Schlagwort-Archive: schmerzhaft

schreibpädagogik und schmerzen

zwei gedanken möchte ich hier darstellen. als erstes greife ich die aussagen des vorherigen post auf. ja, es gibt texte, die man liest oder hört, die einem beinahe körperliche schmerzen bereiten. dies kann einem auch in schreibgruppen so gehen. doch wie sollte man sich dann verhalten? konstruktive kritik fällt einem schwer und man hat das gefühl, dass man der schreibenden person keinen gefallen tut, wenn man das geschriebene schönredet.

auch der folgende schritt benötigt mut und fällt vielen schwer: formulieren sie klar ihre kritik. es kann nicht sein, dass man eine geschichte nicht aushält und dies nicht formulieren darf. man muss den schmerz nicht hinunterschlucken. doch die kritik sollte sich ausschließlich auf den text, auf die technik oder auf die formulierungen beziehen. es sollte klar formuliert werden, dass eine große kritik keine kritik an der person der schreibenden ist. mit einer ausnahme der regel: werden im text menschenbilder vermittelt und persönliche haltungen der autorInnen, die menschenverachtend sind, dann darf auch kritik an der haltung der schreibenden geübt werden.

die begründung, weshalb man auch grosse kritik äußern sollte, besteht in der überlegung, ob es sinnvoll ist, sich so sehr zurückzunehmen, dass man aus den zusammenhängen regelrecht verschwindet. das kann nicht ziel sozialen austausches sein. selber kann man sich auch an den meinungen der anderen orientieren, ob die eigene so sehr abdriftet, dass selbstkritische reflexionen hilfreich erscheinen. und man sollte sich dem folgenden diskurs nicht entziehen, nach dem motto: „ich hau mal kurz drauf und verziehe mich dann.“. aber auch kritisierende müssen sich keinen personalisierenden debatten aussetzen und können diese ebenso abbrechen. schlussfolgerung: nicht jeder schmerz muss in schreibgruppen ausgehalten werden 😉

zweiter gedanke zum thema „schreibpädagogik und schmerzen“ ist ein ganz praktischer: man kann eine schreibgruppe für schmerzpatientInnen gründen. es gibt erkrankungen, die starke und langwierige schmerzen verursachen. dauerhafter schmerz kann einen an die grenzen seiner psychischen kräfte bringen – migränepatientInnen können ein lied davon singen.

schreiben kann im zusammenhang mit schmerzen zwei funktionen übernehmen: Weiterlesen

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kreatives schreiben und schmerz

der schmerz ist ein seltsames wesen beim schreiben. es gibt den begriff schmerz und kaum synonyme, im thesaurus zum beispiel nur „leid“, „pein“ und „weh“. wer verwendet in seinen texten heute noch „pein“ und „weh“? auf der anderen seite ist der schmerz für uns menschen etwas sehr bestimmendes. es ist eine der wenigen situationen, denen wir durch ein handlung, wenn er mal da ist, nicht so schnell ausweichen können. bei dauerhaftem schmerz empfindet jeder mensch ohnmacht.

also wäre zu erwarten, dass beim kreativen schreiben viel über schmerz geschrieben würde, dass der schmerz einer der häufigsten inhaltsstoffe einer guten geschichte ist. doch wir weichen anscheinend dem schmerz auch in unseren texten aus. er kommt selten alleinstehend als tatsache vor. es ist der liebesschmerz, der herzschmerz, der trennungsschmerz, der zahnschmerz und dergleichen mehr. die literarische darstellung des schmerzes ist kompliziert. entweder man schildert die ohnmacht oder man gerät ins medizinische fahrwasser und beschreibt den schmerzverlauf, umschreibt, teils metaphorisch den „stechenden“ schmerz, der sich den rücken hinaufzieht …

es könnte eine schreibidee für das kreative schreiben sein, starke metaphern für den schmerz zu finden, vielleicht auch neue worte. was macht der schmerz mit uns, wo führt er uns hin, wie lässt er uns verrückt werden, da wir keinen ausweg aus der tortur finden? das kreative schreiben kann helfen, dem schmerz auf die schliche zu kommen. doch dazu müssten wir wahrscheinlich ein etwas anderes verhältnis zu unserem körper bekommen. denn wir leben in einer gesellschaft, die sich immer noch nicht von der vorstellung verabschieden kann, dass unser körper eine maschine sei. auch wenn es schon seit ein paar jahrzehnten den blick auf die psychosomatik gibt, wird sie immer als letztes herangezogen.

