Schlagwort-Archive: selbstbetrachtung

schreibidee (273)

kleine kinder versuchen im spiel das leben der erwachsenen nachzuleben. es kann sich dabei um die eigenen eltern oder andere erwachsene handeln. sie wollen all das auch machen, das die erwachsenen machen. doch je älter sie werden desto mehr realisieren sie, dass das leben der erwachsenen nicht nur interessant und toll ist. sie entwickeln eigene vorstellungen von ihrem leben. und wenn mensch dann erwachsen ist, hat er ein eigenes konzept. diese schreibanregung soll die möglichkeit geben, „lebensthesen“ zu formulieren.

als einstieg können entweder sprichwörter, die zehn gebote oder andere ältere lebensregeln herangezogen werden. alle teilnehmerInnen wählen sich jeweils drei regeln aus. es wird ein kurzes statemant (maximal eine seite) zu jeder lebensregel verfasst. warum erscheint einem diese regel wichtig, warum nicht. diese texte werden nicht vorgestellt. danach gibt der nachbar links oder rechts von einem, seine drei lebensthesen an einen weiter (ohne kommentare). dazu verfassen die teilnehmerInnen wiederum jeweils kurze statements. natürlich dürfen auch lebensregeln abgelehnt werden. auch diese kommentare werden nicht vorgetragen.

jetzt kommt eine erste zusammenfassung ins spiel. aus all den angebotenen regeln, sprüchen und vorstellungen vom leben (sie müssen nicht vorgetragen oder vorgestellt worden sein) wählt man für sich die fünf wichtigsten aus und formuliert sie in eigenen worten. als überschrift wähle alle „mein leben folgt der vorstellung, dass …“. diese lebensthesen werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und können kurz diskutiert werden. ein feedback gibt es nicht, da thesen schwer zu bewerten sind, wenn sie einer subjektiven bewertung unterliegen.

nachdem die ersten thesen vorgestellt wurden, wird eine kleine geschichte geschrieben. alle teilnehmerInnen beschreiben für sich das paradies, das sie in zwanzig jahren erleben werden. wie sieht ihr leben dann aus? die beschreibung sollte nicht länger als drei seiten sein. sie wird nicht vorgetragen. aus diesem lebensplan und den fünf lebensthesen wird ein endgültiges lebenskonzept verfasst. die überschrift lautet: „mein leben soll …“. das lebenskonzept wird anschließend vorgetragen und in einer art feedbackrunde kann ein kurzes statement dazu abgegeben werden. zum abschluss verteilt die schreibgruppenleitung einen garantieausschluss: der beinhaltet die aussage, die lebensthesen und die lebensplanung eines jeden einzelnen ein wertvolles ziel seien, aber leider keine garantie dafür übernommen werden könne, dass dieses ziel auch eintritt. man wisse ja nie, was geschehe. 😉

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biografisches schreiben und angst

wenn man einen blick auf die eigene lebensgeschichte wirft, hat dies häufig eine entlastende wirkung. man durchlebt zwar noch ab und zu unangenehme lebensabschnitte, aber man kann sie oft danach auch verarbeitet beiseite legen. dadurch wird die beschäftigung mit der eigenen biografie zu einer angenehmen vorgehensweise, ganz abgesehen von den anderen positiven aspekten, wie zum beispiel noch einmal zu erleben, was alles los war.

doch der gedanke, alles noch einmal zu betrachten, was einem widerfahren ist, kann auch gehörige angst machen. der mensch hat die sehr hilfreiche fähigkeit, verdrängen zu können. dies bedeutet, dass er erlebnisse, die nicht verarbeitet werden konnten, in seinen erinnerungen zu verstecken und nicht mehr daran zu denken oder anders zu bewerten. und doch weiß man oft, da ist noch was, das ich mir gar nicht genau anschauen möchte. oft ist dies nur ein diffuses gefühl, das nicht klar benannt werden kann.

verdrängung ist ein gutes recht. das bedeutet, man sollte nur seine biografie und lebensgeschichte betrachten, wenn man auch lust dazu hat. es ist zwiespältig, wenn man im zuge der behandlungen von psychischen erkrankungen seine vergangenheit, seine lebensgeschichte niederschreiben soll. doch auch hier gilt, was immer gilt, man muss nur so weit gehen, wie man möchte. das bedeutet, die verdrängung kann auch erst einmal weiter aufrecht erhalten werden. und doch wird einem im laufe der zeit auffallen, wie anstrengend es sein kann, weiter zu verdrängen.

