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100 „wortklaubereien“ aus diesem blog

worte, werbung, wortwendungen, polit- und beratersprech – ein weites feld, in dem sich immer wieder begrifflichkeiten oder aussagen finden, die absurd, fragwürdig, irrwitzig oder einfach nur kracher sind. ich fühle mich nicht als saubermann der deutschen sprache – ich greife nur gern skurriles auf (auch wenn es nicht tagesaktuell ist) und versuche, es auseinander zu klauben. nun sind die 100 klaubereien voll, darum hier eine linksliste zu den verschiedenen auffälligkeiten:

wortklauberei (01): „tiefkühlkost“
wortklauberei (02): „seitenflügel“
wortklauberei (03): „ausbildung“
wortklauberei (04): „zeitnah“
wortklauberei (05): „wellness“
wortklauberei (06): „mit dem wort links habe ich keine berührungsängste“
wortklauberei (07): „wintereinbruch“
wortklauberei (08): „verantwortungsloses system“
wortklauberei (09): „dienstleistungsgesellschaft“
wortklauberei (10): „garnier-koffein-augen-roll-on“
wortklauberei (11): „finanzmarktstabilisierungsanstalt“
wortklauberei (12): „die genuss-molkerei“
wortklauberei (13): „schicksalsreportage“
wortklauberei (14): „handy“
wortklauberei (15): „rauschtrinken“
wortklauberei (16): „clashen lassen“
wortklauberei (17): wort des jahres: „finanzkrise“
wortklauberei (18): „kinderleicht-regionen“
wortklauberei (19): „… dass niemals wieder ein vorstandsvorsitzender der deutschen bank ein renditeziel von 25 prozent vorgibt“
wortklauberei (20): „kampfmittelbeseitigung“
wortklauberei (21): unwort des jahres: „notleidende banken“
wortklauberei (22): „always ultra mit secure guard schutzkonturen“
wortklauberei (23): „ein herz für erzeuger“
wortklauberei (24): „eine neue zeit beginnt. wir sind bereit.“
wortklauberei (25): „in dieser unendlichen weite des tabellen-ozeans“
wortklauberei (26): „cesar – zeig deine liebe“
wortklauberei (27): „wir werden das konjunkturtal überwinden“
wortklauberei (28): „up-&-awake-pads“
wortklauberei (29): „athletisches design“
wortklauberei (30): „zwei leben. eine liebe. sheba“
wortklauberei (31): „karriere lounge“
wortklauberei (32): „creativ catering“
wortklauberei (33): „bunte eier aus bodenhaltung“
wortklauberei (34): „das stinkt doch nach pfusch“
wortklauberei (35): „schicken sie ihren gaumen auf weltreise“
wortklauberei (36): „bossnapping“
wortklauberei (37): „bad bank“
wortklauberei (38): „sei welt – sei meister – sei berlin“
wortklauberei (39): „stück für stück ins homoglück“
wortklauberei (40): „gesundheitskasse“
wortklauberei (41): „endlich gibt es tempo auch als toilettenpapier“
wortklauberei (42): „trendwende“
wortklauberei (43): „internationaler tag des kusses“
wortklauberei (44): „frauenpolitik & genderpolitik in der friedrich-ebert-stiftung“
wortklauberei (45): „basisfahrplan“
wortklauberei (46): „analog-käse“
wortklauberei (47): „kundenlebenswert“
wortklauberei (48): „dienstleistungsbereitschaft“
wortklauberei (49): „du bist nicht auf der welt, um zu schweigen“
wortklauberei (50): „sprachbox“
wortklauberei (51): „black puty”
wortklauberei (52): „eine gute id“
wortklauberei (53): „unsere kommune ist demenzfreundlich“
wortklauberei (54): „millionisieren”
wortklauberei (55): „verschwulung des bezirks“
wortklauberei (56): „wutbürger“
wortklauberei (57): „wahre liebe kribbelt nicht. sie brutzelt.“
wortklauberei (58): „neujahr“
wortklauberei (59): „der vorsatz“
wortklauberei (60): „amt warnt vor asthma durch babyschwimmen“
wortklauberei (61): „abends mit gesundem gemüse kochen“
wortklauberei (62): „thailändisches überschwemmungsamt“
wortklauberei (63): „die unnötigen zeilenumbrüche des nachrichtentextes wurden automatisch entfernt“
wortklauberei (64): „transformationspartnerschaft“
wortklauberei (65): „lebensqualität“
wortklauberei (66): „eine entscheidung der konsequenz“
wortklauberei (67): „stumpfsinn“
wortklauberei (68): „grenzwert“
wortklauberei (69): „warnschussarrest“
wortklauberei (70): „mozarella in „herzli“-form zum muttertag“
wortklauberei (71): „angsthase“
wortklauberei (72): „eifersucht“
wortklauberei (73): „rumgurken“
wortklauberei (74): „lehruntauglich“
wortklauberei (75): „nicht kirchensteuerpflichtig = vd“
wortklauberei (76): „smartbucher“
wortklauberei (77): „schlichtgefieder“
wortklauberei (78): „lasst benni nicht im heim sterben”
wortklauberei (79): „sozialer patriotismus“
wortklauberei (80): „schmutzfangmatten“
wortklauberei (81): „krümelschutz“
wortklauberei (82): „bundestrojaner“
wortklauberei (83): „dumpf-muffiger fehlton“
wortklauberei (84): „flexiquote“
wortklauberei (85): „schuldenschnitt“
wortklauberei (86): „un-möglich“
wortklauberei (87): „un-gehalten“
wortklauberei (88): „auf der grundlage eines festen kompasses“
wortklauberei (89): „der breite widerstand ist friedlich“
wortklauberei (90): „selbstausfragung“
wortklauberei (91): „kochblockade“
wortklauberei (92): „care-verpflichtungen“
wortklauberei (93): „verfassungsschutz“
wortklauberei (94): „globalzufriedenheit“
wortklauberei (95): „ausgeflöckel“
wortklauberei (96): „for you. vor ort“
wortklauberei (97): „ehrensold“
wortklauberei (98): „einschaltquote“
wortklauberei (99): „billiges geld“
wortklauberei (100): „fettstufe“

