den begriff genauso gut in der coaching-sitzung oder in der zukunftsplanung eines großbetriebs vorstellen. es hat mit dem alltag nicht mehr viel zu tun, ähnlich wie „pflege- und sorgearbeit“. was ist bitte sorgearbeit? die anstrengung, sich ständig sorgen zu machen? oder doch nur der oberbegriff für ent- und versorgungstätigkeiten?

schon vom klar her, bekommt man das gefühl in einer durch und durch organisierten und technokratisierten welt zu leben, die in einer distanzierten und kühlen sprache den versuch unternimmt die konflikte im menschlichen zusammenleben (wie eben die weiterhin hauptsächlich den frauen zugeschriebene rolle der versorgung und pflege) zu entemotionalisieren. und so schleicht sich nicht nur der begriff „self-care“ in unsere sprache ein, sondern jetzt sind wir in care-momenten demnächst be-cared und blicken care-voll in die zukunft.

es ist zu vermuten, dass das wort „sorge“, das wir in diesen momenten normalerweise verwenden, zu stark wirkt, also den diskurs verschärft, darum wurde er ent-cared.

wissenschaftliches schreiben und diskurs

forschung und wissenschaft leben vom diskurs. von der auseinandersetzung um ergebnisse und erkenntnisse. was meldet die zeitung von heute? auch nach 20 jahren streiten die wissenschaftler immer noch darüber, ob es so etwas wie „multiple persönlichkeiten“ geben kann. vielleicht gibt es erst nach weiteren zwanzig jahren eine klare antwort. viele erkenntnisse in der forschung, vor allen dingen auch in der grundlagenforschung, haben nur eine beschränkte halbwertszeit.

und doch bedarf es erst einmal einer these, einer behauptung, die aufgestellt und be- oder widerlegt wird. dieses ergebnis wird dann in kontakt mit anderen erkenntnissen gebracht. und nun kann der diskurs beginnen. im hintergrund agieren die wissenschaftlerInnen als vertreterInnen dieser positionen, als in diese richtung forschende. also vertreten sie auch ihre these, die sie näher untersuchen.

das skurrile beim wissenschaftlichen schreiben ist aber, dass viele betreuende wissenschaftlerInnen von abschluss- und forschungsarbeiten der meinung sind, persönliche meinungen hätten in wissenschaftlichen schriften nichts verloren. wie soll da bitteschön ein diskurs entstehen? eine wissenschaftlicher text solle möglichst neutral formuliert sein. was für eine seltsame auffassung von wissenschaft.

wissenschaft war nie neutral, sie verfolgte immer ziele und vorstellungen. inzwischen gibt es in den verschiedensten fachgebieten untersuchungen, die zeigen, dass versuchsanordnungen und ergebnisse stark von den auffassungen der forschenden beeinflusst sind. doch diese sollen nicht offengelegt werden. höchstens im schlusskapitel des wissenschaftlichen textes darf noch ein wenig persönlich stellung bezogen werden. das mutet seltsam an und verhindert einen fruchtbaren diskurs.

da in vielen bereichen nicht mehr klar position bezogen wird, ist vielen wissenschaftlich schreibenden auch unbekannt, wie persönliche positionen in wissenschaftlichen texten zu verankern sind. sie werden als solche nicht gekennzeichnet, sondern fließen textlich im hintergrund ein. wenn zum beispiel formulierungen wie „man …“ auftauchen, dann klingt dies, wie wenn Weiterlesen

nabelschau (57)

40 millionen versus 2,1 milliarden. ein tag, zwei zahlen. der bundesumweltminister will zur bekämpfung des klimawandels für die weltgemeinschaft 40 millionen euro zur verfügung stellen. hübsch, aber zu wenig. deutsche firmen haben im letzten jahr waffen für 2,1 milliarden vertickt. gruselig und teilweise fragwürdig. beides zeigt, dass die eigentlichen schwierigkeiten auf der welt immer noch nicht verstanden werden oder verstanden werden wollen.

