Schlagwort-Archive: selbstkritik

biografisches schreiben und verwandlung

von sich selbst kann man oft schwer sagen, ob man sich als person verändert hat, wenn man zurückblickt. gut, die übergänge vom kind zum jugendlichen und vom jugendlichen zum jungen erwachsenen, die waren spürbar, sowohl an den körperlichen veränderungen, als auch an den dingen, die man machen durfte und wollte. da war ganz klar, dass man sich auch als mensch verwandelt hat, nahm man doch langsam seinen gleichberechtigten platz in der gesellschaft ein.

doch danach ist lang ruhe. einzige äußere veränderungen sind meist die ausbildungen und die entwicklungen im berufsleben. kommen eigene kinder ins spiel, dann ist dies auch häufig ein spürbarer umbruch. man verwandelt sich zu sorgenden eltern und andere belange treten in den hintergrund. doch wie sieht es nun aus mit dem eigenen verhalten und auftreten? wann hat man sich verwandelt, ist ein anderer, eine andere geworden? gab es diese momente oder blieb man der junge mensch, der man immer war?

darüber kann man im biografischen schreiben eine kleine selbstreflexion verfassen. dabei sollte man sich erst einmal nicht lang gedanken machen, sondern nur notieren, welche verwandlungen an sich selbst einem in den kopf kommen. anschließend kann man mit dem text zu guten freunden oder lebenspartnerInnen gehen und ihn vorlesen. fragen sie die ihnen nahestehenden menschen, welche verwandlungen sie an ihnen wahrgenommen haben. geben sie ihnen die erlaubnis, offen zu sprechen. und vor allen dingen, setzen sie sich nicht unter druck, allen gefallen zu müssen.

es ist zwar schön, wenn sie von allen menschen tolle rückmeldungen bekommen, doch für manche veränderungen in ihrem leben gibt es für sie gute gründe. biografisches schreiben hat in erster linie nicht das ziel, selbstkritisch einen blick auf sich zu werfen. es sollte nicht ausschließlich dem streben, ein perfekter mensch werden zu wollen, dienen. das ist ein ideal. das biografische schreiben soll und kann ebenso ein verständnis für die eigenen, ganz menschlichen „macken“ und Weiterlesen

schreibberatung und verlust

in die schreibberatung kommen ratsuchende, die oft die zuversicht verloren haben, den notwendigen text, die anstehende schreibarbeit zu verfassen. in diesen momenten teilt sich die schreibberatung in zwei unterschiedliche beratungsbereiche. zum einen werden schreibtechniken vermittelt, um überhaupt wieder in einen schreibfluss zu kommen. zum anderen geht es aber zusätzlich darum, die zuversicht wieder zu erlangen. dies kann teilweise mit dem absolvieren der schreibanregungen einhergehen, genügt aber selten vollständig.

um den verlust der zuversicht besser rückgängig machen zu können, bedarf es einer analyse der situation und vor allen dingen einer analyse der gründe, warum die zuversicht beim schreiben verloren ging. man geht erst einmal davon aus, dass alle menschen, ein interesse daran haben, schreiben zu lernen und schreiben zu können. denn dieser schritt fördert die teilhabe an den lebensumständen, die einen umgeben und erfüllt die anforderungen, die an einen menschen in unserer gesellschaft gestellt werden. ja, man kann sogar davon ausgehen, dass die meisten menschen die ersten schreibschritte freudig vollzogen haben und spaß empfanden.

irgendwann kam dann der bruch – mal früher, mal später – ab dem das schreiben zur qual wurde oder überhaupt nicht mehr funktionierte. vielleicht war es das scheitern an einer aufgabe ohne unterstützung oder eine umwelt die signalisierte, dass man sowieso nichts richtig mache, oder eine rückmeldung, dass es sich um einen ganz fürchterlich geschriebenen text handelte, den man verfasste. gründe für den verlust der zuversicht kann es sehr viele geben. aber diesen gründen sollte man in einer schreibberatung auf die spur kommen.

erst die gemeinsame analyse (der vergangenheit) von schreibberaterInnen und ratsuchenden macht es möglich, die erlebten urteile, kritiken oder selbsteinschätzungen zu entkräften. denn es steht meist eine bewertung im hintergrund, die das eigene schreiben Weiterlesen

wortklauberei (90)

