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schreibidee (230)

zur schnäppchen-jagd gehört auch die möglichkeit, handeln zu dürfen, also einen rabatt rausschlagen zu können. es gibt nachlass bei sofortzahlung, bei ausstellungsstücken oder auch nur bei zu hoch angesetzten preisen. wieso also nicht darüber nachdenken, wie geschriebenes rabattiert werden kann? im buchhandel sind es die mängelexemplare, die ermässigt vertrieben werden. gut, beim schreiben müssen es nicht unbedingt mängel sein, die einen rabatt erfordern, aber einmal „rabattierte geschichten“ zu verfassen, soll hier anregung sein.

zu beginn werden in der schreibgruppe leistungen und gegenstände benannt, die normalerweise nicht rabattiert werden (nach dem motto: wenn sie bei uns drei operationen durchführen lassen, erhalten sie eine operation kostenlos (obwohl dies in der schönheitschirurgie dann doch vorstellbar ist)). man wähle sich eine rabattfreie leistung aus und verfasse die werbeanzeige für das rabattangebot. diese anzeigen werden in der schreibgruppe zu gehör gebracht.

anschließend werden geschichten geschrieben, die ein ungehöriges rabattangebot zum thema haben. wie diese vorstellung in der geschichte verankert wird ist allen schreibgruppenteilnehmerInnen freigestellt. die geschichten werden erst einmal nicht vorgetragen, sondern jeweils an andere teilnehmerInnen weitergegeben. diese streichen aus den geschichten ungefähr 10 prozent des textes, verfassen also eine „rabattierte geschichte“. auch diese werden in der schreibgruppe noch nicht vorgetragen.

denn zum abschluss wird die geschichte noch einmal an die anderen schreibenden weitergereicht. und nun werden abermals ungefähr zehn prozent der schon verkürzten geschichte gestrichen. nun werden im anschluss alle geschichten vorgelesen. immer in der reihenfolge, dass zuerst die originalversion vorgetragen wird, anschließend die erste gekürzte version und dann die zweite. in der feedbackrunde wird diskutiert, ob die geschichte dadurch gewonnen oder an wirkung verloren hat.

und um ein wirkliches schnäppchen aus der geschichte zu machen, wird nun noch eine zusammenfassung von 10 sätzen von den autorInnen der jeweiligen geschichte verfasst. dabei sollen keine neuen worte gefunden werden, sondern die zehn sätze müssen dem original entnommen werden.

Werbeanzeigen

nabelschau (32)

der online-schnäppchenmarkt. als verbraucher muss man sich schon eine ganze menge gefallen lassen. anbieter von dienstleistungen vor allen dinge, aber inzwischen auch der einzelhandel, möchten einen gern in das internet zwingen. es wird immer ärgerlicher, dass angebote nur dann preiswerter sind, wenn man sie online bucht oder kauft oder nutzt. es handelt sich dabei aber um das gleiche angebot, wie man es auch an den verkaufsstellen ersteht und nutzt. in der qualität des gekauften besteht kein unterschied.

aber man ist gezwungen, seine geldgeschäfte in diesem moment online abzuwickeln, möchte man an dem rabatt teilhaben. doch man kann auch heute nicht davon ausgehen, dass die verbindungen im internet wirklich sichere sind. man kann auch nicht davon ausgehen, dass die konto- oder kreditkartendaten wirklich sicher sind auf den rechnern der anbieter. und man stellt sehr viel mehr daten von sich als kunde zur verfügung als im realen verkaufsgespräch.

außerdem ist es keine kürzere oder weniger aufwendige aktion, an einer verkaufsstelle vorbeizugehen, genau zu wissen was man möchte, keine beratung in anspruch zu nehmen und ein produkt zu erwerben als ins internet zu gehen und das produkt dort zu erwerben. man schließt auch nicht den zwischenhändler aus. also hat der rabatt nur einen einzigen sinn, den verbraucher zu erziehen, um personal sparen zu können. ich werde dafür bezahlt, dass ich einen teil der tätigkeiten des anbieters übernehme. das ist keine dienstleistung!

es ist vor allen dingen eine frechheit, die sich meist nur beinahe-monopolisten leisten können. es verhält sich damit ähnlich, wie mit den daueraufträgen, die einen der verfügung über das eigene geld entheben, aber vor allen dingen von wichtigen anbietern bevorzugt werden. da gibt es verlosungen, wenn man sich für den dauerauftrag entscheidet. da zahlt man sowieso schon oft im voraus, bevor überhaupt die leistung erbracht wurde. ja, man wurde per vertrag oder verpflichtung gebunden.

hier geht es nicht mehr, um ein klares geschäft. hier geht es einzig um die steuerung des kunden im eigenen interesse. die größte frechheit leistet sich in diesem zusammenhang die deutsche bahn, die inzwischen für das verkaufsgespräch einen zuschlag verlangt (also lieber kunde, sie wissen noch nicht so genau, welche fahrtmöglichkeiten sie haben und welches angebot sie von uns nutzen wollen, dann zahlen sie erst einmal dafür, damit wir ihnen sagen, was wir im angebot haben). hier bezahlt man für eine selbstverständlichkeit, es stört aber niemanden. ach so, und dann begrenzt man auch noch die geöffneten schalter, damit schon ein bisschen wartezeit entsteht. sagte doch vor zwei tagen die eine verkäuferin zur anderen, nachdem ich ein viertel stunde warten musste: wo sind denn nun die vielen kunden, die warten? hätte ich es nicht eilig gehabt, ich hätte diskutiert!!!