keiner macht die rechnung auf, wie viele menschen im letzten jahr durch naturkatastrophen umgekommen sind und wie viele durch kriege. es mag sein, dass der krieg zahlenmäßig immer noch vorn liegt, ich weiß es nicht. aber es ist damit zu rechnen, dass der klimawandel schnell aufholt. beinahe alle meteorologen und wissenschaftler sind sich einig, dass extreme wetterlagen zunehmen. doch irgendwie geht das in die gesamtrechnung immer noch nicht ein. man kann sich ja gegen manches unglück versichern.

doch ist das haus mal weggespült, sind die kinder verhungert oder hat ein wirbelsturm alles mitgenommen, dann kann man das nicht rückgängig machen und dann zahlt das keiner. man kann nur hoffen, dass regierungen und die weltgemeinschaft einspringen, um überhaupt wieder eine existenz gründen zu können. und die gestorbenen macht es nicht wieder lebendig. 40 millionen scheinen in diesem moment als schlechter witz. setzt man diese summe in beziehung zu den kosten in afghanistan, verstärkt sich die schieflage.

schaut man sich dann noch an, wie europa auf der un-konferenz zum thema migration argumentiert und wie es sich verhält an seinen grenzen, dann scheint alles noch absurder. und es scheint kein umdenken in aussicht. wenn ich in einem land leben würde, in dem regelmäßig der monsun mein haus wegspült, dann würde ich auch versuchen mich vom acker zu mache und dorthin zu gehen, wo dies nicht passiert. und was glauben sie, wie wird die zukunft der menschheit auf der welt aussehen. kriege scheinen in diesen momenten beinahe wie ein zuckerschlecken. aber naturgewalten scheinen so weit weg und schicksalshaft. ich empfehle: schnell umdenken!

web 2.81 – metaphorik.de

die metapher macht oft einen text erst interessant. und damit man metaphern erstellen kann, benötigt es ein wenig fantasie, ein recht großes vorstellungsvermögen und den mut, dinge sprachlich miteinander zu kombinieren, die einem unvorstellbar erschienen. die metapher ist in der deutschen sprache ein weites feld. und wen wundert es da nicht, dass für die freundInnen, liebhaberInnen und germanistInnen etc. ein eigenes angebot im internet existiert.

regelmässig wird auf „metaphorik.de“ eine online-zeitung zur bedeutung, verwendung und form der metaphern herausgegeben. ausserdem wird die metapher des jahres prämiert, benannt und beschrieben. es gibt verbindungen in verschiedene länder, betrachtungen zu anderen sprachen. also eine spielwiese für menschen, die sich mit den formen der metaphern und ihren teilweise gesellschaftlichen und politischen bedeutungen auseinandersetzen wollen.

zu finden ist die seite unter: http://www.metaphorik.de/ .

wortklauberei (89)

„der breite widerstand ist friedlich“

ja, manchmal fragt man sich, welche vorstellungen eigentlich inzwischen in dieser welt der dienstleistungen und des wohlverhaltens rumgeistern. oder man fragt sich, welche haltungen manche menschen in meinungsbildenden institutionen vor sich hertragen. am samstag wurde von den reaktionen auf den atommüll-transport nach gorleben in der „tagesschau“ berichtet. dabei brachte es die reporterin fertig, nach einem kurzen abstecher zu den gleisblockierern, die als sie geräumt werden sollten mit steinen warfen, folgenden satz zu äußern: „der breite widerstand ist friedlich.“

sorry, aber wie soll das gehen. sprachlich geht es jedenfalls gar nicht. ein blick in das deutsche wörterbuch der brüder grimm zum wort „widerstand“ und es findet sich folgende auflistung: „widerwärtigkeit, behinderung, widerstreben, gegenwehr, weigerung, fähigkeit zum widerstande, gegner„. dann ein blick in den thesaurus zum begriff „friedlich“ und es finden sich folgende wörter: „einträchtig, friedfertig, friedliebend, geruhsam, sanft, verträglich, friedfertig, gutmütig, pazifistisch, versöhnlich, glimpflich, harmlos, mild, sanft, weich, mild, sanft, seelenruhig, zahm„.