viel spaß damit!

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schreibidee (345)

stellen sie sich vor, sie laufen auf einem waldweg dahin, genießen die natur und kennen den weg nicht. sie haben auch keine karte dabei, wollen einfach nur so rumlaufen. dann kommt eine weggabelung – kein schild, kein hinweis, nichts. gehen sie nach rechts oder nach links? ähnliches geschieht uns täglich. wir entscheiden in unserem alltag laufend, was wir als nächstes tun, wie wir handeln wollen oder was wir sagen. meist stehen wir vor entscheidungen, wie „ja!“ oder „nein!“, wie „links“ oder „rechts“. auch beim schreiben von texten tauchen solche momente auf. darum eine schreibanregung zu „überraschenden wendungen“.

hier wurden schon öfter vorschläge gemacht, geschichten zu schreiben, in denen eine handlung, den gesamten verlauf einer story verändert. doch dieses mal soll einen schritt weiter gegangen werden. und dieses mal werden in der schreibgruppe nur zwei längere geschichten geschrieben. zu beginn kann man eine inhaltliche oder stilistische schreibanregung für eine geschichte geben oder den teilnehmerInnen wird freigestellt, worüber sie schreiben. einzige vorgabe: es muss eine handlung geben, es muss etwas geschehen in der geschichte.

anschließend werden die geschichten nicht vorgetragen, sonder alle lesen ihre eigene geschichte noch einmal durch. dabei markieren sie fünf stellen, an denen etwas geschieht. also zum beispiel jemand eine tür schließt, einen brief liest, auf jemanden zugeht und so weiter. dann überlegen sie sich für jedes markierte ereignis, wie das absurdeste alternative ereignis aussieht. dies wird notiert (es können auch mehrere vorschläge sein). so rennt jemand weg anstatt auf jemanden zu zu gehen, wie es die vorliegende variante beschreibt. oder jemand tanzt tango mit sich allein und tanzt auf die andere person zu. oder jemand holt ein sandwich aus der tasche und isst es genüsslich oder …

als nächste wird die eigene geschichte an einen nachbarn in der schreibgruppe weitergegeben. die nachbarInnen markieren ebenso fünf ereignisse oder geschehnisse und notieren auf einem blatt für die jeweiligen stellen absurde alternative vorkommnisse oder handlungen. geschichte und notizen werden an die ursprünglichen autorInnen zurückgegeben.

jetzt wird die geschichte ein zweites mal geschrieben. an insgesamt fünf stellen (man hat die fünf eigenen und die fünf von kollegInnen notierten alternativen zur auswahl) nimmt die geschichte den absurden verlauf. und doch sollte die geschichte nicht vollständig verlassen werden, also keine ganz neue entstehen. es sollen nur einzelne momente durch das unerwartete, wendungen erfahren. es wird sich zeigen, dass stories durch absurde momente nicht selten lebhafter und anregender werden. die neuen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und du veränderten stellen werden aufgezeigt. anschließend findet eine feedbackrunde statt.

