Schlagwort-Archive: rekombination

schreibberatung und kombinieren

wie in der vorigen schreibidee dargestellt, kann das absurde kombinieren von textsorten und schreibtechniken das herangehen an eine schreibaufgabe etwas auflockern. dabei ist damit zu rechnen, dass auch der innere zensor, dass die eigenen erwartungen an einen text etwas in den hintergrund treten. die schreibenden wissen, dass ein beipackzettel als gedicht kein „ernsthafter“ text ist, und lässt sie mit großer wahrscheinlichkeit entspannt in den schreibprozess einsteigen.

in der schreibberatung kann man auch ein paar anleihen bei der systemischen therapie machen. eine der vorstellungen dieser therapieform besteht darin, dass das individuelle (denk)system, in dem ein mensch lebt, verstört werden kann, damit sich ein neues system herausbildet. wenn es also bei schreibprozessen immer wieder die gleichen hemmungen und blockaden gibt, dann könnte man versuchen, sie zu verstören und zu umgehen.

in diesem moment kann es hilfreich sein, zum beispiel einen wissenschaftlichen text(abschnitt) erst einmal als kurzgeschichte oder kochrezept schreiben zu lassen. dabei verlässt man die inhaltliche fragestellung nicht, soll heißen, man sammelt weiter stichpunkte und wissen im text an, aber die form und struktur widerspricht jeglicher norm. das verschwinden der norm kann die nötige freiheit geben durch die neukombination von inhalt und struktur neues zu denken und zu formulieren. ganz abgesehen davon besteht zusätzlich die möglichkeit, andere worte für den gleichen sachverhalt zu finden, die eventuell später in den fachtext übernommen werden können. dadurch wird der lesefluss aufgelockert und der text eventuell ansprechender.

duch neu- oder rekombinationen von schreiberlebnissen in der schreibberatung nimmt man den teilweise blockierenden mustern erst einmal Weiterlesen

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kreatives schreiben und kombinieren

der kreative remix des uncreative writing wurde hier schon oft und öfter thematisiert. wenn jemand mehr darüber erfahren möchte, einfach hier in der suchfunktion den begriff „remix“ oder „uncreative writing“ eingeben. darum hier noch ein weiterer blickwinkel zum kombinieren. dabei beziehe ich mich eher auf die frage, „wer definiert das kreative schreiben?“.

es gibt einen diskurs darüber, ob kreatives schreiben ausschließlich als literarisch-ästhetisches schreiben, ob es einzig als schreiben für den persönlichen ausdruck oder ob es in anlehnung an das „creative writing“ zu verstehen ist. die diskussion krankt daran, dass es keine umfassende definition des begriffes „kreativ“ gibt, dass man unter „schreiben“ jegliche schriftliche formulierung verstehen kann und dass die bezeichnung „kreatives schreiben“ sehr vielfältig verwendet wird.

doch muss man sich denn festlegen? welchen sinn macht dies? ich bin der meinung, dass es im hintergrund der vorgehensweisen und debatten einen grundkonsens gibt, an dem man sich orientieren kann. ganz gleich, welches buch man aufschlägt oder wessen meinung man hört, in einem punkt sind sich alle einig: schreiben und in der folge „kreatives schreiben“ kann jeder mensch lernen. der genie-gedanken von der veranlagung zum bestseller-autor, zur bestseller-autorin ist veraltet und widerlegt.

schreiben ist verknüpft mit lernen und arbeit, kreatives schreiben basiert in allen vorstellungen auf die anwendung bestimmter schreib- und assoziationstechniken. die vorstellung, welche techniken zum kreativen schreiben gehören, variieren ein wenig, aber sind sich doch in vielen aussagen zumindest ähnlich, wenn nicht sogar identisch. mit diesem pool verschiedener vorgehensweisen lässt sich das kreative schreiben ganz gut umschreiben und fassen.

wiederum der kreativität zugehörig ist die vorstellung der neukombination von bereits vorhandenem. kreativität basiert auf spiel, experiment und kombination. dinge werden kombiniert und in verbindung gebracht, die bis dato kaum in kontakt kamen. so lassen sich natürlich auch diverse arbeitsfelder mit dem Weiterlesen

selbstbefragung (159) – kombinieren

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „kombinieren“.

