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kreatives schreiben und wildnis

der vorteil des schreibens ist, man kann es beinahe überall machen. man braucht einen stift und ein blatt papier (als schreibblock oder schreibheft hat man gleichzeitig eine festere unterlage, bei einem einzelnen blatt kann die fläche unter dem blatt leicht schwierigkeiten machen). womit ich bei den schwierigkeiten wäre, in der wildnis kreativ zu schreiben.

pampa oder pure natur können sehr anregend und interessant sein. einmal weg von allem, vom alltag, vom stress, vom krach und vom sofa sein, sich in die wildnis stürzen (natürlich wohl geplant und durchdacht, um nicht böse überraschungen zu erleben). man lässt alles um sich herum auf sich wirken, man assoziiert und man möchte anfangen zu schreiben. wenn man in diesem moment nicht sowieso mit einem zelt und allem dazugehörigen unterwegs ist, dann kann das schwieriger werden.

das fängt mit dem sitzen an: wo kann man sich hinsetzen, damit man bequem sitzt, keinen nassen oder kalten hintern bekommt, nicht am baumharz kleben bleibt und einem nicht das krabbelnde getier in alle kleidungsöffnungen klettert. ältere, liegend baumstämme bieten sich schon an (wir sind in der wildnis, es gibt also keine bänke 😉 ). man sollte aber prüfen, ob sie nicht zu morsch und zu harzig sind. dazu kommt, wenn es kurz vorher geregnet hat, das holz die feuchtigkeit ganz gut aufnimmt. ist der stamm dann auch noch bemoost, dann wird es garantiert feucht von unten.

im stehen schreiben ist aber auch keine angenehmen lösung. also sollte man vielleicht eine regenjacke oder ein plastiktüte dabei haben, auf die man sich setzen kann. zu dem möge man darauf achten, wie frisch es in der wildnis oft ist. während man läuft oder wandert, fallen einem der wind und die kühle nicht so auf. doch kaum setzt man sich, bemerkt man die temperatur. versierte wanderer nehmen dafür sowieso noch einen pullover oder eine jacke mit. doch damit hat man noch nichts zum sitzen. aber ich gehe mal davon aus, man sitzt trocken und bequem, dann taucht das problem mit den schreibutensilien auf.

kugelschreiber können bei staub oder erdkrümel schnell den geist aufgeben. füller schreiben mit tinte und tinte verläuft, wenn das geschriebene feucht werden sollte. ähnliches gilt für wasserlösliche marker oder filzstifte. mit wachsmalkreide möchte niemand schreiben. also ist Weiterlesen

schreibberatung und ordnung

nein, es geht hier nicht darum, dass der raum, in dem die schreibberatung stattfindet, ordentlich sein sollte. es geht eher darum, welche rolle „ordnung“ für menschen mit schreibproblemen oder in schreibkrisen spielt. es gibt zwei aspekte, die in großer regelmäßigkeit auftauchen: zum einen ist es eine sehr beliebte ausweichhandlung, um sich vor dem schreiben zu drücken. viele menschen fangen an, ihre wohnung aufzuräumen, zu putzen, dinge zu sortieren, die schon seit jahren rumliegen und dergleichen mehr. zum anderen sind die vorstellungen und bedürfnisse, wie der eigentliche schreibort aussehen sollte, sehr verschieden. vom kreativen chaos bis zum absolut leeren schreibtisch kann alles notwendig sein.

die schreibberatung greift mit großer wahrscheinlichkeit beide aspekte auf, wenn sich die jeweiligen zustände als problematisch erweisen. doch wie nun damit umgehen?

zuerst einmal zu den ausweichhandlungen. es ist zwar schön, wenn die wohnung oder arbeitsplatz tiptop aussehen, wenn aber gleichzeitig das blatt papier leer bleibt, erhöht sich der druck auf die schreibenden beständig. wie kann man sich nun selbst überlisten, um in den schreibfluss zu kommen? zum einen, sollte man seine ausweichhandlungen überhaupt erkennen. dabei kann die schreibberatung hilfreich sein, indem die beraterInnen nachfragen und aufzeigen, wie es einen immer wieder vom schreibort wegzieht.

