Schlagwort-Archive: schwaben

schnickschnack (110)

es gibt eine rangliste der dialekte. dabei wird die beliebtheit der regionalen sprachen abgefragt. schwäbisch rangiert in diesem zusammenhang nicht gerade weit oben. doch seltsamerweise erhält das schwäbische im zusammenhang mit humor und satire schnell beliebtheit und fordert zu schenkelklopfern auf. sind es die verniedlichungsformen wie „gäbele“ und „messerle“ oder sind es die grobschlächtigen beschimpfungen und abwertungen, die den dialekt attraktiv machen?

das kann man wunderbar in einer reihe des swr überprüfen. „die welt auf schwäbisch“ für globale völkerverständigung. ausschnitte aus bundestagsdebatten werden „schwäbisiert“. denn eigentlich trifft sich der „sv 49“ im „adler“ in leimerstetten und diskutiert vereinsangelegenheiten. so geht es bei der ersten folge um die frage, ob beim „sommerfescht“ weiterhin spezi ausgeschenkt werden soll oder nur noch sprudel. zu finden ist diese feine diskussion auf youtube unter http://www.youtube.com/watch?v=AzwrkEBbGPk .

inzwischen gibt es noch viele weitere folgen, die man aber leider nirgends gebündelt findet. so muss man bei youtube einfach die suchfunktion „die welt auf schwäbisch“ eingeben und schon eröffnet sich ein bunter strauss an feinster dialektsynchronisation. wer das deutsche vereinswesen schon einmal ausführlich genossen hat und dazu satire benötigt, hier findet er sie. anschauen!

„kein schöner land“ von patrick findeis – ein buchtipp

die provinz, im besonderen die schwäbische provinz, hat einen besonderen charme. inzwischen touristisch erschlossen, scheint es, als würde nur gutes essen genossen, geputzt und gewienert und nebenher die landschaft bäuerlich bestellt. dies ist schon lang nicht mehr der fall.

viele mittelständischen betriebe, überalterung der dörfer und abwanderung der jugend, kratzen an der heilen welt der provinziellen idylle. und auch in der vergangenheit gab es die idylle nie. nur der versuch, von den abgründen beim engen zusammenleben, nicht nach außen dringen zu lassen, klappte ganz gut. wer aber in solchen regionen aufgewachsen ist, kann ein lied von tragödien, süchten und langeweile singen.

dieses lied singt der relativ junge autor patrick findeis in seinem buch „kein schöner land“ grandios. er steigt in die tiefen der abgründe und holt sie stück für stück hervor. dabei malt er im laufe des buches ein sittenbild, wie es vielen in provinziellen regionen aufgewachsenen bekannt sein dürfte. dabei scheint es nicht mehr wichtig, ob es sich um die schwäbische provinz oder eine andere in deutschland handelt.

die kleinen und großen privaten tragödien könnten sich auch in einer großstadt zutragen, doch die anderen würden sie nicht so mitbekommen und es böten sich mehr ausweichmöglichkeiten an. auf dem land punker, hippie oder langhaariger zu sein, musste direkter inszeniert werden, um zu überleben. und manch einer, der den absprung nicht schaffte, blieb auf der strecke. wie so etwas geschehen könnte, beschreibt das buch eindringlich. lesenswert. das buch ist bei dva in münchen erschienen. ISBN 978-3-421-04417-4

p.s.: der autor absolvierte sein studium im literaturinstitut in leipzig.