Schlagwort-Archive: rollen

schreibidee (365)

da wurde was angespült. wind und wellen tragen schwimmende und rollende gegenstände vom meeresgrund an die strände (des lebens). mag es untergegangen, ins kalte wasser gesprungen oder einfach nur schwimmen gegangen sein, es taucht irgendwann wieder auf, manchmal erst nach jahrtausenden. aber eine schreibanregung zu „strandgut-stories“ ist es wert.

als einstieg erhalten alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine tabelle von der schreibgruppenleitung. in die eine spalte sollten gegenstände und dinge notiert, die an meeresstränden angespült werden können. in die zweite spalte werden eher emotionale, zwischenmenschliche oder geistige dinge notiert, die einem im laufe des lebens „hochgespült“ werden oder am ego stranden. anschließend stellen alle ihre ergebnisse in der schreibgruppe vor und können ihre eigenen tabellen noch um interessantes erweitern.

nun wird aus jeder spalte jeweils ein punkt ausgewählt. und die gruppenteilnehmerInnen schreiben jeweils die vorgeschichte des gegenstands, des dings, der sache, des gefühls, bis sie strandeten. was war vorher, wie fanden sie den weg ins meer, wie lang lagen sie dort, warum wurden sie jetzt angespült? die texte werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine kurze feedbackrunde statt.

im anschluss werden zwei schreibanregungen gegeben, die jeweils etwas zeit in anspruch nehmen. zum einen soll eine geschichte verfasst werden, in der etliche der notierten gegenstände aus der einen tabellenspalte am strand landen. was geschieht nun mit ihnen? eine person sieht sie und sammelt sie auf oder sie werden zurück ins mehr gerissen oder sie werden als nistmaterial verwendet und vieles mehr. der fantasie sind keine grenzen gesetzt, einzige vorgabe, es geschieht etwas mit dem strandgut.
dann wird ein text zum „seelischen“ strandgut geschrieben. nun werden einzelne oder mehrere ideen aus der anderen tabellenspalte angespült und es stellt sich die frage, was als nächstes geschieht. wie wird damit umgegangen? was machen die menschen und betroffenen daraus? welche konsequenzen hat dies? wird alles wieder versenkt?

die beiden strandgut-stories werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt. und zum abschluss listen alle teilnehmerInnen für sich noch einmal auf, was sie gern im meer versenken würden. dabei kann es sich um gegenstände, personen oder emotionen, gedanken und vieles mehr handeln. die listen werden nicht vorgestellt, sondern sind persönliche wünsche, aus denen vielleicht weitere geschichten entstehen können.

nun gibt es hier im blog mit 365 schreibideen für jeden tag in einem jahr eine schreibanregung. für die, die mit dem schreiben nicht mehr aufhören wollen 😉 gebündelt kann man die schreibideen in einem extra-blog finden: http://schreibideen.schreibboutique.de .

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nabelschau (54)

wie politik am rolli scheitert. der rollstuhl ist eine möglichkeit für menschen, die aus körperlichen gründen schwierigkeiten mit der fusslichen fortbewegung haben, die rollende fortbewegung zu nutzen. mit manchen rollstühlen kann man beinahe ebenso überall hinkommen wie ohne rollstuhl – nur nicht in den bundestag. da wird die körperliche verfassung zum hinderungsgrund, an der politik des landes teilzuhaben.

ja, es ist ein langer weg, gebäude rollstuhlgerecht zu gestalten, und manchmal mag es auch kaum möglich sein (aus finanziellen gründen im privaten bereich). aber es hat sich in den letzten jahren einiges getan. doch die veränderungen des öffentlichen lebens gehen immer noch schleppend voran. nun sollte wohl darüber und über andere themen mit rollstuhlfahrerInnen im bundestag diskutiert werden. man rechnete mit wenigen anmeldungen zur diskussion (sind ja rollstuhlfahrer ;-)). doch da der rolli menschen mobil macht, wünschten 100 menschen, an der diskussion teilzunehmen, allesamt fahrend.

das geht nicht, war die reaktion des bundestages. es sind die verwaltungsvorschriften feuerpolizeilicher und anderer art, die es unmöglich machen, das treffen stattfinden zu lassen. wir schaffen es zwar, dem papst die ganze stadt zu räumen, damit er ungestört messen abhalten kann, aber wir schaffen es nicht, 100 rollifahrer in den bundestag zu lassen. faszinierend, wie hilflos parteien am politischen interesse etwas breiterer weggefährten scheitern.

durch die absage an die rollifahrer stellt sich mir eine ganz andere frage. wird eigentlich bei den menschen, die sonst zu gast auf tribünen oder zu diskussionen im plenarsaal sind, der body-mass-index und die gehfähigkeit erfasst? mag doch mancher dicke mensch, ungelenker und hilfloser aus feuerpolizeilicher sicht sein, als viele rollifahrer. und es stünde unserer regierung gut an, ratzfatz baumaßnahmen zu unternehmen, um die auflagen für rollifahrer zu erfüllen. das dürfte man sich schon einmal etwas kosten lassen. oder wo fängt diskriminierung an?