nun kann gemeinsam überlegt werden, ob man schreiborte aufsuchen sollte, die einen nicht ablenken, an denen man also keine ordnung schaffen kann. oder ob man beim erkennen der kleinen fluchten, sich diese noch bewusster macht und unterbricht. Weiterlesen

schreibpädagogik und suche

was kann man mit schreibgruppen suchen?
ich werde hier ein paar beispiele auflisten, auf welche suchen man sich begeben kann:

auf der suche nach dem idealen schreibort. in schreibgruppen kann man schritt für schritt das jeweils eigene schreibverhalten der teilnehmerInnen analysieren und daraus schlüsse ziehen lassen, wie der ideale schreibort zuhause gestaltet sein sollte. was lenkt ab und fördert?
aber man kann noch einen schritt weiter gehen und mit der gruppe in der stadt, in einer schönen landschaft, in verschiedenen gebäuden kleine schreibübungen durchführen. diese orte dienen nicht nur der schreibanregung, sondern können auch unter dem blickwinkel „wie gut kann man an diesen orten schreiben?“ betrachtet werden. so finden die teilnehmerInnen eventuell für sich den idealen schreibort außerhalb der eigenen vier wände.

auf der suche nach des rätsels lösung. schreibgruppen sind meist freizeitgruppen, die dem sozialen kontakt und dem vergnügen dienen. da ist es eine wunderbare abwechslung, wenn zu einem treffen ein schreib-rallye veranstaltet wird. entweder organisiert man in den gruppenräumen stationen, die zu durchlaufen, zu entschlüssen und zu bedienen sind oder man begibt sich wieder nach draußen und lässt die teilnehmerInnen einem vorher organisierten pfad durch die stadt, eine landschaft folgen. diese rallye ist gespickt mit schreibanregungen, die sich nach der lösung einer aufgabe ergeben. so wird das spielerische mit dem schreiben verbunden.

auf der suche nach dem historischen einfluss. man kann mit schreibgruppen historisch bedeutsame orte, friedhöfe oder museen besuchen, um die ausstrahlung der orte und der dahinter liegenden geschichte zur schreibanregung zu nutzen. man kann die schreibgruppe mit historischen stadtführungen oder museumsführungen verknüpfen und anschließen geschichten und texte verfassen lassen. oder man gibt selber einen kurzen abriss von den geschichten der vergangenheit, damit sich die teilnehmerInnen besser in die ehemalige atmosphäre versetzen können.

auf der suche nach dem idealen feedback. in regelmäßigen abständen kann in schreibgruppen eine reflexion über die bisher erfolgten feedbacks durchgeführt werden. Weiterlesen

schreibberatung und körperhaltung

wo schreiben sie am liebsten? beschreiben sie für sich doch einmal ausführlich den ort des schreibens, wie er für sie sein sollte und wie er für sie ist. auch dieser aspekt ist bei einer schreibberatung nicht zu unterschätzen. denn der arbeitsplatz kann bei schwierigkeiten mit dem schreiben eine ebenso große rolle spielen, wie alle anderen aspekte. und die bedürfnisse der schreibenden sind so verschieden wie die gründe, weshalb man gerade nicht in einen schreibfluss kommt.

das fängt bei der frage an, ob mich eine abwechslungsreiche umgebung zu leicht vom schreiben ablenkt oder ob ich sie als kreatives chaos benötige. wenn man sich die schreiborte von schriftstellerInnen anschaut, dann gibt es orte, die klösterliche askese ausstrahlen, die perfekte ordnung widerspiegeln, und orte, die von notizen, zeitschriften und büchern überquellen.

gern aus den augen verloren wird bei der betrachtung der schreiborte der platz für den eigenen körper. selbst im kreativen chaos sollte genug raum sein, um die arme ausbreiten zu können, um die füße ausstrecken zu können und um etwas ablegen zu können. oder manch einer macht gern erste notizen im liegen, am frühstückstisch oder im auto. das scheint so lang unproblematisch, so lang es nicht zu sehr ermüdet. es ergibt sich also die frage, welche körperhaltung benötigen sie, damit sie möglichst lange frisch bleiben?

konzentriertes arbeiten ermüdet so oder so. es erfüllt zwar auch vom gefühl her, aber es benötigt ein umfeld, dass kurze pausen und entspannung ermöglicht. dazu gehört für viele eine angenehme körperhaltung, die weder zu viel entspannung noch zu viel anspannung verursacht. Weiterlesen

schreibpädagogik und spontanität

stellen sie sich vor, sie haben für das nächste schreibgruppentreffen eine schreibanregung draußen im wald geplant. es ist wunderschönes wetter und sie begeben sich mit ihrer gruppe in den wald. nach einer stunde kommt ein gewittersturm auf, der keinen zweifel daran aufkommen lässt, dass es nicht sinnvoll ist, im wald weiterzuschreiben. also müssen sie als leiterIn der gruppe eine alternative anbieten.

