Schlagwort-Archive: schreibstil

schreibidee (378)

oooh, ist das alles aufgeregt. unsere formen des multitaskings, die beständige handy-ruf-bereitschaft und die kaskaden an schnellen eindrücken und bilderfolgen in den medien lassen uns so langsam immer unruhiger werden. vor ein paar jahren saß ich einmal in einem kino, das sehr knarrende sitze hatte. im kontrast dazu lief ein extrem ruhiger film. an diesem abend konnte man hören, wie nervös die welt und wie groß das aufmerksamkeitsdefizit inzwischen ist. greifen wir das phänomen doch einmal auf: dies ist eine schreibanregung zu „nervösen geschichten“.

zu beginn werden alle schreibgruppenteilnehmerInnen eingeladen, für sich stichwortartig zu notieren, was sie nervös macht. dann wird eine begebenheit, sache oder ein gedanke ausgewählt und in einem kurzen text beschrieben (maximal zwei seiten). die texte werden in der schreibgruppe vorgestellt.

aus den vorgestellten nevös-macherInnen und der eigenen liste wird abermals ein vorschlag ausgewählt. nun schreiben die teilnehmerInnen einen gedanklichen monolog eines menschen, der nervös ist. dabei soll der ausgewählte nervös-macher im vordergrund stehen. schon das hören der texte soll nervös machen. anschließend werden die texte vorgetragen und es wird in einer feedbackrunde diskutiert, welche techniken angewandt wurden, um den gedanklichen monolog nervös erscheinen zu lassen.

wenn alle schreibgruppenteilnehmerInnen nach dem hören der monologe nervös genug sind, dann kann man sich der ausführlicheren schreibübung zuwenden. es soll eine geschichte geschrieben werden, in der die nervosität im vordergrund steht. mindestens eine person in der geschichte muss nervös sein, es kann sich aber auch um eine ganze gruppe handeln. wichtig ist bei dieser schreibübung, dass die nervosität sich im text wiederfindet. und als zweite vorgabe an die schreibenden: die nervosität soll eine wichtige rolle in der handlung spielen. das kann zum beispiel über fehlhandlungen aufgrund großer nervosität dargestellt werden. es kann zwei menschen in der kommunikation sich verwirren und verstricken lassen, da sie beide so nervös sind. es kann dargestellt werden, wie zunehmende nervosität ein umfeld auf distanz gehen lässt und vieles mehr. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt.

zum abschluss notieren nun alle schreibgruppenteilnehmerInnen jeweils drei techniken, um nervosität abzubauen und sich zu entspannen. die techniken werden kurz beschrieben. alle vorgestellten techniken werden nach dem treffen der gruppe von der gruppenleitung zusammengeschrieben und den teilnehmerInnen ausgehändigt. wenn sie einmal nervös werden sollten und der emotionale zustand stört, dann haben sie alle eine schöne sammlung an entspannenden techniken, auf die sie zurückgreifen können.

alle 378 schreibideen dieses blogs können auch gebündelt in einem extra-blog nachgelesen werden: http://schreibideen.schreibboutique.de .

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eine stilkunde als zeitungsbeilage – ein lesetipp

wenn menschen der meinung sind, dass unsere sprache und unsere schreibe den bach runtergehen, dann tun sie viel dafür, ihr kulturgut zu retten. der vorteil für den einfachen leser, den schlichten schreiberling besteht darin, dass die versuche zur rettung unserer sprache preiswert und vielfältig daherkommt, damit die menschen leicht erreicht werden.

und so findet sich plötzlich in der wochenzeitung „die zeit“ eine über 40-seitige beilage zum stilvollen schreiben, zu regeln des verständlichen schreibens und über die tätigkeiten der schreibenden. unter dem titel „wie sie besser schreiben“ finden sich 20 lektionen einer deutsch-stilkunde von wolf schneider. na, das ist doch mal was nützliches. also meine empfehlung: wer keine bücher von wolf schneider besitzt, dem sei diese beilage als einstieg ins flüssige, verständliche schreiben empfohlen.

eines sollte man dabei aber überlesen: die vorworte. sie bescheinigung uns nur wieder eine sprachverarmung, offerieren wieder den langweiligen hochwertigen kanon „guter“ sprache, um dann in den lektionen das spielerische und kräftige unserer worte zu feiern und zu propagieren. weg von den plattitüden – hin zum ausdruck. das leben ist ein widerspruch. oder wie wäre es sonst zu erklären, dass als „sprachmeister“ in der beilage nur schriftsteller der letzten jahrhunderte vorgestellt werden, die dem bildungsbürgerlichen kanon entspringen – goethe, schiller, nietzsche, kafka, kleist, heine und mann. wie wenn es heute keine sprachvirtuosen mehr gäbe.

wer sich in die auseinandersetzung um den spracherhalt stürzen möchte, der lese das vorwort von wolf schneider: http://www.zeit.de/2012/20/Sprache .

ab montag schreibberatung in der schreibboutique christof zirkel

jetzt geht es wirklich los, mit den angeboten rund um die schreibpädagogik, das kreative, das biografische und das wissenschaftliche schreiben. wie vielleicht manche leserInnen schon gemerkt haben, tauchen neuerdings in diesem blog in der spalte rechterhand die feeds der schreibboutique auf. dort werden die neuesten angebote angekündigt.

denn ich möchte aus den vielen überlegungen hier im blog, aus dem master für biografisches und kreatives schreiben und aus meiner über 10-jährigen beratungserfahrung in einer niedrigschwelligen beratungseinrichtung, ein professionelles angebot machen. zum einen natürlich, um geld zu verdienen, der lebensunterhalt will gesichert sein, zum anderen aber, um den verschiedenen formen des schreibens noch mehr aufmerksamkeit zu verschaffen.

