Schlagwort-Archive: rasenmäher

nabelschau (70)

die stadt, die sich nicht an ihre eigenen verordnungen hält. berlin ist schon speziell. zum einen ist es eine hoch moralische stadt, die in allen bereichen ein gutes auskommen der menschen miteinander fördern möchte, die auf projekte, kampagnen und aufrufe setzt. zum anderen schlägt aber immer wieder die preussische königs- und gutsmentalität durch, nach dem motto „das war schon immer so und letztendlich haben wir das sagen“. ob im sozialen bereich, in der bildungspolitik oder auch beim neuen flughafen: berlin beschäftigt die gerichte.

erst einmal wird dem bürger möglichst viel verweigert oder nicht zugestanden, obwohl die gesetzeslage ein anderes bild abgibt. also ist der bürger gezwungen, sein recht beim gericht einzufordern. dies macht nur ein teil der bürger, also hat berlin schon einmal gespart. so war der schallschutz der anwohner des neuen flughafens unzureichend umgesetzt worden. jetzt wurde ein urteil gefällt, das berlin zu einer sehr teuren nachrüstung auffordert. doch auch dazu erklärt die stadt schon, sie werde wohl nur einen teil der forderungen umsetzen. also gehen die gerichtsverhandlungen in die nächste runde.

sogar bei den kleinen aspekten der alltags schafft die stadt es regelmäßig, ihre bürger zu erzürnen. da gibt es zum beispiel eine rasenmäherverordnung, die den bürger auffordert, nur noch leise rasenmäher zu verwenden. eine gute entscheidung. werden aber öffentliche flächen gemäht und gepflegt, bekommt jeder mensch das gefühl, eine kompagnie von panzern sei in die strasse oder in den park eingefallen. dies natürlich auch gern am frühen morgen, obwohl die stadt damit wirbt, dass sie nie schläft, also auch eine menge menschen nachts arbeiten müssen. die dezibelwerte der städtischen schneidegeräte überschreiten mit garantie jeden grenzwert. gern wird argumentiert, dass es keine anderen geräte für das teilweise hohe gras gebe. das stimmt überhaupt nicht. manche mäher sind nur so laut, weil die leisen nicht gekauft werden.

eine stadt mit so viel grünfläche könnte ohne probleme in größerer stückzahl im laufe der zeit auf leisere mäher umstellen. aber berlin macht dies einfach nicht. und begeht somit täglich ordnungswidrigkeiten, die die ordnungsämter jedoch nicht ahnden. denn das grünflächenamt hat schon immer so gemäht, warum sollte es inzwischen anders mähen. aber eine veränderung hat es gegeben, die mitarbeiter an den mähern, laub- und hundekotsaugern, die tragen inzwischen ohrschützer. wahrscheinlich müsste man erst wieder ein gericht beschäftigen, das dann ohrschützer für alle bürger auf der strasse und bürger, die ihre fenster im sommer geöffnet haben, vorschreibt. das kann teuer werden 😉 be berlin: wo kein kläger da kein lärmschutz, keine sozialleistungen, keine veränderung.

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nabelschau (20)

der rasenmäherfetisch. ein abstecher in die provinz, die heimat, kann mal wieder zeigen, wo die vor- und nachteile des kleinstädtischen lebens liegen. vorteil ist sicherlich, dass man mal wieder ausführlich den sternenhimmel betrachten kann, es um einen herum geballt kreucht und fleucht und die nächte einfach kühler sind im hochsommer.

ein nachteil besteht darin, dass die provinz langsam überaltert und im wohngebiet immer weniger kinder und junge familien leben, dafür um so mehr rentnerInnen. und davon ist wiederum vielen ganz schön langweilig. das würden sie sicherlich abstreiten, ja sie bestehen darauf morgens um 6.30 uhr aufzustehen, da sie dies schon immer so gemacht haben. ebenso bestehen sie darauf, ein mal die woche, den gesamten bürgersteig mit dem straßenrand zu fegen.

besonders langweilig ist es anscheinend den männern in diesen regionen. das führt dazu, dass sie ihr gärtlein umgraben, eventuell hütten darauf stellen, in der wohnung alle reparaturarbeiten selber übernehmen und sich ab und zu in der kneipe treffen. doch vor allen dingen in frühjahr, sommer und herbst mähen sie den rasen und die wiese, soweit vorhanden.

da sitzt man nun in der abendsonne, ein buch zu hand und bereit, die seele ein wenig baumeln zu lassen, beginnt es auf der rechten seite gehörig zu röhren. es wurde zum rasenmäher gegriffen, nicht zu den inzwischen leisen, elektrischen, Weiterlesen