„selbstausfragung“

manchmal sind die suchbegriffe, durch die jemand auf dem blog landet ganz heitere, falsch geschriebene und umständliche. es macht immer wieder spaß in den statistiken zu schauen, durch welche suchbegriffe man gefunden wird. und dann gibt es wörter, die zu denken geben. hier gibt es die rubrik „selbstbefragung“, die wahrscheinlich der grund dafür war, dass jemand mit dem suchbegriff „selbstausfragung“ hierher verwiesen wurde.

es wird schwierig sich selbst auszufragen, wenn der andere geheimnisse hat. da kann man wahrscheinlich noch so viele tricks und finten einsetzen, man wird doch nie alles erfahren. und selbst wenn man über sich selbst durch sich selbst an informationen kommt, die man nie haben wollte: was macht man dann? man kann mit selbstvorwürfen oder selbstverleugnung reagieren. damit tut man sich jedoch keinen gefallen, da oft das selbstwertgefühl darunter leidet.

eigentlich ist man in diesem moment selbstbewusster, aber das muss man sich erst einmal selbst eingestehen. man sollte sich vielleicht mit einem misstrauen sich selbst gegenüber begegnen, denn man hat ja geheimnisse voreinander. warum muss das sein? eigentlich weiß man alles über sich selbst, und doch versteckt man etwas voreinander. gut, der selbstschutz ist ein hilfreiches mittel, um selbstverletzungen zu vermeiden. aber die vorstellung, durch eine „selbstausfragung“ diesen schutz zu umgehen ist ein trugschluss.

man wird sich nichts preisgeben, was man sich nicht preisgeben möchte. und man kann nichts erzwingen. oft schwirrt aber auch die vorstellung durch den raum, man habe sein wahres selbst noch nicht entdeckt, und animiert zu ständigen selbstbeobachtungen und selbstverdächtigungen. damit tut man sich keinen gefallen, denn das, was eine selbstbe- und -ausfragung zu tage fördert, das ist man selbst, so wie man leibt und lebt. mehr gibt es nicht, jedenfalls nicht in diesem moment.

wissenschaftliches schreiben und selbstreflexion

das wissenschaftliche schreiben bietet in den vorstellungen vieler erst einmal keinen anlass zur selbstreflexion. man hat ein vorgegebenes oder gewähltes thema, man hat seine untersuchungs- und forschungsergebnisse und man verfasst den dazu notwendigen text. doch viele schreibende geraten exakt in diesem moment des schreibens in einen strudel aus unsicherheit, zweifeln und aufschiebende verhaltensweisen.

gründe für dieses verhalten wurden hier schon öfter thematisiert und im zusammenhang mit dem thema „schreibberatung“ angesprochen. wichtig erscheint es mir, noch einmal gesondert auf die chancen selbstreflexiver schreibanregungen einzugehen. denn in dem moment, in dem das schreiben eines wissenschaftlichen textes nicht mehr so flüssig vonstatten geht, wie man sich das wünscht, in diesem moment werfen einen gedanken und gefühle gern auf eine selbstkritische struktur zurück.

erst einmal spricht nichts gegen eine selbstkritische haltung. doch sie kann so ausgeprägt zu tage treten, dass sie weiteres schreiben verhindert und erschwert. die menschen lassen in diesen momenten kein gute haar mehr an sich. sie entwickeln eine gedankenschleife, die oft in den resümee enden, dass man alles noch besser machen könne und damit das eigene versagen schon vorprogrammiert wäre. dies ist auch eine form der selbstreflexion, die aber teile der realität aus den augen verloren hat.

ja, man kann jeden text, jede wissenschaftliche arbeit noch besser machen. aber gleichzeitig kommt man nicht drumherum festzustellen, dass die zeit für die erstellung der texte beschränkt ist und dass man sich auf sein arbeitsaufgabe beschränken muss. das gefühl der unzulänglichkeit bei der erfüllung einer wissenschaftlichen aufgabe, lässt sich durch selbstreflexive schreibanregungen teilweise wieder Weiterlesen

schreibidee (300)

eine schwierige anregung zum 300ten schreibidee-jubiläum, es darf ja auch einmal „ans eingemachte“ gehen 😉 selbstkritik ist sehr beliebt, sie kommt nicht selten unerbittlich, direkt und unverblümt zur sprache. es wurde gelernt, gern nach den eigenen fehlern zu suchen, um ein besserer mensch zu werden. und so bemühen wir uns alle vehement. gelernt haben wir nämlich, dass die andere seite stinkt, das eigenlob. gut, bei der selbstvermarktung, da wird dann gern mit dem eigenlob marktschreierisch übertrieben, das ist aber marketing und fällt vielen schwer. hier sei das bodenständige „perfekte eigenlob“ angeregt.