es ist weiterhin erstaunlich, selbst wenn die angebote gerade zunehmen, welches schattendasein bei uns die möglichkeiten des schreibens spielen. nicht dass die menschen weniger schreiben, das ist eher nicht der fall, dem internet sei dank, sondern, dass für viele das schreiben eine qual ist. dass in den schulen und hochschulen das schreiben eher als lästige pflicht, denn als spass machende möglichkeit des eigenen ausdrucks betrachtet wird.

unsere sprache bietet eine unendliche zahl an möglichkeiten, sich auszudrücken, genutzt wird meist ein minimum davon. und dies nicht, da alle menschen schreiben ätzend und langweilig finden, sondern da die meisten sich den schritt zum kreativen schreiben nicht zutrauen. so gern sie gut bücher und geschichten lesen, so schwer können sie sich vorstellen, selber schriftliches zu veröffentlichen. in frühen jahren wurde das korsett der korrekten rechtschreibung und grammatik angelegt, das schwer wieder wegzukriegen ist.

viele lassen sich in der freien rede, im persönlichen auftreten, in der leitung von mitarbeitern coachen, doch die wenigsten versuchen sich in der „freien“, ausdrucksstarken und auf den punkt bringenden schreibe. hier ist mehr möglich als man denkt. und man kann auch noch spass daran haben. darum http://schreibboutique.de und natürlich dieser blog hier 😉

kreatives schreiben und fremde

viele möglichkeiten bietet das nachdenken über kreatives schreiben und der/die/das fremde. ich könnte über das herstellen von fremden welten in texten und geschichten schreiben, über die kommunikation mit „fremdem“ in dialogen, über die kreative schriftliche auseinandersetzung mit dem thema „fremdenfeindlichkeit“, um reiseberichte aus der „fremde“ und vieles mehr. aber ich möchte den blick auf ein anderes thema werfen: macht es sinn im kreativen schreiben fremde textgattungen auszuprobieren, auch wenn man sie nicht sonderlich interessant findet?

das kreative schreiben lebt vom spielerischen umgang mit dem schreiben, von der freiheit, selbst zu entscheiden, zu was man schreibt. gleichzeitig lebt das kreative schreiben aber auch davon, für sich zu erleben, dass man mehr schreibkompetenz besitzt als man immer vermutet hat. das erstaunen über die leichtigkeit und freude des schreibens gehört zum kreativen schreiben dazu. den ersten schritt macht man selber: man entscheidet, dass man sich mit dem kreativen schreiben auseinandersetzen möchte.

der zweite schritt wird meist von außen angeregt, entweder durch bücher oder durch gruppe, das internet und schreibübungen: sich auf eine neue art und weise mit dem schreiben auseinanderzusetzen. eine art und weise, die man bis dahin nicht erprobt hat. die erfahrung zeigt, dass am anfang die unsicherheit bei vielen schreibenden groß ist, ob man sich diesen schritt, texte zu verfassen, anderen zur verfügung zu stellen und ein feedback zu bekommen, zutraut. da wird es als hilfreich erlebt, anregungen und anweisungen zu bekommen, was man schreiben sollte.

und natürlich haben alle kreativ schreibende ihre lieblingstextformen oder -gattungen. die einen konzentrieren sich gern auf die lyrik, andere auf die kurzgeschichte und wiederum andere auf den dialog, die szenen, das haiku, die bildergeschichte und vieles mehr. andere formen des schreibens bleiben oft weiterhin unbekannt oder werden umgangen. so gehen etliche menschen davon aus, sie könnten keine lyrik verfassen, weshalb sie sich in diesem genre auch nicht ausprobieren. manche textgattungen bleiben für immer fremd.

hier kann nur die empfehlung ausgesprochen werden, alles einmal auszuprobieren, auch wenn man nach eigenen maßstäben vermutet, dass das ergebnis „schlecht“ sein wird. denn man erinnere sich an die frühere unsicherheit, das kreative schreiben als möglichkeit für sich selber überhaupt zu sehen. diese unsicherheit wird einen auch dann ergreifen, wenn man sich einer neuen textgattung Weiterlesen

schreibidee (290)

bei musik ist es inzwischen allseits üblich, in der literatur hält es sich noch in grenzen: das kopieren, remixen und verfremden von schon dagewesenem. beim wissenschaftlichen schreiben geschieht dies durch zitate oder wiedergaben in eigenen worten, alles andere wären plagiate. beim literarischen schreiben wären die formen der verwendung anderer texte und stories neuartigere und fantasievollere. also eine schreibanregung zum „story-jockey (sj)„.

alle schreibgruppenteilnehmerInnen werden vor dem treffen aufgefordert, drei kürzere geschichten, entweder aus eigene produktion oder von anderen gelesen, ausgedruckt mitzubringen. jede geschichte erhält eine nummer und eine geschichte wird gelost. diese wird allen teilnehmerInnen in die hand gedrückt (ein kopierer sollte in der nähe sein). alle sind nun aufgefordert diese geschichte als anregung für eine eigene zu verwenden, sie also zu remixen, zu verfremden oder zu zitieren (maximal zwei vollständige sätze). die neuen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen.

nun wird eine weitere geschichte gelost. diese soll in die bereits neue story mit eingebunden werden, also die vorhin geschriebene weiter verändert, überarbeitet oder ergänzt werden. es kann auch auf die eigene geschichte, der schreibstil der gelosten geschichte angewandt werden. auch hier kann wieder zitiert werden, abermals maximal zwei vollständige sätze. es wird im lauf der zeit ein flickwerk aus verschiedenen stories zu einer ganz eigenen geschichte führen.

