Schlagwort-Archive: roman

„goethe ruft an“ von john von düffel – ein buchtipp

ein sehr amüsantes buch. vor allen dingen menschen, die schreibpädagogisch, schreibdidaktisch tätig sind oder die schreibgruppen anleiten, werden ihren spaß mit diesem buch haben. aber auch menschen, die schon einmal an schreibgruppen teilgenommen haben, kommen auf ihre kosten. auf dem buchumschlag des buches „goethe ruft an“ von john von düffel steht, es handle sich um „eine komödie über die jagd nach erfolg“.

davon handelt das buch sicherlich auch. aber noch viel mehr spaß machten mir die gedanken und auslassungen zum schreiben an sich. ein schriftsteller mit einer schreibblockade übernimmt die anleitung einer leicht „elitären“ schreibgruppe für einen sehr erfolgreichen schriftstellerkollegen. einer der erfolge des kollegen ist seinem konzept des „leichtschreibens“ geschuldet. verstrickungen, verwicklungen und eifersüchteleien sind der hintergrund vor dem sich die humorvolle tragik der suche nach dem perfekten text, dem perfekten buch abspielt.

wie findet man den genialen ersten satz eines buches? wie schreibt man, wenn man nicht ganz zu dieser welt gehört? wie geht „tiefschreiben“? wie baut man distanz zu seinen literarischen vorbildern auf? warum möchte man schriftsteller bleiben, wenn man erfolglos ist? diese und viele andere fragen werden enorm humorvoll ausgebreitet und erörtert. dazu kommen die verschiedenen charaktere, angefangen beim scheiternden hauptakteur über den allwissenden kollegen, den frustrierten literaturkritiker, die bestsellerautorin von „bahnhofsbuchhandlungs-büchern“, die aketische lyrikerin und ihr homosexueller mann, die der geschichte noch eins draufsetzen.

ein lesenwertes buch, eine schöne satire. das buch ist 2011 im dumont buchverlag in köln erschienen. ISBN 978-3-8321-9649-3 .

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„Schwimmkind“ von Jutta Michaud – ein Buch

Sommer 1973: In einer westdeutschen Kleinstadt gründet ein junger Sportlehrer einen Schwimmverein. Mit Charme und progressiven Ideen verzückt er seine Schwimmkinder und deren Mütter. Nur einer betrachtet ihn mit skeptischen Blicken.

Während eines Trainingslagers erlebt die 14jährige Kiki, dass die Absichten ihres Trainers und Mentors nicht immer ehrenhaft sind. Doch die Erkenntnis kommt zu spät, Kiki wird schwanger …

Sommer 2009: Kiki, inzwischen Karoline, lebt als Webdesignerin und alleinerziehende Mutter einer 14jährigen Tochter in der Großstadt. Kurz bevor ihre Tochter in ein Tenniscamp aufbricht, löst eine Todesanzeige verdrängte Erinnerungen aus, denen sie sich erstmals stellt, um ihre Tochter zu schützen.

Der Roman „Schwimmkind“ von Jutta Michaud ist bei epubli in Berlin 2012 erschienen. ISBN 978-3-8442-2226-5

Hier der Link zum Buch:
http://www.epubli.de/shop/buch/Schwimmkind-Jutta-Michaud-9783844222265/15034

„romane made in new york“ – ein fernsehtipp

warum schreiben schriftstellerInnen? weil etwas geschehen ist, sie etwas erlebt haben oder ihre gedanken zu ereignissen in eine idee fließen. es gibt noch viele andere gründe, die schreibende meist erst offen legen, wenn sie gefragt werden (manch eine(r) kann die gründe gar nicht benennen). wenn dann geschrieben und veröffentlicht wurde, versuchen die lesenden, kategorien für das geschriebene zu finden.

es wird gern von „generationen“ der schriftstellerInnen gesprochen. eine doku aus dem jahr 2008 versucht sich den schriftstellerInnen in new york nach dem 11ten september anzunähern. dabei soll wohl darüber reflektiert werden, was die schreibenden bei diesem ereignis bewegt hat und wie viel davon in ihre geschichten eingeflossen ist. außerdem wird eben der versuch unternommen, eine „neue generation“ von schriftstellerInnen in new york vorzustellen. kann ganz spannend werden, jonathan franzen und jonathan safran foer sind dabei.

der film „romane made in new york“ von sylvain bergère und nelly kaprielian läuft auf arte am montag, den 18ten juli um 22.40 uhr (laut arte-tv-zeitschrift) oder um 22.50 uhr (laut arte-homepage). bin gespannt, warum diese „generation“ von schriftstellerInnen schreibt?

