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schreibidee (229)

und wenn wir dann gerade schon beim geld sind, seit zwei jahrzehnten ist das „schnäppchen“-fieber ausgebrochen. die jagd ist eröffnet und überall wird die beute erlegt. das bedient sowohl die bedürfnisse der „jägerInnen“ als auch der „sammlerInnen“. was will man mehr. wenn da nicht die nebenerscheinungen wären, die an so einer billigen produktionsweise. darum ist es an der zeit, auch beim schreiben die discount-mentalität zu verwirklichen und „billige texte“ zu verfassen.

am anfang steht die frage, was ist ein „billiger text“. sicherlich einer, der ausschließlich mit hilfe von copy und paste entstanden ist. darum werden vor dem schreibgruppentreffen die teilnehmerInnen aufgefordert texte und gedichte von sich mitzubringen oder an die gruppenleitung per mail zu senden (was vieles erleichtert), die sie früher verfasst haben. entweder stellt man frei, wie viele es sind oder man begrenzt auf jeweils fünf exemplare. denn nun werden die ganzen texte und gedichte für alle gruppenteilnehmerInnen jeweils kopiert oder ausgedruckt. alle haben einen stapel von material vor sich.

nun wird gebastelt. abschnitte, sätze und zeilen werden ausgeschnitten und zerteilt, um sie mit klebestift und papier neu zusammenzufügen. (im idealfall liegen alle texte als dateien vor und alle teilnehmerInnen können ein laptop mitbringen.) alle sollten jeweils einen text und ein gedicht aus den vorliegenden materialien herstellen, ohne ein einziges eigenes wort hinzuzufügen. die billigen texte werden anschließend vorgetragen.

anschließend versucht sich die schreibgruppe an einer weiteren variante der billigen texte. billige texte sind texte, die sich an platitüden orientieren. also ist ein text zu verfassen, der drei, vier vorgaben bekommt. zum beispiel kann die geschichte von zwei menschen handeln, die gemeinsam auf eine tagung fahren müssen, mit dem auto in einer abgelegenen gegend liegen bleiben, eine romantische unterkunft finden, sich näher kommen und zum schluss gemeinsam glücklich in den sonnenuntergang blicken. hier können drei verschiedene angebote gemacht werden.

wichtig ist es bei diesen texten, alle ansprüche an das eigene schreiben, die man im laufe der schreibgruppe entwickelt hat, beiseite zu lassen und sich in einfachen, schönfärberischen sätzen zu versteigen. dabei darf in die vollen gegangen werden. es wird sich zeigen, dass dies teilweise schwerer ist, als man denkt. die texte werden anschließend vorgetragen und in der feedbackrunde diskutiert, wie gut die platitüden getroffen wurden.

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nabelschau (32)

der online-schnäppchenmarkt. als verbraucher muss man sich schon eine ganze menge gefallen lassen. anbieter von dienstleistungen vor allen dinge, aber inzwischen auch der einzelhandel, möchten einen gern in das internet zwingen. es wird immer ärgerlicher, dass angebote nur dann preiswerter sind, wenn man sie online bucht oder kauft oder nutzt. es handelt sich dabei aber um das gleiche angebot, wie man es auch an den verkaufsstellen ersteht und nutzt. in der qualität des gekauften besteht kein unterschied.

aber man ist gezwungen, seine geldgeschäfte in diesem moment online abzuwickeln, möchte man an dem rabatt teilhaben. doch man kann auch heute nicht davon ausgehen, dass die verbindungen im internet wirklich sichere sind. man kann auch nicht davon ausgehen, dass die konto- oder kreditkartendaten wirklich sicher sind auf den rechnern der anbieter. und man stellt sehr viel mehr daten von sich als kunde zur verfügung als im realen verkaufsgespräch.

außerdem ist es keine kürzere oder weniger aufwendige aktion, an einer verkaufsstelle vorbeizugehen, genau zu wissen was man möchte, keine beratung in anspruch zu nehmen und ein produkt zu erwerben als ins internet zu gehen und das produkt dort zu erwerben. man schließt auch nicht den zwischenhändler aus. also hat der rabatt nur einen einzigen sinn, den verbraucher zu erziehen, um personal sparen zu können. ich werde dafür bezahlt, dass ich einen teil der tätigkeiten des anbieters übernehme. das ist keine dienstleistung!

es ist vor allen dingen eine frechheit, die sich meist nur beinahe-monopolisten leisten können. es verhält sich damit ähnlich, wie mit den daueraufträgen, die einen der verfügung über das eigene geld entheben, aber vor allen dingen von wichtigen anbietern bevorzugt werden. da gibt es verlosungen, wenn man sich für den dauerauftrag entscheidet. da zahlt man sowieso schon oft im voraus, bevor überhaupt die leistung erbracht wurde. ja, man wurde per vertrag oder verpflichtung gebunden.

hier geht es nicht mehr, um ein klares geschäft. hier geht es einzig um die steuerung des kunden im eigenen interesse. die größte frechheit leistet sich in diesem zusammenhang die deutsche bahn, die inzwischen für das verkaufsgespräch einen zuschlag verlangt (also lieber kunde, sie wissen noch nicht so genau, welche fahrtmöglichkeiten sie haben und welches angebot sie von uns nutzen wollen, dann zahlen sie erst einmal dafür, damit wir ihnen sagen, was wir im angebot haben). hier bezahlt man für eine selbstverständlichkeit, es stört aber niemanden. ach so, und dann begrenzt man auch noch die geöffneten schalter, damit schon ein bisschen wartezeit entsteht. sagte doch vor zwei tagen die eine verkäuferin zur anderen, nachdem ich ein viertel stunde warten musste: wo sind denn nun die vielen kunden, die warten? hätte ich es nicht eilig gehabt, ich hätte diskutiert!!!