schon der einstieg mag manchen schreibgruppenteilnehmerInnen schwer fallen. man kann sie an bewerbungsunterlagen, die man irgendwann einmal in seinem leben erstellen musste, erinnern. denn in stichworten sollen die persönlichen vorzüge notiert werden. die liste wird nicht vorgetragen.

anschließend erhalten alle teilnehmerInnen eine liste in die sie nur ihren namen eintragen. dann wird die liste rundherum an alle anderen schreibgruppenmitglieder weitergegeben. alle sind aufgefordert, für die jeweils namentlich vermerkte person eine positive eigenschaft zu notieren. wenn es geht, sollten sich keine aussagen doppeln und es genügen stichworte, gern auch ein oder zwei sätze. zum schluss erhalten alle ihre jeweilige liste zurück und können ihre eigene aufstellung durch die aussagen der kollegInnen erweitern.

nun wird mit einzelnen sätzen begonnen: zehnmal soll der satz „ich finde an mir gut, dass … “ vervollständigt werden. auch diese sätze werden nicht vorgetragen. anschließend erstellt man aus allen vorarbeiten ein „zeugnis“. der text ist in der dritten person formuliert und beginnt zum beispiel mit „frau / herr zeichnet sich dadurch aus, dass …“. so ein „zeugnis“ bietet noch die möglichkeit der distanz und klingt, wie wenn es durch andere formuliert wurde.

zum abschluss wird dann das ultimative „perfekte eigenlob“ in der ich-form verfasst. einzelne eigenschaften und vorzüge dürfen ausgeschmückt, begründet oder in ein beispiel gefasst werden. es kann und darf ein längerer text entstehen. so weit es geht, sollte der innere zensor überwunden werden. im anschluss werden das zeugnis und das perfekte eigenlob in der schreibgruppe vorgetragen. vor und nach dem vortrag dürfen keine einschränkungen oder relativierungen vorgenommen werden. anschließend findet eine feedbackrunde statt, die sich hauptsächlich mit der frage, wie schwer es war, solch einen text zu verfassen, auseinandersetzt. und es gibt die hausaufgabe, den text auszudrucken und über das eigene bett zu hängen 😉

schreibpädagogik und kritik

auch dies ist ein heikles gebiet, ähnlich wie in der schreibberatung. wie sollte kritik an den geschriebenen texten in schreibgruppen stattfinden, damit die verfasserInnen davon profitieren und nicht das gefühl haben, sie wären eine inquisition ausgesetzt (etwas, das in schreibgruppen wohl schon öfter vorgekommen sein soll).

dazu muss die schreibgruppenleitung, bevor der gesamte schreibprozess startet und vor den ersten feedbackrunden, die formen des feedbacks ansprechen. immer wieder muss darauf hingewiesen werden, dass nicht die autorin oder der autor zur debatte stehen. dies bedeutet, die teilnehmerInnen müssen dem zustimmen, dass nicht gedeutet und nicht personalisiert wird. oder anders formuliert: sätze wie „die autorin wollte damit …“ oder „diese stelle im text spiegelt die persönlichen, psychischen schwierigkeiten des autors wieder …“ haben in den feedbackrunden und bei kritiken nichts verloren.

denn es wird die grenze zur personalisierung überschritten. um dies in schreibgruppen zu vermeiden, gibt es eigentlich zwei einfache grundregeln. erstens äußern die autorInnen vor dem feedback, was sie für ein feedback haben wollen. dazu geben sie den anderen anhaltspunkte. man kann sich wünschen, dass auf den schreibstil eingegangen wird, wie der text auf einen gewirkt hat oder welche assoziationen man hatte, als man den text hörte. (natürlich darf man sich auch jederzeit dafür aussprechen, kein feedback haben zu wollen.)

