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schreibberatung und spiel

die schreibberatung wird normalerweise dann aufgesucht, wenn nichts mehr oder nur noch wenig geht und man sich nicht sicher ist, wie man anstehendes bewältigen soll. es handelt sich in diesem moment aus der sicht der klientInnen um eine ernste situation, die oft als existentiell empfunden wird. im hintergrund droht eine gefahr, nämlich einen wichtigen schreibprozess nicht bewältigen zu können und negative konsequenzen zu erwarten.

dementsprechend verlaufen beratungsgespräche auch erst einmal in einer ernsthaften atmosphäre, dem thema angemessen. doch zwischendurch kann es sinn machen, diese teiweise belastende bedrohung in den hintergrund zu rücken und sich der fragestellung auf eine spielerische weise anzunähern. dabei kann die erste reaktion der klientInnen sein, am vorgehen zu zweifeln, da man ihre aktuelle emotionale basis verlässt. spielerisches ist bei uns im beruflichen oder wissenschaftlichen kontext weiterhin recht negativ besetzt. platt geschrieben: „dabei kann doch nichts sinn- und gehaltvolles herauskommen.“

man sollte niemanden zum spiel zwingen, der diese vorgehensweise als weitere bedrohung erlebt. aber man kann dazu animieren, einmal einen probelauf auszuprobieren. sollte er sich als wenig hilfreich erweisen, kann man wieder zur alten vorgehensweise zurückkehren. doch sollte sich ein positiver effekt einstellen, kann noch mehr spielerisches ausprobiert werden. außerdem kann man aufzeigen, dass ein kurzes durchbrechen der belastenden gedanken, einen aufatmen lassen kann, ja, dass es kreative vorstellungen freisetzen kann.

manche sehr ernsthafte bedrohung relativiert sich aus einem anderen betrachtungswinkel. gerade beim schreiben kann das spiel mit sprache und ideen vielfältige ergebnisse liefern. das spiel bringt oft auch den spaß am thema und an der sache zurück. denn die meisten ratsuchenden befinden sich ja in einem beruflichen kontext, der ihnen eigentlich einmal spaß gemacht hat. im laufe der zeit Weiterlesen

schreibspiel (12) – zapping-collagen

eigentlich ist dieses schreibspiel ein spiel mit stilübungen, das sich am fernsehen orientiert und das medium als brücke heranzieht. man zappt sich so zu sagen durch verschiedene sprach- und somit schreibstile. dies lässt sich ganz real durchführen wenn man einen fernseher mit diversen programmen zur verfügung hat. am schluss werden schriftliche „zapping-collagen“ entstanden sein.

im vorfeld wird vielleicht eine schreibanregung zu einem thema gegeben. man kann aber auch schlicht den fernseher anschalten und aus dem ersten gesehenen die schreibanregung machen. man greift das thema der sendung auf, erstellt ein cluster und beginnt eine geschichte zu schreiben. dazu gehört der auftrag, die geschichte im stil der sendung zu verfassen. sollte es sich zum beispiel um eine nachrichtensendung handeln, wird im stil einer nachrichtenmeldung die geschichte begonnen.

sollte man dieses spiel in gruppen spielen, muss im vorfeld ein spielleiter bestimmt werden. dieser spielleiter hat das recht, in ein anderes programm zu schalten. die gruppe kann im vorfeld festlegen, ob das umschalten einem zeitrhythmus oder dem bauchgefühl des leiters zu folgen hat. zweiteres scheint mir spannender. in dem moment, in dem in ein anderes fernsehprogramm geschaltet wurde, muss auch im stil der dort zu sehenden sendung die geschichte weitergeschrieben werden.

so kann auf den stil der nachrichtensendung, der von „aktenzeichen xy“ folgen oder der eines krimis (zum beispiel die kurzen, knappen sehr bedeutungslosen sätze der „csi“-serien). anschließend ist der comedy-ton anzuschlagen, um dann in die soap zu wechseln. die spielerInnen sollten aber an dem roten faden ihrer geschichte festhalten, auch wenn die wendungen durch das gesehene beeinflusst werden können. es läuft also während des schreibens der fernseher beständig nebenher. und wenn die werbeunterbrechung folgt, dann wird auch der schreibstil unterbrochen und verändert.

für schreibgruppen kann man diese spiel ausführlicher vorbereiten und schon die sendungen zusammenschneiden, die man als stilanregung wählen möchte. denn oft ist es ja so, dass auf vier kanälen gleichzeitig sehr ähnliche sendungen kommen. nach einer festgelegten zeit wird die geschichte beendet und die jeweils entstandenen zapping-collagen werden vorgelesen. dann kann man in die nächste runde starten, eine neue spielleiterin festlegen und sich abermals den stilvorgaben der glotze überlassen. man glaubt gar nicht, wie viele verschiedene sendungen existieren. übrigens lässt sich das gleiche inzwischen auch mit hilfe des internets und einem beamer durchführen.

