Schlagwort-Archive: schulden

wortklauberei (85)

„schuldenschnitt“

abermals ein wort der verharmlosung. was stelle man sich bitte unter einem schuldenschnitt vor? also mir kommt da erst einmal „aufschnitt“, „anschnitt“ oder „abschnitt“ in den sinn. dann kann man torten anschneiden, bäume beschneiden, blumen abschneiden und dergleichen mehr. ebenso wird an schulden wohl rumgesäbelt. aber wer schneidet und vor allen dingen warum wird geschnitten?

niemand der politikerInnen spricht aus, dass gegen griechenland eine art insolvenzverfahren eingeleitet wurde. bei diesem verfahren gibt es diverse gläubiger und die verhandelten nun, wieviel man von seinen forderungen, die man an die insolvente partei hat, überaupt noch zurückbekommt. das ist das übliche verfahren, wenn eine firma pleite geht. nun könnte man also offen und ehrlich formulieren, dass griechenland wohl pleite ist.

aber nein! man schneidet am patienten ein wenig rum, schnippelt von den schulden was ab und die ganze sache geht weiter. natürlich kann man ein land nicht auflösen und die reste verschachern oder zwangsversteigern, das ist klar. aber man kann zumindest die ehrlichkeit an den tag legen, mit der der normalbürger auch konfrontiert wird, wenn bei ihm das geld ausgeht. da klebt man einen kuckuck auf, da wird der besitz gepfändet und vieles mehr.

als zuschauer dieser inszenierungen schwankt man zwischen dem erstaunen, wie leicht doch ganze nationen privatisiert und verkauft werden können und der frage, was nationalismen eigentlich überhaupt für einen sinn machen. warum nicht gleich einen umfassenden kassensturz? wie wenn andere länder nicht verschuldet wären und wie wenn sich das ganze geldsystem nicht so langsam selber ad absurdum führt.

zurück bleiben die menschen, die wahrscheinlich nie eine antwort darauf erhalten werden, wer jetzt eigentlich wen kauft? und was bedeutet es, wenn banken ganze staaten besitzen und die einen staaten andere staaten? wird dann erst einmal die miete für das leben erhöht? doch die antworten ergehen sich in beschwichtigenden phrasen.

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wortklauberei (37)

„bad bank“

es gibt zur zeit eine menge banken, die auf miesen krediten, wertlosen spekulationen und einer menge schulden sitzen. geschickt wie der finanzjongleur ist, sind deshalb pläne entstanden, die eine so genannte „bad bank“ initiieren wollen, in der all die negativen werte versammelt werden. dadurch soll der rest der bank gut dastehen und eine rettung möglich sein.

mehr milchmädchenrechnung ist kaum möglich oder besser formuliert, mehr kann man nicht faken. hier tritt zutage, dass die ganze finanzspekulation ein einziges ideengebäude ist, das auf wenig basiert. denn wenn man alles negative hin- und herschieben kann und dies anscheinend zu einer verbesserung des restes führt, dann scheint wert beliebig und somit auch die wertschöpfung.

aber beim ersten hören von dieser überlegung und den folgenden planungen, können einem viele ideen in den sinn kommen. wie wäre es mit einem „bad konto“. dies können alles kontoinhaber einrichten, die ihren dispo vollständig ausgeschöpft haben und denen eine sperrung ihres kontos droht. so wäre es möglich von heute auf morgen wieder auf plus-minus null zu kommen. damit lebt es sich doch gleich viel angenehmer. oder auch die vollständige löschung bei der schufa könnte so ein schritt sein. es wird eine „bad schufa“ gegründet, die all die offenbarungseide und kreditunwürdigkeiten versammelt. so steht die bevölkerung bei der schufa plötzlich wieder gut da und das spiel mit den leichtfertigen krediten kann von vorne beginnen.

ein wenig erinnert dies an „monopoly“ spielen, wo der erfolg immer davon abhängig war, wie großzügig der mitspieler, der die bank inne hatte war. so konnte bei manchen ein kredit nach dem anderen aufgenommen werden. wenn genug mitspieler verschuldet waren, annullierte man diese. das spiel konnte weitergehen. leider gab es aber auch die ereigniskarte „gehe ins gefängnis, begib dich direkt dort hin. gehe nicht über „los“, zieh keine 4000 mark ein.“ nun, auch das könnte für manche abläufe eine alternative sein.