zuerst einmal: sprachlich geht dieser satz nicht, da er ein widerspruch in sich ist. auch wenn wir in einer widersprüchlichen welt leben, „widerstand“ und „friedlich“ gehen nicht zusammen oder heben sich gegenseitig auf. entweder ist es dann kein widerstand mehr oder es ist nicht mehr friedlich (da zum beispiel „ziviler ungehorsam“). wir widerstehen, indem wir genau nicht das tun, was man von uns teilweise erwartet, da wir unbeugsam sind. damit ist aber eine aktion verbunden, die eben nicht einträchtig, sanft und verträglich ist. sonst wäre es kein widerstand mehr.

aber das schlimme daran ist, dass mit dieser aussage noch etwas ganz anderes transportiert wird: widerstand ist nur erlaubt, wenn er eigentlich keiner mehr ist. und das in einer „neutralen“ nachrichtensendung.
diese debatten sind alt, da schon damals das blockieren von zufahrtswegen zu atomraketen-depots, das sich auf die strasse setzen als gewalt bezeichnet wurde. dagegen war das wegtragen durch die exekutive per politischer definition keine. dabei war entweder beides eine aktion und somit nicht gewaltfrei oder beides war friedlich und somit gab es keinen widerstand.

doch in der aussage der journalistin spiegelt sich eine vorstellung von widerstand wieder, die politischer nicht sein kann. man kann trefflich darüber streiten, auf welcher seite man steht, der der widerständigen oder der nicht-widerständigen, man kann aber nicht in einer berichterstattung verbreiten, die mehrheit leiste friedlichen widerstand (und im hintergrund mitschwingen lassen, das seien die „guten“). widerstand hat immer eine gewalttätige komponente, da muss man sich dann schon entscheiden, wenn man eine stellungnahme abgibt, ob man für den widerstand oder dagegen ist.

na ja, es wurde ja eine stellungnahme abgegeben, sie war gegen den widerstand. nur hat das etwas in einer nachrichtensendung verloren? ein einfacher bericht hätte genügt.

nabelschau (56)

wie die demokratie sich selbst abschafft! es ist wirklich spannend, was gerade in verschiedenen ländern europas passiert. letztendlich findet ein politischer offenbarungseid statt, der unsäglicher nicht sein kann. da wird in italien eine regierung eingesetzt, die vor allen dingen betont, dass sie ohne politiker auskommt. die begründung: das regieren würde dadurch unkomplizierter.

damit einher geht aber eine gnadenlose abschaffung des diskurses. und das schlimmste, das heissen auch noch alle gut. die gewählten volksvertreterInnen begrüßen den schritt in italien. dafür kann es nur zwei gründe geben: entweder hat politik die schnauze voll, diskurse zu führen und meinungen zu vertreten, oder politik fühlt sich ohnmächtig ob der übermacht des kapitals.

das absurdeste an dieser entwicklung ist, dass jetzt (auch in griechenland) experten eingesetzt werden, die aus der branche kommen, die die ganze misere mit eingebrockt hat. so wird in italien jemand minister, der mal chef eines großen bankhauses war und in griechenland wird jemand regierungschef, der einen hohen posten bei der europäischen zentralbank hatte. es schleicht sich das gefühl ein, dass hier böcke zu gärtnern gemacht werden.

beschrieben wird diese entwicklung schon etliche jahre: regierungen werden immer mehr zu den sachwaltern des kapitalismus, letztendlich zu bankiers und spekulanten, und sie geben ihre eigentlich rolle, die vertretung der gesellschaft und die regelung des sozialen miteinanders, auf.

wie konnte das geschehen? seit ungefähr 20 jahren werden die aktuelle mehrwertschöpung und der geldverkehr, wie sie bei uns stattfinden, noch naturgegebener betrachtet als die jahre vorher. und ab diesem moment entstand der zwang, auf gedeih und verderb das system aufrecht zu erhalten. die verwunderung darüber, dass die kluft zwischen arm und reich Weiterlesen

wortklauberei (88)