schreibpädagogik und spielerisches

es mag menschen geben, die es bei fortbildungen, seminaren oder gruppentreffen mögen, zwischendurch durch den raum zu turnen, bewegungen zu vollführen und sich an so genannten „warming-ups“ zu erfreuen. ich mag das nicht. ich war nie ein freund des sportunterrichts, bewege mich genug und besuche die oben genannten veranstaltungen aus anderen gründen. darum werde ich auch nie verstehen, weshalb man bei schreibgruppen mehr als die hand zum schreiben bewegen sollte (nun gut, die augen dürfen dem schriftzug auch noch folgen).

als schriftliches warming-up bieten sich genug möglichkeiten an. eine der beliebtesten sind schreibspiele. sie führen einen an das schreiben stückweise heran. viele schreibspiele konzentrieren sich auf kurze schriftliche absonderungen, die erst einmal den stift der hand anschmiegen und den arm für längere schreibexkursionen lockern. man hat sich dabei warm geschrieben. nun kann es los gehen. und wie der name „schreibspiel“ schon sagt, rückt erst einmal die ernsthaftigkeit ein wenig in den hintergrund.

jedoch auch wenn es dann ernsthafter zugeht, kann eine schreibgruppe spielerische elemente beibehalten, manchmal beinahe zu viel davon. es kommt nicht selten vor, dass ein unausgesprochener wettbewerb entsteht, wer denn nun den humorvollsten text schreibt. alle möchten die lacher auf ihrer seite wissen. dafür spricht, dass es am schluss der schreibgruppe während des vorlesens der texte zu einer entspannten atmosphäre kommt. dagegen spricht, dass lacher nichts über die qualtität der texte aussagen. es bleibt also in erster linie eine frage der erwartung an die schreibgruppen, ob sie dem humor verpflichtet sind.

doch abseits des spieles mit dem witz, birgt schon jede kreative herangehensweise etwas spielerisches in sich. Weiterlesen

schreibspiel (11) – die bessere metapher

die suche nach passenden metaphern für situationen, gegenstände oder handlungen kennt jeder schreibende. manchmal ergeben sich umschreibungen und sinnbildliche formulierungen ganz automatisch beim schreiben. manchmal muss man lang überlegen, wie man bestimmte ereignisse der geschriebenen geschichte am besten umschreibt. es benötigt eine sinnvolle metapher, um den text blumiger oder ansprechender abzufassen. das finden von metaphern liegt diesem spiel als idee zu grunde.

dieses spiel ist ein kleiner wettkampf, der mehrere teilnehmerInnen benötigt. so kann es gut in schreibgruppen gespielt werden. man nehme das spiel „stadt, land, fluss“, wandle es ein wenig um und schon steht das schreibspiel „die bessere metapher“.

alle spielerInnen haben einen zettel mit einer zweispaltigen tabelle. über der linken spalte steht „begriff“, über der rechten steht „metapher“. nun kann man in die linke spalte schon im vorfeld begriffe, also situationen, gegenstände oder handlungen einsetzen, die tabelle austeilen und die teilnehmerInnen auffordern möglichst schnell metaphern zu finden. wer als erstes fertig ist mit dem ausfüllen, ruft „stopp“ und alle müssen den stift weglegen. nun werden die jeweiligen metaphern verglichen. zum einen gibt es für eine gefundene einen punkt, zum anderen erhält die von allen zur „besten metapher“ erklärten noch zusätzliche punkte.

oder man gibt dem spiel noch eine persönlichere note. dann ist auch die linke spalte leer. nun darf jeder reihum einmal einen begriff sagen. daraufhin werden von allen teilnehmerInnen metaphern dazu geschrieben. bei dieser variante kann die tabelle auch mehr spalten haben, damit man nicht nur eine metapher, sondern gleich drei finden kann. die metaphern werden in der gruppe vorgestellt und per abstimmung festgestellt, welche die schönste und beste ist. anschließend nennt der nächste teilnehmer einen begriff, die nächsten metaphern werden gefunden usw..

wenn man das spiel in einer schreibgruppe spielt, dann kann anschließend dazu aufgefordert werden, eine geschichte aus den angesammelten metaphern zu schreiben.