kreatives schreiben und sport

sport ist in geschichten und literatur selten ein thema. es gibt berichterstattungen vom sport, es gibt biografien von sportlerInnen oder auch mal die eine oder andere spannungsgeladene sportliche motivationsgeschichte. aber meist steht sport nicht im vordergrund der stories. protagonistInnen können sportlerInnen sein, aber der plot der geschichte dreht sich selten um das leben mit und für den sport. eigentlich ein manko, den die sportwelt, vor allen dingen die leistungssportwelt, gehorcht ganz eigenen regeln. in krimis und thrillern lässt sich diese welt öfter wiederfinden. aber in romanen, gedichten und kurzgeschichten fühlt sich der sport nicht aufgehoben.

dabei bietet die sportwelt viele anknüpfungspunkte an themen wie ehrgeiz, neid, konkurrenz, wettkampf oder eben auch selbstquälerei, verzweiflung, niederlage oder verletzungen. man kann es heutzutage noch erweitern um intrigen, doping und betrug. eigentlich alles eigenschaften und emotionen, die eine gute geschichte ausmachen können. wie verbringt zum beispiel jemand sein leben, nachdem er schon als kind in den leistungssport einstieg, bis zum dreissigsten lebensjahr ständig erfolge feierte, zum adrenalin-junkie wurde und keine zeit für sich selber hatte? warum verlässt man den spitzensport nicht, wenn nur noch selbstquälerei die erfolge aufrecht erhalten kann? was passiert mit einem, der zur handelsware zwischen vereinen wird und einer modernen form des menschenhandels unterliegt?

und wenn dann noch die verbreiteten tragiken in die grundsituation hineinspielen, also krankheit, tod, liebe, selbstfindung, die frage nach dem sinn des lebens aufgeworfen wird, dann hat man eigentlich eine schöne vorlage für geschichten, die fesseln und menschen bewegen. Weiterlesen

zwei interviews zum schreibprozess

oft wird vermittelt, es gäbe beim schreiben von romanen ein paar anhaltspunkte, die, wenn sie eingehalten werden, erfolgsträchtig seien. da ist es immer wieder erfrischend, wenn sich autoren zu wort melden, die das alles ganz anders machen und trotzdem erfolg haben. denn es zeigt sich dann, dass es „das erfolgsrezept“ oder die „geniehafte vorprägung“ nicht gibt.

gerade sind in der zeitschrift „lettre international“ zwei interviews erschienen, die sich vor allen dingen um den schreibprozess und dessen hintergründe drehen. das eine interview führte heinz-norbert jocks mit paul nizon. (ein auszug des interviews kann hier nachgelesen werden:
http://www.lettre.de/aktuell/88-Nizon-Jocks.html ). nizon zeigt auf, dass ihm das schreiben auch immer dazu diente sich eine zweite welt aufzubauen, sich dem alltag zu entziehen. das andere interview führte thomas david mit philip roth. roth wiederum bedient in einem interview nicht die erwartung, man müsse eine klare struktur der geschichte planen und dann die einzelnen bausteine ausfüllen. er hat für sich den weg des sich von der eigenen schreibe überraschen lassens gewählt. und er betont vor allen dingen immer wieder, dass es sich beim schreiben auch um handwerk handelt.

beide interviews erscheinen mir deshalb so erfrischend, da sie die unberechenbarkeit von kreativität und dem schreibprozess aufzeigen. es geht wahrscheinlich immer wieder darum, sich zu trauen, einfach nur zu trauen, zum stift zu greifen und seinen ideen zu folgen (was nicht heisst, dass anschließend ausdauernd überarbeitet werden muss.). und beide interviews zeigen ebenso, dass man als schreibende(r) nicht anders kann, dass es eine form der unausweichlichkeit des schreibens gibt, die auch schmerzhaft erfahren werden kann.
eines zeigt sich aber auch: je unberechenbarer der schreibprozess ist, je weniger alles gesteuert werden, desto weniger lässt sich wahrscheinlich auch der erfolg vorhersehen. so genannter „misserfolg“ muss eventuell nicht an der qualität des geschriebenen liegen.

