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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (08)

kleinliche korrektur

schreiben kann auch menschen, die sich in der rechtschreibung und grammatik nicht so gut auskennen, viel spaß machen. leider verschwindet die freude am schreiben sehr schnell, wenn das augenmerk mehr auf die fehlerkorrektur gelenkt wird, denn auf den inhalt der texte. natürlich kann ein text anstrengend sein, wenn die schreibfehler den inhalt enorm verändern und der lesefluss vollständig unterbrochen wird. doch dies ist selten der fall. wir menschen sind erstaunlicherweise fähig, nur andeutungen von worten und aussagen trotzdem zu entschlüsseln und aufgrund unserer leseerfahrungen zu ergänzen.

also könnte man sich getrost dem inhalt zuwenden und die geschichten, aussagen oder ereignisse genießen. doch da sind wieder einmal das „lernziel“ oder die „vergleichsvorgaben“ vor. teilweise wird beim schreiben von aufsätzen, von stories oder von abschlussarbeiten vor allen dingen der rotstift der fehlerkorrektur gezückt. auch das wäre noch nicht so tragisch, wenn in der endbewertung eines textes vor allen dingen der inhalt beurteilt werden würde. aber es kommt immer noch zu oft vor, dass die fehlerkorrektur in den vordergrund gedrängt wird.

dies führt zum beispiel bei menschen mit schreibschwächen (legasthenie etc.) oder bei menschen, die deutsch als fremdsprache erleben, schnell zu frustrationen. da hat sich jemand eine tolle, fantasievolle geschichte ausgedacht und niedergeschrieben und dann wird der inhalt kaum beachtet. und selbst wenn jemand rechtschreibung und grammatik ganz gut beherrscht, so kann es doch jedem passieren, dass man dinge übersieht. selbst nach dreimaligem korrekturlesen können noch fehler auftauchen.

ich möchte hier nicht generell gegen die fehlerkorrektur argumentieren. die kann und soll stattfinden, auch um beim schreiben stetig etwas dazu zu lernen. aber sie muss nicht im vordergrund stehen. spaß man schreiben macht sicherlich nicht Weiterlesen

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„die 50 werkzeuge für gutes schreiben“ von roy peter clark – ein buchtipp

das buch kommt als schlichter ratgeber daher. fünfzig kleine kapitel, in denen jeweils ein aspekt des interessanten, flüssigen und stilistisch angenehmen schreibens behandelt wird. roy peter clark hat in seinem buch „die 50 werkzeuge für gutes schreiben – handbuch für autoren, journalisten & texter“ viele beispiele aus literatur und journalismus zusammengetragen, an denen er seine vorgeschlagenen schreibtechniken oder -werkzeuge aufzeigt.

ja, eigentlich sind es keine werkzeuge, es sind kleine regeln (zum beispiel zum satzbau), es sind anordnungen (zum beispiel in der wörterfolge) oder es sind zeichensetzungen (wobei er mehr freiheiten gibt als die deutsche rechtschreibung). dabei geht es um den rhythmus eines textes. es geht um die lesbarkeit und darum, welche botschaft die wichtigste, die herausragendste ist. hauptziel der 50 werkzeuge ist es, den leserInnen unterhaltsames zu bieten. die menschen beim lesen der eigenen texte zu fesseln, damit sie den wunsch verspüren, weiterzulesen.

die vorschläge für gutes schreiben von roy peter clark sind leicht umzusetzen. und wie er es formuliert: sein buch hält für jede woche des jahres ein neues werkzeug bereit, zwei wochen habe man frei. man kann sich vielleicht auch täglich eines aneignen. sehr angenehm sind die im anschluss eines jeden „werkzeug“-kapitels vorgeschlagenen vier bis fünf übungen, die einem das eben gelesene noch einmal verdeutlichen sollen.

angenehm ist auch, dass der autor seine werkzeuge als möglichkeiten anbietet und nicht formuliert, dass man nicht anders schreiben dürfe. dadurch bleibt das spielerische beim schreiben erhalten. der schwerpunkt liegt dabei auf dem ausdruck des mitzuteilenden, nicht unbedingt auf der kreativität. dies sicherlich auch, da der autor aus der angloamerikanischen journalistenszene kommt. hilfreich sind seine tipps allemal, doch wenn man anders möchte, kann man sie auch jederzeit verwerfen. das buch ist im autorenhaus verlag in berlin 2009 erschienen. ISBN 978-3-86671-031-3

die schreibordnung – ein kommentar

kreatives und biografisches schreiben, ja schreiben an sich, haben etwas mit einem experiment gemeinsam. ich weiß nie vorher, wie das ergebnis aussehen wird. damit andere verstehen, was ich geschrieben habe, folgt das schreiben festen regeln. sowohl was den satzaufbau betrifft, die zeichensetzung, als auch was stil und die bedeutung der wörter angeht, ist dies bei uns in viele regeln gefasst. da gibt es die schreibregeln, die wörterbücher, den duden, thesaurus und dergleichen mehr. all das kann man beachten, muss es aber nicht.

in dem moment, in dem die kreativität die oberhand des schreibprozesses gewinnt, ist eigentlich alles erlaubt. man erinnere sich nur an die lautmalerischen gedichte von ernst jandl oder die wortschöpfungen aus der werbung. so kann es auch ein stilmittel sein, alles klein zu schreiben. abgesehen davon tippen sich durchweg kleingeschriebene texte noch einen hauch schneller. man kann es für sich benutzen, wenn man möchte. ich möchte, mochte und wollte. doch das schien einfacher als gedacht.

denn in diesem moment, wie immer wenn etwas recht ungewohnt ist (in der kunst ist dies noch verbreiteter als im alltag und dieser blog nimmt nicht für sich in anspruch, kunst zu sein), treten gern die wächterInnen der regeln und der ordnung auf den plan. das ist auch bei einem durch und durch kleingeschriebenen blog nicht anders. leserInnen haben sich beschwert, dass ihnen das lesen meiner texte schwer falle, da alles kleingeschrieben sei. nun könnte ich entscheiden, mich wieder an die groß- und kleinschreibung zu halten, um den leserInnen einen gefallen zu tun. doch ich dachte mir: die bedeutung der wörter verändert sich durch die kleinschreibung einfach nicht. nicht einmal der satzbau (manchmal ganz nett, sicherlich auch öfter gruselig) nimmt dabei schaden. also, warum nicht die regeln, regeln sein lassen?

jedem ist freigestellt, sich auf dieses sehgewohnheiten-experiment einzulassen. eigentlich war es gar kein großes von mir angelegtes experiment. doch je weiter sich die diskussion entwickelte, desto sicherer war ich mir, dass ich diese schreibweise beibehalten möchte. wenn etwas einfach gemachtes so direkte reaktionen auslöst, dann muss daran etwas regelverstossendes sein, etwas neues, ja anderes. das macht es spannend, das macht es erlebbar. die kritiken an der schreibweise stehen sind sehr viel geringer als die lobenden bemerkungen über den inhalt des blogs. dann also die inhalte hegen und pflegen, etwas in diesem rahmen entwickeln und einfach der diskussion um die richtige schreibweise nicht so viel bedeutung schenken. bis jetzt habe ich in den diskussionen und kommentaren nicht den eindruck, dass die menschen nicht verstehen, was ich schreibe. im geschäftsleben und in teilen der literatur mag eine strenge gross- und kleinschreibung ebenso sinn machen, in einem lockeren blog ohne perfektionsanspruch eher nicht.

denn wenn die kreativität ins spiel kommt, dann ist viel erlaubt.