schreibspiel (10)

dies ist eines der wenigen schreibspiele, das sich wahrscheinlich für eine gruppe des biografischen schreibens anbietet. außerdem ist es eigentlich kein schreibspiel, sondern ein psycho-spiel, das in gruppen funktioniert, die sich näher kennenlernen wollen. darum sei gleich vorab angemerkt, dass man das spiel möglichst nur in einer gruppe spielen sollte, die klar zustimmung signalisiert. man sollte sich vorbehalten, das spiel abzubrechen und man sollte die teilnehmerInnen darauf hinweisen, dass sie nicht antworten müssen. das spiel heisst „wahrheit oder pflicht„.

wer diese chance für neugierige nicht kennt, dem sei das spiel hier noch einmal kurz erklärt. am besten reihum, darf von gruppenmitgliedern an andere teilnehmerInnen eine frage gestellt werden. meist sind diese fragen bei dem spiel persönlicher natur, auch wenn es gern andere sein dürfen. nun ist es an den befragten, eine entscheidung zu treffen. wählen sie „wahrheit“, was bedeutet, sie beantworten die an sie gestellte frage wahrheitsgemäß, oder wählen sie pflicht, sie beantworten die frage nicht und bekommen darum durch die fragende person eine aufgabe gestellt.

wenn man sich im laufe einer biografischen schreibgruppe kennengelernt hat, bleiben garantiert viele fragen offen. darum bietet sich das spiel für diese gruppen an. doch, es muss nicht auf jede neugierde reagiert werden. die „pflicht“-aufgaben sollten aufgaben sein, die schriftlich zu absolvieren sind. es können ideen aus dem biografischen oder kreativen schreiben sein. wenn man das spiel wie beschrieben durchführt bietet es einen zusätzlichen effekt: die schreibgruppenteilnehmerInnen müssen kleine schreibaufgaben oder -übungen generieren, die sie als pflicht einsetzen. diese aufgaben sollten nicht zu lang andauern, aber es ist damit zu rechnen, dass für das gesamte spiel eine menge zeit und anderweitige unterhaltung einzuplanen sind. denn so lang die ver“pflichteten“ schreiben, haben die anderen erst einmal nichts zu tun.

eine gruppe, die sich schon länger kennt und sich näher kennenlernen möchte, bietet dieses spiel die chance, aufeinander zu zu gehen. für andere gruppen wäre es nicht zu empfehlen, da sich schnell teilnehmerInnen unter druck gesetzt oder bloßgestellt fühlen können. außerdem benötigt es auf alle fälle spielleiterInnen, die wenn nötig, die grenzen zwischen spielerei und psychoterror ziehen können. aber dann kann es verdammt viel spaß machen.

schreibspiel (09)

sprache kann sich verkleiden. je nachdem wie die worte miteinander arrangiert werden, entsteht ein bestimmter texttyp, ein besonderer ausdruck. dieser ausdruck, diese verkleidung soll grundlage des schreibspiels sein. in anlehnung an die königinnen der verkleidung, die urmütter des rollenwechsels nenne ich dieses spiel „drag me„.

in den armenvierteln new yorks gab es in anlehnung an ein lied von madonna die vorstellung des vogue-ing, die in wettbewerbe mündeten. dabei wurde die zeitschrift „vogue“ zum vorbild genommen und bestimmte rollen von den menschen eingenommen. diese veranstaltungen boten einen laufsteg, auf dem die teilnehmerInnen versuchten die perfekten bauarbeiter, handwerker, holzfäller und dragqueens darzustellen. das publikum wertete den jeweiligen auftritt, die performance. wer schlüpft am besten in eine andere rolle?

bei dem schreibspiel „drag me“ geht es um einen rollenwechsel. dieses spiel findet in gruppen statt. jeder teilnehmer, jede teilnehmerin überlegens sich einen kleinen plot für eine schreibaufgabe. also die protagonisten, die szenerie und das geschehen. es kann auch eine kleine viertelseitige geschichte vorbereitet werden, die kurz vorgetragen wird. dann gibt es einen haufen mit karten. auf den karten sind texttypen vermerkt, wie zum beispiel „juristischer text“, „liebesbrief“, „managersprech“ oder „werbetext“. wenn die schreibaufgabe vorgestellt wurde wird aus den karten eine gezogen, die vorgibt in welchem stil der text geschrieben werden soll. es gibt zum beispiel 20 minuten, um einen text zu verfassen. alle teilnehmerInnen schreiben nun ihre geschichte, ihren text. anschließend werden die texte vorgetragen.

