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schreibidee (373)

in einer atemlosen welt atemlose texte zu schreiben kann die hektik und die zeitknappheit widerspiegeln. der weg zu atemlosen texten wiederum kann spielerisch betreten werden. es geht nicht darum, immer schneller zu lesen und dadurch außer atem zu kommen, es geht eher um die aneinanderreihung von informationen oder dingen, die die leserInnen oder zuhörerInnen in einen zugzwang des schnellen denkens schleudern. darum eine schreibanregung zu „lindwurm-texten“.

der lindwurm ist ein sagenhafter drache, der sich langgestreckt durch die gegend schlängelt und mit seiner länge beeindruckt. darum ist ein lindwurm-wort nichts anderes als ein langes wort, das seinen sinn nicht verliert, sondern vorstellbares beschreibt oder umschreibt. ein klassiker: donaudampfschifffahrtskapitän. in der schreibgruppe wird zum einstieg der wettbewerb ausgetragen, wer das längste sinnvolle wort findet. dazu müssen nach der entwurfsphase, die längsten wörter vorgestellt und die buchstaben der worte gezählt werden. gesiegt hat das längste wort. so schlicht die übung daherkommt, so viel spaß kann sie machen. man kann den schwierigkeitsgrad dadurch erhöhen, dass das wort einen sachverhalt und nicht nur einen gegenstand beschreiben soll. zum beispiel: die sachverständigenratvorsitzendenübergangsregelungsprotokollverlesung.

im zweiten schritt des schreibgruppentreffens werden listen erstellt. am einfachsten ist es die beschreibung eines ortes dafür heranzuziehen. die teilnehmerInnen werden aufgefordert alle gegenstände, die ihnen in einem raum auffallen, zu notieren (wenn man gleich in die Vollen gehen möchte, dann kann man in einen supermarkt gehen). daraus wird dann ein satz erstellt, der mit den worten „ich befinde mich in einem raum mit …“ beginnt. am besten reiht man nun nomen mit dem passenden adjektiv hintereinander auf, z.b.: ich befinde mich in einem raum mit grünen vorhängen, braunen stühlen, einem gelben teppichboden, metallenen lampen… . ist die aufzählung beendet wird mit einem satz als zusatz „… und überlege mir…“ geschlossen. die aufzählungen werden vorgetragen.

wenn nun alle teilnehmerInnen der schreibgruppe langsam hektisch werden, kann eine geschichte im stakkato-format verfasst werden. dazu wird abermals eine liste erstellt. dieses mal soll die liste einen atemlosen tagesablauf erfassen. möchte man den schwierigkeitsgrad erhöhen, kann man auch dazu auffordern ein theaterstück, eine geschichte, eine begebenheit in listenform zu bringen. dabei sollte eine eintragung nicht mehr als ein adjektiv, ein nomen und ein verb enthalten. zum beispiel: wecker klingelt. aufgestanden. hausschuhe angezogen. kaffeemaschine angestellt. geduscht. angezogen. haus verlassen. auto gestartet. losgefahren. volle strassen… .

die texte werden ruhig aber ohne pause vorgelesen und es findet ein feedback zu dem stilistischen mittel statt. sollte noch zeit für das gruppentreffen zur verfügung stehen, können nun geschichten in dieser schreibform erzählt werden. diese stichwortartigen aufzählungen von handlungen geben dem text einen ganz eigenen drive und fordern die zuhörerInnen zur gedanklichen ergänzung auf. wie wäre es mit einem krimi als lindwurm-text?

schreibidee (301)

greife ich doch noch einmal die idee des letzten beitrags hier im blog auf und übertrage es auf die textarbeit. warum nicht auch einmal texte aufräumen. das ist zwar ohne computer nicht ganz leicht, doch es lässt sich sogar handschriftliche machen, um am schluss zu „aufgeräumten geschichten“ zu kommen.

der einstieg kann über die weltliteratur stattfinden. die schreibgruppenleitung bringt einen ausschnitt aus einem berühmten buch, von einem bekannten schriftsteller als kopie mit. dabei kann es sich um eine seite oder einen längeren auszug handeln. und kann man verschiedene „aufräum“-kriterien festlegen und auf die schreibgruppe verteilen. die einen sortieren die sätze auf dem auszug nach der zahl der wörter und falls es doppelungen gibt, alphabetisch die satzänfange. andere sortieren generell die satzanfänge alphabetisch. wieder andere können die einzelnen wörter alphabetisch sortieren (dies scheint die aufwendigste form zu sein. bei längeren abschnitten lassen sich auch die abschnitte im text nach länge oder anfangswörtern sortieren.

aus allen aufräumaktionen entstehen neue texte. sie können sinnlos ausfallen aber auch einen neuen unerwarteten sinn ergeben. sie werden in der schreibgruppe vorgetragen und dienen als schreibanregung. während des vorlesens werden stichworte und assoziationen notiert und danach eine eigene freie geschichte ohne vorgaben geschrieben. die entstandenen geschichten kann man nun einer weiteren sortierung und aufräumaktion unterziehen, um aus den vorhandenen geschichten neue entstehen zu lassen. und auch diese können wieder anregung zu einer weiteren geschichte sein.

