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web 2.0 und unsicherheit

die nutzung des web 2.0 ist eine gratwanderung zwischen unsicheren und selbstsicheren momenten. man nehme nur einmal facebook als beispiel. bei facebook vernetzt man sich mit menschen, die man von „sehr gut“ bis „kaum“ kennt. inzwischen kann man staffelungen einstellen, wen man über was informieren möchte. alle nutzerInnen wissen außerdem, dass eigentlich der anbieter dieses netzwerks ständig mitliest. es kann also in keinem moment von privatheit gesprochen werden. doch das spielt bei facebook für viele keine rolle mehr – privates wird zu öffentlichem – immer gekoppelt mit einer leichten unsicherheit im hinterkopf, was denken die anderen über mich.

erst wenn hunderte zur eigenen party kommen, die man nicht kennt, aber da man den verteiler nicht korrekt bedient hat sie sich eingeladen fühlen. erst dann spürt man, wie öffentllich das private bei facebook werden kann. und dann wird man vorsichtig. man möchte teil eines netzes sein, doch eigentlich nur eines sicheren und verlässlichen netzes. aber diese gewissheit gibt es im web 2.0 nicht mehr. die gab es eigentlich auch vorher im internet nicht mehr. der grund ist leicht auszumachen: es ist die virtualität der digitalen welt: ich sehe nicht eins zu eins, mit wem ich kommuniziere, wer was von mir lesen kann. ich kann nur einen vertrauensvorschuss geben, den ich nie überprüfen kann.

wenn man sich dessen bewusst ist, dann kann man sich eigentlich nicht mehr selbstsicher durch das netz bewegen. dann wird immer unsicherheit im spiel sein. dann tauchen fragen auf: bin ich zu weit gegangen? wieso habe ich mich spontan mit meiner meinung so weit aus dem fenster gelehnt? sollte ich mich überhaupt noch im internet bewegen? wie gut sind die freundschaften mit anderen wirklich? auf wenn kann ich mich verlassen? ohne eine reale überprüfung durch treffen und Weiterlesen

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mein computer und ich – eine umgangslehre (09)

emotionen

in diesem abschnitt der betrachtungen zum computer, komme ich dem titel der reihe besonders nahe: „mein computer und ich“ signalisiert schon einen bezug, der über die nutzung eines werkzeugs oder eines dings hinausgeht. so wie es scheint, entsteht ein emotionaler bezug zu dem werkzeug des schreibens, surfens und kommunizierens.

ein grund mag in der multimedialität des computers liegen. er ist inzwischen die schaltstelle vieler lebensbereiche und deckt etliche werkzeuge gleichzeitig ab. verschwindet ein computer (also fällt der strom aus oder gibt die festplatte den geist auf), scheint dies schlimmer zu sein, als der ausfall des kühlschranks.

und noch eine tatsache macht den kontakt zum computer so emotional, ja beinahe menschlich: der computer deckt viele bereiche unserer sozialen interaktion ab. wie die geschichte von kaspar hauser zeigte, benötigen wir diese interaktion zum überleben. neben der direkten, realen kommunikation machte die einführung des internets ein weiteres virtuelles feld der kontakte auf, das inzwischen zum alltag gehört und in das sich vieles aus der realen welt verlagert.

ein letzter aspekt der emotionen ist die undurchschaubarkeit der rechenprozesse im hintergrund. schon der bildschirm eines computers, die nutzeroberfläche suggeriert einen schreibtisch, aktenordner oder ein blatt papier. auch ohne internet bewege ich mich in einer virtuellen welt, die der computer generiert. ich arbeite an der oberfläche im wahrsten sinne des wortes und nicht direkt mit der festplatte, in die ich informationen kratze oder mit kleinen schaltern, die ich an und aus schalte. diese distanz zwischen werkzeug und benutzer erhöht das gefühl von ohnmacht, wenn etwas geschieht, das ich nicht steuern kann und das ich nicht wollte.

und so muss die maschine als stellvertreter für kollegInnen, für mitmenschen und teils für beziehungspartner herhalten. dabei kann es dann zu ähnlichen konflikten kommen, wie sie im realen leben auch stattfinden. es ist schwer sich dieser vorstellung zu entziehen und es wird immer schwerer, je mehr tätigkeiten computer übernehmen können.

wird zum beispiel der haushalt zu großen teilen vom computer gesteuert (ein ziel vieler neuer entwicklungen) und der computer ist für die müllentsorgung zuständig, erledigt das aber nicht korrekt, dann bekommt er die rolle anderer menschen, die nie den müll rausbringen. sich in diesem moment zurückzunehmen und sich zu sagen, dass die maschine einen defekt hat, also einfach nur repariert werden muss, fällt sichtlich schwer. denn es sind alltäglichkeiten, die Weiterlesen

web 2.0 und soziale netzwerke

 

die menschen scheiden sich in zwei gruppen. die einen sagen zu netzwerken wie „facebook“, „studivz“ oder „xing“, dass sie iher kontakte lieber persönlich und real-kommunikativ pflegen. andere sagen, dass sie über die im web 2.0 existierenden netzwerke kontakt zu menschen bekommen, zu denen sie nie in ihrem leben kontakt bekommen hätten. vollständig vergleichbar sind reale und virtuelle netzwerke auf keinen fall. es sind unterschiedliche kommunikationsformen, die jeweils angewendet werden. und es wird deshalb eben auch verschieden kommuniziert.

beide formen haben ihre vor- und nachteile. die netzwerke im web sind sicherlich viel größer, als man sie im realen zusammensein überhaupt erleben kann. gleichzeitig besteht aber das problem im internet, dass sich die betreiber gerade stück für stück das vertrauen ihrer nutzer verspielen. gerade letzte woche änderte „facebook“ mal kurz seine nutzungsbedingungen und versuchte die hoheit über alle existierenden daten auf dauer zu sichern. unter protest wurde dies wieder zurückgenommen. „studivz“ hatte schon seine auseinandersetzung um werbemöglichkeiten und datenverwendung.

anscheinend sind datenansammlungen, die natürlich gehäuft in netzwerken vorkommen (oder bei großen arbeitgebern wie bahn und telekom), extrem verführerisch für jegliche nutzung. Weiterlesen