„auf der grundlage eines festen kompasses“ (a. merkel)

es ist bundesparteitag und da werden reden geschwungen. reden wie keulen, die unsichere überzeugen und andere in ihrer haltung bestärken sollen. dabei gibt es dann reden, bei denen kaum jemand zuhört und reden, die von beinahe jedem fernsehsender zitiert oder übertragen wird. und so hielt gestern auf dem bundesparteitag a. merkel ihre große rede, die alle zitierten. schade nur, dass die ard einen ausschnitt der rede in der tagesschau zitierte, der missverständlich ist.

da verkündete die kanzlerin, man treffe seine entscheidungen und handlungen „auf der grundlage eines festen kompasses„. wer das prinzip des kompasses gerade vor augen hat, der muss zu dem schluss kommen, dass damit „starrsinn“ gemeint ist. denn man kann zwar einen kompass befestigen, aber wieder die nadel, die den weg weist, die sollte alles andere als fest sein. das gibt gerade in der heutigen zeit natürlich zu denken.

ist nur der kompass befestigt am schiff bundesrepublik und selbst bei starkem wellengang findet die kapitänin den weg? so war es wahrscheinlich gemeint. oder aber, und das ist auch nicht ganz unwahrscheinlich, jemand hat sich einen scherz erlaubt und die kompassnadel festgeklebt. dann findet man sich zwar unerschütterlich auf dem weg, doch der führt eher ins nirwana, denn an den richtigen ort.

was leider auch nicht von der chefin mitgeteilt wurde, wohin man denn nun mit dem befestigten kompass schippert, ob nach osten, westen, süden oder norden. also ich wäre ja für norden, schon allein wegen dem klimawandel. da wäre es ein wenig kühler und die sozialsysteme sind auch fortschrittlicher und menschenfreundlicher. aber das ist ein ganz anderes thema. vielleicht sollte erst mal wieder jemand den kompass in die hand nehmen und los machen.

mein computer und ich – eine umgangslehre (03)

gesellschaft

der begriff „gesellschaft“ ist eine sehr unklare struktur, also ein sammelbegriff für alle anwesenden in irgendwelchen grenzen oder strukturen. man kann die strukturen national betrachten, dann lässt sich feststellen, dass 7% der schwedInnen noch nie das internet genutzt haben, bei den deutschen sind es 17%, ach ja, und in rumänien 57% (laut der zeitschrift „brand eins“ im november). also lässt sich festhalten, nur noch ein sechstel der 16- bis 74-jährigen kennt das internet nicht.

somit müssen grob fünf sechstel unserer gesellschaft einen umgang mit dem computer pflegen (eventuell sogar mehr, da man computer nutzen und nicht ins internet gehen kann). doch was ist das für ein umgang? in mir festigt sich immer stärker das bild: ein naiver umgang. denn an den wenigsten bildungsorten wird der umgang mit dem computer und dem internet diskutiert. es wird hingenommen, dass manche dinge funktionieren und andere nicht. es wird viel an computern gearbeitet, aber es wird kaum geschult und gelehrt, wie weit sich durch die digitale arbeit unser leben verändert.

unsere gesellschaft vermittelt und diskutiert nur die funktionalität der geräte aber nicht die bedeutung und die einflüsse. es ist ein sehr kleiner teil der gesellschaft, der sich mit diesen fragestellungen auseinandersetzt. der großteil der bevölkerung möchte eigentlich nur, „dass die dinger funktionieren“. doch es gibt einen horrenden unterschied zwischen einem stift, der funktioniert, wenn er schreibt, und einem computer, der verarbeitet, umwandelt und präsentiert, wenn man an ihm schreibt. diese form der verarbeitung und umwandlung erscheint im schlichten alltäglichen gebrauch wie eine schreibmaschine. im etwas erweiterten gebrauch, wie dem internet, transportiert die digitalisierung aber bestimmte denkmuster, ablagesysteme und suchstrukturen.

