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kreatives schreiben und stärke

es sind zwar keine zusammenhängenden texte und ohne bilder funktionieren sie auch nicht, aber in der welt der comics gibt es viele beispiele für die umsetzung des themas „stärke“ in einem fantastischen umfeld. da gibt es männer die fliegen können, feuerbälle schleudern, in einen topf zaubertrank gefallen sind oder auch frauen, die mauern hochklettern und menschen mit ihrem blick gefrieren lassen. meist haben die heldInnen eine bestimmte besondere stärke, mit der sie das böse bekämpfen und für das gute eintreten.

es gibt die abenteuer, in denen jemand stärke beweisen muss schon lang. in der odysee sind viele gefahren und hürden zu überwinden, muss klug und stark gehandelt werden, um die reise zu überleben. da reicht bis zu harry potter, der erst im laufe der zeit den grund für sein stärken entdeckt. und allen geschichten gemeinsam ist, dass es nicht nur darum geht, stark zu sein, sondern dass mit der stärke eine form der initiation oder läuterung einhergeht. auschließlich starke helden sind anscheinend sowohl für die schreibenden als auch für die lesenden nicht interessant genug.

das sollte man, wenn man geschichten zum thema stärke schreibt, berücksichtigen. man kann es aber auch einmal ausreizen und dem üblichen vorgehen widersprechen: man erfindet einen protagonisten, eine protagonistin, die einfach nur stark sind, die sich durch alles einen weg bahnen, mit allem Weiterlesen

schreibpädagogik und schmerzen

zwei gedanken möchte ich hier darstellen. als erstes greife ich die aussagen des vorherigen post auf. ja, es gibt texte, die man liest oder hört, die einem beinahe körperliche schmerzen bereiten. dies kann einem auch in schreibgruppen so gehen. doch wie sollte man sich dann verhalten? konstruktive kritik fällt einem schwer und man hat das gefühl, dass man der schreibenden person keinen gefallen tut, wenn man das geschriebene schönredet.

auch der folgende schritt benötigt mut und fällt vielen schwer: formulieren sie klar ihre kritik. es kann nicht sein, dass man eine geschichte nicht aushält und dies nicht formulieren darf. man muss den schmerz nicht hinunterschlucken. doch die kritik sollte sich ausschließlich auf den text, auf die technik oder auf die formulierungen beziehen. es sollte klar formuliert werden, dass eine große kritik keine kritik an der person der schreibenden ist. mit einer ausnahme der regel: werden im text menschenbilder vermittelt und persönliche haltungen der autorInnen, die menschenverachtend sind, dann darf auch kritik an der haltung der schreibenden geübt werden.

die begründung, weshalb man auch grosse kritik äußern sollte, besteht in der überlegung, ob es sinnvoll ist, sich so sehr zurückzunehmen, dass man aus den zusammenhängen regelrecht verschwindet. das kann nicht ziel sozialen austausches sein. selber kann man sich auch an den meinungen der anderen orientieren, ob die eigene so sehr abdriftet, dass selbstkritische reflexionen hilfreich erscheinen. und man sollte sich dem folgenden diskurs nicht entziehen, nach dem motto: „ich hau mal kurz drauf und verziehe mich dann.“. aber auch kritisierende müssen sich keinen personalisierenden debatten aussetzen und können diese ebenso abbrechen. schlussfolgerung: nicht jeder schmerz muss in schreibgruppen ausgehalten werden 😉

zweiter gedanke zum thema „schreibpädagogik und schmerzen“ ist ein ganz praktischer: man kann eine schreibgruppe für schmerzpatientInnen gründen. es gibt erkrankungen, die starke und langwierige schmerzen verursachen. dauerhafter schmerz kann einen an die grenzen seiner psychischen kräfte bringen – migränepatientInnen können ein lied davon singen.