jetzt ist es an der gruppe zu werten, welcher text der vorgabe von der karte am nächsten kommt. dann wird die nächste schreibaufgabe vorgestellt, die nächste karte gezogen und es werden die nächsten texte geschrieben. dieses spiel benötigt je nach gruppengröße eine ganze menge zeit, kann jedoch wunderbare texte entstehen lassen. es sollte beachtet werden, dass bei der schreibaufgabe nicht zu viele vorgaben gemacht werden, damit die teilnehmerInnen einen größeren spielraum für ihre texte haben. außerdem kann es eine gute übung sein, wie man sich selbstbewusst auf dem literarischen laufsteg bewegt.

schreibspiel (08)

greife ich doch gleich einmal die komponente des spiels beim kreativen prozess auf und wende mich den spielerischen möglichkeiten des schreibens und der sprache zu. beim schreiben an sich macht sich der mensch nicht selten emotional nackig. beim spielen gibt es diese variante eher nur beim sex (der doch oft weniger spielerisch ist als er sein könnte) und beim strip-poker. ich habe dieses schreibspiel einfach einmal „strip-lyrik“ getauft, obwohl das mit dem strippen natürlich den spielgruppen überlassen bleibt und nur in sympathischen erwachsenen runden stattfinden sollte.

grundlage ist aber das verlieren, wie beim strip-poker auch. es geht darum, gemeinsam ein gedicht zu verfassen. dabei kann man sich vorher überlegen, wie streng die regeln sein sollen. festgemacht wird das gewinnen oder verlieren am reim. es gibt zum beispiel jemand eine erste zeile eines gedichts vor und der nächste spieler muss die nächste zeile anfügen, die sich reimt. nun kann man natürlich überlegen, sollte das entstehende gedicht auch noch einen sinn geben, die rhythmik nicht ganz über den haufen werfen und dergleichen mehr. anders formuliert, man kann die regeln nach einer gewissen einspielphase beständig verschärfen.

wichtig scheint vor allen dingen, dass ein zeitmaß verabredet wird. die nächste zeile muss in einer bestimmten zeit genannt werden. wenn dies die spielerin, die dran ist, nicht einhalten kann, dann wird zur strafe eine (schreib)aufgabe gestellt oder ein Kleidungsstück abgelegt 😳 . man kann im vorfeld schreibaufgabenkarten erstellen, die dann zu ziehen sind oder die gruppe überlegt sich in dem moment schnell gemeinsam eine kleine aufgabe für den verlierer. natürlich lässt sich hier unendlich kombinieren. das beginnt bei wirklichen schreibaufgaben (die aber zeitlich nicht zu lang dauern sollten) und endet bei der beschaffung von nahrungsmitteln und getränken für den gemütlichen abend.

die „strip-lyrik“ lässt sich am besten in einer gemütlichen schreibrunde spielen. es geht sicherlich nicht darum, dass hervorragende gedichte entstehen, es geht um das spiel und es sollte zeit zur verfügung stehen. aber dann kann es bestimmt viel spaß machen.

schreibspiele (07) – wortspiele (02)

es geht weiter mit dem jonglieren von buchstaben und worten. im vordergrund steht dabei sicherlich der spaß, aber die hier genannten spiele können auch eine anregung für weiterführende geschichten sein. es können dadurch assoziationen entstehen oder ganze sätze, die als grundlage für das weitere schreiben dienen können.

doch zurück zur generierung von worten, so lassen sich varianten entwerfen, die raum für weiterentwicklungen lassen. basis der ideen ist dieses mal scrabble (das spiel), bei dem die spielerInnen der zufälligen wahl von buchstaben unterliegen.

  • so kann eine art buchstaben-bingo gespielt werden. in einem quadrat von zum beispiel 10 mal 10 kästchen, sind drei wörter mit vier buchstaben, zwei wörter mit fünf buchstaben, zwei mit sechs buchstaben und eines mit sieben, sowie eines mit acht zu notieren. diese worte dürfen sich auch kreuzen. anschließend werden aus einer lostrommel immer wieder einzelne buchstaben gezogen. sind die notierten worte, also alle notwendigen buchstaben gezogen worden (es darf immer nur einer ausgestrichen werden) kann „bingo“ gerufen werden 😮
  • oder es werden 20 buchstaben für alle gezogen. aus diesen zwanzig buchstaben sollen möglichst lange wörter gebildet werden. hier hat die person gewonnen, die das längste wort notiert. bei gleicher buchstaben zahl stimmt die gruppe ab, welches wort ausgefallener aber gültig ist.
  • oder es wird in regelmäßigen abständen ein buchstabe gezogen, der der anfangsbuchstabe des zu notierenden wortes ist. im laufe der ziehung sollen alle notierten wörter in der reihenfolge der ziehung einen sinnvollen satz oder sogar eine geschichte ergeben. auch dies kann beliebig in den regeln verändert werden.
  • als letzte anregung ist die variante vorstellbar, dass wie bei kartenspielen die buchstaben weitergegeben werden können, die man nicht für die schaffung von wörtern gebrauchen kann. außerdem wird jedesmal ein weiterer buchstabe aufgenommen. zwischendurch können einzelne worte offengelegt werden. abgeschlossen ist das spiel, wenn eine person alle buchstaben als wörter ablegen könnte. dann wird wie beim canasta oder bei rommé nach vorher festgelegten regeln, das ergebnis der einzelnen spielerInnen gezählt und bewertet.

