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nabelschau (29)

kurze unterbrechung. dieser beitrag darf im internet aus rechtlichen gründen nicht gezeigt werden. das ist ja ein ding. als surfer, der gerade den drang verspürte, schnell die nachrichten im livestream zu betrachten, bekommt man das gefühl, etwas illegales zu machen. dabei ist es ein öffentlich-rechtliches angebot. doch schlagartig als ein schrubbeliges fussballspiel thema war, waren auch schon ton und bild weg. eben nur die botschaft „dieser beitrag darf im internet aus rechtlichen gründen nicht gezeigt werden“ prangte auf dem bildschirm.

und man weiß nicht, wie lang wird denn nun der beitrag dauern. reicht es für einen gang zum klo oder zum kühlschrank? oder verpasst man dann die wettervorhersage? auf der anderen seite kommt freude auf. der ganze abend des ersten öffentlich-rechtlichen stand unter dem motto fussball. dies passiert immer häufiger. man fragt sich, ob es nicht noch andere mitbürger gibt, die diesem sport nichts abgewinnen können. warum spielen die am abend? und wenn sie am abend gespielt haben, weshalb darf dann in der nacht kein ausschnitt gezeigt werden?

da sind sie wieder, die widersprüche des lebens. zum einen unterliegen die sportnachrichten ausschließlich vermarktungsstrategien. der konsument staatlicher sendebetriebe wird diesen vermarktungsstrategien unterworfen und kann nichts dagegen machen. im internet kann er nicht sehen, was zu den tagesnachrichten gehört. aus finanzgründen findet zensur statt. eine tolle sache.
zum anderen ist es eine labsal, dass immer dann, wenn fussball kommt, bild und ton verschwinden. das sollte patentiert werden. man könnte ein wenig unterhaltungsmusik im hintergrund einblenden und im vordergrund eine zeitangabe, wann es weitergeht, abbilden. hier wäre dem fussballphoben zuschauer genüge getan. vielleicht sollte dies auch bei den tv-übertragungen als alternative angeboten werden, um bei schöner musik ein buch lesen zu können.

natürlich kann man das ding auch ausschalten, aber man wollte ja nur die nachrichten sehen.

nabelschau (21)

fussball regiert die welt. brot und spiele sind immer noch ein befriedungskonzept, das in den heutigen gesellschaften ganz gut funktioniert. eine zeitlang machte es den eindruck, dass das brot die überhand beim ruhigstellen gewinnt. doch gerade in letzter zeit stellt sich heraus, wahrscheinlich seit der finanzkrise, die den rubel nicht mehr so rollen ließ, dass das brot in den hintergrund tritt. fussball aus den arenen wird bestimmend.

woran sich das ablesen lässt? die ziehung der lottozahlen wurde zum beispiel verschoben. da interessiert es nicht, dass wahrscheinlich sehr viel mehr menschen der hoffnung auf den großen gewinn, auf einen riesigen laib brot folgen, als dem über den rasen getretenen ball. doch das spielt keine rolle, in der konkurrenz um die senderechte für die übertragungen wird alles andere im fernsehprogramm gekippt. das hat zur folge, dass die ziehung der lottozahlen an sich, schon zu einem lotteriespiel werden. denn im vorfeld laufen in zukunft solch bewegende sendungen wie das „musikantenstadl“, die generell unklare schlusszeiten haben. also folgt die ziehung der lottozahlen nicht unbedingt den zeitangaben der programmzeitschriften. alles nur, wegen diesem fussball.

ähnlich sieht es in berlin aus. die stadt schämt sich ein wenig dafür, dass ihre schnellbahn nur sehr eingeschränkt verkehrt. dies bedeutet für alle ihr tägliches brot verdienenden bei dreißig grad im schatten, sich in verkürzte züge zu drängen, um überhaupt den arbeitsplatz zu erreichen. doch wenn der heimatverein ein spiel in der liga hat, dann schafft es die s-bahn, sonderzüge einzusetzen, damit jeder zuschauer pünktlich das stadion erreichen kann. und dies, obwohl der spielort auch noch von der u-bahn angefahren wird. wenn das mal keine aufforderung ist, arbeit arbeit sein zu lassen und brot brot sein zu lassen, um sich nur noch dem spielen zu widmen. oder sich einfach mal bei der s-bahn zu beschweren, warum diese sonderzüge nicht im alltag eingesetzt werden können. alle nur, wegen diesem fussball.