oder sie geben eine schreibanregung und neun von zehn teilnehmerInnen kennen diese anregung schon aus dem letzten volkshochschulkurs im kreativen schreiben, finden die anregung langweilig oder sagen, ihnen falle nichts dazu ein. sie können nun natürlich ihr konzept auf biegen und brechen durchführen oder sich schnell eine andere anregung einfallen lassen.

hier unterscheidet sich die anleitung von schreibgruppen nicht groß von anderen gruppenleitungen. es können immer dinge geschehen, mit denen sie nicht gerechnet haben. dies sollte man sich schon im vorfeld bewusst machen. bei manchen führt das dazu, dass sie versuchen, sich gegen alle eventualitäten abzusichern und drei alternativvarianten vorzubereiten. dadurch schaffen sie nur eine teilweise sicherheit, denn es kann noch so viel passieren, das ihnen gar nicht in den sinn kam.

wichtig scheint es in solchen momenten, die ruhe zu bewahren, gelassen zu bleiben und spontan alternative möglichkeiten anzubieten. die vorfälle sind selten eine kritik an ihrem konzept sondern zufällige begebenheiten. natürlich wäre es schöner gewesen, im wald zu schreiben, aber nun kann man vielleicht das thema „gewitter“ als anregung nutzen. es scheint eine übungssache zu sein, die man im laufe von gruppenanleitungen lernt, auch einmal vollständig das eigene konzept über den haufen werfen zu können. und es spricht auch nichts dagegen, in solchen momenten die teilnehmerInnen in die ideenfindung einzubeziehen. sie verspielen dadurch nicht den status der leitung, da sie weiterhin die umsetzung anleiten. meist kann man im nachhinein nur über die absurden zufälle, die einem das eigene konzept demontierten, lachen.

schreibpädagogik und atmosphäre

die treffpunkte von schreibgruppen sind verschiedene orte. abgesehen von den gruppen, die an öffentlichen orten schreiben, sind es oft gruppenräume, die vermietet oder allen menschen zur verfügung stehen. die volkshochschulkurse finden gern in schulen statt, andere gruppen in tagungshäusern oder in therapeutischen praxen.

das schöne am schreiben ist, dass man überall schreiben kann, es braucht eigentlich nur eine unterlage und einen stift. gut, die körperhaltung sollte zumindest so bequem sein, dass sich nicht in kurzer zeit muskelkrämpfe einstellen. so macht es nicht unbedingt sinn in der achterbahn zu schreiben.

andererseits beeinflusst das umfeld sicherlich den schreibprozess. ein ort, der abwechslungsreich ist, etliches zum schauen und betrachten bietet, während man vom eigenen blatt aufblickt kann eine menge zum text beisteuern. leider sind viele räume bei schreibgruppen recht kahl und bieten keine abwechslung. das mag vielleicht ein konzept sein, um nicht zu viel ablenkung zu bieten. aber kreatives schreiben in einem kaminzimmer mit vielen büchern um einen herum stelle ich mir sehr stimulierend vor.

gruppenleiterInnen lernen in ihren ausbildungen meist, dass ein raum für die gruppen vorzubereiten ist. dabei spielt es keine rolle, um was für gruppen es sich handelt. manche legen daraufhin bunte tücher aus oder stellen blumensträuße und obstschalen in die mitte des raums, es werden stuhlkreise gebildet und bilder an die wand gehängt.

hier scheint es oft, dass die versuche, einen kahlen raum zu gestalten eher dazu führen, die tristesse des raumes erst richtig sichtbar machen. der kontrast zwischen dem blumenstrauss und den weißen wänden fällt in diesem moment richtig ins auge. so groß kann gar kein strauss sein, das ambiente zu verbessern. da ist es vielleicht besser, sich nur aufs schreiben zu konzentrieren. das ist ja auch das schöne am kreativen schreiben, der raum tritt im laufe der zeit immer stärker in den hintergrund 😮

kreatives schreiben und schreibtisch

 

das kreative schreiben kann an jedem ort stattfinden, der platz für ein blatt papier bietet und eine soweit stabile unterlage, damit man auf dem papier schreiben kann. doch es empfiehlt sich, irgendwo einen schreibtisch stehen zu haben, der für die regelmäßige arbeit entweder am computer oder auf dem papier genutzt werden kann. die arbeitsplatte sollte groß genug sein, um etliche zusätzliche materialien, nahrungsmittel und unterlagen lagern zu können.

dies bedeutet aber nicht, dass es nicht sehr beengt zugehen kann. aus eigener erfahrung gibt es anscheinend zwei schreibtisch-besitzer-typen. Weiterlesen