Schlagwort-Archive: schuldig

web 2.0 und schuld

das internet und vor allen dingen die digitalen sozialen netzwerke enthemmen. die halbanonymität macht es leichter, „schuldige“ zu benennen, andere anzugreifen und starke worte zu wählen. auf der anderen seite ruft dies viel schneller reaktionen hervor, die beschuldigungen zurückweisen, die einen diskurs anzetteln. das kann man zwiegespalten sehen. zum teil wird etwas ans licht der öffentlichkeit gezerrt, das eigentlich in den privaten bereich gehört. zum anderen werden missstände schneller öffentlich gemacht.

da verlagert sich in vielen bereichen der investigative journalismus in die welt der blogger und zu menschen, die twittern. schwierig bleibt es, den wahrheitsgehalt von beschuldigungen zu überprüfen. doch wenn man ehrlich ist, war dies auch in den vor-internet-zeiten nicht leicht. es gab immer wieder schuldige, doch die berichterstattung über deren beteiligung an machenschaften, vergehen oder korruptem verhalten wurde nicht selten behindert. das wird heute schwieriger. wird eine website im internet blockiert oder abgeschaltet, hat oft die nächste schon das thema aufgegriffen.

das öffnet zum einen gerüchten tür und tor, zum anderen lässt es aber auch zu, dass missstände nicht von der bildfläche verschwinden. im gegensatz zu zeitungen ist das internet ein gedächtnis der schuldzuweisungen. und es zeigt wirkung. nehme man nur einmal „wikileaks“. mögen manche veröffentlichungen auch auf dem boden der selbstdarstellung gewachsen sein, so wird es mit den geheimnissen, die auch die bevölkerungen interessieren könnten, immer schwerer. denn informationen vorzuenthalten beinhaltet immer den gedanken, dass der mensch zu dumm wäre, die zusammenhänge zu verstehen.

oder um es einmal drastischer zu formulieren: das internet könnte dazu führen, dass das menschenbild insgesamt besser wird. denn schaue man sich einmal an, wie vernünftig auf vieles reagiert wird, weil ein diskurs stattfindet, weil die informationen zu verfügung stehen, dann spricht das eher für den einzelnen, denn gegen ihn. Weiterlesen

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schreibidee (254)

wie das vorherige post aufzeigt, bietet das kreative schreiben manchmal ein klares bild von schuld und verantwortung. in der realität sieht dies anders aus. die schreibanregung wendet sich eher der realität zu, ohne dabei den kreativen spielraum zu verlassen. es soll ein persönliches „schuldbekenntnis“ verfasst werden. da dies ein schwieriges feld ist, wenn es biografisch wird, werden dieses mal kaum texte in der schreibgruppe vorgetragen.

aber der einstieg ist erst einmal ein distanzierter. wer sind die heutigen bösen auf der welt? wer hat schuld an negativen entwicklungen für die menschheit und die gesellschaft. die schreibgruppenteilnehmerInnen sind aufgefordert, den blickwinkel zu vereinfachen und schuldzuweisungen zu verfassen. alle teilnehmerInnen formulieren drei schuldzuweisungen von je einer seite. wie diese verfasst werden bleibt den schreibenden überlassen. anschließend werden die texte vorgetragen.

anschließend wird es persönlicher. wem in seinem persönlichen umfeld gibt man die schuld an negativen entwicklungen. als erstes ist eine liste von fünf personen zu erstellen. dann wählt man eine person aus, der man schon immer mal mitteilen wollte, wie fürchterlich man ihr verhalten fand. man verfasst eine maximal zwei seiten lange schuldzuweisung. dieser text wird nicht vorgetragen.

nun geht es um einen selber. für welche unangenehme sache gibt man sich selber die schuld? hier kann eine liste mit drei ereignissen oder situationen von den schreibgruppenteilnehmerInnen verfasst werden. auch aus dieser liste greift man sich ein ereignis heraus und beschreibt es in einem längeren text. am ende des textes soll ein schuldbekenntnis stehen. es soll keine entschuldigung werden. entschuldigungstexte waren hier schon einmal eine schreibidee. es wird nur eine benennung der tatsachen. der text wird nicht vorgetragen.