je nach zeit rahmen kann diese vorgehensweise öfter wiederholt werden. die entstandenen geschichten sollten jeweils ohne feedbackrunde vorgetragen werden. nur ganz zum abschluss des schreibgruppentreffens findet nach dem vortrag der langen „neuen“ geschichte eine feedbackrunde statt. dabei sollte über die entstehung der eigenen geschichte und die entwicklungsschritte reflektiert werden. die schreibgruppenteilnehmerInnen entwickeln sich somit zu „story-jockeys“. begeben sie sich mit den neu entstandenen texten an die öffenlichkeit, sollten sie auf alle fälle ihre vorlagen angeben.

die vorgehensweise lässt sich auch auf gedichte oder journalistische texte anwenden. oder es findet ein mix aller literaturgattungen statt, also crossover-texte werden verfasst.

web 2.64 – blablameter.de

und noch ein spielzeug zur überprüfung der eigenen textqualität, der von einem bekannten ausgegraben wurde. nach der schriftstellerInnen-vergleichs-analyse mit „ich schreibe wie …“ kann nun nach „blabla“ im text geschaut werden. doch was ist blabla? laut den macherInnen des „blablameters“ folgendes: „Das BlaBla Meter prüft die Texte auf unterschiedliche sprachliche Merkmale. Es wird u.a. geprüft, ob übermäßiger Nominalstil vorliegt, darüber hinaus wird der Text in unterschiedlicher Gewichtung auf bestimmte Phrasen geprüft. Alle Details wollen wir aber nicht verraten 😉 „.

na dann, auf zum selbstversuch. ich habe mir die wortklauberei (77) gegriffen (siehe: https://schreibschrift.wordpress.com/2011/07/29/wortklauberei-77/ ), die zum „schlichtgefieder“, und getestet. ergebnis:
Ihr Text: 2067 Zeichen, 308 Wörter
Bullshit-Index :0.13
Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.

die macherInnen weisen ausdrücklich darauf hin, dass dies nichts über den inhalt und die qualität des textes aussagt. na jedenfalls relativ wenig blabla (die skala geht von 0 bis 1). das mag jetzt schon einmal tröstlich sein, obwohl die rückmeldungen von leserInnen wahrscheinlich die wichtigere qualitätskontrolle ist. und selbst dann mag der eigene stil weiterhin beibehalten werden, wenn man sich kritik verbieten möchte, das gute recht aller schreibenden.

also, ruhig mal testen unter http://www.blablameter.de, ein wenig über den nominalstil informieren und sich dann zurücklehnen und weiterschreiben.

web 2.63 – schreiben wie …

zum kreativen und biografischen schreiben gehört es auch, dass man sich ohne hemmungen an anderen schreibenden, bekannten schriftstellerInnen orientiert. ideen des ausdrucks, formen der metaphern oder auch nur handlungsabläufe werden als orientierunghilfen genutzt. beim schreiben wird die welt nicht neu erfunden, sondern durch das lesen wird die eigene form des schreibens beeinflusst. und irgendwann pendelt man sich auf einem eigenen stil ein, der sich ständig weiterentwickelt.

nun kann man sich, wenn man lust dazu hat, fragen, welchen „berühmten“ schriftstellerInnen der eigene stil nahe kommt. diese frage wird nun beantwortet. eine gute bekannte hat auf ein schönes spielzeug in der digitalen welt aufmerksam gemacht. wie immer im web 2.0 ist alles ganz einfach. zuerst war wohl die englischsprachige ausgabe des kleinen programms im internet. sollte man also in der englischen sprache schreiben, dann kann man folgende seite nutzen: http://iwl.me/ („i write like„). einfach eine eigene textprobe durch copy & paste in das freie feld einfügen und dann auswerten lassen. in kurzer zeit berechnet das programm anscheinend parallelen zu bekannten schreibstilen und teilt mit, wem man in seiner „schreibe“ nahe kommt.

die frankfurter allgemeine zeitung hat dies für den deutschsprachigen raum auf ihrer homepage faz.net veröffentlicht. zu finden ist das programm unter: http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx . gleiche vorgehensweise bei „ich schreibe wie …„, nur dieses mal mit deutschsprachigen texten. mit copy & paste einen eigenen text in das freie feld einfügen und abfragen, welchem stil man ähnelt.

das ergebnis kann zwei effekte haben: man fühlt sich geschmeichelt und angespornt, jetzt endlich auf den literaturmarkt zu drängen, um ähnlich hohe buchauflagen zu erreichen, wie die gefundene berühmte person. oder man fühlt sich gekränkt, da der stil der vorgeschlagenen person einem überhaupt nicht gefällt. dann wird man sich in der zukunft bemühen, gaaaanz anders zu schreiben 😉 ein hübscher spaß!

schreibidee (248)

die welt lärmt, besser geschrieben, der mensch überzieht die welt mit einem teppich aus lärm. etliche untersuchungen zeigen, dass die lärmemissionen stetig zunehmen, und gleichzeitig die stressreaktionen der menschen, indem sie körperliche beschwerden bekommen, auch anwachsen. manch einer ist schon vollständig abgestumpft für die leisen töne. darum widmet sich diese schreibanregung den „leisen geschichten„.

