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schreibidee (337)

genug selbstreflexion in den letzten schreibideen. nun ist es an der zeit, anderen einmal den weg zu weisen, denn die selbsterkenntnis möchte auch weitergegeben werden. da gibt es die schlichte und zurückhaltende variante: irgendwo etwas veröffentlichen, seine sicht der dinge darstellen. dann gibt es die kritisierende variante: einen kommentar abgeben. und dann gibt es die belehrende, direkte und eindringliche variante: eine predigt halten. darum ist dies eine schreibanregung für „predigt-texte“.

vorab sei gleich angemerkt, es soll nicht um formen der predigten aus den gotteshäusern diverser glaubengemeinschaften gehen. es geht um eine satte vermittlung von lebensvorstellungen. darum ist der einstieg ein schneller und einfacher. die schreibgruppenteilnehmerInnen werden aufgefordert, eine „gardinenpredigt“ (strafrede, die der gatte von der gattin hinter der gardine, d. h. im bette gehalten bekommt – wörterbuch der brüder grimm) zu schreiben. es mögen predigten geschrieben werden, die schon längst überfällig sind. diese texte werden nicht in der schreibgruppe vorgetragen und sollten nicht länger als zwei seiten sein.

nun wird eine zwischenform zwischen der gardinenpredigt und einer predigt verfasst. dabei geht es darum, missstände anzukreiden, die schon lange existieren, aber sich nicht ändern. im vorfeld notieren die teilnehmerInnen für sich jeweils drei missstände, die sie ärgern und die sich seit jahren nicht ändern. die ideen werden anschließend am flipchart gesammelt. nun wählen sich die schreibenden ein thema aus und schreiben eine predigt von maximal drei seiten. diese werden vor der schreibgruppe stehend in einem möglichst mahnenden und predigenden tonfall gehalten. es wird keine feedbackrunde durchgeführt.

anschließend ist es an der zeit, das große werk anzugehen. welches ist ein großer gedanke, über den man schon häufiger vor anderen sprechen wollte? wozu, glaubt man, anderen etwas vermitteln zu können? die teilnehmerInnen wählen ein thema für sich und notieren sich erst einmal die grundaussage ihrer predigt. dann sollten sie sich überlegen, auf welche erkenntnisse anderer sie sich bei ihrer aussage stützen können. vielleicht haben sie ein zitat parat oder können aus vorhandenen büchern oder dem internet eines auswählen. entweder wird nun das zitat oder eine eigene these der predigt vorangestellt.

die eigentliche predigt sollte an ein thema heranführen, eine these oder fragestellung formulieren und dann lösungsvorschläge für zukünftige situationen oder handlungen anbieten. es dürfen auch persönliche erlebnisse, gedanken oder erkenntnisse eingeflochten werden. wichtig ist dabei nur der eindringliche tonfall, der die anderen von der eigenen haltung überzeugen sollte. natürlich können die logischen schlussfolgerungen im text ein übriges leisten. die predigt wird wieder vor der schreibgruppe gehalten. zum abschluss findet eine feedbackrunde statt, in der die anderen teilnehmerInnen rückmelden, wie sehr sie sich angesprochen fühlten. danach gehen alle hoffentlich beseelt und geläutert nach hause 😉

schreibidee (240)

haben sie schon einmal gepredigt? nein? aber sie haben schon einmal eine predigt gehört. da gibt es diesen schwingenden tonfall zwischen mahnung und versöhnung, der jeder predigt anteilig ist. er ist ehrwürdig, irgendwie heilig. nun haben sie die chance, eigene „sakrale texte“ zu verfassen, wie es diese schreibanregung vorschlägt.

fangen wir mit der gewöhnlichen variante der predigt an: der gardinenpredigt. die schreibgruppenteilnehmerInnen werden aufgeforder, fünf personen zu notieren, denen sie gern eine gardinenpredigt halten würden. sie wählen eine person aus und schreiben fünf minuten ein fokussiertes freewriting zu zwei begriffen: den namen der ausgewählten person und der gardinenpredigt. nach dem freewriting wird sofort zur eigentlichen predigt übergegangen. diese gardinenpredigt wird formuliert (maximal eine seite) und anschließend in der gruppe vorgetragen (namen und personen können natürlich anonymisiert werden).

anschließend wird der tonfall geändert. was wollte man der menschheit schon immer mitteilen, traute sich aber bisher nicht. das kann nun ausformuliert werden. einstieg sollte ein zitat oder ein motto sein. natürlich können stellen aus der bibel gewählt werden, es dürfen aber auch gern andere zitate verwendet werden. das zitat ist nur der aufhänger für die eigenen ausführungen. wichtig ist, dass der tonfall einer predigt dabei gewählt wird, ein sakraler, gewichtiger ton. die schreibgruppenteilnehmerInnen dürfen während des schreiben des textes auch gern das geschriebene laut vor sich her sprechen, damit sie ein gefühl für die sprache bekommen. sie können sich ja eine gemeinde vorstellen, vor der sie stehen. um die anderen schreiben nicht zu stören, sollten mehrere räume zur verfügung stehen. anschließend werden die predigten von einer improvisierten kanzel gehalten. in der feedbackrunde wird auch der sakrale gehalt analysiert.

und zum abschluss wendet man sich in der schreibgruppe den sakralen gesängen zu. dazu werden zwei oder drei kirchenlieder ausgeteilt. am besten wird auch noch eine hörprobe dieser lieder vorgespielt. die teilnehmerInnen werden nun aufgefordert, zur melodie passend, nur die texte der lieder zu verändern. dabei dürfen auch absurde kombinationen entstehen, der text also dem sakralen hintergrund widersprechen. aber die sprachmelodie und der rhythmus müssen stimmen. anschließend muss nicht vorgesungen werden, vorlesen genügt auch 😉