zum abschluss wird eine geschichte geschrieben, wie sich die situation entwickelt hätte, wenn man sich anders verhalten hätte. was wäre dabei herausgekommen. es kann natürlich sein, dass sich alles noch viel schlimmer entwickelt, als es in der realität war. es kann aber auch sein, dass es ein positive wendung zu einem happy end gibt. bei dieser schreibanregung darf ruhig in die kreative kiste gegriffen werden und die welt „schön“geschrieben werden. vielleicht kann man sich so zum abschluss mit der eigenen schuld versöhnen.

kreatives schreiben und schuld

in der kreativen welt ist es viel leichter schwarz und weiß, gut und böse aufleben zu lassen. in der realen tauchen viel mehr grautöne auf, die zu berücksichtigen sind. doch die fantasie lässt es zu, dass in märchen monster und hexen auftauchen, dass in fabeln ein tier das andere frisst, dass in krimis der mörder vom guten kommissar gejagt wird. es ist kein „muss“, aber das kreative schreiben ermöglicht es, die welt zu vereinfachen, um eine botschaft zu vermitteln.

eine einfachere welt unterhält manchmal besser als die darstellung der komplikationen, der unklarheiten, der großen auswahl und der entscheidungsunsicherheit. das happy end lebt davon, dass die welt schlicht ist. man kann hier vielleicht den unterschied zu großer literatur finden. diese versucht die kompliziertheit der welt in worte zu fassen. gut, auch dies ist zu pauschal, aber warum nicht im blog zu kreativem schreiben auch mal vereinfachen. denn dadurch bekommt man einen anhaltspunkt davon, was kreatives schreiben bietet: die möglichkeit schuld aus den verstrickungen zu schälen und klar zu benennen.

man sollte sich davor hüten, wenn es kein biografischer oder historischer text ist, realen personen in kreativen texten die schuld zu geben. aber man kann metaphern, bilder und protagonisten finden, die eine übersetzung von schuldzuschreibungen zulassen. diese form des schreibens kann zum einen viel spaß machen, da man sowohl bei bös-, als auch bei gutartigkeiten in die vollen gehen kann. Weiterlesen

biografisches schreiben und schuld

die 68er fragten nach der mitschuld ihrer väter und mütter am dritten reich. dieser aspekt wird heute gern vergessen, wenn über die 68er berichtet und diskutiert wird. es war das wissen und die ahnung, dass nicht ganz deutschland nichts gewusst haben konnte von der ermordung der juden. es war eine frage der gesellschaftlichen moral und ethik.

die frage nach der schuld beinhaltet immer auch einen moralischen aspekt. beim blick auf die eigene biografie stellt sich als erstes die frage, in welche lebenssituationen man verstrickt war, die überhaupt eine frage nach der schuld zulässt. denn schuld ist ein urteilender begriff, der die verantwortung an ereignissen zuschreibt. es geht im hintergrund um einen ethischen diskurs. wie man sich zum beispiel fragen kann, wenn man als soldat in den krieg zieht, ob man schuld an der unsinnigen tötung von menschen hat. hätte es nicht alternativen gegeben?

doch der mensch hat heutzutage einen hang, für zu viele dinge im privaten umfeld die verantwortung zu übernehmen, doch für die gesellschaftlichen prozesse möglichst unbeteiligt zu wirken. gut, man kann nicht zeit seines lebens in sack und asche gehen, wenn man sieht, dass der klimawandel vorangetrieben wird, die reichtümer ungerecht verteilt sind und kriege nicht verhindert werden. und doch, trägt man eine mitverantwortung, wenn man die eigene beteiligung als schweigender bürger leugnet.

auch dieser weit greifende blick im biografischen schreiben kann die eigene haltung zum geschehen offenbaren. jedoch kann im näheren lebensumfeld viel genauer betrachten, wo man das gefühl hat, sich schuldig gemacht zu haben. Weiterlesen

selbstbefragung (94) – schuld

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „schuld„.

  • wann haben sie sich das letzte mal schuldig gefühlt? warum?
  • wofür geben sie ihren eltern die schuld?
  • in welchen momenten suchen sie nach schuld? warum?
  • für was fühlen sie sich verantwortlich in ihrem leben?
  • für was können sie nicht die verantwortung übernehmen? beschreiben sie.
  • wo liegt für sie der unterschied zwischen „schuld sein“ und „gute gründe haben“?
  • wer hat ihnen geschadet? beschreiben sie.
  • wem haben sie absichtlich oder unabsichtlich schaden zugefügt?
  • können sie die schuld auf sich nehmen? wie machen sie das?
  • wen würden sie gerade gern be“schuldigen“?