  • welche tätigkeiten kombinieren sie in ihrem alltag miteinander (multitasking)? beschreiben sie.
  • welche kombinationen künstlerischer art mögen sie (multimedial)?
  • was würden sie gern miteinander kombinieren? seien sie frei im denken von unmöglichkeiten.
  • welche farben kombinieren sie gern miteinander? warum?
  • welche menschen würden sie gern bei einer einladung miteinander kombinieren?
  • wenn sie ihr leben remixen könnten, wo würden sie neu mischen / kombinieren? warum?
  • welche modische kombination geht für sie überhaupt nicht? warum?
  • was würden sie mehr miteinander kombinieren, um eine „bessere“ welt zu erhalten?
  • neu- und rekombination haben viel mit kreativität zu tun. welche kombinationsversuche in ihrem leben waren für sie erfolgreich?
  • wie leicht fällt es ihnen, frei zu kombinieren? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

web 2.78 – maquina poetica

und noch ein kleiner automat für die lyrikerInnen unter ihnen. dieses mal gibt es einen mix aus der computergenerierung von lyrik, eigener beteiligung und visuellen darstellungen. um die „maquina poetica“ sinnvoll nutzen zu können, sollte man sich die vorherigen bemerkungen des entwicklers und programmierers genau durchlesen.

doch dann kann man das internet dazu nutzen, eine anregung für die erstellung eigener lyrik zu erhalten. oder man lässt sich einfach nur einen text aufgefächert verzerren, aber diese zweite variante bietet nicht viel mehr. schön ist auch der service, die generierten oder entworfenen gedichte, versenden zu können. ich persönliche bevorzuge aber die funktion, in der zufällig worte in das bild schweben, die noch nicht einmal irgendetwas lyrisches ergeben müssen.

diese schwebenden worte sind eine wunderbare anregung für weitere texte. man greift einfach nur die wörter auf, die gerade der tagesstimmung entsprechen und setzt sich an einen eigenen text oder ein gedicht. man kann natürlich auch dem computer das spiel der worte überlassen und einfach nur genießen. die seite kommt schlicht daher, hat es aber „uncreative written“ in sich. der blick lohnt, um eine ahnung davon zu bekommen, was schon vor längerer zeit mit computern alles machbar war und wie viel text im netz vorhanden ist. dazu passt es auch, dass bei der einen animation worte verwendet werden, die von nutzerInnen der seite hinzugefügt wurden. also text aus dem existierenden, vorhandenen zu remixen wird hier beinahe 1 zu 1 umgesetzt.

zu finden ist die seite „maquina poetica“ unter: http://www.maquina-poetica.net/ .

flarf des siebten tages

fasching und kälte und rosenbeet

Mein Grüner Daumen
aus grünem Vlies
kämpfe ich gegen Vogelmiere vorne im Rosenbeet
in einem Pflanzring

Fasching Helau Helau Helau!
Ruft der Regen zum Morgentau
der frierende Zucker gestern
ein totaler Faschingsverachter

Kartoffeln schälen, waschen und
als Beetfüller in reduzierter Form
Moos auf den Steinen
Drei Rosen aus Papier

Ärgere Dich nicht, dass der Rosenstrauch Dornen hat
lieber etwas Kälte als dieses grauenhafte Schmuddelwetter!
Die alte Katze liegt jetzt unter dem Rosenbeet
Wunder des Lebens zwischen Komposthaufen

die Magnolien im April
Bald kommt der Kältekick
Eine Raupe
der letzte Tag vor der Fastenzeit

raymond queneau und hunderttausend milliarden gedichte – ein surftipp

manche können sich vielleicht noch an die klapp-kinderbücher erinnern, in denen zum beispiel menschen oder tiere abgebildet waren, deren körper unterteilt war in drei oder vier segmente. und dann konnte man entweder den kopf umklappen oder zum beispiel die beine und plötzlich entstand eine neu figur, ein neu gemixtes wesen, das die beine oder den kopf eines anderen menschen oder tieres hatte.

beim umklappen der einzelnen segmente entstanden also immer wieder neue wesen, es ergaben sich eine menge kombinationen. wichtig war bei den büchern nur, dass die konturen übereinstimmten, damit die einzelnen segmente verschiedener wesen aufeinander passten und sich wieder ein geschlossenes bild ergab.

raymond queneau, ein text-bastler, den ich hier schon mit seinem buch „stilübungen“ vorgestellt habe, hat das prinzip der klapp-kinderbücher auf die lyrik übertragen. er hat zehn 14-zeilige sonnette verfasst, die sich in ihrer struktur sehr ähneln. vor allen dingen reimen sich sich in den jeweiligen abschnitten mit demselben reim. dadurch werden einzelne zeilen der sonnette austauschbar und es ergeben sich hunderttausend-milliarden gedichte. es können unzählige remixe oder rekombinationen erstellt werden. der verlag „zweitausendeins“ hatte dieses werk als klappbuch veröffentlicht. mehr informationen zu diesem gedicht-projekt finden sich bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Hunderttausend_Milliarden_Gedichte .

heute gibt es das internet. und wenn das internet eines kann, dann digital den zufall ins spiel bringen oder durch die hand der user rekombinationen und einen remix herstellen. so gibt es zwei seiten im web, die die hunderttausend milliarden gedichte von queneau produzieren können – auf französisch oder auf englisch. das eine angebot sieht bei manchen browsern ein wenig chaotisch aus, funtkioniert aber trotzdem wunderbar. viel spaß beim remixen und rekombinieren von literatur, von kreativem unter: http://www.bevrowe.info/Queneau/QueneauRandom_v4.html und http://x42.com/active/queneau.html .

flarf des dritten tages

butter und cool

Ich bin ja echt gespannt wo das mit dir noch hinführt
Brotkorb mit Baguette und Brötchen dazu Butter-Arragement
Abschwitzdecke mit Halsteil
Kitsch or Cool?