in solchen momenten tritt die angst in widerstreit zum bedürfnis, den ballast loszuwerden, den man schon lang mit sich herumträgt. es kann sein, dass die angst immer wieder gewinnt. dies ist eine form des selbstschutzes, über die der mensch verfügt. Weiterlesen

schreibidee (212)

die vielen aspekte des eigenen körpers habe ich in den letzten posts hier thematisiert. nun ist es an der zeit, den körper einmal selber sprechen zu lassen. wie fühlt sich mein rechtes knie? was hat es in den letzten tagen erlebt und wie sieht es seine zukunft? warum fühlt sich mein bauchnabel vernachlässigt? all dies und noch viel mehr kann in der schreibanregung zu „geschichten des körpergefühls“ seinen platz finden.

als einstieg kann, angelehnt an einen film, eine „reise durch den körper“ zur aufgabe gestellt werden. die schreibgruppenteilnehmerInnen formulieren auf maximal zwei seiten den besuch in ihrem eigenen körper. wie sie in ihn gelangen, bleibt ihnen überlassen. sie können durch die blutbahnen schippern, aber auch am skelett entlang klettern, mit der nahrung losziehen oder als sauerstoffmolekül mit dem atem aufgenommen werden. es soll bei diesen reisen nicht um biologische feinheiten gehen, sondern um den besuch im eigenen körper. die trips werden anschließend ohne feedback in der schreibgruppe vorgetragen.

anschließend suchen sich die teilnehmerInnen eines ihrer körperteile aus. es kann ein organ, ein knochen, die hand, ein zeh oder auch eine zelle sein. sie schildern den alltag aus der sicht des körperteils. wichtig bei dieser schreibanregung: es soll sich wirklich um eines ihrer körperteile handeln. somit kann auch ein biografischer aspekt in diese übung einfließen, wenn die schreibenden dies möchten. was macht den nun die leber den lieben langen tag? oder wo setzt sich das steissbein alles hin? diese schreibidee kann ausgebaut werden und es werden weitere körperteile zu protagonisten, kranke körperteile kommen zu wort, körperteile, die interagieren, kommen ins gespräch und dergleichen mehr. diese texte werden vorgetragen und es wird auch kein feedback geschrieben.

zum abschluss werden dann geschichten zum gesamten körpergefühl geschrieben. unser körper beginnt zu reden. er beschwert sich über die dinge, die schief gehen, er fühlt sich von uns schlecht behandelt oder er versucht, eine infektion zu behandeln. die geschichte sollte das aktuelle körpergefühl der schreibgruppenteilnehmerInnen widerspiegeln. die geschichten werden anschließend vorgetragen und es wird ein feedback gegeben.

schreibidee (188)

das wetter ist ungemütlich, weder klirrende kälte mit schnee, noch sonne und wärme, einfach schmuddelwetter mit sturm. menschen ziehen sich in ihre vier wände zurück, machen es sich gemütlich und kommen ein wenig zur ruhe. und wie der mensch so funktioniert, wenn er die ganze zeit auf hochtouren lief, kaum kommt er mal zur ruhe bemächtigen alle liegen gebliebenen gedanken und schwierigkeiten sich seiner. der mensch wird melancholisch, traurig oder verstimmt. der richtige zeitpunkt, um „dunkle texte“ zu schreiben.

als einstieg in die schreibidee werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, sich an ihre letzte depressive verstimmung zu erinnern. wann ging es ihnen schlecht? alle schreiben 10 minuten freewriting zu ihrer letzten dunklen stimmung. aus diesem text suchen sie den „dunkelsten“ satz aus. diesen nehmen sie zum anlass für eine geschichte. dieser text soll kein biografischer werden, die schreibgruppe keine therapeutische. es geht um die stimmung, die in den geschichten einzufangen ist. die texte werden anschließend vorgetragen und das feedback dreht sich darum, wie „dunkel“ die geschichte wirkt.

anschließend werden am flipchart grundkonstellationen zusammengetragen, die eine dunkle stimmung verbreiten können, wie zum beispiel abschiede, ängste oder schwierigkeiten, die sich häufen. nachdem diese aspekte gesammelt wurden, wählen sich alle teilnehmerInnen jeweils drei davon aus. diese sind dann in einem text zusammenzuführen, um eine weitere „dunkle“ geschichte zu verfassen. im anschluss werden die texte vorgetragen und beim feedback wird ein identischer schwerpunkt gelegt wie oben beschrieben.

um die stimmung der schreibgruppe zum schluss wieder ein wenig aufzuheitern, werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, ihre letzte geschichte zu nehmen, auf eine seite zu verkürzen und eine amüsante wendung einzuführen. diese texte werden zum abschluss ohne feedback vorgetragen.