schreiben kann im zusammenhang mit schmerzen zwei funktionen übernehmen: Weiterlesen

web 2.46 – fernsehkritik.tv

man kann sich sicher sein, das fernsehprogramm, auch das digitale, wird in den nächsten jahren nicht besser werden. gut, die auswahl wird größer, man kann also für sich wählen, was einem zusagt. doch dies erwartet vom zuschauer immer größere koordinatorische anstrengungen. denn das „qualitätsfernsehen“ verteilt sich auf mehr und mehr programme. wer dann keine lust hat, sich alles im internet zusammen zu suchen, der ist zum beispiel kabelanbietern ausgesetzt, die mit vorliebe shopping-kanäle einspeisen. und wer einen blockbuster ohne zuzahlung sehen möchte, der braucht eine halbe stunde länger wegen der werbeeinblendungen.

kurz und gut, fernsehen kann nerven. doch abseits der angebotsschwierigkeiten (ich möchte hier explizit arte und 3sat nicht dazu zählen) wird auch so viel schrott gesendet, dass es schon in den frühen abendstunden als unterhaltsame realsatire betrachtet werden kann. also an nachschub wird es holger kreymeier nicht mangeln. er betreibt regelmäßige fernsekritik auf seiner homepage http://www.fernsehkritik.tv und hat dafür den grimme-online-award erhalten. berechtigter weise, denn allein die ausdauer mit der man sich all diese ergüsse betrachten muss, um eine kritik zusammenschneiden und formulieren zu können, ist beachtenswert.

wer also mal so richtig über das fernsehen ablästern möchte und dafür ausgewachsen schlechte beispiele benötigt, der schaue auf der homepage vorbei. danach kann man sich gelassen im sessel zurücklehnen und sich sagen: früher war alles besser, sogar das fernsehen. oder er schickt den link an gute freunde, um eine lästergruppe zu gründen. das ist allemal unterhaltsamer als am frühen abend vor der glotze zu sitzen und sich das zeug reinzuziehen 😀 .

selbsterkenntnis – wozu überhaupt?

wir strengen uns an. wir bemühen uns. wir verändern uns. wir versuchen uns anders zu verhalten. wir analysieren uns. wir durchleuchten uns. wir ergründen unsere handlungen. wir strukturieren uns. wir erkennen uns. all dies, so weit wir es uns gedanklich vorstellen können. und wir lernen, dass es nie genug sein kann. wir sind uns sicher, dass wir, wenn wir uns selber erkennen, genug baustellen finden, an denen wir arbeiten können und sollen. so sind wir aufgerufen immer weiter zu wühlen und zu graben, um endlich dem ideal des allumfassend selbstaufgeklärten menschen nahezukommen. verweigern wir uns diesem prozess, stehen schon mahner und warner parat, die uns darauf aufmerksam machen, dass es an der zeit sei, an uns zu arbeiten. wir gelten schnell als nicht sozial kompatibel, wenn wir unsere beweggründe nicht offen legen können. unsere handlungen sind immer begründet, doch wir müssen auch die gründe wissen.

muss das sein? wer stellt die regel auf, dass man sich selber kennen müsse? und wie hat das auszusehen? nun, heute verdächtigen sich viele menschen selber. sie vermuten, dass es in ihren tiefen, in den abgründen ihrer seelen, verstecke gibt, die sie noch nicht erschlossen haben. sie vermuten schlimmes, dunkles oder böses in sich. darum begeben sie sich auf die suche. die suche nach dem wahren kern, dem punkt, ist er einmal ergründet, der den weg zum glück versperrt. dabei übersehen sie gern, dass ihnen beständig von außen die sicht auf ein glückliches dasein verstellt wird. es ist nicht ihr verschulden, indem sie sich nicht zur genüge kennen. es ist höchstens ihr verschulden, dass sie sich die alleinige verantwortung für ihre lebenssituation aufbürden lassen. gern eingenommen werden zwei reaktionsmuster. das eine erkennt irgendwann die behinderungen von außen, resigniert ob der großen macht und formuliert: „ich kann ja sowieso nichts ändern.“ das andere muster verinnerlicht die selbstverantwortung, begibt sich auf die suche nach mehr selbsterkennen, analysiert, durchdringt und zerstückelt die eigene person und findet laufend neue fehler und schwächen, resigniert und formuliert: „ich bin ein schlechter mensch.“

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