schreibspiel (06) – wortspiele (01)

das wort, die grundlage von sätzen und geschichten, soll im mittelpunkt der schreibspiele stehen. dabei wird die bildung von anagrammen für ein spiel verwendet. anagramm bedeutet, ein wort zu nehmen, wie zum beispiel „butterbrotpapier“ und daraus neue wörter zu bilden. dabei können viele verschiedene spielvariationen angwandt werden.

  • einfachste variante ist es, möglichst viele verschiedene wörter zu bilden, also ein offenes anagramm zu bilden. das bedeutet, es können wörter mit drei, vier, fünf, usw. buchstaben aus „butterbrotpapier“ gebildet werden. nach einer vorgegebenen zeit wird gezählt, wer wieviele wörter gefunden hat.
  • es kann aber auch die variante gespielt werden, wer als erstes ein geschlossenes anagramm bilden kann. das bedeutet, wer als erstes aus exakt den vorhandenen buchstaben wieder ein neues wort bilden kann. dazu sollten aber die spielleiterInnen schon im vorfeld geklärt haben, ob ein geschlossenes anagramm überhaupt gebildet werden kann. diese variante kann erweitert werden, dass auch sätze gebildet werden dürfen.
  • außerdem kann festgelegt werden, dass spielregel ist, wer die meisten wörter mit fünf buchstaben in einer vorgegebenen zeit findet. oder die wörter mit vier buchstaben, die mit sechs buchstaben und so weiter.
  • oder man macht es zur aufgabe, dass aus „butterbrotpapier“ in einer festgelegten zeit viele wörter gebildet werden, aus denen dann ein satz geschrieben werden soll. wer den längsten oder aussagekräftigsten satz zustande bekommt, hätte in diesem moment gewonnen.
  • als weitere variante wäre vorstellbar wieder in einer vorgegebenen zeit, möglichst viele wörter zu bilden, die direkt im anschluss dafür verwendet werden müssen, eine geschichte zu schreiben. anschließend werden die geschichten vorgelesen und darüber von der gruppe abgestimmt, welches die beste ist. fortsetzung folgt…

schreibspiel (05) – metaphernspiel

sicherlich kennen viele das spiel „tabu“, in dem die umschreibung bestimmter begriffe ohne die verwendung häufig gebräuchlicher worte gemacht werden muss. das ausschlussverfahren bestimmter worte kommt dem vorherigen schreibspiel nahe. in diesem spiel wird „tabu“ schriftlich gespielt.

das spiel bedarf einer gewissen vorbereitung, denn man sollte im vorfeld die worte zusammenstellen, die bei der erklärung eines begriffs nicht verwendet werden dürfen. dies wären zum beispiel bei „sonnenuntergang“ die worte „sonne“, „abend“, „rot“, „planet“, „kugel“, „horizont“ und so weiter. es sollten karteikarten erstellt werden, auf denen oben das zu umschreibende wort steht und darunter die wörter, die nicht verwendet werden dürfen. die erstellung dieser karten kann im vorfeld in schreibgruppen durchgeführt werden. so werden die teilnehmerInnen aufgefordert, sich ein wort zu überlegen und anschließend zehn wörter, die bei dessen beschreibung nicht verwendet werden dürfen.

anschließend werden zwei gruppen gebildet. jeweils eine person aus den gruppen erhält eine karteikarte und hat fünf minuten zeit, eine metapher zu dem wort auf der karteikarte schriftlich zu notieren. diese metapher liesen die schreibenden dann ihrer gruppe vor. wenn die gruppe errät, worum es sich handelt, erhält sie einen punkt. wenn seine eigene gruppe mit dem raten scheitert, kann die andere gruppe raten.

das spiel kann ein wenig abgewandelt werden, indem alle raten dürfen, also beide gruppen gleichzeitig. wenn jemand glaubt, er weiß, worum es sich handelt, schreit er „stopp!“ und nennt das wort, das er glaubt, erkannt zu haben. stimmt seine antwort, erhält seine gruppe einen punkt. im laufe des spiels kann somit gleichzeitig eine kleine sammlung von metaphern entstehen, die im nachhinein allen teilnehmerInnen der schreibgruppe zur verfügung gestellt wird.