daneben transportiert die gesellschaft noch ein ganz bestimmtes bild einer digitalisierung: den fortschritt, die angebliche vereinfachung von prozessen und eine verfügbarkeit, nicht nur von informationen, rund um die uhr. und hier bedingen sich gerät und auffassung Weiterlesen

schnickschnack (104) – extrem-o-mat

wollten sie schon immer einmal wissen, ob sie sich mit ihren politischen ansichten überhaupt noch auf unserem grundgesetzlichen boden befinden oder diesen schon längst verlassen haben? seien wir doch mal ehrlich, es wird heute immer schwerer festzustellen, wer denn nun am grundgesetz und der verfassung knabbert und wer nicht. also ist es zeit, haltungen und werte zu sortieren.

der „extrem-o-mat“ ist die satirische antwort auf den hang zur digitalen einordnung des persönlichen wahlverhaltens. da man sich sowieso nur mit den wahlprogrammen aber nicht mit der realen politik abgleichen kann, kann man ja auch gleich das extrem abtesten. und sie werden feststellen, so harmlos wie sie bis heute scheinen mögen, sind sie nicht 😉 in uns allen steckt ein kleiner wutbürger, in die eine oder andere richtung.

also, probieren sie es doch mal aus, ob sie wirklich mit jeder neurone ihres kopfes eine politisch korrekte haltung einnehmen. und sollte dies nicht der fall sein, können sie überlegen, ob sie umdenken müssen oder sich lieber gleich selber beim verfassungsschutz melden sollten 😀 . machen sie den test hier: http://www.extrem-o-mat.de/ .

nabelschau (55)

privatisierung der demokratie. seltsames geschieht gerade. vertreterInnen europas fahren nach china, um anteile an europa zu verkaufen. hier wird aber etwas verkauft, das nur ideell existent ist: ein land, eine nation, ein zusammenschluss, absprachen und verträge und ein politisches bündnis. aber wer hat diesen verkaufsverhandlungen zugestimmt? wurde das im bundestag von den volksvertreterInnen abgesegnet, dass hier anteile an wirtschafts- und gesellschaftszusammenschlüssen zum verkauf stehen?

was ist also eine staatsanleihe, ein staatlicher kredit, der rettungsschirm, der gehebelt werden soll, in der realität? es sind die grundlagen unserer gesellschaft, die durch steuern und mitsprache der bürger geschaffen und aufrecht erhalten werden. die instrumente der steuerung für die bürger sind die wahlen, ist die mitsprache im demokratischen ganzen. dies steht nun also zum verkauf, in anteile zerschnitten und ohne klare preisvorstellung. in den nachrichten wurde schon formuliert, dass es sein kann, dass china gegenleistungen erwartet, wenn es sich finanziell an unserer gesellschaft beteiligt.

da wird was schräg: ein ideeller zusammenschluss beteiligt sich finanziell an einem anderen ideellen zusammenschluss, um was zu tun? wenn man es runterbricht, dann geht es nicht um so etwas wie aktien, bei denen geld zur verfügung gestellt wird, um mit hilfe von produktionsmitteln und arbeitskraft mehrwert zu schöpfen. es geht darum, dass steuern, die der entlohnung einzelner entnommen werden und der organisation des gemeinwesens dienen, entnommen werden, um ein größeres gemeinswesen zu organisieren und zu retten.

so weit, so gut. doch nun wird das gemeinwesen selbst zur finanziellen verhandlungsmasse. oder anders gefragt: wie viel ist ein gemeinwesen wert? auf welchen wertvorstellungen basiert die berechnung? noch ein stück runtergebrochen: was kostet demokratie? wie groß war das geschrei ob der „heuschrecken“, die produktionsmittel und arbeitskraft aufkauften, um gewinn abzuschöpfen. doch wie schöpft man einer demokratie gewinn ab?

vielleicht sollten wir anfangen, unsere eigenen stimmanteile zu verkaufen. die stimme für den bundestag ist höher zu bewerten als die für landtagswahlen. und der wert für eine stimme bei den europawahlen steigt gerade beträchtlich, je mehr befugnisse das europäische parlament erhält. es findet also nichts anderes statt, als die privatisierung der demokratie, ohne die demokratischen instrumente einzusetzen. die europäische bevölkerung hat nicht beschlossen, ihre steuern für das gemeinwesen zu einem anlagefonds umzuwandeln. hier wird wirtschaftliche leistung mit gesellschaftlichen werten gleichgesetzt. das kann nur schief gehen.

