Schlagwort-Archive: rausch

schreibidee (154)

eine folge des übermäßigen konsums berauschender stoffe sind nicht nur der anschließende kater und die ernüchterung, es können auch blackouts sein. schwarze löcher in die sich der geist begeben hat und die nicht wieder aufgerufen werden können. kein schöner zustand, da man nicht mehr weiß, was in diesem zeitraum geschehen ist. so sollen in dieser schreibidee „blackout-texte“ verfasst werden, die durch auslassungen die fantasie der leserInnen anregen.

der einstieg in die schreibidee geschieht recht unspektakulär und den teilnehmerInnen der schreibgruppe wird im vorfeld nicht erklärt wie das weitere vorgehen aussieht. alle werden aufgefordert eine assoziationstechnik ihrer wahl auszuüben, um eine geschichte ohne vorgaben zu verfassen. einzige voraussetzung ist es, dass die geschichte eine eindeutige handlung enthält. die geschichte darf ruhig vier bis fünf seiten umfassen, es sollte also genug zeit zum schreiben zur verfügung stehen.

im anschluss werden die schreibenden aufgefordert, mindestens eine halbe seite aus ihrer geschichte zu entfernen. vor dem vorlesen, sollte also mindestens eine halbe seite am stück ausgeklammert werden, die wichtige verläufe der handlung enthält. nun werden die geschichten vorgetragen.

erschließt sich den zuhörerInnen nicht direkt, wo sich in dieser geschichte der blackout befindet, wird dies von den autorInnen angemerkt. in der anschließenden feedbackrunde sind die anderen teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgefordert, darüber zu spekulieren, wie der verlauf der handlung im fehlenden abschnitt war. sie sollen fantasieren, was in diesem gestrichenen abschnitt geschehen ist. ist das feedback abgeschlossen, wird von den autorInnen der fehlende text vorgelesen. in diesen momenten kann verglichen werden, ob die realen oder eine der spekulierten handlungen am wirkungsvollsten sind.

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wortklauberei (15)

„rauschtrinken“

wenn bürokratInnen sich dem alltag zuwenden, dann wird die sprache verändert. im zusammenhang mit dem letzten bericht der drogenbeauftragten der bundesrepublik deutschland kam der begriff des „exzessiven rauschtrinkens“ auf. im alltag würde jeder mensch dazu „saufen“ sagen, doch dies ist manchen anscheinend zu vulgär, obwohl die deutsche sprache damit genau das meinte, was hier umschrieben wird. skurril an dem begriff rauschtrinken ist die vorwegnahme des ergebnisses. so, wie man dann auch von „dickessen“, „intravenöses rauschspritzen“ oder „unfallfahren“ für rasen auf der autobahn  sprechen könnte.

oder anders betrachtet, einen rausch kann man nicht trinken. man kann ihn sich höchstens ertrinken oder durch getränke hervorrufen. das wäre sonst, wie einen orgasmus sexen oder eine sattheit essen. generell stellt sich die frage, weshalb sprachlich eine seltsame distanz zu den ereignissen hergestellt wird. mit großer wahrscheinlichkeit, damit es leichter verurteilt werden kann.

abseits der sprache ergibt sich dann jedoch eine weitere schwierigkeit. die betonung, dass das rauschtrinken bei jugendlichen zunimmt und dies zu verhindern sei, steht im widerspruch zu dem regelmäßigen rauschtrinken erwachsener, zum beispiel in den zelten des oktoberfestes. hier überträgt aber das fernsehen den start der festlichkeiten live. es ist schwer zu verstehen, weshalb erwachsene den rausch leben dürfen, jugendliche aber nicht. gesundheitsschädlich ist beides. doch die betrachtungsweise zeigt, wie unbeholfen bei uns immer noch der umgang mit drogen behandelt wird. vollständig abschaffen wird man sie nicht können, wie die prohibition zeigte, also wäre es sinnvoll einen genußvollen umgang abseits des komasaufens zu propagieren. doch dann steht das wort „rauschtrinken“ im weg.