schreibidee (116)

der würfel ist der einfachste zufallsgenerator, den es gibt. dies ist hilfreich beim spielen, aber ebenso bei orakeln oder eben in kreativen schreibzusammenhängen. denn der würfel kann zu schreibanregungen führen, die nicht vorhersagbar sind. und so entstehen dann in der folge „würfelgeschichten„, die niemand steuern kann.

mit dem würfel lassen sich in der schreibgruppe sehr verschiedene schreibanregungen durchspielen. die einfachste als einstieg in einen würfelabend wäre ein großes lexikon oder ein dicker roman. erst erwürfelt man sich eine dreistellige zahl, die die seitenzahl angibt, dann eine zweistellige zahl für die zeile oder den eintrag auf der seite von oben gezählt. nun kann man diesen begriff aus dem lexikon für einen ersten text aufgreifen. beim roman kann man den satz aus der zeile herausgreifen und als einstieg in eine geschichte nehmen.

in der folge lassen sich aber auch mit vier würfeln die buchstaben erwürfeln mit denen die zeile eines gedichts beginnen soll. die augenzahl wird einfach gezählt und der jeweilige buchstabe des alphabets genommen. dabei fallen aber „A, B, C, Y und Z“ raus.

es ergeben sich, einmal angefangen, viele kombinationsmöglichkeiten, um den einstieg in geschichten zu finden. so können alle schreibgruppenteilnehmerInnen nomen, adjektive, verben, pronomen, zeitangaben und orte auf zettel schreiben. man macht sechs losgruppen und würfelt, welche worte einen satz ergeben sollen oder eine schreibanregung. ebenso kann man sich durch das internet würfeln, indem man die zahlen in weiterführende klicks umsetzt und die homepage am schluss als anregung nimmt.

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schreibspiel (04) – spiel der verbote

für dieses schreibspiel benötigt es einen spielleiter, der zwar auch mitschreiben kann, aber gleichzeitg die uhr im blick und den ablauf kennen sollte. das spiel basiert darauf, dass stück für stück neue regeln für den zu schreibenden text hinzu kommen. die regeln sprechen vor allen dingen verbote aus. so wird es im laufe der zeit immer schwieriger weiterzuschreiben.

bevor das spiel losgeht, werden alle teilnehmerInnen einer gruppe aufgefordert, auf einen zettel eine regel zu schreiben. die kann zum beispiel lauten: „ab sofort dürfen keine worte mehr verwendet werden, die mit „e“ beginnen.“ oder „keine namen mehr verwenden“ oder „ohne adjektive“. diese zettel werden vom spielleiter eingesammelt, kurz vorgestellt und dann gefalltet. anschließend wird zeitgleich angefangen, an einer kleinen geschichte zu schreiben. nach fünf minuten schreiben stoppt der spielleiter das schreiben und zieht den ersten zettel mit der ersten regel.

nun kann weitergeschrieben werden, aber die regel muss von allen befolgt werden. nach weiteren fünf minuten wird wieder gestoppt und die zweite regel gezogen. nun ist nicht nur die erste regel, sondern auch die zweite regel zu befolgen. und so geht es immer weiter. schon ab vier regeln kann das schreiben sehr schwer werden. das bedeutet, dass sich in fünf minuten nur noch ein paar sätze schreiben lassen.

dieses spiel kann in viele richtungen variiert werden. man kann zum beispiel sagen, dass regel eins nicht mehr gültig ist, wenn regel zwei in kraft tritt. oder man reduziert die regeln auf die anfangsbuchstaben der wörter, man reduziert auf worttypen, man reduziert auf satzlängen und so weiter. hier sind der fantasie keine grenzen gesetzt. es kann die schreibzeit beständig verlängert werden, da es immer schwieriger wird, aussagekräftige texte zu formulieren.

vor allen dingen werden teilnehmerInnen feststellen,, dass sie plötzlich ihre gesamte handlung verändern müssen, da sie bestimmte worte nicht mehr verwenden dürfen. im anschluss werden die texte sich gegenseitig vorgestellt.

schreibspiel (03) – tabellenspiele

eines der bekanntesten wissenspiele in tabellenform ist „stadt, land, fluss“. dabei wird eine tabelle erstellt zu diversen wissenrubriken, ein buchstabe gelost und anschließend sind möglichst schnell begriffe mit diesem anfangsbuchstaben zu den jeweiligen rubriken zu finden.