wortklauberei (85)

„schuldenschnitt“

abermals ein wort der verharmlosung. was stelle man sich bitte unter einem schuldenschnitt vor? also mir kommt da erst einmal „aufschnitt“, „anschnitt“ oder „abschnitt“ in den sinn. dann kann man torten anschneiden, bäume beschneiden, blumen abschneiden und dergleichen mehr. ebenso wird an schulden wohl rumgesäbelt. aber wer schneidet und vor allen dingen warum wird geschnitten?

niemand der politikerInnen spricht aus, dass gegen griechenland eine art insolvenzverfahren eingeleitet wurde. bei diesem verfahren gibt es diverse gläubiger und die verhandelten nun, wieviel man von seinen forderungen, die man an die insolvente partei hat, überaupt noch zurückbekommt. das ist das übliche verfahren, wenn eine firma pleite geht. nun könnte man also offen und ehrlich formulieren, dass griechenland wohl pleite ist.

aber nein! man schneidet am patienten ein wenig rum, schnippelt von den schulden was ab und die ganze sache geht weiter. natürlich kann man ein land nicht auflösen und die reste verschachern oder zwangsversteigern, das ist klar. aber man kann zumindest die ehrlichkeit an den tag legen, mit der der normalbürger auch konfrontiert wird, wenn bei ihm das geld ausgeht. da klebt man einen kuckuck auf, da wird der besitz gepfändet und vieles mehr.

als zuschauer dieser inszenierungen schwankt man zwischen dem erstaunen, wie leicht doch ganze nationen privatisiert und verkauft werden können und der frage, was nationalismen eigentlich überhaupt für einen sinn machen. warum nicht gleich einen umfassenden kassensturz? wie wenn andere länder nicht verschuldet wären und wie wenn sich das ganze geldsystem nicht so langsam selber ad absurdum führt.

zurück bleiben die menschen, die wahrscheinlich nie eine antwort darauf erhalten werden, wer jetzt eigentlich wen kauft? und was bedeutet es, wenn banken ganze staaten besitzen und die einen staaten andere staaten? wird dann erst einmal die miete für das leben erhöht? doch die antworten ergehen sich in beschwichtigenden phrasen.

„engagiert euch!“ von stéphane hessel – ein buchtipp

nach dem kleinen aber feinen büchlein „empört euch!“ (hier im schreibschrift-blog besprochen) hat der franzose, oder besser, hat sein verlag nachgelegt. nun gibt es das büchlein „engagiert euch! – stéphane hessel im gespräch mit gilles vanderpooten„.

zwei drittel des buches macht das interview aus. es dreht sich um die menschenrechte, die entwicklungspolitik, ökologie und umweltschutz und natürlich um alternativen, die globalen krisen zu bewältigen. hessel bleibt in diesem interview ein unerschütterlicher optimist, der gleichzeitig klaren und durchdachten widerstand fordert. er sieht in den momentanen krisen eine große chance, dass der mensch es schaffen könnte, die welt menschlicher zu machen. dabei beruft er sich auf seine lebenserfahrungen, die ausführlicher in dem buch „empört euch!“ dargestellt sind und die ich in der damaligen buchbesprechung aufgegriffen habe.

ein drittel des buches besteht aus der wiedergabe der „allgemeinen erklärung der menschenrechte„, die 1948 von der uno verabschiedet wurde. es ist spannend, die hehren ziele der damaligen diplomatInnen zu lesen. sie haben an ihrer gültigkeit nichts verloren. und wenn man sie liest, dann wird man feststellen, dass kein land der welt die menschenrechte vollständig umsetzt. aber vielleicht lohnt es sich, dem ideal einer gerechten welt immer näher zu kommen.

das buch ist 2011 im ulltein buchverlag in berlin erschienen. ISBN 978-3-550-08885-8

wortklauberei (84)