man kann aber auch die sortierten wörter aufgreifen, nur die nomen betrachten oder die verben, und zum schreiben einer geschichte unter verwendung der vorhandenen wörter auffordern. auch dies bietet viel spielraum für anschließende schreibanregungen oder -ideen. ebenso kann man sich oft wiederholende wörter (die sich zum beispiel durch suchfunktionen aufspüren lassen) ersetzen durch andere und so stück für stück den text umgestalten. man kann sätze streichen, in denen sich wiederholende wörter stehen. man kann absätze nach der zeichenzahl sortieren, sie alle auf die gleiche länge bringen, also dementsprechend aus dem text streichen. man kann auch aufstocken, um auf die gleiche zeichenzahl zu kommen, und so weiter.

hier bietet sich die möglichkeit, die schreibgruppe ideen beisteuern zu lassen, um die texte weiter zu bearbeiten. am schluss werden die unterschiedlichen texte noch einmal zusammengetragen und vielleicht abermals sortiert, in selbstgeschriebene, fremdverfasste und neu entstandene, dann in kürzere und längere … 😀

schreibidee (239)

viele heutige begebenheiten erscheinen nicht mehr so drastisch und brutal, da wir gelernt haben, bis zum erbrechen flexibel zu sein. dadurch federn wir manches erschütternde reflexhaft ab, damit es uns nicht erschüttere. wir sind vorbereitet, wir sind voller lösungsmöglichkeiten, wir finden einen umgang mit ausnahmesituationen, dass es beim zuschauen schon schmerz. es wird zeit, dass wir auch „flexible texte“ schreiben 😮

um schön flexibel und geschmeidig zu sein, benötigt es vorher ein paar dehnübungen. das ist der schriftliche einstieg in die schreibanregung. von der gruppenleitung wird ein kurzer satz vorgegeben, z.b. „der affe hangelt sich von baum zu baum.“. aus diesem kurzen satz soll eine einseitige beschreibung entstehen, die nichts anderes schildert als der vorgegebene satz benennt. also wäre hier das hangelnd des affens auf eine seite zu dehnen. die ergebnisse werden kurz vorgetragen.

danach gehen die schreibgruppenteilnehmerInnen gleich zur ausführlichen schreibübung über. wieder wird ein satz vorgegeben der den anfang des flexiblen textes darstellt. danach kann frei weitergeschrieben werden, bis nach fünf minuten wieder ein satz vorgegeben wird, der sofort in die geschichte eingefügt werden muss. die schreibenden greifen den satz auf und stricken ihre geschichte weiter, bis nach fünf minuten abermals ein satz einzufügen ist, und so weiter. dies kann beliebig oft wiederholt werden. die eingefügten sätzte fordern zu einem flexibel auf die veränderungen reagierenden schreiben auf. anschließend werden die texte vorgelesen und in der feedbackrunde auch die flexibilität beurteilt.

zum abschluss eine kleine, sehr ähnliche übung. es ist ein gedicht zu schreiben. und auch hier wird während des schreibens von der schreibgruppenleitung immer wieder ein wort eingeworfen, dass sofort in das gedicht aufzunehmen ist. danach kann weitergeschrieben werden. die flexiblen gedichte werden dann noch vorgetragen.

schreibidee (107)

große schwierigkeiten bereiten oft textanfänge. wie den einstieg in die geschichte oder das buch schaffen? deshalb soll der frühlingsanfang dieses mal vorbild sein für die Schreibanregung. es werden „textknospen“ erstellt, die ein anfang sein können.

einstieg in dieses thema könnte es sein, dass die leiterInnen der schreibgruppen einen packen weltliteratur mitbringt und sich vorher die ersten zwei sätze der jeweiligen bücher notiert hat. diese sätze werden zu beginn vorgelesen und die teilnehmerInnen raten, zu welchem buch die sätze gehören. anschließend werden die bücher zu den anfängen präsentiert.

dann werden in der gruppe verschiedene anfangssätze für geschichten notiert. dazu wird reihum gearbeitet. alle teilnehmerInnen notieren das erste wort auf einem zettel, geben diesen weiter, die nächsten schreiben das zweite wort. so geht es immer weiter, bis zwei sätze auf jedem blatt stehen. diese sätze sollen den anfang zu geschichten oder texten bilden.

nun werden die anfänge verlost und die teilnehmerInnen der gruppe schreiben die ersten zwei seiten dazu. wenn dies geschehen ist werden die jeweiligen Einstiege in einen längeren text vorgelesen. wer möchte, kann bis zum nächsten mal seinen text oder ihre geschichte vollenden. nach der leserunde formulieren alle teilnehmerInnen für sich fünf verschiedene anfänge von maximal drei sätzen. diese textanfänge werden anschließend vorgestellt. sie können gern ausgetauscht oder anderen geschenkt werden, wenn interesse daran besteht. ob die knospen zur blüte werden, liegt nun an allen schreibgruppenteilnehmerInnen selber.