Schlagwort-Archive: sinnfrei

kreatives schreiben und reimen

das kreative schreiben bezieht sich nicht ausschließlich auf die kleine kurzgeschichte, das freewriting oder die erstellung von clustern. es kann auch gedichtet werden, in etwa so:

 

muschelpups


muscheln pupsen

wenn sie sich stupsen

in das offene meer


kleine blasen fliechen

keiner kann sie riechen

im wasser wild umher


doch über dem meer

geben blasen düfte her

und das stinkt sehr

 

(märz 2009)

 

bemerkenswert ist dabei, dass sich auch beim reimen der spaß im schreiben in den vordergrund rückt und nicht die harte schule der perfekten lyrik. reime, die sich eigentlich nicht reimen sind erlaubt, ebenso wie die verstörung der rhythmen. abgesehen von der modernen lyrik, die schon längst die meisten konventionen aufgelöst hat, dient das kreative schreiben erst einmal der umsetzung von ideen. die aussagen und die spielerei stehen im vordergrund. das kann alles später noch überarbeitet werden und zu einem ernsten stück literatur mutieren.

also obiges beispiel ist sicher nicht unbedingt ausbaufähig. das ist aber auch nicht der anspruch kreativen schreibens, große literatur zu schaffen. wichtiger scheint es, im fluss des schreibens zu bleiben und spaß daran zu haben. hier scheint der reim eine möglichkeit, die dem blödsinn tür und tor öffnen kann. einer der besten autoren in diesem zusammenhang ist zum beispiel heinz erhardt, eigentlich ein sehr ernsthafter entertainer. doch seine reime spielten mit den konventionen der deutschen sprache. das ist heutzutage erlaubt.

beurteilen, ob etwas vom gereimten später brauchbar ist, können nur die autorInnen selber und in der folge eventuell die leserInnen oder die zuhörerInnen. hilfreich bei der verfassung von reimen sind zum beispiel die verschiedenen reimlexika. sie bieten einen bunten strauß an möglichkeiten. beim kreativen reimen geht es auch wieder darum, die eigenen ansprüche hintan zu stellen und den inneren zensor im zaum zu halten. bei der nachbearbeitung lässt sich immer noch eine menge verwerfen. in diesem sinne, „reim dich oder ich fress dich“.

schreibidee (100)

nachdem hier inzwischen 99 mehr oder weniger anspruchsvolle schreibideen veröffentlicht wurden, wird es zeit, sich zum jubiläum dem nonsens zu widmen. so sollen dieses mal „sinnfreie geschichten“ angeregt werden. es muss ja nicht immer so hochtrabend kreativ oder literarisch sein. der dadaismus war eine schöne variante, keine aussage zu treffen und damit doch eine aussage zu treffen. dazu kommt, dass nonsens unglaublich viel spaß sowohl beim schreiben als auch beim vorlesen machen kann.

um sinnfreie texte in einer schreibgruppe anzuregen, bedarf es keiner größeren vorbereitungen. zu beginn sollten mehrere texte sinnfreier literatur vorgelesen werden. dann werden die teilnehmerInnen aufgefordert eine liste mit zehn fantasieworten zu erstellen. diese müssen nicht erklärt und nicht definiert werden.

zwei varianten der „sinnfreien geschichten“ sollen geschrieben werden. zum einen eine kurze geschichte unter verwendung der fantasiewörter, wie zum beispiel „popputt“ und „kaffel“. zum anderen eine geschichte, deren handlung überhaupt keinen sinn gibt, nicht einmal einen versteckten.

anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgelesen. die teilnehmerInnen werden aufgefordert anschließend ein möglichst sinnfreies feedback zu geben.

schreibidee (75)

heute habe ich im buchladen ein wunderbares reclam-heft gefunden, das den anlass für die neue schreibidee gibt. unter der isbn 978-3-15-009890-5 findet man „deutsche unsinnpoesie„. etwas, das vor allen dingen durch joachim ringelnatz sehr bekannt wurde. da nonsens gar nicht so leicht zu produzieren ist, sollte man den einstieg in das thema am besten mit ein paar kleinen beispielen beginnen. Ob von DichterInnen oder von MalerInnen, viele haben sich der „unsinnpoesie“ gewidmet. der dadaismus hat es auf die spitze getrieben, die moderne schuf vermehrt lautgedichte, dem unsinn wurde kreativität gewidmet.

so kann es in einer schreibgruppe hilfreich sein, erst einmal einzelne unsinnige aussagen zu verfassen. wie zum beispiel bei „fahrradöl verfeinerte das aroma des feldsalates“. die aussagen werden gegenseitig vorgestellt. anschließend wählen sich alle teilnehmerInnen ihre lieblingsaussage aus allen getroffenen aussagen aus. daraus wird dann ein gedicht verfasst. wie dies umgesetzt wird, bleibt den schreibenden vollständig überlassen. auch diese gedichte werden gegenseitig vorgetragen.

zum schluss wird noch ein schritt weitergegangen. nun sind alle aufgerufen einen text zu verfassen, der weder sinn noch unsinn enthält. ein text, der erst einmal gar nichts mehr aussagt, obwohl die bedeutung der texte für jeden wieder verschieden sein kann. diese übung bedeutet alles bis jetzt über das kreative schreiben gelernte zu vergessen, den inneren zensor zu ignorieren und sich an unbekanntes wagen. so kann für kurze zeit der dadaismus einzug in die schreibgruppe halten.