kreatives schreiben und online-kurse

in diesem post zeigt sich der dienstleistungscharakter der blogs. ein paar sachen zusammengesucht und schon wird es nachgefragt. die links sind wahrscheinlich nicht mehr sonderlich aktuell, aber das macht nichts, sie dürfen hier weiter stehen bleiben. inzwischen wächst das angebot an online-kursen zum kreativen schreiben konsequent. und doch tun sich die schreibenden noch schwer damit. beim digitalen kommunizieren fehlt vielen anscheinend der soziale bezug. verständlich, wenn man sich überlegt, wie muggelig schreibgruppen sein können.

gepostet am 23.07.2008

nicht nur das internet kann im  internet kennengelernt werde, auch das kreative schreiben wird in online-kursen vermittelt. diese unterscheiden sich in einem speziellen punkt von den internet-online-kursen, sie sind meist nicht kostenfrei.

das ist verständlich, da die online-kurse des kreativen schreibens eine beständige betreuung benötigen, wenn ergebnissen ein feedback gegeben werden soll. die vorher erwähnten internet-online-kurse wiederum finden ohne betreuung statt. es sind selfmade-kurse.

aber auch bei den kursen für kreatives schreiben gibt es eine ausnahme (ich kann schwer abschätzen, wieweit eine betreuung stattfindet, oder inwieweit man sich nur gegenseitig feedback gibt): die seite „ein roman in einem jahr„, die sich an das buch von louise doughty im autorenhaus-verlag anlehnt, bietet die möglichkeit gestaffelte aufgaben zu erstellung eines romans durchzuführen und die ergebnisse auf die seite zu setzen. dieser kurs findet in starker anlehnung an das „creative writing“ aus den usa statt, dass vor allen dingen wert auf eine stufenweise entwicklung des textes und der protagonisten legt. zu finden ist die seite unter: http://www.ein-roman-in-einem-jahr.de/ein-roman-in-einem-jahr.phtml .

ansonsten habe ich hier noch zwei weitere kurse gewählt, die sich gegen einen obolus bereit erklären das kreative schreiben zu lernen. der eine richtet sich eher an ältere menschen und wird von hildegard meister durchgeführt. er ist zu finden unter: http://www.gemeinsamlernen.de/vile-netzwerk/Lernprojekte/lernkurse/biographie . der andere ist altersungebunden und ähnelt einer schreibgruppe, kann aber auch als e-mail-kurs durchgeführt werden. er wird von heike thormann angeboten und ist hier zu finden: http://kreativesdenken.com/seminare/kreatives_schreiben.html .

„ruhm“ von daniel kehlmann – ein buchtipp

kurzgeschichten haben den großen vorteil, dass sie sich schneller lesen lassen als romane und eine unterbrechung des lesens nach einer geschichte, keinen einfluss auf das gesamtverständnis des buches hat. dem ist nicht ganz so in dem buch „ruhm“ von daniel kehlmann, denn es handelt sich um einen „roman in neun geschichten„.

jede geschichte kann ohne schwierigkeiten für sich allein stehen. doch bei genauem lesen fällt auf, dass die geschichten miteinander verknüpft sind. teilweise nur am rande, teilweise durch perspektivwechsel und teilweise durch zeitliche verschiebungen. dabei drehen sich viele geschichten um die schwierigkeiten der menschen, miteinander zu kommunizieren. das buch handelt von missverständnissen, von sprachbarrieren oder von schwierigkeiten auf einer lesetour.

meist beginnen die geschichten mit einer recht profanen angelegenheit, wie es die kurzgeschichte mag, um dann einem höhepunkt zuzusteuern, der an witz und absurdität selten zu wünschen übrig lässt. wenn man sich dann das gesamtnetzwerk der verwobenheit der protagonisten am schluss betrachtet, dann fragt man sich schon, wie eigentlich so viel geredet werden kann, ohne dass es den gewünschten effekt hat. wieviel doch wiederum vom zufall oder von persönlichen stimmungen abhängig ist, ob kommuniziertes zum erfolg führt. und eines lässt sich auch festhalten, die modernen kommunikationsmittel und -formen kommen nicht unbedingt gut dabei weg.

also ein kurzweiliges buch mit gesellschaftlichem tiefgang und humor. es wurde vom rowohlt-verlag in reinbek bei hamburg 2009 veröffentlicht. ISBN 978-3-498-03543-3

schreibidee (139)

einer der wichtigsten aspekte des schreibens von längeren texten, geschichten und romanen soll der anfang sein. manche behaupten, der erste satz sei entscheidend, andere sehen dies in bezug auf den ersten abschnitt oder das erste kapitel so. deshalb soll sich dieses mal die schreibanregung um „geschichtenanfänge“ drehen.