schnickschnack (109)

schreibanregungen leben oft genug von skurrilitäten des alltags, die aufgegriffen und verarbeitet werden. dazu gehören auch worte, namen oder eben orte, die nicht der alltäglichen vorstellung entsprechen. dazu kann man zum beispiel im telefonbuch nach namen suchen, die voller bedeutung sind. man kann sich titel von gaststätten, geschäften oder firmen notieren, die einen humorvollen beigeschmack haben.

und man kann sich die landkarte deutschlands anschauen, auf der suche nach außergewöhnlichen städte- und ortsnamen. diese arbeit haben sich menschen von „pressesau.de“ gemacht und unter den „specials“ auf ihrer homepage inzwischen drei landkarten von deutschland veröffentlich, auf denen seltsame ortnamen verzeichnet sind. hier der link zur ersten karte: http://www.pressesau.de/index.php?action=1119376584 .

erst einmal kann man einfach über die namen schmunzeln. aber vielleicht will man im laufe der zeit eine der eigenen zu schreibenden geschichten in den passenden ort verlegen? oder man nutzt diese karten als schreibanregung in einer schreibgruppe für humorvolle erzählungen. oder man schaut mal kurz drüber, freut sich, dass man bestimmte adressen nicht sein eigen nennt und legt die info wieder beiseite.

50 wortklaubereien aus diesem blog

und wenn wir dann gerade schon bei den ganzen schreibtechniken, schreibweisen und schreibformen sind, dann können wir auch noch schnell einen blick auf die sprach werfen. also persönlich sind die wortklaubereien mein liebstes kind, da der geschriebene humor der schönste ist. meist war es anders gemeint, aber es findet sich beständig missverständliches. nachschlag kommt in den nächsten wochen. hier kann ich mich jedenfalls ein wenig austoben 😳

gepostet am 18.02.2010

vor ungefähr anderhalb jahren hatte ich angefangen, mich worten und wortwendungen zu zu wenden, die an aussage und doppeldeutigkeit kranken. es fanden sich immer wieder dinge, die ernst genommen, die welt auf den kopf stellen können oder leserInnen zweifelnd zurücklassen. was wollten die autorInnen mir damit sagen? wer kommt auf solche abstrusen wortspiele? diese „wortklaubereien“ seien nun hier zusammengefasst, um platz für neue zu schaffen.

wortklauberei (01): „tiefkühlkost“
wortklauberei (02): „seitenflügel“
wortklauberei (03): „ausbildung“
wortklauberei (04): „zeitnah“
wortklauberei (05): „wellness“
wortklauberei (06): „mit dem wort links habe ich keine berührungsängste“
wortklauberei (07): „wintereinbruch“
wortklauberei (08): „verantwortungsloses system“
wortklauberei (09): „dienstleistungsgesellschaft“
wortklauberei (10): „garnier-koffein-augen-roll-on“
wortklauberei (11): „finanzmarktstabilisierungsanstalt“
wortklauberei (12): „die genuss-molkerei“
wortklauberei (13): „schicksalsreportage“
wortklauberei (14): „handy“
wortklauberei (15): „rauschtrinken“
wortklauberei (16): „clashen lassen“
wortklauberei (17): wort des jahres: „finanzkrise“
wortklauberei (18): „kinderleicht-regionen“
wortklauberei (19): „… dass niemals wieder ein vorstandsvorsitzender der deutschen bank ein renditeziel von 25 prozent vorgibt“
wortklauberei (20): „kampfmittelbeseitigung“
wortklauberei (21): unwort des jahres: „notleidende banken“
wortklauberei (22): „always ultra mit secure guard schutzkonturen“
wortklauberei (23): „ein herz für erzeuger“
wortklauberei (24): „eine neue zeit beginnt. wir sind bereit.“
wortklauberei (25): „in dieser unendlichen weite des tabellen-ozeans“
wortklauberei (26): „cesar – zeig deine liebe“
wortklauberei (27): „wir werden das konjunkturtal überwinden“
wortklauberei (28): „up-&-awake-pads“
wortklauberei (29): „athletisches design“
wortklauberei (30): „zwei leben. eine liebe. sheba“
wortklauberei (31): „karriere lounge“
wortklauberei (32): „creativ catering“
wortklauberei (33): „bunte eier aus bodenhaltung“
wortklauberei (34): „das stinkt doch nach pfusch“
wortklauberei (35): „schicken sie ihren gaumen auf weltreise“
wortklauberei (36): „bossnapping“
wortklauberei (37): „bad bank“
wortklauberei (38): „sei welt – sei meister – sei berlin“
wortklauberei (39): „stück für stück ins homoglück“
wortklauberei (40): „gesundheitskasse“
wortklauberei (41): „endlich gibt es tempo auch als toilettenpapier“
wortklauberei (42): „trendwende“
wortklauberei (43): „internationaler tag des kusses“
wortklauberei (44): „frauenpolitik & genderpolitik in der friedrich-ebert-stiftung“
wortklauberei (45): „basisfahrplan“
wortklauberei (46): „analog-käse“
wortklauberei (47): „kundenlebenswert“
wortklauberei (48): „dienstleistungsbereitschaft“
wortklauberei (49): „du bist nicht auf der welt, um zu schweigen“
wortklauberei (50): „sprachbox“

viel spaß damit!

