Schlagwort-Archive: schmutz

wortklauberei (80)

„schmutzfangmatten“

staub, krümel, flusen und andere kleinteilige überreste sorgen schnell dafür, dass die wohnung oder die geschäftsräume verdreckt sind. das ist nicht schön und sieht nicht gut aus. also sollte man etwas dagegen unternehmen. einmal auf der homepage eines heimwerkermarktes und man weiß, was man zu tun hat. vorbei sind die zeiten der besen, der staubsauger und der scheuerlappen. heutzutage schafft man sich „schmutzfangmatten“ an.

sie sind ähnlich wie haustiere, man muss sie erst bändigen und erziehen, sonst fängt die matte nicht nur schmutz, sondern auch alles andere kleinteilige, das so rumliegen kann: den verlorenen perlenohrring, kleine schrauben des brillengestells oder das goldene haar des teufels. das will man ja nicht. ist die schmutzfangmatte jedoch gut dressiert, dann kann man es sich auf dem sofa bequem machen, abwarten, bis der schmutz aus seinen ritzen, löchern oder unter dem sofa hervorkommt und „fass!“ rufen. schon macht sich die matte über das kleine böse her.

eine schmutzfangmatte ist ein unkomplizierter zeitgenosse. sie möchte ab und zu mit dem staubsauger ein wenig gekrault werden. sie benötigt keine weitere nahrung, sie ernährt sich vom schmutz. manche matten haben einen fetisch entwickelt und bevorzugen das „spanking“ (mit einem harten gegenstand geschlagen werden) dem kraulen mit dem staubsauger. dadurch sollte man sich nicht irritieren lassen, diese schmutzfangmatten sind genauso folgsam und effektiv, wie die anderen auch.

einmal mit einer schmutzfangmatte gelebt, fällt es schwer, sich wieder von ihr zu trennen. in regionen, in denen die luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, da kann es vorkommen, dass die schmutzfangmatten anfangen zu schimmeln und unangenehme gerüche von sich geben. hier empfiehlt es sich, sein leben lieber mit einem „schlammabstreifgitter“ zu verbringen. es ist zwar lauter, aber nicht minder zutraulich.

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schreibidee (197)

diese schreibidee ist für kinder und jugendliche unter 16 jahren nicht geeignet. so oder so ähnlich könnte die vorgabe für die schreibidee lauten, wenn man unter „schmutz“ bestimmte zwischenmenschliche kontaktformen in schriftlicher ausführung versteht. aber der begriff ist ein größerer, der als grundlage für die schreibidee dient. denn es sollen einfach „schmutzige texte“ geschrieben werden.

die schreibidee könnte zum beispiel mit einer kleinen exkursion beginnen. die teilnehmerInnen werden mit digitalkameras bewaffnet (so eine kamera findet sich ja inzwischen in vielen handys) auf die straße geschickt, auf der suche nach schmutz. der wird dokumentiert und anschließend im schreibgruppenraum schnell ausgedruckt oder in eine diashow eingefügt. die teilnehmerInnen wählen sich jeweils eines der bilder aus und schreiben ein einseitiges porträt des schmutzes.

anschließend führen alle eine 30-wort-assoziation zum thema schmutz durch. schwerpunkt dieser assoziation sollen adjektive sein, die den schmutz umschreiben. diese adjektive werden am flipchart gesammelt und zwei oder drei davon suchen sich die schreibenden aus. nun wird ein längerer „schmutziger text“ unter verwendung der ausgewählten adjektive verfasst. dieser text wird in der schreibgruppe vorgelesen und im feedback wird diskutiert, wie der text noch schmutziger gemacht werden kann.

im anschluss werden in der schreibgruppe gemeinsam neue wörter für schmutz und dreck erfunden. dies geschieht in anlehnung an das von georgette dee zu gehör gebrachte wort „liebäh“ oder so. und zum abschluss darf dann von allen schreibgruppenteilnehmerInnen noch einmal so richtig im schmutz gewühlt werden. es ist ein text zu verfassen, der möglichst bei den leserInnen und zuhörerInnen ekel auslöst. sprache kann in diesem zusammenhang bilder zeichnen, die kein kameramann, kein maler in dieser direktheit abbilden kann. es geht bei diesen texten weniger um gewalt, denn um ein bild, das für das menschliche auge unangenehm ist. die texte werden in der abschlussrunde vorgestellt.