es gibt keine inhaltlichen vorgaben für den einstieg in die schreibanregung, sondern die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden sozusagen ins kalte wasser geworfen. sie werden aufgefordert drei anfangssätze auf jeweils ein blatt für irgendwelche geschichten und romane zu notieren. wie diese anfängssätze aussehen, wird ihnen vollständig selbst überlassen. aber es sollte leserlich geschrieben werden, da die anfänge nach links an die nachbarInnen in der schreibgruppe weitergegeben werden.

nun ist es an der reihe für alle, einen schritt weiterzugehen. sie werden aufgefordert zu den drei anfangssätzen, drei anfangsabsätze der geschichten zu schreiben. die absätze sollten eine seite nicht überschreiten. auch hier gibt es keine inhaltlichen vorgaben. die absätze sollten nur so formuliert sein, dass sie weitergeführt werden können.

denn im anschluss werden die drei ersten sätze mit den drei ersten absätzen wieder nach links an die jeweiligen teilnehmerInnen der schreibgruppe weitergegeben. nun dürfen die teilnehmerInnen den „geschichtenanfang“ für sich wählen, den sie weiter schreiben wollen. es sollte einige zeit zur verfügung stehen, um eine längere passage der geschichte schreiben zu können. diese muss nicht abgeschlossen werden, sollte aber einen eindruck geben, wo die geschichte hingeht. deshalb werden anschließend die anfänge in der schreibgruppe vorgelesen und im feedback darauf geachtet, wie gut der einstieg in eine geschichte gelungen scheint.

schreibidee (107)

große schwierigkeiten bereiten oft textanfänge. wie den einstieg in die geschichte oder das buch schaffen? deshalb soll der frühlingsanfang dieses mal vorbild sein für die Schreibanregung. es werden „textknospen“ erstellt, die ein anfang sein können.

einstieg in dieses thema könnte es sein, dass die leiterInnen der schreibgruppen einen packen weltliteratur mitbringt und sich vorher die ersten zwei sätze der jeweiligen bücher notiert hat. diese sätze werden zu beginn vorgelesen und die teilnehmerInnen raten, zu welchem buch die sätze gehören. anschließend werden die bücher zu den anfängen präsentiert.

dann werden in der gruppe verschiedene anfangssätze für geschichten notiert. dazu wird reihum gearbeitet. alle teilnehmerInnen notieren das erste wort auf einem zettel, geben diesen weiter, die nächsten schreiben das zweite wort. so geht es immer weiter, bis zwei sätze auf jedem blatt stehen. diese sätze sollen den anfang zu geschichten oder texten bilden.

nun werden die anfänge verlost und die teilnehmerInnen der gruppe schreiben die ersten zwei seiten dazu. wenn dies geschehen ist werden die jeweiligen Einstiege in einen längeren text vorgelesen. wer möchte, kann bis zum nächsten mal seinen text oder ihre geschichte vollenden. nach der leserunde formulieren alle teilnehmerInnen für sich fünf verschiedene anfänge von maximal drei sätzen. diese textanfänge werden anschließend vorgestellt. sie können gern ausgetauscht oder anderen geschenkt werden, wenn interesse daran besteht. ob die knospen zur blüte werden, liegt nun an allen schreibgruppenteilnehmerInnen selber.

was ist kreatives schreiben?

 

vor zwei tagen wurde hier im blog gefragt, was eigentlich kreatives schreiben sei. der blog hier versucht dies seit einiger zeit im zusammenhang mit der schreibpädagogik zu umreißen. doch die schwierigkeit besteht darin, dass es keine eindeutige definition des kreativen schreibens gibt. aber fangen wir einmal bei den wurzeln an. länger als das „kreative schreiben“ gibt es vor allen dingen in den usa das „creative writing“. diese richtung stellt einen mix aus übungen und handlungsanweisungen dar, die es einem erleichtern sollen, einen text zu verfassen. im gegensatz zu dem in deutschland verbreiteten kreativen schreiben, erscheint das creative writing sehr viel strukturierter und aufeinander aufbauender. dabei wird zum beispiel vermittelt, über welche wege man sich einem roman annähern kann. es werden charaktere und plots in bestimmten reihenfolgen aufgebaut, miteinander verbunden und somit stück für stück eine geschichte geschaffen. dahinter steckt die idee, dass beinahe jeder mensch, wenn er bestimmte schritte stück für stück befolgt, fähig ist einen roman zu verfassen. in den usa hat diese richtung eine lange tradition und es wurden schon viele werke in dieser form verfasst, die sowohl erfolg hatten als auch spannend zu lesen sind.