je nach altersgruppe der teilnehmerInnen der schreibgruppe kann man einen unterschiedlichen einstieg in die thematik wählen.
bei jüngeren schreibenden kann das spiel „stille post“ gewählt werden. ein satz wird in der runde der reihe nach zugeflüstert. meist kommt am schluss ein ganz andere satz an, als am anfang der ersten person zugeflüstert wurde. die „stille post“ wird in der schreibgruppe erst einmal nicht aufgelöst, sondern alle schreiben zu dem satz, wie sie ihn verstanden haben eine geschichte, die nicht länger als eine seite ist. dann werden in der gleichen reihenfolge wie geflüstert wurde, die geschichten vorgelesen.
bei älteren teilnehmerInnen kann man einen wortbeitrag, entweder aus dem radio oder aus einem hörbuch, sehr leise abspielen, so dass es schwer ist, alles zu verstehen. anschließen schreiben die schreibgruppenteilnehmerInnen auch eine einseitige geschichte zu dem gehörten. diese geschichten werden ebenso vorgelesen.

im nächsten schritt werden wörter und redewendungen, ja eigenschaften für leise texte gesammelt. wodurch zeichnet sich eine geschichte aus, die leise daher kommt. so wirkt zum beispiel eine handlung, die sich langsam und stetig entwickelt, ruhig und leise. es sind die kleinen gesten und ereignisse, die den text schleichend fortführen. natürlich spielt auch die wortwahl eine rolle.

nachdem die kriterien aufgelistet wurden, schreiben alle teilnehmerInnen eine längere „leise geschichte“. diese geschichten werden anschließend in einer ruhigen atmosphäre (hier fördert zum beispiel kerzenlicht die ruhe) vorgetragen. in der feedbackrunde wird vor allen dingen darauf eingeganen, wie leise und eventuell beruhigend der text gewirkt hat.

zum abschluss werden dann noch flüstergedichte verfasst. es gibt keine weitere vorgabe, als die tatsache, dass das gedicht beim vortragen geflüstert werden muss. welche formulierungen und worte, diesen flüsterton vielleicht unterstreichen oder verstärken, bleibt die entscheidung der schreibenden. für einen ruhigen ausklang werden dann alle gedichte der reihe nach vorgeflüstert ohne folgende feedbackrunde.

kreatives schreiben und technik

wie ihm vorherigen post aufgezeigt, kann man werkzeuge zum schreiben verwenden. man kann sie auch tipps nennen, stilistische regeln oder eben nur vorschläge für interessante textgestaltungen. sie stehen ein wenig im widerspruch zum kreativen schreiben, wie es im deutschsprachigen raum verstanden wird. denn die schreibtechniken des kreativen schreibens haben in erster linie das ziel, in einen „freien“ schreib- und ideenfluss zu kommen, der ausdruck der eigenen kreativität ist.

beim späteren überarbeiten können die werkzeuge von roy peter clark oder die vorstellungen des „creative writing“ aus dem angloamerikanischen raum angewandt werden. aber erst einmal werden beim kreativen schreiben techniken angewandt, die assoziationen fördern, die den inneren zensor überwinden helfen sollen und die die selbstkontrolle ein wenig in den hintergrund drängen. aber es wird auch klar formuliert, dass das überarbeiten der geschriebenen texte eine menge zeit in anspruch nehmen sollte.

aber man kreatives schreiben und technik auch noch aus einem ganz anderen blickwinkel betrachten: welche schreibwerkzeuge verwendet man denn? einen bleistift, einen füller, eine schreibmaschine oder eben doch heutzutage verstärkt einen computer. denn der computer erleichtert eine menge beim schreiben. die korrektur des textes ist viel einfacher geworden. die umstellung ganzer textpassagen, die einhaltung der rechtschreibung und des satzbaus, all dies erleichtert der computer.

und noch einen schritt weiter gehend, ermöglicht der computer einen ungehemmten schreibfluss, da auch das tippen auf der tastatur einen eigenen rhythmus und eigene taktile reize bietet. Weiterlesen

„die 50 werkzeuge für gutes schreiben“ von roy peter clark – ein buchtipp

das buch kommt als schlichter ratgeber daher. fünfzig kleine kapitel, in denen jeweils ein aspekt des interessanten, flüssigen und stilistisch angenehmen schreibens behandelt wird. roy peter clark hat in seinem buch „die 50 werkzeuge für gutes schreiben – handbuch für autoren, journalisten & texter“ viele beispiele aus literatur und journalismus zusammengetragen, an denen er seine vorgeschlagenen schreibtechniken oder -werkzeuge aufzeigt.

ja, eigentlich sind es keine werkzeuge, es sind kleine regeln (zum beispiel zum satzbau), es sind anordnungen (zum beispiel in der wörterfolge) oder es sind zeichensetzungen (wobei er mehr freiheiten gibt als die deutsche rechtschreibung). dabei geht es um den rhythmus eines textes. es geht um die lesbarkeit und darum, welche botschaft die wichtigste, die herausragendste ist. hauptziel der 50 werkzeuge ist es, den leserInnen unterhaltsames zu bieten. die menschen beim lesen der eigenen texte zu fesseln, damit sie den wunsch verspüren, weiterzulesen.

die vorschläge für gutes schreiben von roy peter clark sind leicht umzusetzen. und wie er es formuliert: sein buch hält für jede woche des jahres ein neues werkzeug bereit, zwei wochen habe man frei. man kann sich vielleicht auch täglich eines aneignen. sehr angenehm sind die im anschluss eines jeden „werkzeug“-kapitels vorgeschlagenen vier bis fünf übungen, die einem das eben gelesene noch einmal verdeutlichen sollen.