Ich bin ja echt gespannt wo das mit dir noch hinführt
Sie ist außen heiß, aber innen cool.
Da gibt’s zwei spezielle Typen
eine Art pflanzliche Ersatzsahne

Ich bin ja echt gespannt wo das mit dir noch hinführt
ich hab mir mal ein Lied angehört.
lied kommt cool und das danach auch!
Wenn man friert, reicht es nicht, sich in eine Badewanne zu legen.

Ich bin ja echt gespannt wo das mit dir noch hinführt
Butter des Waldes wurde sie von den Azteken genannt.
Im Mund wie Butter!
Streichfett

web 2.76 – the postmodernism generator

eigentlich befinden wir uns schon in der ära der post-post-moderne, doch in den wissenschaften tummeln sich weiterhin fleissig überreste der postmoderne. die postmoderne zeichnete sich durch eine gewisse theoretische beliebigkeit aus, soll heissen „alles hat auf alles einen einfluss“ (eine böse verkürzung von seiten des autors) und verliert somit an relevanz.

so bereitete die postmoderne, die wie ein stillhalteabkommen für gesellschaftskritik klang, den boden für neoliberale und globalisierende tendenzen. es stellte sich beständig die frage, welche handlungsmöglichkeiten sich aus den theoretischen betrachtungen der postmoderne für eine humane gesellschaftsentwicklung ergeben. da die theoretischen texte in gewisser weise eklektisch wirkten, aber die begründung für diese vorgehensweise sich nicht erschloss, schienen sie auch austauschbar.

und die theoretischen annahmen schienen rekombinierbar. dies kommt einer computergenerierten, auf zufällen basierenden theorie recht nahe. warum das ganze nicht auf die spitze treiben und postmoderne theorien den computer erstellen lassen. der „postmodernism generator“ leistet dies in vortrefflicher weise. wenn man die webseite “ http://www.elsewhere.org/pomo/ “ besucht, werden einem „communications from elsewhere“ angeboten. es wird ein kurzes essay sichtbar, das sich sofort in ein neues verwandelt, wenn man die homepage neu lädt (refresh).

wer möchte, kann sich beständig neue postmoderne essays erstellen lassen, die sich vortrefflich an bekannte und verwandte versenden lassen 😀

die „un-„woche im schreibschrift-blog

es wird nicht um die vereinten nationen in der folgend woche in diesem blog gehen. es wird um das schlichte wortanhängsel, besser um den einfachen wort-vorsteher „un-“ gehen. denn diese vorsilbe hat es in sich. getreu dem motto „nichts ist unmöglich“ bedeutet „un-“ nicht „nichts“. alles klar?

klassisches beispiel, das schon mein deutschlehrer feierte, ist die so genannte „(un-)tiefe“. ist dies nun eine sehr tiefe tiefe oder ist dies eigentlich gar keine tiefe sondern eher eine anhöhe? vielleicht ist es auch nur eine geringe tiefe. hier wird die deutsche sprache „un-„eindeutig und verführt zu gedankenspielen. doch nicht nur im deutschen ist dies der fall.

eigentlicher auslöser für die „un-„woche ist das buch „uncreative writing“ von kenneth goldsmith. er fragt, was das internet und die digitale revolution uns an die hand geben und wie weit sie unser schreiben verändern. viel neues und vielfältiges, also eine „un-„menge an spielarten des schreiben, die nichts mehr mit dem kreativen schreiben zu tun haben. doch auch hier taucht der gedanke auf, dass „un-„creative writing nicht nicht-kreatives schreiben sei.

es kann vielmehr ein raum des schreibens entstehen, der in anderen bereichen der kunst längst besetzt und umgesetzt ist – dem remixen, dem neu kombinieren. dabei wird dem zufall, der vermischung und der verknüpfung von plagiaten eine bedeutung gegeben. getreu dem motto „context is the new content“ haben wir schon längst unser schreiben und auch unser lesen verändert. der blick auf die möglichkeiten und nicht auf den inhalt verändert unser denken. manchen scheint dies „un-„erträglich, aber vielleicht ist es auch eine chance in ganz andere regionen.

darum die „un-„woche der beliebigkeit, der re-kombination und der spielerei im schreibschrift-blog. und am ende vielleicht die frage, ob nicht etwas neben dem kreativen schreiben schon längst platz genommen hat.