und zweitens müssen und dürfen sich die autorInnen nicht für ihren text rechtfertigen. dies bedeutet, man schaltet sich als verfasserIn nicht in die feedbackrunde ein, sondern Weiterlesen

liste (37) – kritik

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „kritik„.

die selbstkritischen gedanken, die ich mir am häufigsten über mich mache:

die kritik, die ich am häufigsten zu hören bekomme:

die kritik, die ich wirklich von anderen annehmen kann und die zu veränderungen in meinem verhalten führen:

kritik, die ich generell voll daneben finde:

kritik, die ich an meiner umwelt geübt habe oder noch üben möchte:

biografisches schreiben und kritik

beim biografischen schreiben kann kritik verschiedene funktionen habe, nur eine funktion ist undenkbar: ein lebenslauf, eine lebensgeschichte kann nicht als gut oder schlecht bezeichnet werden, sie ist nicht bewertbar, und kaum kritisierbar. wenn man davon ausgeht, dass alle menschen erst einmal aus ihrer sicht gute gründe für ihre handlungen haben, dann wäre höchstens in manchen zusammenhängen zu fragen: „wie konnte es dazu kommen?“.

was ist in einem leben passiert, dass jemand anfängt, gewalt auszuüben? was ist passiert, wenn jemand sich und anderen schadet? erst einmal ist der mensch nicht bestrebt, sich selbst oder anderen etwas anzutun, aber er kann sich dorthin entwickeln. natürlich trägt man für einen großen teil seiner handlungen auch die verantwortung, denn man hat entscheidungen getroffen. und doch bleibt es diskussionwürdig, auf welcher grundlage man entscheidungen getroffen hat. ja, man kann mit lebensgeschichten verständnis haben.

in anderen zusammenhängen kann beim biografischen schreiben kritik sehr wohl ein thema sein. die schreibenden können zum beispiel betrachten, wie sehr ihr leben von selbstkritik oder kritik von außen geprägt war. und vor allen dingen, woraus entstand diese kritik? sind das die eigenen regeln gewesen, die wiederum die eigenen handlungen in frage stellten oder sind es vermittelte, von außen nahe gelegte regeln, die einen immer wieder in selbstkritik stürzten? und warum folgte man eventuell regeln, die einem gar nicht gefielen, die man nicht begründen kann?

außerdem kann biografisches schreiben dabei helfen, aufzuschlüsseln, wie viel kritik man weitergegeben hat. es bleibt schwierig, selber beurteilen zu können, ob die kritik angemessen war oder nicht. hier ist es hilfreich, die menschen, die einem nahe stehen, einfach zu fragen. Weiterlesen

schreibberatung und kritik

ein heikles gebiet: wie sollte in einer schreibberatung an den texten kritik geübt werden? wenn man davon ausgeht, dass jemand in die beratung geht, der gerade schwierigkeiten damit hat, seine schreibaufgaben zu erledigen, dann kann kritik schnell dazu führen, dass überhaupt nicht mehr geschrieben wird. denn nicht selten basiert die schreibkrise auf übertriebener selbstkritik. wird da von den beraterInnen noch ein draufgesetzt, findet sich die perfekte bestätigung der selbstkritik.

also müsste im ersten schritt der beratung eigentlich geklärt werden, welche funktion kritik im zusammenhang mit dem schreiben hat. sie stellt nicht die person in frage, sie ist immer nur eine anregung, sie bietet die chance dazu zu lernen und sie wird nur den geäußerten bedürfnissen der ratsuchenden folgend formuliert. doch ebenso wird sie nicht schönreden. es hilft niemandem, wenn man kritik schönredet. kritik sollte sich immer an der realität orientieren. wenn jemand zum beispiel bei einer hausarbeit vollständig das thema verfehlt, dann macht es keinen sinn, nur zu äußern, dass das eine unterkapitel ganz interessant formuliert sei.

werden während der beratung die kriterien der kritik geklärt und erklärt, dann ist am ehesten vermittelbar, dass die kritik sich nicht gegen die ratsuchenden richtet. die schwierigkeit, kreativ geschaffenes zu kritisieren besteht immer wieder darin, dass es von den kritisierten gern in eine persönliche, also personalisierende kritik verwandelt wird. hier hilft nur gebetsmühlenartige wiederholung, dass es nicht um die person geht, die einem gegenübersitzt, sondern um den text.

es gibt manche vorstellungen, wie kritik funktionieren sollte: so wird gern die sandwich-technik angewendet. dies bedeutet, den kritischen teil mit positiven kritiken zum umhüllen. mit scheint dies zu strategisch, denn es bedient eigentlich die angst vor kritik. Weiterlesen

selbstbefragung (96) – kritik

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „kritik„.