angenehm ist auch, dass der autor seine werkzeuge als möglichkeiten anbietet und nicht formuliert, dass man nicht anders schreiben dürfe. dadurch bleibt das spielerische beim schreiben erhalten. der schwerpunkt liegt dabei auf dem ausdruck des mitzuteilenden, nicht unbedingt auf der kreativität. dies sicherlich auch, da der autor aus der angloamerikanischen journalistenszene kommt. hilfreich sind seine tipps allemal, doch wenn man anders möchte, kann man sie auch jederzeit verwerfen. das buch ist im autorenhaus verlag in berlin 2009 erschienen. ISBN 978-3-86671-031-3

schreibpädagogik und irrtümer

die schreibpädagogik ist weiterhin kein eindeutiges, klar umrissenes fach, keine festgelegte profession oder grundlage einer institution. die schreibpädagogik versucht die vermittlung des schreibens zu umfassen, in ein wort zu hüllen. dabei gehen die meinungen, wie dies aussehen kann, auseinander.

der häufigste irrtum besteht in der verwechslung, überhaupt schreiben zu vermitteln gehöre zum gebiet der schreibpädagogik. also schreibpädagogInnen begeben sich in die grundschulen oder zu analphabetInnen und bringen ihnen buchstabe für buchstabe das alphabet, die worte bei. nein, die schreibpädagogik setzt zumindest zum teil voraus, dass man unser schreibsystem kennt, auch wenn die worte und deren verwendung nicht bekannt sein müssen.

ein weiterer irrtum besteht darin, dass schreibpädagogInnen das schöne schreiben, oder auch „schönschreiben“ genannt, vermitteln. also mit menschen üben, eine leserliche, sich an die konventionen der schreibschrift haltende schrift zu erhalten. auch wenn es sich dabei um einen form des schreibens handelt, schaut die schreibpädagogik eher auf den inhalt, denn auf das schriftbild.

auch die vermittlung verschiedener schreibarten ist nicht aufgabe der schreibpädagogik. also es wird nicht schreibschrift, zehn-finger-schreibsystem, die verwendung von schriften am computer oder dergleichen mehr vermittelt. auch das schriftbild interessiert die schreibpädagogik nur als möglichkeit, wie man sich mit einer visuellen anordnung ausdrücken kann.

das wäre vielleicht eine mögliche beschreibung der schreibpädagogik: sie vermittelt varianten des schriftlichen ausdrucks. Weiterlesen

was kann schreibberatung leisten?

einfach beantwortet: viel, aber es kommt auf das setting an?
aber vielleicht sollte erst einmal abgegrenzt werden. schreibberatung ist keine schreibtherapie. schreibtherapie nutzt das schreiben, um therapeutisch zu arbeiten. schreibberatung nutzt schreibpädagogische und therapeutische techniken, um menschen wieder an das schreiben heranzuführen. auch in schreibberatung kann es zu therapeutischen effekten kommen, das ist aber nicht ziel der beratung.

wichtigster faktor beim setting der schreibberatung ist die zeit. wie viel zeit steht für die schreibberatung zur verfügung, wie oft finden terminvereinbarungen statt. steht viel zeit zur verfügung kann intensiver beraten werden. das ist nun nichts erstaunliches, sollten aber ratsuchende immer berücksichtigen. da die kosten der schreibberatung von keinen versicherungen oder andere institutionen übernommen wird, muss sie von der ratsuchenden selbst bezahlt werden. das kann den geldbeutel schon belasten, doch zum trost, ist schreibberatung meist kein langwieriger prozess.

und die effekte der schreibberatung lassen sich langfristig auf viele situationen anwenden, erleichtern mit großer wahrscheinlichkeit das schreiben in anderen situationen enorm. also: wann sollte man eine schreibberatung aufsuchen? wenn man partout mit einem text partout nicht weiter kommt oder einem das schreiben in wichtigen zusammenhängen immer zur qual wird. es kann bei der schreibberatung zwar keine erfolgsgarantie geben, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sich in relativ kurzer zeit der eigene schreibprozess verändert. doch ich will mal die möglichkeiten der schreibberatung auflisten:

  • schreibberatung kann wieder in den schreibprozess einführen. bei schreibblockaden und schreibkrisen kann schreibberatung hilfestellung geben stück für stück wieder zu schreiben.
  • schreibberatung kann unterstützung beim aufbau, bei der struktur einer arbeit geben. schreibberatung hilft bei der suche nach dem roten faden, beim finden einer schreibidee.
  • schreibberatung kann hinweise geben, wie der text attraktiver für die leserInnen wird, wie ein flüssiger text entsteht.

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schreibspiel (12) – zapping-collagen

eigentlich ist dieses schreibspiel ein spiel mit stilübungen, das sich am fernsehen orientiert und das medium als brücke heranzieht. man zappt sich so zu sagen durch verschiedene sprach- und somit schreibstile. dies lässt sich ganz real durchführen wenn man einen fernseher mit diversen programmen zur verfügung hat. am schluss werden schriftliche „zapping-collagen“ entstanden sein.

im vorfeld wird vielleicht eine schreibanregung zu einem thema gegeben. man kann aber auch schlicht den fernseher anschalten und aus dem ersten gesehenen die schreibanregung machen. man greift das thema der sendung auf, erstellt ein cluster und beginnt eine geschichte zu schreiben. dazu gehört der auftrag, die geschichte im stil der sendung zu verfassen. sollte es sich zum beispiel um eine nachrichtensendung handeln, wird im stil einer nachrichtenmeldung die geschichte begonnen.

