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biografisches schreiben und zufall

man mag es zufall oder schicksal nennen (obwohl schicksal meist mit negativen erlebnissen in verbindung gebracht wird), unser leben verläuft meist nicht ganz so kontrolliert, wie wir das gern annehmen. bewusst wird uns dies in sehr außergewöhnlichen oder gar dramatischen momenten. wenn man zum beispiel einer katastrophe entgangen ist, weil man in einen anderen zug, ein anderes flugzeug oder dergleichen mehr gestiegen ist. manch einer mag da zwar ausrufen „ein zeichen, ein zeichen!“, doch auch die zeichen sind von uns nicht beeinflussbar.

spannend wird die diskussion über die zufälle in unserem leben durch manche behauptungen aus der genetik, der hirnforschung und der zwillingsforschung. hier wird in vielen zusammenhängen der „freie wille“ in frage gestellt. doch die diskussion scheint müßig, da viele erkenntnisse zwar darauf hinweisen, dass mehr unbewusstes unsere entscheidungen beeinflusst als bisher angenommen, aber es nicht die fähigkeit, entscheidungen aufgrund der uns zur verfügung stehenden informationen in frage stellt.

so wandeln wir zwischen selbstüberschätzung und ohmacht durch unsere alltag. im biografischen schreiben können wir zumindest einen blick darauf werfen, welche ereignisse unseres lebens uns zufällig schienen und wie weit sie unsere zukunft beeinflusst haben. sicherlich erinnert man sich nur an die „großen“ zufälle, die wirklich eine bedeutung hatten. aber dies sind auch oft die momente, die unser leben spannend machen. wie weit waren wir bereit, entwicklungen in unserer lebensgeschichte dem zufall zu überlassen? wo haben wir uns besonders angestrengt, die richtung unserer entwicklung zu steuern, und wie fruchtbar oder unfruchtbar war dies? haben unsere erfahrungen mit zufall und Weiterlesen

selbstbefragung (169) – zufall

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „zufall“.

  • glauben sie an den zufall in ihrem leben?
  • wie war der grösste zufall ihres lebens? beschreiben sie.
  • welchen zufall würden sie gern herbeiführen können (obwohl es dann gar kein zufall mehr wäre)?
  • glauben sie bei der enstehung unserer welt an einen zufall oder an den determinismus? warum?
  • wie weit ist ihr verhalten zufällig?
  • haben sie schon einmal bei einer lotterie oder anderem gewonnen?
  • wie weit halten sie statistiken für zufällig?
  • wen haben sie zuletzt zufällig getroffen?
  • wen würden sie zufällig wieder treffen?
  • wie viel beachtung schenken sie ihren zufälligen gedanken? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

biografisches schreiben und wünsche

jeder mensch entwickelt im laufe seines lebens wünsche, die unbedingt erfüllt werden sollte. als junger mensch sind es oft die an den weihnachtsmann oder im spielwarenladen. etwas älter handelt es sich um schulabschlüsse, ausbildungs- oder studienplätze. danach eröffnet sich der wunsch nach finanzieller absicherung und einem arbeitsplatz. irgendwann wünschen sich viele mehr ruhe, einen lottogewinn, die perfekte partnerschaft und beziehung, unterhaltung, erfolg, ein haus, kinder …

wenn man genau hinschaut, wird man feststellen, dass die wunschliste im laufe des lebens eher länger, denn kürzer wird. man erinnert sich vielleicht noch an die wunschzettel an den weihnachtsmann und denkt, was war ich damals begierig bestimmte dinge zu bekommen. doch genau hingeschaut, kann man eventuell für sich feststellen, wie viel man unternimmt um eine bestimmte person für sich zu gewinnen. ja, man möchte der erfüllung der wünsche auf die sprünge helfen.