  • welche kritik vertragen sie?
  • welche kritik vertragen sie nicht?
  • wen oder was würden sie im moment am liebsten kritisieren? warum?
  • wie halten sie es mit der selbstkritik: zu viel oder zu wenig? beschreiben sie.
  • an welcher kritik sind sie gewachsen? wodurch?
  • wie halten sie es mit der gesellschaftskritik: zu viel oder zu wenig? beschreiben sie.
  • wann finden sie kritik unangebracht? warum?
  • wozu bilden sie sich am liebsten eine eigene meinung und kritisieren?
  • ab wann vernichtet ihrer meinung nach kritik?
  • wessen kritik schätzen sie am meisten?

biografisches schreiben und liebe (2)

vor beinahe drei jahren habe ich schon einmal über das biografische schreiben und die liebe geschrieben. dabei lag der schwerpunkt auf der außensicht, also, an wen richtete sich meine liebe und wie wirkte dies auf mich. dieses mal möchte ich den blick noch stärker nach innen richten. es gibt die aussage „nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben“. ein hoher anspruch, doch wie immer bei verallgemeinernden aussagen zu gefühlswelten, steckt ein körnchen wahrheit drin.

vielen menschen ist es unangenehm oder unmöglich, sich selbst gegenüber positive gefühle zu haben. man ist eher bereit kritiken und negative ereignisse ernst zu nehmen, als die positiven rückmeldungen, die einem von anderen gegeben werden. es fällt leichter anderen positive gefühle entgegen zu bringen, als sich selber. zu oft wird nach fehlern bei einem selber gesucht, als nach stärken oder positiven eigenschaften.

sicherlich gibt es die selbstüberschätzung, die sich in größenwahnsinnigen haltungen äußert. da treten menschen mit der haltung nach außen, sie wären so außergewöhnlich, dass ihnen niemand das wasser reichen kann. dies stösst der umwelt unangenehm auf. und kaum lernt man diese menschen kennen, stellt sich heraus, dass sie meist ganz „normale“ lebensgeschichten hinter sich haben, dass sie in der selbsteinschätzung übertreiben.

doch es gibt haltungen abseits der extreme, die dem menschen einfach nur gut tun können. zu viele glauben, sie wären gleich größenwahnsinnig, wenn sie nur mal formulieren, dass sie sich selbst mögen, dass sie gut finden, was sie getan haben, dass sie ein gefallen an dem umgang mit sich selber haben. auch hier muss ich natürlich mit den verallgemeinerungen vorsichtig sein, Weiterlesen

schreibpädagogik und entschuldigen

eine etwas seltsame überschrift. man muss sich ja für eine schreibgruppenteilnahme oder eine schreibgruppenleitung sowieso nicht entschuldigen. also was hat das entschuldigen mit den angeboten zum schreiben, zum schreiben können, zu tun?

eine sehr beliebte form, den eigenen text in gruppen vorzutragen, besteht darin, eine erklärung oder eine untertreibung voranzustellen. als erste reaktion tritt bei den anderen teilnehmerInnen oft das gefühl, es gehe um fishing-for-compliments, auf. man erklärt seinen text vorher schon einmal für nicht so gelungen, benennt knackpunkte und vorweggenommene urteile. man macht für das in den eigenen augen mittelmäßige ergebnis die knappe zeit, den gerade vorherrschenden persönlichen stress oder auch nur die tagesform verantwortlich.

eigentlich entschuldigt man sich für seinen eigenen text, den man den anderen zu gehör bringt. damit senkt man die erwartungen und versucht einer kritik vorzubauen. im gleichen atemzug macht man aber seine eigene kreative schöpfung zunichte und wertet sie ab. ich mache mich klein und überhöhe die anderen zum jüngsten gericht. ich nehme vermutetes feedback vorweg. durch die entschuldigung, mache ich es anderen schwer, sich gelassen mit meinem text auseinanderzusetzen. sie sind aufgefordert, mir zu widersprechen, wenn sie den text nicht so schlecht finden, wie ich ihn beschrieben habe.