diese form des spielens und schreibens kann natürlich auch auf das kreative schreiben übertragen werden. anstatt wissensrubriken können hier in der tabelle folgende dinge verlangt werden:

  • ein vierzeiler
  • ein fantasiewort
  • ein elfchen
  • fünf assoziationen
  • eine schreibidee
  • eine metapher
  • ein buchtitel
  • ein schriftsteller u.v.m.

vorgabe für das ausfüllen der tabelle können entweder geloste buchstaben, aber auch zufällig ermittelte wörter sein. die regeln sollten vorher klar abgesprochen werden. geht es zum beispiel um geschwindigkeit oder entwickelt man ein wertungssystem für die schönsten ideen in der gruppe? soll der buchstabe nur direkt am anfang auftauchen oder sich in jeder zeile wiederholen, ist das wort einmal oder mehrmals zu verwenden? wenn man sich auf einen geschwindigkeitswettbewerb einlässt, dann birgt dies sicherlich den vorteil, dass nicht zu lang nachgedacht wird und etliche aufgaben dem freewriting nahe kommen können, der innere zensor vernachlässigt wird. das spiel bietet sich als aufwärmphase für schreibgruppen an und kann je nach motto der schreibgruppe auch themengebunden sein.

schreibspiel (02) – falt- und knicktexte (2)

 

erste varianten, falt- und knicktexte als spielerischen umgang mit der sprache zu verwenden, wurden hier im blog (https://schreibschrift.wordpress.com/2009/03/21/schreibspiel-01-falt-und-knicktexte-1/) schon vorgestellt. nun möchte ich noch ein paar weitere varianten vorstellen.

variante 5: hier wird es ein wenig schwer in der beschreibung. es geht um versetztes schreiben, das beständig lücken im text für die nächsten schreiberInnen lässt. und zwar wird von der ersten person der erste und der dritte satz notiert, von der nächsten der zweite und fünfte, dann der vierte und siebte satz und so weiter. das bedeutet, die nächsten schreibenden haben die aufgabe einen satz in eine lücke zu setzen und eine neue lücke zu schaffen. hier ist die anpassung an die vorgaben der anderen noch stärker gefordert, damit der text ansatzweise einen sinn ergibt.

variante 6: bei dieser variante wird mit der menge des zu schreibenden variiert. so kann gesagt werden, dass jede person einen absatz formuliert, bezogen auf den letzten absatz, der sichtbar ist. so können aus den federn einer schreibgruppe diverse geschichten entstehen. für dieses spiel ist einige zeit notwendig und sicherlich auch mehr als ein blatt papier.

variante 7: nun wird das genre gewechselt, es geht darum mit knicken und falten gemeinsam lyrik oder ähnliches zu verfassen. so kann man zum beispiel elfchen verfassen, wobei man nur die letzte zeile kennt (also erst ein wort, dann zwei, drei, vier und wieder eins). oder es wird ein schneeball geschrieben, also erst eins, dann zwei, drei, vier, drei, zwei, ein wort. es kann auch vorgegeben sich reimende vierzeiler entstehen zu lassen. diese vorgehensweisen können beinahe unendlich variiert werden.

variante 8: als letzte idee soll hier der versuch, zu vielen dialoge zu verfassen, vorgeschlagen werden. es bleibt also während des schreibens beständig die reihenfolge „person a“ sagt etwas, dann „person b“, dann wieder „person a“. als schreibende(r) sieht man immer nur die letzte aussage im gespräch und reagiert darauf, dann wird wieder umgeknickt und weitergegeben. hier kann auch vorgegeben werden, über was gesprochen werden soll, wieviel gesagt wird oder in welchem tonfall usw..

alle spielvarianten können sowohl zu sehr amüsanten zufallstexten führen als auch manchmal zu erstaunlich lyrischen oder zusammenhängenden werken. das kann nie vorhergesagt werden, macht aber am schluss bei der auflösung der texte meist viel spaß.

schreibspiel (01) – falt- und knicktexte (1)

eine rubrik, die bis jetzt hier fehlte. abseits der anregung zum kreativen oder biografischen gibt es noch die möglichkeit, einfach spielerisch mit der sprache umzugehen. eine schöne variante ist das schreibspiel. in unregelmäßigen abständen möchte ich hier ein paar möglichkeiten für schreibspiele aufzeigen.

gleich zu beginn die bekannteste und schlichteste variante, der einfache falt- oder knicktext. eine gruppe von menschen sitzt beisammen, am besten im kreis, und hat lust zu schreiben. jede person besitzt ein unbeschriebenes din a4-blatt und einen stift.