„flexiquote“

zur zeit gebiert die politik einen skurrilen begriff nach dem anderen. psychologisch gedeutet könnte man schreiben, es ist wohl eine zeit der unsicherheit und des nicht weiter wissens, denn sonst müsste man nicht so viel mit wortschöpfungen kaschieren. gerade ist es der quotenkampf um frauen in den führungsetagen der unternehmen. da man den herren der führung nicht zu nahe treten möchte, jedenfalls die aktuell dafür zuständige ministerin, fordert sie keine „frauenquote“, sondern eine „flexiquote“.

doch flexiquote ist abermals ein widerspruch in sich. eine quote stellt einen anteil dar, meist in prozent aber manchmal auch in festen stückzahlen. dieser anteil kann zwar variieren, aber in dem moment, in dem die quote gilt, ist sie ein fester wert. „flexi“ soll ja wohl der verniedlichende ausdruck für „flexibel“ sein, so wie „fix und foxi“. und betrachtet man „flexi“bel genau, dann ist ein synonym „biegsam“. sehr passend.

flexi relativiert die quote in allen bereichen, ist also eigentlich die vernichtung einer quote. denn die biegsame handhabung eines anteils ist nichts anderes als gelebte beliebigkeit ohne irgendeine grundlage. wenn wir dann schon solche nicht-quoten einführen, dann wäre ich dafür dass bei meiner steuer eine „flexiquote“ eingeführt wird, die es mir ermöglicht in der form einer selbstverpflichtung, die quote beliebig festzulegen.

um es noch einmal auf den punkt zu bringen: „flexiquote“ ist das bestreben trotz verwendung des wortes quote, keine quote zu haben, und ist die kleine schwester des „nullwachstums“.

p.s.: höchstens frau ministerin meinte damit, dass flexi von „flexen“ mit dem winkelschleifer kommt und sie damit an den stühlen der männlichen chefs sägen möchte. doch es macht einen anderen eindruck.

nabelschau (54)

wie politik am rolli scheitert. der rollstuhl ist eine möglichkeit für menschen, die aus körperlichen gründen schwierigkeiten mit der fusslichen fortbewegung haben, die rollende fortbewegung zu nutzen. mit manchen rollstühlen kann man beinahe ebenso überall hinkommen wie ohne rollstuhl – nur nicht in den bundestag. da wird die körperliche verfassung zum hinderungsgrund, an der politik des landes teilzuhaben.

ja, es ist ein langer weg, gebäude rollstuhlgerecht zu gestalten, und manchmal mag es auch kaum möglich sein (aus finanziellen gründen im privaten bereich). aber es hat sich in den letzten jahren einiges getan. doch die veränderungen des öffentlichen lebens gehen immer noch schleppend voran. nun sollte wohl darüber und über andere themen mit rollstuhlfahrerInnen im bundestag diskutiert werden. man rechnete mit wenigen anmeldungen zur diskussion (sind ja rollstuhlfahrer ;-)). doch da der rolli menschen mobil macht, wünschten 100 menschen, an der diskussion teilzunehmen, allesamt fahrend.

das geht nicht, war die reaktion des bundestages. es sind die verwaltungsvorschriften feuerpolizeilicher und anderer art, die es unmöglich machen, das treffen stattfinden zu lassen. wir schaffen es zwar, dem papst die ganze stadt zu räumen, damit er ungestört messen abhalten kann, aber wir schaffen es nicht, 100 rollifahrer in den bundestag zu lassen. faszinierend, wie hilflos parteien am politischen interesse etwas breiterer weggefährten scheitern.

durch die absage an die rollifahrer stellt sich mir eine ganz andere frage. wird eigentlich bei den menschen, die sonst zu gast auf tribünen oder zu diskussionen im plenarsaal sind, der body-mass-index und die gehfähigkeit erfasst? mag doch mancher dicke mensch, ungelenker und hilfloser aus feuerpolizeilicher sicht sein, als viele rollifahrer. und es stünde unserer regierung gut an, ratzfatz baumaßnahmen zu unternehmen, um die auflagen für rollifahrer zu erfüllen. das dürfte man sich schon einmal etwas kosten lassen. oder wo fängt diskriminierung an?