„schöner wird´s nicht“ von david sedaris – ein buchtipp

heiter weiter, so könnte man die grundlagen des buches von sedaris beschreiben. manchmal darf es auch lektüre sein, die nicht den anspruch zu größeren gedanken anzuregen hat. sie beschreibt nur die absurditäten des alltags, die kleinen neurosen, die wir alle mit uns rumtragen. und sie ist zum brüllen komisch, zumindest für viele menschen, die auch über sich selber lachen können. und die dem an sich ernsthaften leben noch eine witzige seite abgewinnen können.

david sedaris beschreibt, wie auch schon in seinen vorherigen büchern, situationen aus seinem leben. mal sind es längere, mal kürzere geschichten. dabei sind die situationen gar nicht so komisch, es sind die gedanken, die sich der autor dabei macht. und auf den punkt gebracht: „schöner wird´s nicht„. auch wenn die beschreibungen meist recht amüsant sind, schimmert in beinahe jeder geschichte, auch ein ernsthafter gedanke durch. das kennt man von sedaris, es ist kein schenkel-klopf-lachen, das er hervorrufen möchte, es ist ein ach-je-leicht-ist-das-leben-trotzdem-nicht-lachen.

und doch. wenn er zum beispiel beschreibt, wie er eine emotionale bindung zu einer spinne im ferienhaus aufbaut, sie füttert und sie später mit nach paris nimmt, dann liest sich das so skurril, dass man schwer an sich halten kann. oder der bericht darüber, das rauchen mit hilfe eines besuchs in japan und dem damit verbundenen kulturclash zu beenden, das gibt einem einblicke in eine fremde welt. ein buch, das dazu animiert, selber seinen alltag genauer zu beobachten und einen blick auf die eigenen schrägen gedanken zu werfen. man muss es nur notieren und eine angemessene sprache dafür finden. das ist ja ganz leicht 😛 das buch ist im karl blessing verlag in münchen 2008 erschienen. ISBN 978-3-89667-385-5 .

nabelschau (19)

skurrile suchanfragen. der mensch ist ein suchender. er such den sinn des lebens, seinen platz, er sucht sie oder ihn, er sucht seine ruhe und vor allen dingen sucht der mensch informationen. dafür gibt es suchmaschinen. und suchmaschinen verweisen dann, wenn es entsprechungen auf homepages oder blogs zu den suchbegriffen gibt, auf diese. nur manchmal suchen sich die suchmaschinen zum beispiel in einzelnen artikeln ganz schön was zusammen. wenn der mensch dann auch noch auf das zusammengesuchte klickt, zeigt einem der eigene blog im hintergrund, was gesucht wurde.

so wird nach einem „waschbecken mit schmutzsammler“ gesucht. ich habe aber nie über waschbecken mit schmutzsammler geschrieben. gibt man die suchbegriffe bei google ein finden sich fünf treffer und dieser blog steht an erster stelle, denn in der letzten nabelschau zur körperbe- und -enthaarung tauchten die begriffe „waschbecken“ und „schmutzsammler“ auf, wenn auch in ganz anderen zusammenhängen.

noch absurder wird es bei suchanfrage „heteros abfüllen und benutzen„. abgesehen von der tatsache, dass jemand auf so eine blödsinnige idee kommt und meint, daran gefallen zu finden, habe ich nun wirklich nie, nie, nie dazu geschrieben. aber einzeln kommen alle begriffe der suchanfrage eigentlich im gegenteiligen post vor, nämlich in dem zur diskriminierung homosexueller. jedenfalls wird der suchende mensch erstaunt gewesen sein, als er infos bekam, die er wahrscheinlich nie haben wollte. sie schadeten ihm wahrscheinlich nicht.

und auch im zusammenhang mit dem eigentlichen thema dieses blog, nämlich der schreibpädagogik fand sich eine schöne anfrage: „erkältung beim schreiben„. in diesem moment kann fantasiert werden, wie dies zustande kommt. es wurde draußen in der natur geschrieben und war ein wenig frisch, oder es fragt sich jemand wie man erkältung schreibt, hat dies aber schon richtig gemacht. doch dass man generell während des schreibens eine erkältung bekommen kann, erstaunte mich sehr. es wäre eine untersuchung hilfreich, die schreibende und erkältungsanfälligkeit in relation zueinander setzt.