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kreatives schreiben und technik

wie ihm vorherigen post aufgezeigt, kann man werkzeuge zum schreiben verwenden. man kann sie auch tipps nennen, stilistische regeln oder eben nur vorschläge für interessante textgestaltungen. sie stehen ein wenig im widerspruch zum kreativen schreiben, wie es im deutschsprachigen raum verstanden wird. denn die schreibtechniken des kreativen schreibens haben in erster linie das ziel, in einen „freien“ schreib- und ideenfluss zu kommen, der ausdruck der eigenen kreativität ist.

beim späteren überarbeiten können die werkzeuge von roy peter clark oder die vorstellungen des „creative writing“ aus dem angloamerikanischen raum angewandt werden. aber erst einmal werden beim kreativen schreiben techniken angewandt, die assoziationen fördern, die den inneren zensor überwinden helfen sollen und die die selbstkontrolle ein wenig in den hintergrund drängen. aber es wird auch klar formuliert, dass das überarbeiten der geschriebenen texte eine menge zeit in anspruch nehmen sollte.

aber man kreatives schreiben und technik auch noch aus einem ganz anderen blickwinkel betrachten: welche schreibwerkzeuge verwendet man denn? einen bleistift, einen füller, eine schreibmaschine oder eben doch heutzutage verstärkt einen computer. denn der computer erleichtert eine menge beim schreiben. die korrektur des textes ist viel einfacher geworden. die umstellung ganzer textpassagen, die einhaltung der rechtschreibung und des satzbaus, all dies erleichtert der computer.

und noch einen schritt weiter gehend, ermöglicht der computer einen ungehemmten schreibfluss, da auch das tippen auf der tastatur einen eigenen rhythmus und eigene taktile reize bietet. Weiterlesen

kreatives schreiben und elite

schreiben und im speziellen kreatives schreiben transportiert oft die vorstellung, etwas außergewöhnliches, gesellschaftlichen entwicklungen konträres zu vollbringen. auf der einen seite belächelt als volkshochschulspaß, wird ab und zu von den schreibenden die position eingenommen, sich dem mainstream der flachen digitalen kommunikation zu entziehen.

das kann beim verfassen von texten und in schreibgruppen zu einer elitären haltung führen. nach dem motto: „wir widerstehen den verführungen des computerzeitalters und besinnen uns der alten werte“. dies ist eine bildungsbürgerliche haltung, die bemüht ist, sich den gesellschaftlichen entwicklungen zu widersetzen und dem „schöngeistigen“ zu verschreiben.

erst einmal handelt es sich natürlich um eine berechtigte kritik am schnelllebigen und vergänglichen der neuen medien. wer weiß, ob nicht im laufe der zeit alle archive des digitalen schreibens verschwinden und gelöscht werden. doch nicht selten mischt sich in diese haltung eine form der überlegenheit gegenüber den tippenden und an elektronischen geräten formulierenden. es macht sich der gedanke eines „wahren“ schreibens breit. diese auseinandersetzung gab es schon bei der einführung der schreibmaschine. dabei ist wort erst einmal wort. ob es nun von hand, per schreibmaschine oder am laptop niedergeschrieben wurde.

das schreiben am computer sagt nichts über die entstandenen texte aus. aber das schreiben von hand wird weiterhin von manchen als einzig annehmbare form des schreibens verstanden. die schreibende elite setzt sich noch an ihren schreibtisch, greift zum stift (oder noch besser zum federhalter) und notiert mühsam gedanken und texte auf ein weißes blatt papier. es wird mit ästhetik (auch der sprache) und mit der historie des schreibens argumentiert, die die elite des schreibens vom rest des undurchdachten tippens trennen. dabei treten die beweggründe des formulierens in den hintergrund, und eher kulturpolitische interessen in den vordergrund. dies hat beim kreativen schreiben nichts verloren. einziger anhaltspunkt sollte das eigene wohlfühlen bei der umsetzung des gedankenflusses sein. wie das dann aussieht, bleibt allen schreibenden selbst überlassen.

schreibtechnik (21) – zehn-finger-schreibsystem

dieses mal ist die schreibtechnik wirklich ein technischer ablauf. ein tastendruck produziert buchstaben. entweder durch mechanische abläufe und ein farbband bei der klassischen schreibmaschine oder durch elektronische impulse auf dem bildschirm des computers. vorteil des ganzen schreibsystems, das durch einfache schreibabläufe antrainiert werden muss, dass der blick den bildschirm oder das blatt nicht verlassen muss, während der text sichtbar wird. so bietet das zehn-finger-schreibsystem die möglichkeit, texte im schnellen fluss entstehen zu lassen.

im gegensatz zum handschriftlichen schreiben, dass aus dem schwung der handbewegung gespeist wird und bestimmte kreative prozesse anregt, unterliegt das tippen auf der computertastatur oder auf der schreibmaschine, einem rhythmus, der auch die textproduktion beeinflussen kann. entweder regt der rhythmus zu bestimmten texten an oder musik kann zu einem tipprhythmus anregen. und so entsteht während des beständigen klackerns ein ganz eigenes schreib- und textgefühl, das sich von der handschrift unterscheidet. beim zehn-finger-schreibsystem kann zum einen in der selben zeit mehr geschrieben werden und es kann vor allen dingen der schrifttyp variiert werden, der schon von sich aus ein individuelles schreibbild entstehen lässt.

mag das antrainieren des schreibsystems im ersten moment lästig erscheinen, die vorteile im nachhinein sind nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören 😀