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entschleunigung, slowdown und downshifting

die welt ist komplex. die zeit ist knapp. zeit ist geld und die kommunikation wird immer komplexer. wir menschen fühlen uns gestresst und überfordert. auch das privatleben wird inzwischen zu einer einzigen batterie an zeitmanagement-strategien. seit etlichen jahren gibt es eine gegenbewegung.

es gibt den versuch, sich die bewusste verfügung über die eigene zeit wieder anzueignen. man möchte sich, wie in „momo“ von michael ende, die zeit nicht mehr von den grauen herren stehlen lassen. man möchte wieder herr und frau der lage sein. es gibt inzwischen zeitphilosophische überlegungen und „simplify your live“-gruppen, die versuchen dem druck der beschleunigung standzuhalten. denn rasen ist eine geforderte verhaltensweise. widerstand bedeutet schon, nicht jederzeit ans telefon zu gehen oder nicht auf jede mail innerhalb von zehn minuten zu reagieren.

aber das ist leichter gesagt als getan. dabei ist der takt unseres lebens und unserer maschinen unser eigenes produkt. der natürliche rhythmus ist ein langwieriger, in unseren augen schon beinahe langsamer. wir haben in diesen rhythmus unsere tagesabläufe oder jahresplanungen gepackt und versuchen sie abzuhaken. würde uns wirklich etwas passieren, würden wir bestraft werden, wenn wir einen schritt langsamer gehen und einen termin weniger wahrnehmen?

kommt auf die lebensumstände und den job an. zeit ist inzwischen zu luxus geworden. wer geld hat, kann sich auch auszeiten leisten. wer es nicht hat, muss nach akkorden folgen.

die gegenbewegung macht sich inzwischen auch im internet bemerkbar. hier nur eine zeitphilosophische linksammlung: http://www.philosophers-today.com/whats-going-on/fachgebiet/zeit.html , wovon der interessanteste, der der „vereins zur verzögerung der zeit“ leider momentan nicht funktioniert. es ist nicht herauszufinden, woran das liegt. und ein ableger der simplify-bewegung hier: http://www.simpleliving.de/ . noch nicht ganz geklärt ist die frage, inwieweit entschleunigung und vereinfachung mit askese einhergehen müssen. warum nicht auch in saus und braus die zeit verschwenden?

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biografisches schreiben und entschleunigung

 

nach dem schreibwochenende im letzten post bietet sich jetzt noch die biografie-klausur an. wer sich seiner lebensgeschichte stellen möchte, kommt gar nicht darum herum, dies häppchenweise zu machen. denn hier ist meist recherche vonnöten. muss doch erst einmal geschaut werden, was man noch an zeitzeugnissen finden kann. oder vielleicht noch einmal seine heimat besuchen, um ein gefühl für die vergangenheit zu bekommen.

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kreatives schreiben und entschleunigung

 

es ist hektisch, überall ist es hektisch. menschen haben termine, sind an den wochenenden schon voll „ausgebucht“ und auch in den nächsten wochen wird es nicht besser. was da alles unter einen hut zu bringen ist, das glaubt keiner. selbst die kleinen laufen schon mit einem terminkalender durch die gegend um die verpflichtungen koordiniert zu bekommen. auch die freizeit scheint inzwischen gut terminiert.

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schreibpädagogik und gruppendynamik

 

da hat man sich solche mühe gegeben, die eigene schreibgruppe vorzubereiten. hat sich schöne aufgaben ausgedacht, und plötzlich signalisiert die gruppe bei der durchführung, dass sie etwas ganz anderes will und wünscht. was tun? Weiterlesen

der kater nach dem rausch

downgrading ist für viele inzwischen angesagt. wurde in höchsten dimensionen das neue medienzeitalter begrüsst, jegliche form des schreibens und der kommunikation erprobt, kehren sie sich wieder ab vom chatten, bloggen, newsrooming und surfen. ähnliches ist in bezug auf handys zu erleben. mensch möchte nicht mehr den binären verheissungen erliegen.

schön auf den punkt gebracht hat es die süddeutsche zeitung in ihrer wochenkolumne „die frage“ am 8./9. märz 2008 mit der frage: „hat uns die cebit etwas gebracht?“. die antwort fiel eindeutig aus, die sz betrachtete alte formen der kommunikation, darunter „das gute gespräch“. dabei wurde das hohe lied auf die gesicht-zu-gesicht-kommunikation gesungen. denn laut sz ist die „digitale kommunikation … häppchenkommunikation, kauderwelsch, infantile kürzelwut“. da mag etwas dran sein. und doch ist sie weltumspannende kommunikation, die in ihrer geschwindigkeit die welt eine ganze ecke kleiner macht, gleichzeitig aber auch das leben beschleunigt.

wem dies alles zu schnell geht oder wer so schnell wurde, dass er aus der kurve flog, dem sei ein literarisches produkt anempfohlen, das das slowdown oder downgraden auf den punkt bringt: „anleitung zum müßiggang“ von tom hodgkinson bei rogner & bernhard bei zweitausendeins. der autor betreibt übrigens auch eine homepage unter http://idler.co.uk/ .