sollte man dieses spiel in gruppen spielen, muss im vorfeld ein spielleiter bestimmt werden. dieser spielleiter hat das recht, in ein anderes programm zu schalten. die gruppe kann im vorfeld festlegen, ob das umschalten einem zeitrhythmus oder dem bauchgefühl des leiters zu folgen hat. zweiteres scheint mir spannender. in dem moment, in dem in ein anderes fernsehprogramm geschaltet wurde, muss auch im stil der dort zu sehenden sendung die geschichte weitergeschrieben werden.

so kann auf den stil der nachrichtensendung, der von „aktenzeichen xy“ folgen oder der eines krimis (zum beispiel die kurzen, knappen sehr bedeutungslosen sätze der „csi“-serien). anschließend ist der comedy-ton anzuschlagen, um dann in die soap zu wechseln. die spielerInnen sollten aber an dem roten faden ihrer geschichte festhalten, auch wenn die wendungen durch das gesehene beeinflusst werden können. es läuft also während des schreibens der fernseher beständig nebenher. und wenn die werbeunterbrechung folgt, dann wird auch der schreibstil unterbrochen und verändert.

für schreibgruppen kann man diese spiel ausführlicher vorbereiten und schon die sendungen zusammenschneiden, die man als stilanregung wählen möchte. denn oft ist es ja so, dass auf vier kanälen gleichzeitig sehr ähnliche sendungen kommen. nach einer festgelegten zeit wird die geschichte beendet und die jeweils entstandenen zapping-collagen werden vorgelesen. dann kann man in die nächste runde starten, eine neue spielleiterin festlegen und sich abermals den stilvorgaben der glotze überlassen. man glaubt gar nicht, wie viele verschiedene sendungen existieren. übrigens lässt sich das gleiche inzwischen auch mit hilfe des internets und einem beamer durchführen.

schreibidee (185)

nach dem vortrag über „das wort“ an sich im letzten post, möchte sich diese schreibidee auf wörter stürzen. es soll darum gehen, sich von einem einzigen wort im weiteren leiten zu lassen. oder anders formuliert, wie viel kann man bei der genauen betrachtung eines wortes entdecken, was kann alles daraus entstehen? denn die ein-wort-gewaltigkeit wird oft unterschätzt, man sehe sich nur „hartz IV“ an. na gut, es sind eigentlich zwei worte, nehme ich also „babyklappe“. bei dieser schreibidee sollen „texte um ein wort“ geschrieben werden.

zu beginn sammelt die schreibgruppe worte, die sie bewegen, berühren oder ihnen momentan ständig durch den kopf schwirren auf dem flipchart. die teilnehmerInnen wählen sich jeweils ein wort aus dem „pool“ aus, mit dem sie sich den ganzen abend beschäftigen möchten. als erstes werden ein elfchen und ein haiku zu dem gewählten wort verfasst. im anschluss wird ein cluster um dieses wort erstellt.

anschließend ist in einer längeren zeit, ein text zu verfassen, der aus dem cluster heraus entstanden ist. die stilmittel sind frei gegeben, einzige auflage ist es, das wort immer wieder im text auftauchen zu lassen. aus der ständigen wiederholung eines wortes in einem text, entsteht ein ganz eigener tonfall, ein bestimmter stil. es ähnelt der vorgehensweise aus einem scherz: jemand lernt für eine prüfung nur etwas über den elefanten. bei jeder frage sorgt er dafür, immer wieder auf den elefanten zurückzukehren, um sein wissen anbringen zu können.

der text wird nun genommen und verdichtet. das heisst, aus den worten des textes wird ein 12-zeiliges gedicht konzipiert. das wort muss nicht in dem gedicht auftauchen, ist aber die überschrift. im gegensatz zu den sonstigen schreibideen, werden die elfchen, haikus, geschichten und gedichte nicht zwischendurch in der schreibgruppe vorgetragen. erst zum schluss werden zu dem jeweils gewählten wort, alle texte hintereinander vorgelesen. anschließend geben die teilnehmerInnen sich gegenseitig ein feedback.

„wie man den bachmannpreis gewinnt“ von angela leinen – ein buchtipp

ein buch für den intellektuellen in uns. ist der ingeborg-bachmann-preis bekannt, ist auch der titel des buches zu verstehen. und das buch bezieht sich gern immer wieder auf den literaturpreis aus klagenfurt, der sein ganz eigenwilliges und live übertragenes auswahlverfahren hat.

aber eigentlich ist der preis nur der aufhänger für ein sehr amüsantes und auch lehrreiches buch. angela leinen hat mit „wie man den bachmannpreis gewinnt – gebrauchsanweisung zum lesen und schreiben“ einen kleinen ratgeber verfasst. es handelt sich um einen teilweise subjektiven ratgeber, der keine hemmungen hat, zu benennen, was man einfach, oder auf alle fälle angela leinen, nicht mehr lesen will und was noch geschrieben werden sollte. einen ratgeber, der immer wieder bezug auf in klagenfurt vorgetragene texte nimmt und sowohl „gute“ als auch „schlechte“ beispiele anführt.

und das buch funktioniert. es gibt einen hinweis, was gute, spannende literatur ausmachen könnte. es gibt eine ahnung davon, wie viel spaß schreiben aber auch lesen machen kann. es liest sich entspannt, regt zum lachen an und wendet sich selbst so unbequemen themen, wie der frage nach der angemessenen darstellung von sex in literatur zu. ich kann nur schreiben, wunderbar die hürde genommen. mein tipp: lesen und dann selber schreiben.