womit man beim schreiben wahrscheinlich vor der nächsten hürde steht. wir haben viele worte für den psychischen schmerz, der uns zugefügt wird, aber bei der behandlung machen wir gern einen rückzieher. die psyche wird noch viel stärker Weiterlesen

liste (105) – schmerz

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um den „schmerz“.

die schlimmsten körperlichen schmerzen, die ich erlebt habe:

die schlimmsten seelischen schmerzen, die ich erlebt habe:

meine liebsten schmerzmittel:

damit habe ich anderen schmerzen zugefügt (körperlich oder seelisch):

schmerzen, die ich nie erleben möchte:

biografisches schreiben und schmerzen

körperliche schmerzen sind das fieseste, was ein mensch erleben kann. sie sind erst einmal ohne medizinische hilfe und ohne die konzentration auf andere dinge unausweichlich. sie lassen den menschen ohnmächtig seinen körper spüren. die folge von schmerzen sind handlungen, entweder, den schmerz zu unterdrücken oder die ursache für den schmerz zu suchen. jeder mensch erlebt im laufe seines lebens körperlichen schmerz (es müsste schon mit einem wunder zugehen, wenn jemand ein absolut schmerzfreies leben führen könnte – nur den muskelkater ordnen wir anders ein als die zahnschmerzen.)

erstellen sie doch einmal eine schmerzkurve ihres lebens. wenn sie das machen, haben sie gleich zwei effekte: sie bekommen einen stärkeren bezug zu ihrem körper und sie bekommen einen überblick über all die kleinen und großen gesundheitlichen schwierigkeiten, die sie im laufe ihres lebens erlebt haben. dann können sie neben die körperschmerz-kurve auch gleich noch eine kurve des psychischen schmerzes einzeichnen. wann ging es ihnen seelisch alles andere als gut. was schmerzte sie emotional am stärksten? wenn sie diese kurve in ihre lebensbetrachtungen mit einbeziehen, lassen sich vielleicht zusammenhänge herstellen.

wir leben mit dem phänomen, dass die psychischen schmerzen manchmal zu körperlichen schmerzen führen können und die körperlichen zu psychischen. wenn man das einmal im überblick sieht, dann kann man sich die frage stellen, wie groß dies eine rolle bei einem selber spielt? diese form der selbstbefragung kann einem hinweise im eigenen umgang mit schmerzen liefern. schreiben sie ihre ganz persönliche schmerzgeschichte. und begeben sie sich auf die gedankliche reise der schmerzbekämpfung.

in deutschland wird die behandlung von körperlichen schmerzen immer noch stiefkindlich betrachtet. es hat sich in den letzten jahren zwar etwas gebessert, aber meist herrscht die auffassung vor, krankheit habe mit schmerzen einher zu gehen. dabei haben wir menschen medikamente entwickelt, die die meisten von uns in schmerzfreiheit leben lassen würden. doch die werden sehr zögerlich gegeben. es wird meist mit formen der abhängigkeit Weiterlesen

selbstbefragung (161) – schmerz

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „schmerz“.

  • welcher körperliche schmerz war ihr letzter? beschreiben sie.
  • welcher seelischer schmerz war ihr letzter? beschreiben sie.
  • was tun sie gegen schmerzen als erstes?
  • wer hat ihnen zuletzt schmerzen zugefügt?
  • wem haben sie zuletzt schmerzen zugefügt?
  • welches war der größte schmerz ihres lebens? beschreiben sie.
  • wann fühlen sie sich schmerzen gegenüber am ohnmächtigsten?
  • warum fügen sich ihrer meinung nach, menschen gegenseitig schmerzen zu?
  • welche schmerzhafte erfahrung (körperlich oder psychisch) hat ihr leben verändert? warum?
  • können sie weinen, wenn etwas schmerzt? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/