beim biografischen schreiben kann man einen blick auf seinen aktuellen wunschzettel werfen (und falls man mal als jüngerer mensch ziele und wünsche für das eigene leben notiert hat, diese miteinander vergleichen). man kann sich erinnern, wie viele wünsche in erfüllung gegangen sind. ich möchte hier nicht der askese das wort reden, aber häufig stellt sich heraus, dass eine ganze menge vom gewünschten auch eingetreten ist. die unzufriedenheit ob der aktuellen situation ist nicht selten mit dem phänomen „ist ein wunsch erfüllt, entstehen drei neue“ gekoppelt.

erstellen sie doch einmal ein wunschbarometer für ihre verschiedenen lebensabschnitte – sowohl die vergangenen als auch die bevorstehenden – und notieren sie sich, was sie getan haben oder machen mussten, damit Weiterlesen

biografisches schreiben und störung

neben den störungen beim schreiben, erlebt der mensch im laufe seines lebens beständig störungen. das gehört zum leben dazu. man versucht meist einen plan, ein konzept, ein ziel oder den nächsten schritt zu verfolgen. doch wie das leben so ist, es kann immer etwas dazwischen kommen. für viele menschen ist dies schwer auszuhalten. sie versuchen, kontrolle über ihre lebensbedingungen zu erhalten.

beim biografischen schreiben sind genau diese momente interessant. ein blick darauf, wann die lebensplanung in richtungen abdriftete, die man nicht wollte, die man aber im nachhinein positiv empfand, zeigt einem, wie viel man selbst bestimmen kann und was man nicht im griff hat. bei negativen erlebnissen stellt sich zusätzlich ein starkes gefühl von ohnmacht ein, das für alle menschen schwer auszuhalten ist. auch hier lohnt ein blick.

welche strategien hat man entwickelt um mit positiven oder negativen unwägbarkeiten umzugehen? kann es für andere interessant sein, darüber zu lesen. oder ist es für einen selber noch einmal eine zusätzliche form, das eigene bisher verbrachte leben aufzuschlüsseln und neue ziele zu benennen. störungen der unberechenbaren art sind also meist die extremen entwicklungspunkte in der lebenslinie eines menschen.

nehmen man nur einmal das klassische beispiel des unberechenbaren todes. eigentlich ist die vorstellung vom tod auch die motivation für viele lebensimpulse. so entsteht bei manchen menschen die vorstellung, dass man jeden tag so intensiv wie möglich verbringen sollte, da man nie weiß, wann einen der tod ereilt. andere lebenskonzepte verwirklichen die vorstellung, dass man im jetzigen leben möglichst positive Weiterlesen

kreatives schreiben und schicksal

in geschichten, wie im täglichen leben, sind die zufälligen ereignisse das salz in der suppe. plötzlich begegnen sich zwei mensch, passiert die katastrophe oder bekommt der dialog eine ungeahnte wendung. in den geschichten kann man die protagonistInnen den ereignisse aussetzen, denen die eigene kreativität den vorzug gibt. hier kann man die gesamte welt untergehen lassen oder eben eine alternative auf dem mars anbieten.

schreibende werden in ihren eigenen geschichten zu schicksalsboten. sie haben die macht über die geschichten. klar, psychologisch betrachtet, erklären manche schriftstellerInnen, sie würden von den geschichten geschrieben und nicht umgekehrt. und doch kann man an diversen handlungssträngen zum würfel greifen und selbst entscheiden, in welche richtung sich das geschehen entwickelt. ja, schreiben ist eben ein schöpferischer akt. und das kreative schreiben fördert die lust, diese macht der fantasie auszuschöpfen.

in gleicher weise kann man die handlungen, mit denen die protagonistInnnen (oder heldInnen) der eigenen geschichten reagieren, bestimmen. sie können sich schicksalsergeben in das geschehen einfinden oder sich widerständig gegen die ereignisse und zufälle auflehnen. sie können verschwörungstheoretische gedanken entwickeln und nicht an den zufall glauben. sie können von fügung reden und dankbar für das geschehene sein. die eigentliche entscheidung treffen die autorInnen.