das buch ist 2010 bei heyne in münchen erschienen. ISBN 978-3-453-60132-1

der schreibprozess und das handwerk

schreiben ist kreativ, ist intuitiv, ist taktil und ist eine form der kommunikation. aber schreiben ist auch ein handwerk. es gibt werkzeuge, die einem das schreiben ermöglichen (stift, tastatur oder meissel). dazu gibt es eine menge techniken. abseits der hier oft benannten kreativen techniken finden sich manche grundtechniken.

da ist zum einen die sprache. die sprache bietet ein abkommen in einer gesellschaft, um miteinander kommunizieren zu können. wenn ich „haus“ schreibe, wissen die meisten grob, was ich damit meine. gut, man stellt sich jeweils ein anderes haus vor, aber es handelt sich meist um ein gebäude mit vier seiten und einem dach. die sprache wird noch unterfüttert von der rechtschreibung und der grammatik. auch dies sind gesellschaftliche abkommen, die der lesbarkeit aber auch dem verständnis geschuldet sind. diese regeln kann man beim schreibprozess streng verfolgen, um einen korrekten ausdruck zu finden. doch gerade im rahmen der kreativität bietet sich viel spielraum. denn ausdrücken muss nicht so eindeutig sein, wie es gern von den strengen wächtern der sprache vermittelt wird. sprache und kommunikation entwickeln sich in gesellschaften beständig weiter, so wie auch die techniken in anderen handwerksberufen. dabei entstehen beim schreiben und reden dialekte oder auch neue ausdrucksformen. der schreibprozess bietet die möglichkeit, mit den techniken zu spielen. doch um dies zu machen, sollte man die techniken kennen. denn spiele ohne regeln werden schnell unverständlich.

neben grammatik und rechtschreibung finden sich dann noch eine menge techniken, hinweise und tipps zum stil. was klingt für das menschliche ohr gut, was liest sich flüssig und was scheint überflüssig. das schön am lesen und im vorfeld beim schreiben ist ja, dass es lust verursachen kann. also können techniken angewendet werden, um sowohl lustvoll zu schreiben (einer der schwerpunkte hier im blog) als auch lustvoll zu lesen (wenn das handwerk verstanden wurde und das ergebnis des schreibprozesses freude bereitet).

da die geschmäcker verschieden sind lassen sich schwer allgemeingültige techniken finden. so wie der eine gern einen handgeschmiedeten gartenzaun hat, der andere aber den hölzernen jägerzaun bevorzugt, so sind auch die lesegewohnheiten und -geschmäcker der menschen sehr verschieden. Weiterlesen

schreibspiel (09)

sprache kann sich verkleiden. je nachdem wie die worte miteinander arrangiert werden, entsteht ein bestimmter texttyp, ein besonderer ausdruck. dieser ausdruck, diese verkleidung soll grundlage des schreibspiels sein. in anlehnung an die königinnen der verkleidung, die urmütter des rollenwechsels nenne ich dieses spiel „drag me„.

in den armenvierteln new yorks gab es in anlehnung an ein lied von madonna die vorstellung des vogue-ing, die in wettbewerbe mündeten. dabei wurde die zeitschrift „vogue“ zum vorbild genommen und bestimmte rollen von den menschen eingenommen. diese veranstaltungen boten einen laufsteg, auf dem die teilnehmerInnen versuchten die perfekten bauarbeiter, handwerker, holzfäller und dragqueens darzustellen. das publikum wertete den jeweiligen auftritt, die performance. wer schlüpft am besten in eine andere rolle?

bei dem schreibspiel „drag me“ geht es um einen rollenwechsel. dieses spiel findet in gruppen statt. jeder teilnehmer, jede teilnehmerin überlegens sich einen kleinen plot für eine schreibaufgabe. also die protagonisten, die szenerie und das geschehen. es kann auch eine kleine viertelseitige geschichte vorbereitet werden, die kurz vorgetragen wird. dann gibt es einen haufen mit karten. auf den karten sind texttypen vermerkt, wie zum beispiel „juristischer text“, „liebesbrief“, „managersprech“ oder „werbetext“. wenn die schreibaufgabe vorgestellt wurde wird aus den karten eine gezogen, die vorgibt in welchem stil der text geschrieben werden soll. es gibt zum beispiel 20 minuten, um einen text zu verfassen. alle teilnehmerInnen schreiben nun ihre geschichte, ihren text. anschließend werden die texte vorgetragen.

jetzt ist es an der gruppe zu werten, welcher text der vorgabe von der karte am nächsten kommt. dann wird die nächste schreibaufgabe vorgestellt, die nächste karte gezogen und es werden die nächsten texte geschrieben. dieses spiel benötigt je nach gruppengröße eine ganze menge zeit, kann jedoch wunderbare texte entstehen lassen. es sollte beachtet werden, dass bei der schreibaufgabe nicht zu viele vorgaben gemacht werden, damit die teilnehmerInnen einen größeren spielraum für ihre texte haben. außerdem kann es eine gute übung sein, wie man sich selbstbewusst auf dem literarischen laufsteg bewegt.

kreatives schreiben und idole

die literatur lebt vom ideenklau und der weiterentwicklung von schreibstilen. viele menschen, die angefangen haben zu schreiben, versuchten sich im kopieren eines bestimmten schreibstils ihrer lieblingsschriftstellerInnen oder griffen eine idee für eine geschichte auf, um sie weiterzuentwickeln, auszuformulieren oder einfach nur in bestimmten abschnitten der eigenen geschichte zu zitieren.