variante 1: es gibt keine vorgaben, es wird von jeder person nur ein satz oben auf das papier geschrieben, ein satz, der gerade einfällt. dann werden in der runde die blätter nach links weitergegeben. nun schreiben alle einen weiteren satz unter den ersten satz. ein bezug der sätze sollte zueinander bestehen. anschließend, wird der erste satz umgeknickt. das blatt wird wieder eins weiter nach links gegeben. für alle ist nun nur der zuletzt geschriebene satz sichtbar. an diesen fügen sie alle wieder einen satz an, knicken den vorher sichtbaren satz um und geben wieder weiter nach links. diese variante lässt sich so lang durchführen bis das blatt voll ist. im anschluss werden die blätter aufgefaltet und die texte vorgelesen.

variante 2: es gibt eine inhaltliche vorgabe für die zu schreibenden sätze. diese kann darin bestehen, nur zu einem gewissen thema zu schreiben. dies kann zum beispiel die aufforderung sein, über die natur, die liebe oder den supermarkt zu schreiben.

variante 3: es kann aber auch die textform vorgegeben werden. so sind dann von den teilnehmerInnen dialoge zu verfassen. oder es werden manifeste, liebesbriefe, werbetexte und kleinanzeigen miteinander verfasst. die vorgehensweise bleibt die selbe aber die ausdrucksform variiert.

variante 4: die vorgaben können verfeinert und kombiniert werden. so wird jedesmal bevor ein weiterer satz notiert wird, der buchstabe vorgegeben, mit dem die wörter beginnen müssen. dazu ist dann der satz noch im manifest-stil zu notieren. oder es dürfen zwei sätze geschrieben werden, die auch noch bestimmte worte enthalten müssen.

fortsetzung folgt

schnickschnack (59)

computer und server können immer mehr. sie steuern kühlschränke, waschmaschinen und küchenherde, sie sind bücher und fotoalben, sie sind eine musikbox und wie hier schon einmal vorgestellt, sie produzieren selbst literatur, „electronic literature“. eine studentin des biografischen und kreativen schreibens hat uns darauf aufmerksam gemacht: es gibt schon seit längerer zeit ein computerprogramm, einen „anagramm-generator„.

wer bisher mühsam das wort oder einen satz nahm und versuchte aus den buchstaben neue worte und neue sätze zu kreieren, muss dies nicht mehr tun. das ist eventuell schade, da es ein schreibspiel, zum beispiel geschlossene anagramme (es werden exakt die gleichen buchstaben in identischer anzahl verwendet, wie in der vorgabe) auszutüfteln, nicht mehr geben muss.

auf der anderen seite erleichtert es einem für einen kleinen text, aus einem wort mit den vorhandenen buchstaben diverse sätze zu konstruieren. man kann den gefundenen wörterpool verwenden. wen dies interessiert, der findet den generator unter: http://www.sibiller.de/anagramme/ . und kann anschließend aus dem wort ein abc-darium ohne generator machen 😮

schreibidee (67)

menschen spielen gern. egal ob jung oder alt, einmal angefangen, finden die meisten spaß am spielen. eine möglichkeit dies umzusetzen sind so genannte schreibspiele. doch man kann die ganze sache auch andersrum angehen. und zwar ist das ziel dieser schreibidee, mit einer schreibgruppe rätseltexte zu verfassen.

um einen einstieg in diese form des schreibens zu finden, können erst einmal etwas anspruchsvollere kreuzworträtsel ausgeteilt werden. solche rätsel sind in der „zeit“ oder im „süddeutsche magazin“ zu finden. diese stellen nicht einfach wissensfragen, sondern erwarten von den ratenden außergewöhnliche denkmuster, um eine lösung zu finden. vielleicht können rätsel gefunden werden, die von den teilnehmerInnen nicht zu schwer gelöst werden können. man kann aber auch selbst ein umschreibendes kreuzworträtsel entwerfen, das sich zum beispiel um das kreative schreiben drehen kann.

nach dieser raterei können rätsel in gedichtform vorgelesen werden und die teilnehmerInnen werden aufgefordert ähnliches zu formulieren. dann wird reihum geraten, um was es sich handeln könnte.

und nun werden die teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgefordert, eine geschichte zu schreiben, die mit einer frage an die leserInnen endet. das zu erratende ergibt sich aus dem text. es kann sich entweder um eine kleine kriminalgeschichte oder um ein rätsel in textform handeln. die geschichten werden vorgestellt und die schreibgruppe versucht die lösung zu erraten. dafür sollte auf alle fälle genug zeit eingerechnet werden, damit auch wirklich gespielt werden kann.