und aus dieser situation ergibt sich so etwas wie verantwortung, wenn man seine texte der öffentlichkeit vorstellt. da mag es die freiheit des kreativen geben und doch gibt es auch eine moral im hintergrund. wenn texte und geschichten in menschenverachtung, hetze oder qual umschlagen und der autor, die autorin dazu schweigt, dann wird es schwierig. im hintergrund werden ereignisse und zufälle immer in eine kontext eingepasst und sei es nur, Weiterlesen

liste (79) – schicksal

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „schicksal“.

in diesen momenten hat mich das schicksal am härtesten getroffen:

in diesen momenten hat mich das schicksal am glücklichsten getroffen:

so reagiere ich am ehesten, wenn mich schicksalsschläge (negativ oder positiv) treffen:

dieses schicksal möchte ich nie erleiden:

manche dinge, die andere als schicksal ansehen, sehe ich eher so:

schreibberatung und schicksal

in der schreibberatung taucht das thema „schicksal“ gern durch eine hintertür auf. es nährt die fatalistische haltung, einfach nicht schreiben zu können. andere können das, aber die ratsuchenden sind nicht selten davon überzeugt, dass ihnen diese fähigkeit vergönnt ist. sie hätten keine ideen, sie könnten sich nicht ausdrücken, sie würden nur platte und langweilige texte verfassen.

da schimmern zwei vorstellungen durch, die man meist durch nachfragen eingrenzen kann: erstens die vorstellung, es gäbe eine angeborene kompetenz, schreiben zu können, ein talent, das nicht erlernbar wäre und einen zum scheitern verurteile. dabei werden stete vergleiche mit anderen angestellt und den anderen unterstellt, dass sie so zu sagen von geburt an „gut“ schreiben und formulieren können.

zweitens schimmert ein hoher und streng beachteter eigener anspruch durch, der kaum zu umgehen ist. jeder geschriebene satz, jeder verfasste text wird einer persönlichen bewertung unterzogen und meist für nicht tauglich gehalten. das leugnet, dass ein großer teil des schreibprozesses auch bei anderen menschen, das korrigieren und bearbeiten einnimmt. und es leugnet auch, dass am anfang, bei einem recht freien schreiben, dinge entstehen dürfen und können, die nicht gleich der große wurf, sondern einzig ausdruck der eigenen gedanken sind. dieser ausdruck hat einen wert an sich, den man nicht schmälern sollte.

es ist nicht ganz leicht, in einer beratung gegen diese schicksalshaften vorstellungen zu argumentieren. ein hoher anspruch ist auch so lang nicht problematisch, so lang es einen selber nicht unter leidensdruck setzt und das eigentliche schreiben verhindert. schreiben sollte nicht zur qual werden und nicht allen schreibenden winkt gleich der nobelpreis. es ist also in kleinen schritten zu lernen (und zu üben), Weiterlesen

biografisches schreiben und schicksal

man kann vortrefflich darüber streiten, wie viel im eigenen leben beeinflussbar war und ist und wie viel schicksalshaft eintrat, man also nichts dagegen machen konnte. krankheit oder tod sind oft kaum zu beeinflussen, bei unfällen wäre die eigenbeteiligung zu klären, ähnlich wie beim verlust des arbeitsplatzes oder ähnlichem.

es geht immer wieder um die beeinflussbarkeit der eigenen geschicke. zur zeit liegt der gedanke im trend, dass viele aspekte unseres verhaltens, unserer handlungen und unserer gedanken genetisch bedingt sind, also eine schicksalhafte komponente haben. diese betrachtungsweise schmälert eine errungenschaft des menschen, die ihn klar vom tier unterscheidet: die fähigkeit der reflexion der eignen situation.