so kann man sich beim kreativen schreiben auf die suche begeben, wer denn das eigene schriftstellerische idol ist und sich dem literarischen stil durch nachahmung annähern. man wird bemerken, dass man diesen stil nie vollständig annähern wird, aber gleichzeitig eine eigene schreibsprache entwickelt, in die anregungen durch das idol einfließen. dies ist eine gute übung für die entwicklung eines eigenen schreibstils, der sich beständig weiterentwickelt. man kann ja weitere schriftstellerInnen mit ihren werken hinzuziehen. es geht aber nicht um die exakte kopie, sondern einzig um die anregung.

doch idole können auch noch eine andere rolle einnehmen in der eigenen kreativen schaffensphase. sie können zum beispiel hauptakteure der eigenen geschichten werden. schreiben sie doch einmal die lebensgeschichte von albert einstein um. dies kann in humorvoller, verschwörungstheoretischer, absurder oder politischer weise um. der vorteil eines idols ist es, dass man sich meist mit der lebensgeschichte der person schon auseinandergesetzt hat. darum fällt es auch leichter in die realität einzugreifen und die eigene fantasie zum zuge kommen zu lassen.

oder man konzetriert sich nicht auf ein idol, sondern formuliert geschichten, in denen sich idole begegnen, die sich im alltag nie begegnet sind und wahrscheinlich auch nicht begegnen werden. was haben sie sich zu sagen, welches interesse könnte aneinander bestehen? die frage nach den idolen erleichtert die suche nach protagonisten. die freiheit des kreativen schreibens erleichtert es, sich nicht sklavisch an die eigentliche lebensgeschichte zu halten. von vorteil ist es sicherlich, dass etliche idole viele andere menschen auch kennen und somit eine erklärung der jeweiligen rolle reduziert werden kann.

schreibpädagogik und schreibstile

die erwartungen an schreibgruppen sind sehr verschieden. die einen möchten es schaffen, regelmäßig ohne größere anstrengung zu schreiben. die anderen schätzen den sozialen austausch zum schreiben und lesen mit anderen. und eine weitere gruppe verfolgt für sich das ziel immer besser zu schreiben. letztere gruppe möchte also ihren schreibstil verfeinern, geschmeidiger machen und treffender formulieren.

finden sich in einer gruppe alle drei interessen gleichzeitig wieder, ist die vorgehensweise und vermittlung des kreativen aber auch des biografischen schreibens nicht leicht. denn als anleiterIn muss man damit rechnen, dass sich mindestens eine gruppe nicht berücksichtigt fühlt bei den diversen übungen. gerade die verfeinerung des schreibstils ist eigentlich ein thema für fortgeschrittene schreibende. denn für sie stellt sich seltener die frage, wie komme ich überhaupt zum regelmäßigen schreiben.

es muss kein nachteil sein, vertreterInnen aller interessen in einer gruppe zu haben, es kann sich auch sehr gut gegenseitig befruchten. doch zumindest sollten am beginn einer schreibgruppe die interessen aller teilnehmerInnen geklärt werden, vielleicht auch schon bei der anmeldung. denn dann kann man bei der konzeption der veranstaltung rücksicht auf die verschiedenen schreibmotivationen nehmen und versuchen, abwechslung in die schreibanregungen zu bringen.

eine andere möglichkeit wäre es, schon in der ankündigung von schreibgruppen zu formulieren, welche schwerpunkte man legt und welche interessen in der veranstaltung berücksichtigt werden. so wäre es möglich, eine schreibgruppe anzubieten, die sich ausschließlich mit dem schreibstil beschäftigt, deren schwerpunkt in der überarbeitung von texten liegt und die sehr großen wert auf ein umfassendes feedback legt. eine andere gruppe könnte sich dann auf den spielerischen umgang mit kreativem schreiben konzentrieren und vor allen dingen schreibtechniken aufzeigen, die den zugang erleichtern.

schreibidee (76)

so richtig winter ist es natürlich noch nicht und ob der klimawandel so schnell kommt, dass mit starken frösten nicht mehr zu rechnen ist, kann keiner abschätzen. aber das soll bei dieser schreibidee nicht daran hindern, sich der kälte im doppeldeutigen sinne zu zu wenden.

der vorschlag besteht darin, in einer schreibgruppe einmal „unterkühlte geschichten“ zu verfassen. der neudeutsche begriff dafür lautet „coole“ geschichten. doch das trifft es nicht ganz. aber der reihe nach. als erstes sollten in der gruppe von den teilnehmerInnen jeweils zwei cluster erstellt werden. das eine zum thema „kälte“, das andere zum thema „eis“. eines der cluster ist anschließend auszuwählen und bildet die grundlage zu einer geschichte. die geschichten werden sich gegenseitig vorgelesen und ein feedback gegeben. bis hierher gab es keine vorgaben zum stil der geschichten.

je nach jahreszeit kann nun speiseeis gereicht werden oder ein spaziergang draußen in der kälte gemacht werden. es dürfen weiter eindrücke gesammelt werden. nach der pause ist zu dem zweiten, noch übrigen cluster zu greifen. jetzt ist die vorgabe, eine geschichte zu schreiben, die auch im tonfall unterkühlt ist. es wird nicht aufgezeigt, wie solch eine stimmung erreicht werden, sondern die teilnehmerInnen sollen herumexperimentieren, wie sie diese stimmung erreichen können. wenn die geschichten geschrieben sind, werden kleingruppen gebildet, die sich gegenseitig die texte vortragen und tipps geben, an welchen stellen, die geschichte noch heruntergekühlt werden kann. danach überarbeiten alle abermals ihre geschichte. zum schluss werden die geschichten nur noch gegenseitig vorgetragen, ohne ein feedback zu geben. und wenn die stimmung dann auf dem nullpunkt ist, ist die gruppe beendet 😉