Schlagwort-Archive: reportage

web 2.70 – longform.org

ja, es gibt sie, die langen texte im netz, die man nicht unbedingt am computer, im browser lesen will. und im englischsprachigen raum gibt es auch die webseite, die sie sammelt, sortiert und verlinkt – longform.org. dabei werden artikel aus angesagten zeitungen und zeitschriften veröffentlicht, jeden tag zwei oder drei. man kann sie sich aufbereiten lassen zu, um sie am iphone (obwohl mir dann nicht einleuchtet, weshalb man sie nicht lieber im browser etwas größer liest) am ipad oder mit kindle zu lesen.

die artikel kommen teilweise zeitversetzt auf die homepage und doch lohnt sich ein blick in die archive. denn es handelt sich nicht um den üblichen nachrichtenartikel, der hier zur verfügung gestellt wird. es sind eher essays, reportagen oder eben lange berichte. das archiv geht zurück bis in die 1960er jahre und bietet auch aus dieser zeit interessantes. man kann sich ebenso einen langen artikel im vollen textformat pro woche zusenden lassen.

wer also interesse an lesestoff aus den angesagten, vor allen dingen, amerikanischen zeitungen und zeitschriften hat, der möge sich einmal auf der seite http://longform.org/ umsehen, die archive durchstöbern (es gibt viele verschiedene suchkriterien) und in ruhe das für ihn interessante lesen. es lebe der lange text 😉

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wortklauberei (13)

„schicksalsreportage“

dann, wenn der aberglaube ins spiel kommt (wie hier bei der wortklauberei „13“), dann stehen alle tore für absurdes offen. immer wieder tuen sich die privatsender des fernsehens durch einen hang zur mystik und zum aberglauben hervor. darum fällt es ihnen auch so leicht, über ufos, außerirdische und dergleichen mehr zu berichten. hat wohl was mit der kundenbindung zu tun. der mensch widmet sich in unsicheren zeiten gern dem gedanken, er habe keinen einfluss auf die entwicklung und außergewöhnliche ereignisse im hintergrund steuerten sein leben. ist der hang zu den männlein vom mars und weiblein von der venus beim einzelnen gering, dann gibt es immer noch den gedanken ans „schicksal“. das soll hier nicht heißen, dass es nicht ereignisse gibt, die einen überraschen und auf die man keinen einfluss hat.

es soll nur heißen, dass die schicksalsereignisse so überraschend kommen, dass eine kamera nun nicht dabei sein kann. so wird es schwierig mit der „schicksalsreportage„, die sich eher in einer schicksalsnacherzählung erschöpft. zu den erzählungen gehört es, dass von den betroffenen möglichst dass innerste nach außen zu kehren ist, damit etwas entsteht, das manche journalistInnen als „authentisch“ bezeichnen. da wird dann gern die kamera auf die verzweifelten gehalten und viele zuschauer befinden sich sofort im zustand des „fremdschämens“. sie halten diese reportage schwer aus. ebenso wie die menschen, über die berichtet wird. meist realisieren sie erst einige zeit später, dass ein schwacher moment in ihrem leben dafür genutzt wurde den voyeurismus anderer zu befriedigen. und im nachhinein entwickelt sich die reportage für sie zu einer katastrophe. wahrscheinlich ist das mit dem begriff „schicksalsreportage“ gemeint 😦