auch wenn mancher naturwissenschaftler der meinung ist, unser gehirn habe intuitiv schon entschieden, bevor wir anfangen zu reflektieren. doch dieser wissenschaftler muss ebenso zugeben, dass die intuitiven entscheidungen des menschen auf gemachten erfahrungen und lernprozessen, also speicherungen im gehirn basieren. also lässt sich vielleicht doch mehr an zu machenden erfahrungen bestimmen als die neurophysiologie uns erklären möchte.

davon hängt auch beim biografischen schreiben und bei der betrachtung des eigenen lebenskonzeptes ab, ob ich davon ausgehe, dass eh alles nur schicksal ist und ich es nicht ändern kann, oder ob ich glaube, Weiterlesen

selbstbefragung (132) – schicksal

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das “schicksal“.

  • was in ihrem leben war für sie schicksalhaft? beschreiben sie.
  • glauben sie an schicksal? warum?
  • wann wären sie gern selbstbestimmter?
  • in welchen momenten sind sie fatalistisch?
  • welches schicksal berührt sie zur zeit am meisten?
  • wie viele unserer handlungen sind ihrer meinung nach genetisch bedingt? warum?
  • wann ereilte sie ein glückliches schicksal?
  • welches schicksal wünschen sie ihren liebsten?
  • wann haben sie ihr schicksal gewendet? beschreiben sie.
  • welches schicksal wird die menschheit ereilen? beschreiben sie.

wortklauberei (13)

„schicksalsreportage“

dann, wenn der aberglaube ins spiel kommt (wie hier bei der wortklauberei „13“), dann stehen alle tore für absurdes offen. immer wieder tuen sich die privatsender des fernsehens durch einen hang zur mystik und zum aberglauben hervor. darum fällt es ihnen auch so leicht, über ufos, außerirdische und dergleichen mehr zu berichten. hat wohl was mit der kundenbindung zu tun. der mensch widmet sich in unsicheren zeiten gern dem gedanken, er habe keinen einfluss auf die entwicklung und außergewöhnliche ereignisse im hintergrund steuerten sein leben. ist der hang zu den männlein vom mars und weiblein von der venus beim einzelnen gering, dann gibt es immer noch den gedanken ans „schicksal“. das soll hier nicht heißen, dass es nicht ereignisse gibt, die einen überraschen und auf die man keinen einfluss hat.

es soll nur heißen, dass die schicksalsereignisse so überraschend kommen, dass eine kamera nun nicht dabei sein kann. so wird es schwierig mit der „schicksalsreportage„, die sich eher in einer schicksalsnacherzählung erschöpft. zu den erzählungen gehört es, dass von den betroffenen möglichst dass innerste nach außen zu kehren ist, damit etwas entsteht, das manche journalistInnen als „authentisch“ bezeichnen. da wird dann gern die kamera auf die verzweifelten gehalten und viele zuschauer befinden sich sofort im zustand des „fremdschämens“. sie halten diese reportage schwer aus. ebenso wie die menschen, über die berichtet wird. meist realisieren sie erst einige zeit später, dass ein schwacher moment in ihrem leben dafür genutzt wurde den voyeurismus anderer zu befriedigen. und im nachhinein entwickelt sich die reportage für sie zu einer katastrophe. wahrscheinlich ist das mit dem begriff „schicksalsreportage“ gemeint 😦

biografisches schreiben und gewinn / verlust

 

selten verläuft ein leben gradlinig, wie es sich manche menschen wünschen. denn es gibt eine menge faktoren, die weder vorhersehbar, noch berechenbar sind. die meisten menschen erklären im nachhinein, dass die momente, die sie am meisten wachsen ließen, die überraschenden waren. also die momente, in denen das so genannte „schicksal“ zuschlug. um sich seiner lebensgeschichte anzunähern, also die selbstreflexion zu intensivieren, ist eine stimmungskurve oft hilfreich. dabei soll es dieses mal um die subjektive einschätzung diverser ereignisse im nachhinein gehen, also aus zeitlicher distanz.

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