durch das entschuldigen setzt man andere schreibgruppenteilnehmerInnen und die gruppenleitung unter druck. ähnliches suggerieren gruppenleitungen, die schon zu beginn zu verstehen geben, dass sie dieses mal leider schlecht vorbereitet sind oder dass ihre tagesform eingeschränkt ist. es geht nicht darum, unterstützung durch die gruppe zu erfahren, es geht darum, jegliche kritik im keim zu ersticken. denn was kann man darauf noch sagen? wer sagt schon „ja aber du bist die gruppenleitung, du müsstest vorbereitet sein.“? das mag man denken, doch offen ausgesprochen wird es selten.

eigentlich hätte der titel dieses post „schreibpädagogik und nicht-entschuldigen“ lauten müssen. denn es geht mir darum, zu zeigen, wie man als leitung oder als teilnehmerIn diese vorgehensweise aushebeln kann. man könnte mit einer überspitzung der situation reagieren und sagen: „ja, dann lies doch deinen schlechten text vor. wir haben keinen zweifel daran, dass der wieder nichts geworden ist, so wie wir das schon von dir gewöhnt sind.“. Weiterlesen

kreatives schreiben und kreativität

es gibt menschen, die der meinung sind, sie seien nicht kreativ und werden es auch nie sein. dabei gehen sie davon aus, dass unter kreativität eine besondere fähigkeit zu verstehen ist, die nicht jedem gegeben ist. das ist eine auffassung, die weit verbreitet ist. sie hängt oft mit der vorstellung zusammen, dass kreativität besondere leistungen, wie den „faust“ hervorzubringen hat. dabei sind die ansprüche an sich selbst so hoch, dass jede kreative schreibtechnik scheitern muss.

dabei bietet gerade das kreative schreiben möglichkeiten, sich stück für stück den eigenen kreativen impulsen anzunähern. denn die assoziations- und schreibtechniken bieten, wenn sie konsequent angewendet werden, einen zugang, den eigenen zensor immer besser ausschalten zu können. sie führen die schreibenden an den punkt, sich nicht mehr so viele gedanken über das zu schreibende zu machen. natürlich verschwindet nach vollbrachtem schreiben noch nicht das vernichtende urteil.

bei etlichen teilnehmerInnen von schreibgruppen liegen anschließend zwei gefühle im widerstreit. zum einen das angenehme gefühl, etwas geschaffen zu haben, etwas eigenes produziert zu haben. zum anderen aber die kritische betrachtung des ergebnisses, die so schlecht und unprofessionell wirkt. da helfen oft auch keine bewertungen von anderen teilnehmerInnen, dass es sich um gute oder schöne texte handelt. hier werden die anderen eher abschätzig betrachtet, dass sie sich mit solchen schlechten ergebnissen zufrieden geben.

ein wenig verändern können diese situation eventuell selbstreflexive texte über den schreibprozess oder dialoge mit dem inneren zensor. denn bevor man sich endgültig der eigenen kreativität versichern kann, muss man sich vergewissern woher das strenge urteil über sich selber kommt. wann hat man gelernt, dass man höchstleistungen bringen muss und alles darunter ist nicht gekonnt. vor allen dingen bei der kreativität ist das mit der höchstleistung so eine frage, da die geschmäcker sehr verschieden sind. ansonsten kann noch eine schreibberatung hilfe bieten.

schreibpädagogik und narzissmus

 

selbst“bewusstsein“ und selbst“liebe“ sind eine voraussetzung, sich mit seinen texten und geschichten an die öffentlichkeit zu wenden. wer nicht der überzeugung ist, dass etwas von den eigenen werken mitzuteilen ist, wird schwierigkeiten haben, sie auch überzeugend vorzutragen. deshalb ist der narzissmus bis zu einem gewissen grad bestandteil der schreibpädagogik. eitelkeit kann nicht schaden. die eigenschaft und verhaltensweise ist bei uns weiterhin negativ besetzt, da erziehung und gesellschaftsnorm gern den asketischen und demütigen menschen propagieren. wer von sich überzeugt ist, wird gern schnell und heftig kritisiert.

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