das kreative schreiben, wie es in deutschland von vielen vertreten wird, hat die teilweise streng strukturierte herangehensweise über bord geworfen. hier steckt der gedanke dahinter, dass jeder mensch schreibend einen kreativen ausdruck für sich finden kann. dabei wird oft spielerischer vorgegangen und kein ziel, wie das verfassen eines romans gesetzt. es geht eher darum, techniken und schreibanregungen zu geben, um seinen eigenen stil entwickeln zu können. es geht in der folge in der anwendung zum beispiel in der schreibpädagogik darum, schreibblockaden zu überwinden und sich selber davon überraschen zu lassen, was dabei entsteht. Weiterlesen

schreibidee (55)

diese schreibidee lässt sich nur mit guten freundInnen oder einer länger arbeitenden schreibgruppe umsetzen. denn die grundlage ist aufwendig und von längerer zeitdauer. es soll ein „postkartenroman“ entstehen. also ein fortsetzungsroman auf postkartenbasis.

wird die idee zu zweit umgesetzt, besteht die möglichkeit, dass an zwei geschichten gleichzeitig geschrieben wird. so ist gewährleistet das jede person der beiden eine geschichte starten darf. der anfang der karte wird auf eine postkarte geschrieben und an die andere person geschickt. diese schreibt die fortsetzung auf eine andere postkarte und schickt sie zurück. so geht es lang hin und her, bis die geschichte zu einem ende findet. gleiches findet in der gegenrichtung statt. das schöne an der schreibidee besteht darin, regelmäßig post zu erhalten und je nach tagesstimmung eine fortsetzung zu formulieren.

ähnliches lässt sich auch in einer schreibgruppe umsetzen. hierbei wird das ergebnis noch zufälliger ausfallen, denn die teilnehmerInnen erhalten nur die letzte postkarte zum weiterschreiben und wissen nicht, was vorher geschrieben wurde. wenn man den ablauf strukturierter haben möchte lässt sich so eine fortsetzungsgeschichte auch per mail in der schreibgruppe verfassen. hier ist es natürlich gar kein problem zu lesen, was andere vorher geschrieben haben. bis so eine geschichte zu einem „roman“ wird, geht jedenfalls eine ganze menge zeit ins land. also nur etwas für längerfristige gruppen oder freundschaften.

wie romane entstehen – ein buchtipp

hanns-josef ortheil ist durch verschiedene romane bekannt geworden. aber gleichzeitig lehrt er schon seit jahren zu den möglichkeiten, das schreiben zu lernen. sein co-autor bei diesem buch ist klaus siblewski, der schon längere zeit der lektor von ortheil ist. beide zusammen haben sich des themas „wie romane entstehen“ gewidmet.

dabei ist das buch in zwei abschnitte aufgeteilt. den anfang macht der schriftsteller, der die entstehung von prosa größeren umfangs aus persönlicher sicht aber mit bezug auf andere literaten schildert. anschließend schildert diesen prozess der lektor aus seiner sicht, vor allen dingen auch unter den aspekten der strukturierung und überarbeitung. das buch ist in vorlesungen aufgeteilt, wie sie annähernd an verschiedenen hochschulen gehalten wurden und sicherlich auch noch gehalten werden können. das buch ist zwar relativ neu, aber die notierten möglichkeiten einen roman zu verfassen, werden sich so schnell nicht ändern. das buch ist eine schöne variante sich dem thema des schreibens und welterfassens anzunähern, und eine plauderei aus dem nähkästchen, die die leserInnen den berufsliteraten über die schulter sehen lässt.

einzig problematisch erscheint mir die position von ortheil, dass es eine art „voreinstellung“ oder „veranlagung“ gibt, die einen zum schriftsteller oder zur schriftstellerin, besser geschrieben zum romanautor oder zur romanautorin macht. hier würde ich sagen, auch ohne die vorerfahrungen, die zum beispiel ortheil im zusammenhang mit der beobachtung der welt gemacht hat, kann man den forschenden blick gegenüber dem alltag später noch lernen. da halte ich es lieber mit beuys, der jedem menschen zusprach, künstler zu sein. ich muss manchmal nur techniken und strategien lernen, um mich der eigenen kreativität anzunähern. und dazu ist dieses buch ein wunderbarer fundus. es ist im literaturverlag luchterhand 2008 in münchen erschienen. ISBN 978-3-630-62111-1