Schlagwort-Archive: provinz

biografisches schreiben und region

mit blick auf den vorhergehenden buchtipp, möchte ich die rolle der region, in der man aufwächst, ein wenig beleuchten. der mensch unterliegt im laufe seiner entwicklung nicht nur dem einfluss des elternhauses, der familie und der nachbarschaft, sondern auch den bedingungen, die ihm in seiner lebensregion zur verfügung gestellt werden.

beim verfassen der eigenen lebensgeschichte kann es eine rolle spielen, wie groß dieser einfluss auf die eigene biografie war. fühlte man sich in seiner heimat wohl und hat sie nie verlassen oder hat man es nach einer gewissen zeit nicht mehr ausgehalten und wollte den lebensraum wechseln? hier gibt es unterschiede, zum beispiel bei der frage, ob man in einer großstadt oder in ländlicher umgebung aufgewachsen ist. wie sahen die möglichkeiten für eine eigentständige entwicklung aus? wie beschützend war das soziale netzwerk?

denn eines ist offensichtlich: es gibt unterschiede, sowohl in der sozialen absicherung als auch kontrolle. das kann verschieden empfunden werden und hängt von den subjektiven bedürfnissen ab. so lohnt sich ein blick auf die ehemalige lebensumwelt. was wollte man zur damaligen zeit erreichen? wieviel ließ sich davon umsetzen und gab es momente, in denen einen das eigene umfeld daran hinderte oder förderte?

in diesem zusammenhang interessant scheint auch, ob man sich die eigene lebensregion überhaupt im laufe seines lebens selber wählen konnte. musste man wegen möglicher arbeitsangebote in regionen leben, in die man nie wollte. und wie hat sich dieses leben entwickelt. es kann zum beispiel vorkommen, dass man anfängt, die unfreiwillige heimat zu schätzen. und möchte man zur zeit des biografischen schreibens den eigenen lebensraum noch einmal wechseln?

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„kein schöner land“ von patrick findeis – ein buchtipp

die provinz, im besonderen die schwäbische provinz, hat einen besonderen charme. inzwischen touristisch erschlossen, scheint es, als würde nur gutes essen genossen, geputzt und gewienert und nebenher die landschaft bäuerlich bestellt. dies ist schon lang nicht mehr der fall.

viele mittelständischen betriebe, überalterung der dörfer und abwanderung der jugend, kratzen an der heilen welt der provinziellen idylle. und auch in der vergangenheit gab es die idylle nie. nur der versuch, von den abgründen beim engen zusammenleben, nicht nach außen dringen zu lassen, klappte ganz gut. wer aber in solchen regionen aufgewachsen ist, kann ein lied von tragödien, süchten und langeweile singen.

dieses lied singt der relativ junge autor patrick findeis in seinem buch „kein schöner land“ grandios. er steigt in die tiefen der abgründe und holt sie stück für stück hervor. dabei malt er im laufe des buches ein sittenbild, wie es vielen in provinziellen regionen aufgewachsenen bekannt sein dürfte. dabei scheint es nicht mehr wichtig, ob es sich um die schwäbische provinz oder eine andere in deutschland handelt.

die kleinen und großen privaten tragödien könnten sich auch in einer großstadt zutragen, doch die anderen würden sie nicht so mitbekommen und es böten sich mehr ausweichmöglichkeiten an. auf dem land punker, hippie oder langhaariger zu sein, musste direkter inszeniert werden, um zu überleben. und manch einer, der den absprung nicht schaffte, blieb auf der strecke. wie so etwas geschehen könnte, beschreibt das buch eindringlich. lesenswert. das buch ist bei dva in münchen erschienen. ISBN 978-3-421-04417-4

p.s.: der autor absolvierte sein studium im literaturinstitut in leipzig.

nabelschau (20)

der rasenmäherfetisch. ein abstecher in die provinz, die heimat, kann mal wieder zeigen, wo die vor- und nachteile des kleinstädtischen lebens liegen. vorteil ist sicherlich, dass man mal wieder ausführlich den sternenhimmel betrachten kann, es um einen herum geballt kreucht und fleucht und die nächte einfach kühler sind im hochsommer.

ein nachteil besteht darin, dass die provinz langsam überaltert und im wohngebiet immer weniger kinder und junge familien leben, dafür um so mehr rentnerInnen. und davon ist wiederum vielen ganz schön langweilig. das würden sie sicherlich abstreiten, ja sie bestehen darauf morgens um 6.30 uhr aufzustehen, da sie dies schon immer so gemacht haben. ebenso bestehen sie darauf, ein mal die woche, den gesamten bürgersteig mit dem straßenrand zu fegen.

besonders langweilig ist es anscheinend den männern in diesen regionen. das führt dazu, dass sie ihr gärtlein umgraben, eventuell hütten darauf stellen, in der wohnung alle reparaturarbeiten selber übernehmen und sich ab und zu in der kneipe treffen. doch vor allen dingen in frühjahr, sommer und herbst mähen sie den rasen und die wiese, soweit vorhanden.

da sitzt man nun in der abendsonne, ein buch zu hand und bereit, die seele ein wenig baumeln zu lassen, beginnt es auf der rechten seite gehörig zu röhren. es wurde zum rasenmäher gegriffen, nicht zu den inzwischen leisen, elektrischen, Weiterlesen

lebensgeschichten von schwulen und lesben vom land

biografien kann man nicht nur schreibend festhalten, sondern auch per interview erfragen. zum einen, um sie dann für die befragten zu papier zu bringen oder auch um in einer großen studie die erfahrungen und lebensgeschichten der befragten zusammenzuführen und auszuwerten.

zweiteres möchte das max-planck-institut für bildungsforschung in berlin durchführen. es geht um das leben von lesben und schwulen auf dem lande. wie sind sie mit ihrer situation zurechtgekommen, was war schön, was fiel schwer? welche umgangsformen mit der eigenen sexuellen orientierung wurden gefunden? wie reagierte das umfeld im dorf oder in der kleineren stadt.

um diese fragen beantwortet zu bekommen, führt das institut zwei längere interviews durch. mehr informationen zur untersuchung finden sich auf der homepage http://www.anders-fuehlen.de . sollte jemand interesse haben, sich an der befragung zu beteiligen, kann er auf der seite mehr erfahren und einen kontaktbogen ausfüllen. damit endlich ein wenig licht in das dunkel kommt, wie es denn so auf dem lande war. ich kann nur schreiben, es hatte vor- und nachteile.

vielleicht entsteht aus den interviews ja auch das interesse für sich selber weiter zu forschen und sich später einmal einer schreibgruppe für biografisches schreiben anzuschließen 😀 spannend stelle ich mir die geschichten auf alle fälle vor. die befragung richtet sich vor allen dingen an etwas ältere semester, aber auch das kann man auf der homepage erfahren.