Schlagwort-Archive: selbst

wortklauberei (90)

„selbstausfragung“

manchmal sind die suchbegriffe, durch die jemand auf dem blog landet ganz heitere, falsch geschriebene und umständliche. es macht immer wieder spaß in den statistiken zu schauen, durch welche suchbegriffe man gefunden wird. und dann gibt es wörter, die zu denken geben. hier gibt es die rubrik „selbstbefragung“, die wahrscheinlich der grund dafür war, dass jemand mit dem suchbegriff „selbstausfragung“ hierher verwiesen wurde.

es wird schwierig sich selbst auszufragen, wenn der andere geheimnisse hat. da kann man wahrscheinlich noch so viele tricks und finten einsetzen, man wird doch nie alles erfahren. und selbst wenn man über sich selbst durch sich selbst an informationen kommt, die man nie haben wollte: was macht man dann? man kann mit selbstvorwürfen oder selbstverleugnung reagieren. damit tut man sich jedoch keinen gefallen, da oft das selbstwertgefühl darunter leidet.

eigentlich ist man in diesem moment selbstbewusster, aber das muss man sich erst einmal selbst eingestehen. man sollte sich vielleicht mit einem misstrauen sich selbst gegenüber begegnen, denn man hat ja geheimnisse voreinander. warum muss das sein? eigentlich weiß man alles über sich selbst, und doch versteckt man etwas voreinander. gut, der selbstschutz ist ein hilfreiches mittel, um selbstverletzungen zu vermeiden. aber die vorstellung, durch eine „selbstausfragung“ diesen schutz zu umgehen ist ein trugschluss.

man wird sich nichts preisgeben, was man sich nicht preisgeben möchte. und man kann nichts erzwingen. oft schwirrt aber auch die vorstellung durch den raum, man habe sein wahres selbst noch nicht entdeckt, und animiert zu ständigen selbstbeobachtungen und selbstverdächtigungen. damit tut man sich keinen gefallen, denn das, was eine selbstbe- und -ausfragung zu tage fördert, das ist man selbst, so wie man leibt und lebt. mehr gibt es nicht, jedenfalls nicht in diesem moment.

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schreibidee (316)

wenn man sich die malerei anschaut, dann gibt es viele künstlerInnen, die sich irgendwann selbst gemalt haben. sie tauchen als kleine protagonisten in menschenansammlungen auf, sie haben sich mit gegenständen auf bildern arrangiert oder sie haben sich einfach spiegelbildlich in ihrem aktuellen zustand abgebildet. warum nicht auch mal schriftlich ein selbstporträt abseits des lebenslaufs und der eigenen vita erstellen. eine schreibanregung zu „selbstporträt-texten„.

da es sich bei diesen texten um einen (idealisierten) subjektiven eindruck handelt, ist der einstieg ein recht persönlicher. drei kurze texte werden verfasst (maximal eineinhalb seiten). die aufgabe besteht darin, sich selber als pflanzen, als tier und als gegenstand zu beschreiben. wenn man also ein tier wäre, was für ein tier wäre man dann und welche eigenschaften würde man besitzen? die schreibgruppenteilnehmerInnen stellen anschließen in der gruppe ihre drei kurzen selbstporträts vor. es gibt keine feedbackrunde.

der nächste schritt bezieht die malerei ein. dieses mal soll eine bildbesprechung von dem bild, das man von sich selber malen würde, geschrieben werden (maximal 3 seiten). wie will man sich abbilden? welche farben, welche darstellung und welche umgebung würde man bei einem gemalten porträt verwenden? die teilnehmerInnen besprechen ihr eigene fantasiegemälde (wenn sich nicht schon einmal in ihrem ein selbstporträt von sich gemalt haben oder eine malen ließen). auch der text wird kurz vorgetragen.

zum abschluss wird nun ein längerer text über sich selber verfasst. die bildbeschreibung wird in ein literarisches selbstbild übertragen. man kann sich in die weltliteratur einschleichen, kann sein selbst in dialoge packen, kann sein selbst in eine metaphernwolke packen, man kann eine steckbrief erstellen, kann als protagonist in einer story erkennbar werden, kann sich über sein umfeld „be-schreiben“ und vieles mehr. es gibt keine weiteren anforderungen, als eine literarische form der selbstdarstellung zu finden.

anschließend werden die texte in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackgruppe statt. dabei geht es nicht darum, wie zutreffend die selbstdarstellung ist, sondern darum, welchen eindruck die umsetzung der aufgabenstellung hinterlässt. wenn die schreibgruppe lust hat, sich der öffentlichkeit bei einer lesung oder ähnlichem zu präsentieren, dann könnten die schriftlichen selbstdarstellungen zum beispiel mit einem foto oder einem gemalten selbstporträt zusätzlich veröffentlicht werden.