kreatives schreiben und geschlechterrollen

das kreative schreiben muss sich erst einmal nicht an gesellschaftliche regeln halten. man kann utopien entwickeln, political correctness vernachlässigen und einfach drauflos schreiben, was einem so in den sinn kommt. zudem werden texte dann spannend, wenn sie konflikte aufgreifen, sie in eine geschichte packen. die „geschlechterrollen“ sind dafür natürlich eine hervorragende gelegenheit. sie bieten alles, was eine spannende geschichte braucht: zwei kontrahentInnen oder auch konträre gruppen, die gleichzeitig nicht voneinander lassen können. und um sich auf sol stein zu beziehen, der über das schreiben geschrieben hat, am besten sind die gegenspieler auch noch in einer zwangslage, in der sie nicht voreinander ausweichen können.

das klingt jetzt erst einmal nicht sehr schön, aber literarisch lässt sich sehr viel daraus machen. wenn man sich einmal umschaut unter den romanen, dann spielen anziehungen und konflikte zwischen mann und frau beinahe in jedem buch eine rolle. und dabei geht es nicht um das geschlecht an sich, sondern eben um die eigenommenen geschlechterrollen. gesellschaftlich sieht das ideal anders aus, nämlich dass die rollen keine rolle mehr spielen. aber im kreativen schreiben sollte diese vorlage allemal genutzt werden.

zum einen kann der konflikt zwischen den geschlechterrollen stellvertretend ausgetragen werden, um in realiter vielleicht gelassener miteinander umgehen zu können. zum anderen können beobachtungen aus dem alltag als sittenbild der heutigen gesellschaft einfließen. und natürlich dürfen auch ganz persönliche auseinandersetzungen mit partnern und partnerinnen in das schriftliche ergebnis einfließen.

das kreative schreiben erlaubt viel, so lang man entweder nicht mit allem an die öffentlichkeit geht oder sich als autorIn klar von den positionen der protagonistInnen, so sie diskriminierend, gewalttätig oder dergleichen mehr, distanziert. Weiterlesen

schreibidee (190)

und doch, die glotze wird angemacht (oder der pc, um das, was in der glotze lief und läuft anzusehen). da wird dann gern geschimpft über das so genannte „unterschichtsfernsehen“. doch gleichzeitig zeigen untersuchungen, dass vor allen dingen das bildungsbürgertum gut beteiligt ist an den einschaltquoten des billig-tv. man sollte einmal genauer schauen, wem man die quoten und damit das miese programm zu verdanken hat. doch bis das so weit ist, greifen wir einfach die „soap“ in der schreibidee auf und begeben uns in die drehbuchstube der schlichten dialoge und klischeehaften ereignisse. es werden „soap-texte“ geschrieben.

als einstieg kann für die schreibgruppe eine folge einer soap gewählt werden. die auswahl ist groß, die geschichte der soap-operas ist alt und wirklich gekoppelt an seifenwerbung. also alle mal zuschauen, und sich nebenher schon ein paar ideen für einen plot notieren.

nun gibt es zwei möglichkeiten. entweder entscheidet man sich in der schreibgruppe, direkt an dieser soap weiterzuschreiben oder man sammelt die zutaten für eine eigene soap am flipchart. beide varianten führen über zur formulierung eines plots. die teilnehmerInnen werden aufgefordert, einen plot für eine folge einer soap zu erfinden und einen maximal anderhalb-seitigen entwurf zu schreiben. die entwürfe werden in der gruppe vorgestellt und es wird entschieden an welchem plot die gruppe arbeiten möchte.

anschließend sollen zwei folgen von der gruppe geschrieben werden. in der ersten variante, bekommen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine szene in auftrag. sie klären mit ihren vor- und nachschreiberInnen den jeweils letzten satz ab, bevor die szene geschrieben wird. anschließend werden die szenen geschrieben und hinterher nacheinander in der gruppe vorgetragen (gern mit verteilten rollen).

in der zweiten variante wird eine art kettentext geschrieben. diese übung ist etwas zeitaufwendiger und bietet anderen etwas pause. je nachdem, wie groß die schreibgruppe ist, müssen kleinere gruppen gebildet werden. allen teilnehmerInnen wird ein akteur der soap vergeben. man schreibt für seinen eigenen akteur die texte im dialog. die dialoge werden hintereinander runtergeschrieben. also müssen alle anderen warten, bis sie an der reihe sind, ihren protagonisten worte in den mund zu legen. der text wird dann gemeinsam mit den jeweils verteilten rollen vorgelesen.

diese schreibidee lässt sich auch wunderbar online weiterführen, also in der schreibgruppe von zuhause aus als kettenbrief oder -mail weiterführen. vielleicht kann man dann die szenen sogar spielerisch darstellen und filmen. auf youtube wird sie bestimmt zuschauer finden und ein weiteres free-tv ist gegründet 🙂 .